Wintereinbruch Reisende saßen im Eurotunnel fest
Eisige Temperaturen haben am Samstag den Zugverkehr unter dem Ärmelkanal lahmgelegt. Rund 2500 Eurostar-Passagiere mussten stundenlang im Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich ausharren.
© Carl Court/AFP/Getty Images

Viele Passagiere warteten auf den Eurostar – wir hier am Londoner Bahnhof St. Pancras
Nach einer Pannenserie beim Eurostar sind 2500 Passagiere im Tunnel unter dem Ärmelkanal liegengeblieben. Vier Züge steckten fest, weil Temperaturunterschiede zwischen dem Frost draußen und dem wärmeren Tunnel technische Probleme verursacht hätten, sagte eine Eurostar-Sprecherin. Verärgerte Reisende berichteten, sie hätten im Tunnel ohne Strom, Klimaanlage, Lebensmittel und Wasser ausharren müssen. "Es war ein einziger Alptraum", sagte Lee Godfree, der mit seiner Familie von einem Besuch in Disneyland Paris nach Großbritannien zurückkehrte, dem britischen Sender BBC.
- Die Verbindung
Der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal ist zu einer wichtigen Verkehrsverbindung zwischen dem europäischen Festland und Großbritannien geworden. Rund sieben Millionen Menschen nutzen jährlich den Tunnel für die Fahrt von Calais in Frankreich ins englische Folkestone. Der 50,3 Kilometer lange Tunnel besteht aus drei Röhren, die in bis zu 45 Metern Tiefe unter dem Boden des Ärmelkanals verlaufen.
- Drei Röhren
Durch die beiden äußeren Röhren mit einem Durchmesser von 7,6 Metern verläuft jeweils ein Gleis. Dazwischen befindet sich als dritte Röhre ein Sicherheitstunnel mit 4,8 Metern Durchmesser und einer Fahrbahn für Rettungsfahrzeuge. Alle 375 Meter gibt es Querverbindungen. Durch diesen dritten Tunnel können Retter bei Pannen zu den Zügen vorstoßen und Menschen in Sicherheit bringen. Kontrollzentren an jedem Ende überwachen den Tunnel; Sensoren, Kameras und Bildschirme liefern Informationen. Wenn ein Zug im Tunnel liegenbleibt, werden nachfolgende Züge automatisch gestoppt. Sie können im Rückwärtsgang die Röhren verlassen. Für Notfälle stehen Dieselloks bereit.
- Auto- und Zugverkehr
Neben dem Passagierschnellzug Eurostar, der den Pariser Gare du Nord und den Brüsseler Gare du Midi mit dem Londoner Bahnhof St. Pancras verbindet, verkehren durch den Tunnel Shuttles für Busse und Autos sowie Fracht-Shuttles für Lastwagen und Frachtzüge mit herkömmlicher Schienenfracht.
"Unsere Kinder haben auf dem Boden geschlafen, ihnen war schlecht und es gab nur eine Toilette", sagte Godfree dem britischen Rundfunk weiter. "Menschen fielen in Ohnmacht, es war die Hölle." Wie andere Reisende auch warf er der Eurostar-Besatzung vor, den Passagieren nicht ausreichend geholfen zu haben. So hätten sie allein aus dem defekten Zug aussteigen und im Dunkeln durch den Tunnel laufen müssen.
Nachdem schon am Samstag alle Züge gestrichen worden waren, sollen die Eurostars auch am Sonntag stillstehen. Angesichts des anhaltenden Winterwetters in Frankreich wolle Eurostar Testfahrten durch den Tunnel unternehmen, um die technischen Probleme weiter zu untersuchen, teilte das Unternehmen mit. Auch von den drei geplanten Sonderzügen, die am Samstagabend vor allem gestrandete ältere Leute und Familien mit Kindern wieder nach Hause bringen sollten, konnte nur einer seine Reise antreten.
Der Temperaturunterschied zwischen der eisigen, trockenen Luft im Norden Frankreichs und dem deutlich wärmeren und feuchteren Tunnel, legte die Elektrik der Lokomotiven lahm. "Es ist sehr kalt draußen, aber im Tunnel sind es 25 Grad und es gibt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das ist, als ob sie eine Bierflasche aus dem Kühlschrank in einen warmen Raum bringen, da entsteht viel Kondenswasser", erklärte Eurostar-Chef Richard Brown. Er versprach, die Betroffenen mit 150 Pfund (170 Euro) sowie einem Freiticket zu entschädigen und ihnen den Reisepreis zu erstatten.
- Datum 20.12.2009 - 09:45 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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