Brandinferno in russischem Nachtclub "Ich bin nur noch gelaufen"

Eine Disco wurde zur Feuerhölle: Bei dem Brand in der sibirischen Stadt Perm sterben mehr als 100 Menschen. Auslöser waren ein Feuerwerk - und Behördenschlamperei.

Verzweifelte Angehörige nach dem Großbrand in dem Nachtclub. Viele suchten vergebens nach Überlebenden

Verzweifelte Angehörige nach dem Großbrand in dem Nachtclub. Viele suchten vergebens nach Überlebenden

Statt zum Freudenfest wurde die Betriebsfeier zum achtjährigen Bestehen des Nachtclubs "Lahmendes Pferd" für die rund 250 Gäste zum todbringen Grauen. Mindestens 112 Menschen starben, als das Lokal in der Nacht zum Samstag urplötzlich in Flammen aufging. Viele wurden bei der panischen Flucht dzu Tode getrampelt, andere erstickten oder verbrannten. Etwa 130 Menschen erlitten schwere Verletzungen.

Die Flammen wurden nach ersten Ermittlungen vom Funkenflug einiger Zimmerfontänen entfacht und verwandelten den Raum binnen Minuten in einen Feuerball. Das Video eines Gastes zeigte, wie Menschen im dichten Rauch um ihr Leben kämpften. Sichtbar schockierte Überlebende schilderten Momente wie aus einem Horrorfilm.

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«Brennendes Plastik tropfte von der Decke auf meine Haut, ich bin nur noch gelaufen», sagte Denis Michailow. Er sei mit einem Freund zu der Feier gekommen. «Ich kann ihn nicht finden, er muss unter den Toten sein.»

Am Unglücksort spielten sich grauenhafte Szenen ab. Während die Feuerwehr den Brand löschte, trugen Rettungskräfte immer mehr Leichen ins Freie. Im Abblendlicht der Löschfahrzeuge lagen bald dutzende Körper auf der Straße im Schneematsch. Weinen und Schreie waren auf Amateuraufnahmen zu hören. «Es kommen immer mehr Menschen, die ihre Bekannten suchen», sagte ein Feuerwehrmann mit Tränen in den Augen. «So viele junge Leute.»

Kurz vor der Katastrophe gegen 2.00 Uhr Ortszeit hatte eine Rock`n`Roll-Tanzgruppe die Gäste mit dem Queen-Klassiker «We Will Rock You» unterhalten. Als die mit Reisig verhängte Decke Feuer fing, sagte der Moderator salopp: «Meine Damen und Herren, wir brennen. Wir verlassen den Saal.»

Nach Angaben der Ermittler führte aber nur eine schmale Tür und dahinter eine enge Wendeltreppe ins Freie – für viele Gäste sei der Nachtclub deshalb zur Todesfalle geworden. «Der Qualm war so dicht, man konnte nicht mehr atmen», sagte Juri Tschernow.

In den Krankenhäusern der Millionenstadt rund 1400 Kilometer östlich von Moskau suchten Eltern am Samstag verzweifelt nach ihren Kindern, die am Vorabend in dem Lokal zu Gast waren. «Sein Mobiltelefon klingelt, aber er hebt nicht ab», sagte Jekaterina Jurjewa über ihren vermissten Sohn Dmitri.

Laut Zivilschutzminister Sergej Schoigu werden mehr als 50 Verletzte künstlich beatmet. «Wir sind nicht überzeugt, dass alle Patienten überleben werden. Einige von ihnen haben 80 Prozent verbrannte Körperoberfläche.» Die Kliniken der Stadt riefen die Bevölkerung zu Blutspenden auf - und hätten weitere Leichensäcke bestellt, berichtete das Staatsfernsehen. «Das ist ein schrecklicher Schlag für Russland.» Viele Verletzte mit schwersten Brandwunden haben nur geringe Überlebenschancen. Viele meist junge Menschen seien durch die Wunden ihr Leben lang gezeichnet.

