Flibanserin Kein rosa Viagra, aber sexuell stimulierend

Flibanserin sollte Depressionen lindern. Als Nebenwirkung steigerte die Substanz das sexuelle Verlangen von Frauen. Nun prüft der Hersteller die Zulassung als Stimulanz.

Flibanserin könnte für jene Frauen infrage kommen, die keine Lust auf Sex haben, dies aber ändern wollen

Flibanserin könnte für jene Frauen infrage kommen, die keine Lust auf Sex haben, dies aber ändern wollen

Als "rosa Viagra" oder "Viagra für die Frau" geistert der Wirkstoff Flibanserin schon seit einiger Zeit durch das Internet. Jetzt wurden die Ergebnisse von Zulassungsstudien für Flibanserin auf einem europäischen Sexualmedizinerkongress in Lyon vorgestellt. Danach steigert der Wirkstoff tatsächlich das sexuelle Verlangen ("Libido") von Frauen. Probandinnen sprachen von einer höheren Zahl befriedigender Sexualkontakte.

Flibanserin ist jedoch nicht einfach ein "weibliches Viagra", es wirkt ganz anders. Die Substanz soll Frauen vor den Wechseljahren helfen, die unter sexuellem Desinteresse leiden. Weltweit habe fast jede zehnte Frau in diesem Lebensabschnitt damit zu kämpfen, sagte eine Sprecherin des Herstellers Boehringer Ingelheim dem Tagesspiegel. Damit ist der Unterschied zu Viagra bereits umrissen: Wer als Mann die erektionsfördernde blaue Tablette einnimmt, der "will, kann aber nicht". Eine Frau, für die Flibanserin infrage kommen könnte, "will nicht" – und hat ein Problem damit.

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Dementsprechend verschieden ist der Wirkmechanismus. Viagra steigert die Durchblutung des Penis, Flibanserin dagegen setzt an den Lustzentren im Gehirn an. Zumindest eine Gemeinsamkeit haben die Substanzen aber; wurden sie doch beide eigentlich für ganz andere Zwecke entwickelt. Viagra war zunächst als Mittel gegen Herzleiden im Gespräch, Flibanserin als Wirkstoff gegen Depressionen.

Die jetzige Haupt- war zunächst eine "Nebenwirkung". Frauen, die Flibanserin gegen Depressionen einnahmen, gaben das Mittel nach Ende der Tests nur ungern zurück. Das war einer der Gründe dafür, dass die Arzneitester auf die libidosteigernde Wirkung der Substanz aufmerksam wurden. Nach den auf dem Kongress vorgestellten Studien wurden knapp 1400 Frauen in Nordamerika über zwei Jahre entweder mit Flibanserin oder einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt.

Vor Beginn der Tests hatten die Frauen im Mittel 2,8 befriedigende Sexualkontakte im Monat. Nahmen sie Flibanserin ein, stiegen diese auf 4,5, unter Placebo immerhin auf 3,7. Der Unterschied zwischen Wirkstoff und Scheinmedikament ist jedoch statistisch bedeutsam. Auch das sexuelle Verlangen stieg deutlich an, wie Eintragungen der Frauen in einem elektronischen Tagebuch belegten.

Anders als Viagra muss Flibanserin täglich eingenommen werden. Als Nebenwirkungen wurden unter anderem Schläfrigkeit, Erschöpfung, Benommenheit und Angstgefühle registriert, nach Ansicht der Untersucher hielten sich die unerwünschten Wirkungen aber in Grenzen.

Leser-Kommentare
    • wp
    • 19.11.2009 um 11:17 Uhr

    Das Ding landet bald auf der BtmG-Liste. Wetten? Denn alles was Spaß macht versuchen uns unsere "kleinen Führer" in Legislative und Exekutive vorzuenthalten.

  1. wenn plötzlich die Frauen auch noch Lust empfinden und Spaß an der Sache hätten - warum dann noch Kapital, Luxus und Autos wenn man plötzlich mit seinem Körper befriedigen kann?

    Ich stimme zu: wird ganz sicher verboten...

  2. Wo sind die ganzen Antidepressiva-Kritiker?
    Dieses Medikament erzeugt einen Willen wo keiner ist. Das ihn die Frauen selbst wollen ist ja klar: es ist leichter sich einfach der gewollten Funktion zu unterwerfen als nach der Ursache zu suchen.
    Sex-Zombies, die Entwicklung in diese Richtung geht weiter...

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    Wo sind die ganzen Antidepressiva-Kritiker?

    Der Ursprung als "Antidepressiva" ist mir auch Sauer aufgestossen, wenn man daran denkt, was diese normalerweise so alles im Gehirn angreifen... ein Bisschen Lust gegen verändertes Persönlichkeitsbild oder abgeschwächte kognitive Leistungen eintauschen?

