Brender-Streit

Sieg ohne Sieger

Roland Koch hat sich durchgesetzt: ZDF-Chefredakteur Brender muss gehen. Der Parteienverdrossenheit hat der CDU-Mann damit weiter Vorschub geleistet.

Protest gegen die Einmischung Kochs: Brender wird als ZDF-Chefredakteur abgesetzt

Protest gegen die Einmischung Kochs: Brender wird als ZDF-Chefredakteur abgesetzt

Der schwarze Block hat sich durchgesetzt. Nikolaus Brender muss als ZDF-Chefredakteur Ende März 2010 gehen. Eingängige Argumente sind von Roland Koch, dem konservativen Anführer im entscheidenden ZDF-Verwaltungsrat, nach der Sitzung am Freitag nicht überliefert worden. Wer ist nach dieser sinnfreien Attacke nicht beschädigt?

Anzeige

Intendant Markus Schächter hat mit seinem Kandidaten für den journalistischen Chefposten gleich mit verloren, Brender büßt seinen Job ein, dem ZDF kommt ein fähiger Chefredakteur abhanden, der Sender wirkt wie die Außenstelle einer Parteizentrale.

Die Politiker im ZDF-Gremium, heute die Schwarzen in der Mehrheit und morgen wieder die Roten, haben jenen, die der Parteienverdrossenheit frönen, einen echten Gefallen erwiesen. Roland Koch wird trotz und alledem zufrieden sein. Dem hessischen Ministerpräsidenten kann es in der Küche nicht heiß genug sein, er hat die gewünschte Antwort auf seine einzige Frage in der Causa Brender bekommen: Mit wem ist die Macht?

Mit Roland Koch, dem Machtpolitiker, dem Sieger. Möge schon morgen die krachende Niederlage mit ihm sein.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.11.2009)

Anzeige
Leser-Kommentare

    • 27.11.2009 um 19:18 Uhr
    • wp

    ... als die SPD ihre Leute durchgeboxt hat? Naja, von der SPD-nahen Zeit (Schmidt, Naumann etc.) kann man wohl nichts anderes erwarten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das alle anderen Parteifunktionäre das bisher so gehandhabt haben, dass es nicht öffentlich wurde - nicht so krass öffentlich. Hier hingegen hat Koch deutlich gemacht, dass das ZDF zu tun hat was ihm beliebt. So öffentlich und so selbstverständlich kann eine solche Aktion nur von einem CDU Politiker kommen - nicht von der SPD (vielleicht nur weil die sich ihrer Sache in letzter Zeit nicht sicher ist, im Gegensatz zur CDU). Noch dazu wo eigentlich die Öffentlichrechtlichen nicht unter dem Einfluss der Politik stehen sollten.

    • 27.11.2009 um 19:43 Uhr
    • KHJ

    Außer das ein paar grimmige Moderatoren (C.Kleber, M.Slomaka, P.Gerster - alle SPD) in Zukunft in die Kamera gucken werden, hat der Verwaltungsrat des ZDF demokratisch abgestimmt. Der Vertrag wurde von N.Brender nicht verlängert. Ein ganz normaler Vorgang. Beim WDR und NDR werden seit mehr als 40 Jahre nur SPD-nahe Intendanten gewählt. Auch hier ist es ganz normaler demokratischer Vorgang. Da gibt es keinen populistischen Aufstand wie bei N.Brender. Warum wohl?

    Die Sendung im ZDF "Neues aus der Anstalt" (Presseamt der SPD) ist weitgehend einfach nur langweilig. Sie ist auf dem Niveau von Musikantenstadl mit Silbereisen. "Neues aus der Anstalt" sollte besser als Dauer-Werbung-Sendung für kaputte Föhne bezeichnet werden. Mehr auch nicht.
    Eindeutig besser ist die Sendung von Oliver Welke "Die heute-Show". Lachen bis der Arzt kommt!

    KHJ aus Köln

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Also bitte!   ZapBranigan

    Welke (und das genannte Format) auch nur entfernt mit "Humor" in Verbindung zu bringen ist geradezu bizarr.
    "Neues aus der Anstalt" hingegen ein kleiner Lichtblick im tristen ZDF Programm, linke Propaganda allerdings kann man dem Zweiten auch unter Brender sicher nicht unterstellen.

