Das war 2009 Die Verlierer des Jahres

Sie haben Wahlen verloren, auf der Trainerbank versagt, riskante Geschäfte abgeschlossen, die nicht aufgingen: Leute, für die das Jahr alles andere als ein Erfolg war.

Frank-Walter Steinmeier

Er versuchte, aus einer hoffnungslosen Position noch das Beste zu machen. Doch gegen Angela Merkel hatte ihr Vize und Außenminister als SPD-Kanzlerkandidat keine Chance. Erschwerend kam für ihn hinzu, dass er als Miterfinder der ungeliebten Schröderschen Reformen in den eigenen Reihen viele Gegner hatte. So landete der Ostwestfale mit der SPD zur Bundestagswahl bei demütigenden 23 Prozent. Dennoch konnte er sich noch am Wahlabend zumindest das Amt des Fraktionsvorsitzenden und Oppositionsführers im Bundestag sichern. Nach diplomatischen Höhen hat er nun die undankbare Rolle als zweiter Mann in der Partei hinter dem neuen Parteichef Sigmar Gabriel.

Franz Müntefering

Für den Sauerländer nahm seine zweite Amtszeit als SPD-Chef ein bitteres Ende. Ein Jahr nachdem er seinen Rivalen Kurt Beck nach dem Putsch vom Schwielow-See verdrängt hatte, führte er die Sozialdemokraten in ihre schlimmste Niederlage. Aus dem Comeback des alten Parteisoldaten wurde ein Debakel. Selbst sein Versuch, wenigstens noch den Übergang an der Parteispitze zu gestalten, scheiterte kläglich. Ein kleiner Kreis nahm ihm die Aufgabe ab und kürte Sigmar Gabriel zum Nachfolger. Müntefering blieb ein schmählicher Abgang.

Dieter Althaus

Kann ein Politiker Ministerpräsident bleiben, der bei einem Skiunfall den Tod einer Frau verursacht hat? Diese Frage beschäftigte in diesem Jahr die Öffentlichkeit. Doch Dieter Althaus, der bei dem Unfall am Neujahrstag selber einer schwere Kopfverletzung erlitt und mit einem milden Urteil eines österreichischen Gerichts für die tödliche Kollision davon kam, hielt an seinem Amt als Thüringer Regierungschef und CDU-Spitzenkandidat fest. Bei der Landtagswahl stürzte die bis dahin allein regierende CDU jedoch Ende August um fast zwölf Prozentpunkte ab, die Partei drängte Althaus zum raschen Rücktritt.

Gesine Schwan

Die Politik-Professorin focht zum zweiten Mal um das Amt des Bundespräsidenten gegen Horst Köhler und für einen anderen Politikstil. Doch anders als vor fünf Jahren konnte die SPD-Kandidatin, die von der eigenen Parteiführung nur halbherzig unterstützt wurde, diesmal wenig Aufmerksamkeit erzeugen. Ihr Eintreten gegen die Übermacht der Wirtschaft verfing nicht mehr, da dies in der Finanz- und Wirtschaftskrise fast zum Allgemeingut geworden ist, und die Linkspartei, auf deren Stimmen sie angewiesen gewesen wäre, hatte sie früh verprellt. In der Bundesversammlung unterlag Schwan dem Amtsinhaber dann auch schon im ersten Wahlgang.

Klaus Franz

Der Opel-Betriebsratschef kämpfte monatelang für die Herauslösung des kriselnden deutschen Autobauers aus dem amerikanischen Mutterkonzern General Motors. Die deutsche Politik konnte Franz mit seinem unermüdlichen Einsatz von dem Plan überzeugen, Opel an den austro-kanadischen Zulieferer Magna zu verkaufen und das Überleben des Unternehmens mit Milliarden-Krediten zu sichern. Doch als schon alles klar schien, machte GM einen Rückzieher und entschied Anfang November, die deutsche Tochter doch selbst zu behalten. Immerhin sicherte der neue GM-Europachef Reilly zu, alle vier deutschen Opel-Standorte zu erhalten. Aber rund 10.000 Beschäftigte werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

Nikolaus Brender

So hatte sich Roland Koch das sicher nicht vorgestellt. Als er in seiner Rolle als stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats im Februar ankündigte, den Vertrag des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender nicht zu verlängern, erlebte dieser eine Unterstützung unter renommierten Journalisten, Publizisten und Politikern in Deutschland, wie es sie selten gab. Es wurde sogar gefordert, dass die Causa Brender vor dem Verfassungsbericht verhandelt werde, so stark sahen die Kritiker Kochs und der CDU die Pressefreiheit durch politische Einflussnahme gefährdet.