    Warum nicht Wechseljahresbeschwerden mit Progesteron und eventuell etwas Testosteron angehen? Achso, die sind nicht Patentrechtlich geschützt und bringen keine grosse Gewinnspanne.

    Wo sind die ganzen Antidepressiva-Kritiker?

    Der Ursprung als "Antidepressiva" ist mir auch Sauer aufgestossen, wenn man daran denkt, was diese normalerweise so alles im Gehirn angreifen... ein Bisschen Lust gegen verändertes Persönlichkeitsbild oder abgeschwächte kognitive Leistungen eintauschen?

    Warum nicht Wechseljahresbeschwerden mit Progesteron und eventuell etwas Testosteron angehen? Achso, die sind nicht Patentrechtlich geschützt und bringen keine grosse Gewinnspanne.

  3. macht mich echt wahnsinnig. Warum den Leuten nicht ihren Rausch/Verlangen/was auch immer lassen?
    Immer dieses Vater-Getue...Ich denke wenn eine Frau das will, soll sie es haben. In der Regel sind Frauen in den Wechseljahren nunmal schon etwas aelter und koennen somit meisst gut auf sich selbst aufpassen und brauchen dafuer nicht Papa-Staat, der sagt: "Ja mein Kind. Das ist nicht gut fuer dich, du bekommst das nicht."

  4. 5. Hier

    Wo sind die ganzen Antidepressiva-Kritiker?

    Der Ursprung als "Antidepressiva" ist mir auch Sauer aufgestossen, wenn man daran denkt, was diese normalerweise so alles im Gehirn angreifen... ein Bisschen Lust gegen verändertes Persönlichkeitsbild oder abgeschwächte kognitive Leistungen eintauschen?

    Warum nicht Wechseljahresbeschwerden mit Progesteron und eventuell etwas Testosteron angehen? Achso, die sind nicht Patentrechtlich geschützt und bringen keine grosse Gewinnspanne.

    Antwort auf "Einen Willen erzeugen"
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    • gwies
    • 19.11.2009 um 16:05 Uhr

    1. Wenn der Unterschied von 3,7 auf 4,5 schon statistisch relevant ist, sollte auch der Unterschied von 2,8 auf 3,7 beachtet werden, der durch die Einnahme eines wirkungslosen Mittels entsteht. Die Steigerung fällt absolut höher aus.

    2. Zudem wurde das Mittel an depressiven Frauen getestet, ein Test für nicht-depressive Personen fehlt und müsste wohl für eine andere Art der Anwendung nachgeholt werden.

    3. Wenn ein Antidepressivum Angstgefühle erzeugt, ist das wohl bedenklicher. Leider fehlen in diesem Bereicht quantifizierte Aussagen dazu.

    • keox
    • 19.11.2009 um 23:15 Uhr

    sechs bis sieben Jahre her, da prognostizierte der deutscher Pharmaforscher und -kritiker Jörg Blech genau diese Entwicklung.

    Damals fiel der Startschuß zu diesem Projekt. Argumentationslinie sowie Marketingstrategien waren bereits im Groben verfertigt.

    Ausgangspunkt war die Überlegung, daß sich der Wunsch nach Mehr nahezu beliebig manipulativ steigern läßt, der Markt also immens sein würde.

    In seinem Buch "Die Krankheitserfinder" analysiert er z.B. das Sissi-Syndrom, 'eine frauenspezifische Variante der Depression', erfunden von einer PR-Agentur, seinerzeit in aller Munde und natürlich heftigst therapiert.

    Nachforschungen ergaben, die so unheilvolle wie profitable Störung weiblicher Befindlichkeit ließ sich trotz umfänglicher internationaler Untersuchungen lediglich in Deutschland und Österreich 'nachweisen'.

    • gwies
    • 19.11.2009 um 16:05 Uhr

    1. Wenn der Unterschied von 3,7 auf 4,5 schon statistisch relevant ist, sollte auch der Unterschied von 2,8 auf 3,7 beachtet werden, der durch die Einnahme eines wirkungslosen Mittels entsteht. Die Steigerung fällt absolut höher aus.

    2. Zudem wurde das Mittel an depressiven Frauen getestet, ein Test für nicht-depressive Personen fehlt und müsste wohl für eine andere Art der Anwendung nachgeholt werden.

    3. Wenn ein Antidepressivum Angstgefühle erzeugt, ist das wohl bedenklicher. Leider fehlen in diesem Bereicht quantifizierte Aussagen dazu.

    • keox
    • 19.11.2009 um 23:15 Uhr

    sechs bis sieben Jahre her, da prognostizierte der deutscher Pharmaforscher und -kritiker Jörg Blech genau diese Entwicklung.

    Damals fiel der Startschuß zu diesem Projekt. Argumentationslinie sowie Marketingstrategien waren bereits im Groben verfertigt.

