Afrikanische Flüchtlinge auf Malta Sie gehen ihren Weg

Tausende Einwanderer landen jedes Jahr in Malta. Ulrike Kübler hat in den geschlossenen Einwandererzentren gearbeitet und über die Lebenswelt der Gestrandeten geforscht.

Die 26-jährige Ulrike Kübler zwischen den meist gleichaltrigen Flüchtlingen aus Afrika.

Die 26-jährige Ulrike Kübler zwischen den meist gleichaltrigen Flüchtlingen aus Afrika.

Allein in den ersten zwei Monaten dieses Jahres strandeten fast 800 Flüchtlinge auf Malta, berichtete die OrganisationÄrzte ohne Grenzen. Vergangenes Jahr waren es 2500. Welche Erfahrungen stehen hinter diesen Zahlen?

Jeder Flüchtling landet als erstes in einem der drei geschlossenen Zentren auf der Insel. Zwar wird die Ankunft der Einwanderer aus afrikanischen Staaten auf Malta nicht als Straftat betrachtet. Trotzdem bestimmt der maltesische Flüchtlings-Erlass, dass Einwanderer bis zu der Verhandlung über ihr Aufenthaltsrecht eingesperrt leben müssen.

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Einmal in der Woche hatte die junge Kulturanthropologin Ulrike Kübler für zwei Stunden Zugang zum streng verriegelten Hermes-Block. Ihre Aufgabe war es, als Lehrerin rund 30 Schülerinnen und Schüler organisatorisch und kulturell auf ihr Leben in Malta vorzubereiten. "Als ich das erste Mal ein solches Lager betrat, war ich schockiert. Der Geruch von Urin und Moder hing in den Baracken. Verriegelte Türen, Gitterstäbe."

Für die Organisation der geschlossenen Lager in Malta ist die Armee zuständig: "Auf rund hundert Einwanderer kommen drei Wachmänner", erzählt Kübler. Die Soldaten sind angespannt. Außerdem, so Kübler, seien sie nicht dafür ausgebildet mit traumatisierten Menschen umzugehen, sie überhaupt zu erkennen. Diese müssten nämlich laut Gesetz sofort aus den geschlossenen Zentren herausgeholt werden.

So wie Sarah. Sie kam eines Tages nach dem Unterricht zu ihr. Ihr Freund versuche schon seit Wochen erfolglos, auf die Besucherliste zu kommen. Nach und nach erfuhr Ulrike Kübler, dass Sarah schon in Afrika in psychologischer Behandlung war und seit Langem mit Depressionen kämpfte. Elf Jahren lang hatte ihre Reise in Richtung Europa bereits gedauert. Sarah wurde schließlich aus dem geschlossenen Zentrum entlassen.

Auch Minderjährige und schwangere Frauen dürfen von den geschlossenen in die offenen Zentren umziehen, was dazu führt, dass viele Frauen es darauf anlegen, schwanger zu werden. "Im Hermes-Block sind Männer und Frauen gemischt. Während ich dort arbeitete sind acht Frauen wegen Schwangerschaft raus gekommen", erzählt Ulrike Kübler.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es ist vielleicht sehr zynisch, aber ich bin der Meinung, man sollte die Bedingungen für die Wirtschaftsflüchtlinge keinesfalls verbessern und sie auch viel konsequenter wieder ausweisen. Diese Leute erwartet eh kein würdiges Leben in Europa, weil es die Jobs, von denen sie träumen gar nicht gibt. In Europa gibt es bereits genung Menschen, die um die immer weniger werdenden Jobs für Geringqualifizierte kämpfen. Wenn man die Wirtschaftsflüchtlinge zu sehr verhätschelt, werden sie sicher nicht in ihre Heimat zurückkehren, wo man die anpackenden, innovativen Leute (was die meisten Auswanderer sind) am meisten nötig hätte. Wesentlich fairer wäre es, die Verfahren schneller abzuwickeln, um die echten Flüchtlinge, also die, welche in ihrer Heimat wirklich Verfolgung, Folter und Tod erwartet, herauszufiltern, um denen einen Aufenthalt unter besseren Bedingungen zu ermöglichen. Den Wirtschaftsflüchtlingen wäre eher geholfen, wenn man endlich aufhören würde, so viel "Hilfsgelder" nach Afrika zu pumpen. Man hat in der Vergangenheit ja zur Genüge gesehen, dass Entwicklungshilfe oft nur zu Korruption führt und die Regierungen sich bis aufs Militär überall aus der Verantwortung stehlen. Sobald eine Regierung merkt, dass ihnen das Ausland das Schul- oder Gesundheitswesen finanziert, zieht sich der Staat dort sofort zurück - mit gravierenden Folgen.

  2. "Es ist vielleicht sehr zynisch, aber ich bin der Meinung, man sollte die Bedingungen für die Wirtschaftsflüchtlinge keinesfalls verbessern und sie auch viel konsequenter wieder ausweisen. Diese Leute erwartet eh kein würdiges Leben in Europa, weil es die Jobs, von denen sie träumen gar nicht gibt. In Europa gibt es bereits genung Menschen, die um die immer weniger werdenden Jobs für Geringqualifizierte kämpfen."

    Das ist nicht zynisch, sondern ehrlich, sowohl der hiesigen Gesellschaft als auch diesen Illegalen gegenüber, die man zum überwiegenden Teil als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen muß. Wenn diese Leute auf Grund ihrer geringen Qualifikation zum hiesigen Arbeitsmarkt nicht kompatibel sind und deswegen in den europäischen Sozialsystemen landen würden, wären sie lediglich eine Last und keine Bereicherung. Es gibt keinen Grund, sich zu den gewaltigen eigenen Probleme noch Probleme anderer Länder aufzuladen, für deren Lösung niemand als diese Länder selbst verantwortlich zeichnen.