Die Medien rätselten am Tag nach der Katastrophe auch, wie der Betreiber die Erlaubnis für den Nachtclub behalten konnte. Der Mann sei bereits zweimal wegen schwerer Verstöße aufgefallen, jedoch nur mit Bußgeldern bis zu umgerechnet 50 Euro bestraft worden, sagte Schoigu.

In Diskussionsforen im Internet schrieben Teilnehmer von angeblich engen Beziehungen zur Lokalpolitik in Perm. Präsident Dmitri Medwedjew kritisierte mit überraschender Offenheit, solche Lokalbesitzer hätten «weder Verstand noch Gewissen». Er forderte eine harte Bestrafung der Verantwortlichen und ordnete Staatstrauer an.

Bundespräsident Horst Köhler sowie die Stadt Duisburg, Perms deutsche Partnerstadt, kondolierten der russischen Führung. «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung», heißt es in einem in Berlin veröffentlichten Beileidsschreiben von Köhler. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Perm bot Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) Hilfe an.

Parlamentspräsident Boris Gryslow kündigte an, eine Gesetzänderung in die Duma einbringen zu wollen. Nachtclubs wie das Lokal in Perm müssten künftig mit mehr Notausgängen und mit schwer entflammbarem Material besser gegen Brände gewappnet sein, sagte Gryslow am Sonntag in Moskau. Innenminister Raschid Nurgalijew kündigte Razzien auf Wochenmärkten in Russland an, um illegale Feuerwerkskörper aus dem Verkehr zu ziehen.

In Russland kommen bei Bränden immer wieder viele Menschen ums Leben, da oft elementare Sicherheitsregeln missachtet werden. Nach Angaben Moskauer Medien sterben jedes Jahr mehr als 17.000 Menschen in dem Riesenreich bei Feuerkatastrophen. Am Sonntag kam bei einem Wohnungsbrand in Jekaterinburg eine fünfköpfige Familie ums Leben.

Unmittelbar nach dem Unglück in Perm hatten die Behörden zunächst von einer Explosion als Ursache gesprochen. Die Ermittler schlossen ein Attentat jedoch aus. Erst vor gut einer Woche war in Russland ein Bombenanschlag mit mindestens 26 Toten auf den Schnellzug Moskau- St. Petersburg verübt worden. Zu der Bluttat bekannten sich islamistische Extremisten aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus.

 
Leser-Kommentare
  1. .... da scheint ja die Luzi abzugehen.

    Egal ob Kannibalen, Discobrände oder Muslime ermordende Deutschrussen, Perm hat alles.

    Wie kommt es? Was hat Perm so besonderes, dass dort nur Mord und Totschlag her stammt? Ist es die Position innerhalb Russlands, sprich am Hintern der Welt?

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    • medwed
    • 06.12.2009 um 18:56 Uhr

    ...weil Ihr Wissen aus ein paar Schlagzeilen aus der Westpresse besteht, Sie aber sonst offensichtlich nicht die geringste Ahnung über diese Stadt haben.

    • medwed
    • 06.12.2009 um 18:56 Uhr

    ...weil Ihr Wissen aus ein paar Schlagzeilen aus der Westpresse besteht, Sie aber sonst offensichtlich nicht die geringste Ahnung über diese Stadt haben.

    • medwed
    • 06.12.2009 um 18:56 Uhr

    ...weil Ihr Wissen aus ein paar Schlagzeilen aus der Westpresse besteht, Sie aber sonst offensichtlich nicht die geringste Ahnung über diese Stadt haben.

    Antwort auf "Perm....."
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    das haben sie gut erkannt, mein herr!

    applaus!

    das haben sie gut erkannt, mein herr!

    applaus!

  2. 3.

    das haben sie gut erkannt, mein herr!

    applaus!

  3. da bin ich manchmal wirklich froh über Deutschlands Kontrollwut bei technischen Sicherheitsfragen....

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