    Ausgangspunkt war die Überlegung, daß sich der Wunsch nach Mehr nahezu beliebig manipulativ steigern läßt, der Markt also immens sein würde.

    In seinem Buch "Die Krankheitserfinder" analysiert er z.B. das Sissi-Syndrom, 'eine frauenspezifische Variante der Depression', erfunden von einer PR-Agentur, seinerzeit in aller Munde und natürlich heftigst therapiert.

    Nachforschungen ergaben, die so unheilvolle wie profitable Störung weiblicher Befindlichkeit ließ sich trotz umfänglicher internationaler Untersuchungen lediglich in Deutschland und Österreich 'nachweisen'.

    • gwies
    • 19.11.2009 um 16:05 Uhr

    1. Wenn der Unterschied von 3,7 auf 4,5 schon statistisch relevant ist, sollte auch der Unterschied von 2,8 auf 3,7 beachtet werden, der durch die Einnahme eines wirkungslosen Mittels entsteht. Die Steigerung fällt absolut höher aus.

    2. Zudem wurde das Mittel an depressiven Frauen getestet, ein Test für nicht-depressive Personen fehlt und müsste wohl für eine andere Art der Anwendung nachgeholt werden.

    3. Wenn ein Antidepressivum Angstgefühle erzeugt, ist das wohl bedenklicher. Leider fehlen in diesem Bereicht quantifizierte Aussagen dazu.

    Antwort auf "Hier"
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    Den drei Kritikpunkten meines Vorredners stimme ich zu.

    Außerdem gehen Depressionen und fehlende Lust bestimmt miteinander einher.

    Alkohol macht übrigens auch "willig" und bei der richtigen Menge kann frau hinterher wohl auch in der schwammigen Erinnerung behaupten, es war ein "befriedigender Sexualkontakt".

    Den drei Kritikpunkten meines Vorredners stimme ich zu.

    Außerdem gehen Depressionen und fehlende Lust bestimmt miteinander einher.

    Alkohol macht übrigens auch "willig" und bei der richtigen Menge kann frau hinterher wohl auch in der schwammigen Erinnerung behaupten, es war ein "befriedigender Sexualkontakt".

  5. Den drei Kritikpunkten meines Vorredners stimme ich zu.

    Außerdem gehen Depressionen und fehlende Lust bestimmt miteinander einher.

    Alkohol macht übrigens auch "willig" und bei der richtigen Menge kann frau hinterher wohl auch in der schwammigen Erinnerung behaupten, es war ein "befriedigender Sexualkontakt".

    Antwort auf "Statistische Relevanz"
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    dann ist es nur eine frage der zeit, bis das pillchen abends in der disco in irgendeiner cola landet, in die es nicht reingehört.

    dann ist es nur eine frage der zeit, bis das pillchen abends in der disco in irgendeiner cola landet, in die es nicht reingehört.

  6. dann ist es nur eine frage der zeit, bis das pillchen abends in der disco in irgendeiner cola landet, in die es nicht reingehört.

    Antwort auf "Depressionen & Libido"
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    dann ist es nur eine frage der zeit, bis das pillchen abends in der disco in irgendeiner cola landet, in die es nicht reingehört.

    Nicht wirklich. Wie die meisten Psychopharmaka wird auch diese Pille erst Wochen auf steady-state brauchen bis sich die Wirkung entfaltet. Viel mehr als Sedierung auf Knopfdruck gibt es in dem Sektor nicht.

    Zudem lohnt es schlicht nicht. Es spring nicht viel mehr als Verdoppelung der Wahrscheinlichkeit irgendeines Kontakts heraus. Die typischen Rape-Drugs ala. GHB oder Rohypnol zielen vielmehr auf einen definitiven 'Erfolg' ab.

    Es wird also nur bei einer Lifestyle-Droge bleiben, wobei man sich gut überlegen sollte, ob man die Nebenwirkungen auch tatsächlich haben will. Mit mal eben einwerfen wie bei Viagra ist es nicht getan...

    dann ist es nur eine frage der zeit, bis das pillchen abends in der disco in irgendeiner cola landet, in die es nicht reingehört.

    Nicht wirklich. Wie die meisten Psychopharmaka wird auch diese Pille erst Wochen auf steady-state brauchen bis sich die Wirkung entfaltet. Viel mehr als Sedierung auf Knopfdruck gibt es in dem Sektor nicht.

    Zudem lohnt es schlicht nicht. Es spring nicht viel mehr als Verdoppelung der Wahrscheinlichkeit irgendeines Kontakts heraus. Die typischen Rape-Drugs ala. GHB oder Rohypnol zielen vielmehr auf einen definitiven 'Erfolg' ab.

    Es wird also nur bei einer Lifestyle-Droge bleiben, wobei man sich gut überlegen sollte, ob man die Nebenwirkungen auch tatsächlich haben will. Mit mal eben einwerfen wie bei Viagra ist es nicht getan...

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