    "Wenn man die Wirtschaftsflüchtlinge zu sehr verhätschelt, werden sie sicher nicht in ihre Heimat zurückkehren, wo man die anpackenden, innovativen Leute (was die meisten Auswanderer sind) am meisten nötig hätte."

    Vor allem geht es darum, falsche Signale zu vermeiden. Wenn es sich herumspricht, und es hat sich herumgesprochen, daß dieser illegale Weg eine Möglichkeit ist, nach Europa zu gelangen, ist das ein Anreiz für die nächsten Hunderttausenden, das gleichfalls zu versuchen.

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    "Es gibt keinen Grund, sich zu den gewaltigen eigenen Probleme noch Probleme anderer Länder aufzuladen, für deren Lösung niemand als diese Länder selbst verantwortlich zeichnen."

    naja, den kolonialismus muss ich ihnen nicht erklären. danach kam die schuldenfalle, dann der IWF, dumping-exporte aus der EU, explodierende lebensmittelpreise aufgrund von wall-street-spekulanten und jetzt die wirtschaftskrise (die in der 3. welt wirklich eine krise ist)...alleine schuld sind in afrika nicht einmal die korruptesten regierungen (ausserdem: wer winkt denn immer mit den geldbündeln?), wir haben sehr wohl mindestens 50% der verantwortung für das elend afrikas. ist doch seltsam, das es kein land dort schafft, irgendetwas weiter zu bringen.

    im übrigen: was sollen diese leute sonst tun, um ihr schicksal zu verbessern? ins mg-feuer der afrikanischen polizeikräfte laufen, um ihre regierungen zu stürzen?

    ich würde wohl selber aus solchen hoffnungslosen ländern abhauen, aber ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das überleben würde...

    "Es gibt keinen Grund, sich zu den gewaltigen eigenen Probleme noch Probleme anderer Länder aufzuladen, für deren Lösung niemand als diese Länder selbst verantwortlich zeichnen."

    naja, den kolonialismus muss ich ihnen nicht erklären. danach kam die schuldenfalle, dann der IWF, dumping-exporte aus der EU, explodierende lebensmittelpreise aufgrund von wall-street-spekulanten und jetzt die wirtschaftskrise (die in der 3. welt wirklich eine krise ist)...alleine schuld sind in afrika nicht einmal die korruptesten regierungen (ausserdem: wer winkt denn immer mit den geldbündeln?), wir haben sehr wohl mindestens 50% der verantwortung für das elend afrikas. ist doch seltsam, das es kein land dort schafft, irgendetwas weiter zu bringen.

    im übrigen: was sollen diese leute sonst tun, um ihr schicksal zu verbessern? ins mg-feuer der afrikanischen polizeikräfte laufen, um ihre regierungen zu stürzen?

    ich würde wohl selber aus solchen hoffnungslosen ländern abhauen, aber ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das überleben würde...

  3. "Es gibt keinen Grund, sich zu den gewaltigen eigenen Probleme noch Probleme anderer Länder aufzuladen, für deren Lösung niemand als diese Länder selbst verantwortlich zeichnen."

    naja, den kolonialismus muss ich ihnen nicht erklären. danach kam die schuldenfalle, dann der IWF, dumping-exporte aus der EU, explodierende lebensmittelpreise aufgrund von wall-street-spekulanten und jetzt die wirtschaftskrise (die in der 3. welt wirklich eine krise ist)...alleine schuld sind in afrika nicht einmal die korruptesten regierungen (ausserdem: wer winkt denn immer mit den geldbündeln?), wir haben sehr wohl mindestens 50% der verantwortung für das elend afrikas. ist doch seltsam, das es kein land dort schafft, irgendetwas weiter zu bringen.

    im übrigen: was sollen diese leute sonst tun, um ihr schicksal zu verbessern? ins mg-feuer der afrikanischen polizeikräfte laufen, um ihre regierungen zu stürzen?

    ich würde wohl selber aus solchen hoffnungslosen ländern abhauen, aber ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das überleben würde...

    Antwort auf "Kein Zynismus."
    • Bonov
    • 11.11.2009 um 13:21 Uhr

    ...die beiden oberen Kommentare, zynistisch ist auch die europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik. Der Grund warum Menschen ihre Heimat verlassen und in eine ganz andere Welt eintreten, beurteilen zumeist Leute, die keinen Schimmer von der Realität der Menschen - vor allem in Afrika - haben. Das Unwort "Wirtschaftsflüchtling" besagt doch aber auch dass viele Menschen - oft trotz guter Bildung, wie Hochschulreife, Studium etc. - (wird in Europa meist nicht anerkannt) in ihrer Heimat keinen Fuß auf die Erde bekommen. Die heufig desolate politische und wirtschaftliche Situation lässt das oft nicht zu. Die Änderung dieses Systems ist kein gewünschtes Ziel europäoscher Außen- und Entwicklungspolitik. Meiner Meinung nach müssten die Afrikaner, die, die mit den katastrophalen Folgen von Kolonialismus und Ausbeutung allein gelassenen wurden, in noch viel massiverer Weise die Türen Europas einrennen. Europa trägt ein hohes Maß an Verantwortung für die gegenwertige Situation in Afrika, will aber für die Menschen keine übernehmen. Das ist zynisch. Anstatt Einreisequoten zu zulassen, wie in den USA, Ihnen Bildung und Ausbildung anzubieten. Ich denke jeder hat das Recht überall auf der Welt sein Glück, sein Leben zu suchen. über 100 000 deutsche Auswanderer (auch 'Wirtschaftsflüchtlinge') im letzten Jahr schickt niemand zurück. Und wenn, würden sich alle furchtbar aufregen.

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