    Ansonsten hoffe ich, dass dieser Vorgang etwas wachrüttelt und die Berlusconisierung gestoppt wird, egal welcher politischer Couleur, aber insbesondere durch Koch.

    • 27.11.2009 um 19:46 Uhr
    • Slink

    (bis zur kanzlerin) das ist nicht zu übersehen, auch die neue Familienministerin konnte er durchsetzen. Und der Autor hat doch völlig Recht, das ist eine weitere Steilvorlage für Politikverdrossenheit und schürt die Aversionen gegen machtgeile Klüngel- und Proporzrepresentanten.
    P.S. Übrigens, wp: Der Artikel erschien zuerst im Tagesspiegel: erst lesen, dann denken, dann nachmaulen....

  1. "Die Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit."
    Ich kann mich nicht erinnern, dass die Wahl sie dazu ermächtigt, sich selbst-ermächtigend an die Herrschaft zu putschen. Ich bin empört über den geistigen und kulturellen Zwergwuchs, der sich mit dem Allmachtsanspruch der Parteien überall wie Mehltau breitmacht. Der politischen Klasse fehlt vor allem eins: Klasse
    Das ZDF wird nun endgültig dazu verurteilt, in der Knechtschaft von Parteiklünglern zu leben. Und man fragt sich bang, wozu nur man den Sturz des SED Regimes gefeiert hat, wenn nun Herren wie Koch in Stasimanier die Sender gleichschalten und zu ihrem widerrechtlichem Eigentum machen. Das ist weder christlich noch demokratisch und vielleicht ist es an der Zeit nun auch Merkel und Koch nachdrücklich daran zu erinnern, wer das Volk ist.

    • 27.11.2009 um 19:57 Uhr
    • sofya

    Trotz seiner dunklen Vergangenheit (Stichwort CDU Spendenaffäre) konnte niemand Koch etwas anhaben. Er hat nach wie vor Macht. Diese hat er auf eine Weise, die einem Angst macht. Wie kommt es, dass dieser Mensch alle so im Griff hat?
    Ich freue mich auf die Tage, an denen Politiker wie Koch und Schäuble nicht nur als Personen, sondern auch als Gesinnung an Macht verlieren ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
      Heimweh04

    "Trotz seiner dunklen Vergangenheit .... konnte niemand Koch etwas anhaben."

    Doch, die Wähler wenn sie ihn im Angesicht dieser konsequent abgewählt hätten.
    Stattdessen gingen die Bürger lieber der unsäglichen "Lügilanti"-Rufmordkampagne auf dem Leim, die von den Medien geschürt wurde.
    Die selben Medien übrigens, die jetzt für Brender Krokodilstränen vergiessen.

  2. wie ein schmieriges, hessisches Polit-Köchlein einen aufrechten Protagonisten, geradlinigen Journalismus' in Deutschland, der nicht als willfährige Marionette einer, schon beinah tagtäglich sichtbaren politischen Beliebigkeit und Selbstherrlichkeit zu instrumentalisieren war, in geradezu Ekel erregender Weise wegsäbelt!

  3. Das diese Staatsbürokratie - die meint auch noch ein freies Medium zu sein - endlich mal in die Öffentlichkeit kommt, ist eher positiv - hoffen wir das dies nach Karlsruhe geht!

    Die öffentlich rechtlichen Medien müssten die Profigroßmedien, vor sich her treiben - diese Konkurrenz brauchen sie sogar, sonst degenerieren sie noch weiter!

    Wenn man ungefähr weiß wo der Wille des Volkes ist und wo der Wille der Medien dann weiß man auch um ihre Freiheit - Freie Medien stehen wohl wo?

  4. auf Reisen. Quer durch die selben gutbürgerlichen Meinungsmedien, die sich nicht genug damit tun konnten tagtäglich Frau XY in Hessen zu diffamieren, gar einen 'Putsch von Links' und 'Stalin am Main' herbeilügen wollten, unisono fabulieren diese Meinungsfreiheitskämpfer etwas von Parteienverdrossenheit, wenn der Gewinner ihrer Schlammschlacht sein Süppchen KOCHt.
    Nun muss die Suppe auch ausgelöffelt werden. Guten Appetit und wohl bekomm's!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
  • Von Joachim Huber.
  • Datum 27.11.2009 - 19:03 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Kommentare 28
  • Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Medien | Medienpolitik | Fernsehen
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service