Das Minarettverbot in der Schweiz hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Muslime, Vertreter der Kirchen, Politiker melden sich zu Wort. Die Schweizer Politik sieht den Ruf des Landes als weltoffener und toleranter Staat gefährdet. Nach Ansicht der Schweizer Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf ist der Ausgang der Abstimmung Ausdruck von Ängsten in der Bevölkerung vor islamisch-fundamentalistischen Strömungen. Allerdings sei im Kampf gegen Extremismus ein Minarett-Verbot kein taugliches Mittel. Das Votum des Volkes müsse die Regierung in Bern respektieren, auch wenn man über die Mehrheit für das Bauverbot enttäuscht sei.

Walter Wobmann, Präsident des Initiativkomitees für das Verbot, warf der Politik dagegen vor, den Unmut in der Bevölkerung gegen den Bau weiterer solcher Gebäude "unter dem Deckel" gehalten zu haben. "Die Schweizer wollen keine Minarette in der Schweiz", sagte er und kündigte weitere Initiativen an: Nun wolle man gegen Zwangsehen und Beschneidungen vorgehen und die Ganzkörperverschleierung von Frauen verbieten. Auch Toni Brunner, Präsident der national-populistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP), zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Dies sei eine "Absage an den politisch radikalen Islam" und signalisiere, "dass man sich bei uns an unsere Regeln zu halten hat".

Die islamischen Verbände in der Schweiz warnten vor nicht absehbaren negativen gesellschaftlichen und juristischen Auswirkungen. Sie bedauerten das Ergebnis der Volksabstimmung und warfen den Befürwortern des Bauverbotes vor, mit Gerüchten und Halbwahrheiten sowie Schreckensbildern aus dem Ausland ungerechtfertigte Ängste vor dem Islam mobilisiert zu haben.

Auch die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche befürchten, dass die Abstimmung den gesellschaftlichen Zusammenhalt belasten und die Integration der Muslime erschweren werde. Religiöse Minderheiten müssten künftig mit Ungleichbehandlung rechnen. Für Walter Müller, Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz, ist das Ja "ein Hindernis auf dem Weg der gegenseitigen Integration und des interreligiösen Dialogs".

Wenig Freude an dem Verbot hat auch die Schweizer Wirtschaft. Der Präsident des Wirtschafts-Dachverbandes Economiesuisse, Gerold Bührer, wollte nicht ausschließen, dass es in einigen islamischen Ländern zu Boykottaufrufen gegen die Schweiz kommen könnte. Auf jeden Fall, so der Arbeitgeberverband, sei der Ruf der Schweiz als offenes und tolerantes Land beschädigt. Das Verbot sei antiliberal und unschweizerisch.

Auch in Deutschland gibt es Enttäuschung über das Referendum der Schweizer. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, bedauerte das Ergebnis: "Es zeigt sich, dass die europäischen Gesellschaften noch nicht ganz reif sind für die Zuwanderung und für die Einwanderung". Demgegenüber warnte der Zentralrat der Ex-Muslime vor einer Überbewertung. "Das Nein zu Minaretten ist eigentlich ein Signal gegen Islamismus, Scharia und Kopftuchzwang. Das Minarett steht da nur als Symbol für eine begründete Furcht vor dem politischen Islam", sagte Zentralratsvorsitzende Mina Ahadi. Es sei gut, dass die Schweizer Bürger in diese Entwicklung eingegriffen haben und deutlich Nein gesagt hätten.

Für den Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach, ist das Ergebnis der Volksabstimmung Ausdruck einer auch in Deutschland weit verbreiteten Angst vor der Islamisierung der Gesellschaft. "Diese Sorge muss man ernst nehmen." Eine Tabuisierung würde den Zulauf für diese Kräfte nur verstärken. Der CDU-Innenpolitiker plädierte für eine offensive Debatte, wenn solche Projekte anstehen sollten. Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy bezeichnete die Entscheidung der Schweizer als sehr problematisch. Wer Religionsfreiheit garantiere, müsse den Anhängern verschiedener Religionen auch die Möglichkeit geben, Gotteshäuser zu bauen. Eine Entscheidung wie in der Schweiz wäre mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

Am Sonntag hatten sich in einer Volksabstimmung 58 Prozent der Wähler dafür entschieden, den Bau von Minaretten künftig zu verbieten. Allerdings ist noch nicht sicher, ob das Verbot tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden kann. Bereits im Vorfeld der Abstimmung hatten Regierung und Religionsgemeinschaften darauf hingewiesen, dass das Verbot höchstwahrscheinlich gegen die Europäische Menschenrechtskonvention wie auch gegen UN-Abkommen verstoße, die für die Schweiz bindend seien. Um das endgültig festzustellen, müsste es aber zu einer Klage kommen.