Ralf Stegner

Ein notorischer Stänkerer sei er, das behauptet die schleswig-holsteinische CDU. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für einen SPD-Landeschef. Sein Problem war nur, dass sich in seiner eigenen Partei ein ähnlicher Eindruck hielt: Stegner gönne der Kieler Großen Koalition nicht den kleinsten Erfolg. Immer wieder stellte er mühsam errungene Kompromisse infrage. Genau diesen schlechten Eindruck Stegners kalkulierte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ein, als er im Sommer einen Vorwand nutzte, um das Bündnis vorzeitig zu beenden. Der Vorwurf: Der SPD-Chef trage den vereinbarten Millionenboni für den Chef der Landesbank HSH nicht mit. Allerdings gab es gar keine entsprechende Vereinbarung, wie Stegner zu Recht beteuerte. Nur: Ihm glaubte keiner mehr. Die Wähler, vom Koalitionsstreit genervt, straften am Ende beide ab. Carstensen blieb dennoch Regierungschef. Stegner kämpft um seinen Einfluss als Oppositionschef.

Hartmut Mehdorn

Es war am 30. März 2009. In einem Hotel in Berlin verkündete Hartmut Mehdorn seinen Rücktritt nach zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bahn. Abermals verteidigte er seine Rolle in der Datenaffäre und sprach von "Vorverurteilungen, Verdächtigungen und Spekulationen". Die Vorwürfe gegen Mehdorn und die Bahn waren zu diesem Zeitpunkt gravierend: Das Unternehmen hatte 2002 und 2003 sämtliche Mitarbeiter durchleuchten lassen, um herauszufinden, ob diese das Unternehmen bestohlen oder sich bei der Auftragsvergabe bereichert hatten. Mehdorn bestritt bis zuletzt, davon gewusst zu haben. Zu seinem Abschied sagte er: "Meine fast zehn Jahre bei der Bahn waren eine tolle Zeit. Manchmal ein wenig verrückt. Immer aufregend." Auf Mehdorn folgte der Daimler-Manager Rüdiger Grube.

Franz Josef Jung

Kein Bundesminister hatte je eine kürzere Amtszeit. Nach nur vier Wochen musste der Arbeitsminister gehen – und war gleichzeitig der erste Arbeitsminister, der wegen Pannen im Verteidigungsressort den Hut nehmen musste. Manche Politiker lesen zu viele Akten (Edmund Stoiber) – manche lesen selbst die wichtigsten Papiere nicht (Feldjägerbericht).

Georg Klein

Bis zum 4. September, bis zur Bombardierung von zwei Tanklastern, galt Georg Klein als deutscher Vorzeigeoffizier. Er schien ein sicherer Kandidat für die Beförderung zum General zu sein. Der Oberst kommandierte das Wiederaufbauteam für die Region Kundus. Er galt als ruhig und besonnen und erhielt wohl auch deswegen das schwerste Kommando, dass die Bundeswehr zu vergeben hat. Nun prüft die Generalbundesanwaltschaft, ob Klein sich wegen Kriegsverbrechen verantworten muss und ein Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit dem Luftschlag.

Claudia Pechstein

Claudia Pechstein hat mit Epo gedopt. Zu diesem Schluss kam der Internationale Sportgerichtshof CAS in seinem Urteil. Doping ist "die einzige begründete Erklärung für solche abnormen Blutwerte" hieß es in der Begründung. Pechstein beteuerte ihre Unschuld und beauftragte Fachleute zu beweisen, dass ihre schwankenden Blutwerte natürlich zustande kamen. In ihrer Karriere gewann sie bei olympischen Spielen und Weltmeisterschaften mehrfach die Goldmedaille. Dennoch wird Pechstein wohl eher als Betrügerin in die Geschichtsbücher eingehen, denn als erfolgreiche Sportlerin.

Mahmud Ahmadineschad

Schon bald nach seiner ersten Wahl zum iranischen Präsidenten 2005 galt Mahmud Ahmadineschad international als der ultimative Bösewicht. Er drohte dem Westen, wo er nur konnte, trieb das  Atomprogramm voran, bezweifelte den Holocaust und das Existenzrecht Israels. Spätestens die Präsidentschaftswahl im Juni aber machten Ahmadineschad auch zum Gegner eines großen Teil seines eigenen Volkes. Hunderttausende gingen aus Protest gegen die Wahlfälschung auf die Straßen. Trotz Zensur und Polizeiterror gelang es der "grünen Bewegung" lange, den Protest aufrechtzuerhalten.

Jean Sarkozy

Er hat einen mächtigen Vater, eine liebreizende Schwiegermutter und ein smartes Auftreten. Doch das alles reichte nicht, um Jean Sarkozy zum Vorsitzenden von La Defense zu machen, einem der größten Geschäftszentren Europas. Die Opposition kritisierte, Sarkozy Junior nutze den Einfluss seines Präsidentenvaters für die eigene Karriere und tadelte die Vetternwirtschaft. Am Ende blieb ihm nur der Verzicht. Nun bleibt dem 23-Jährigen wenigsten mehr Zeit, um sein Studium an der Universität Paris zu beenden.

Radovan Karadžić

Er ist in elf Punkten wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen angeklagt: Radovan Karadžić, ehemaliger Führer der bosnischen Serben, soll persönlich für die Vertreibung und Ermordung Zehntausender Muslime und Kroaten während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 verantwortlich sein. Seit Oktober 2009 steht er in Den Haag vor dem Bosnien-Tribunal der UN, wo der 64-Jährige nun versucht, den Prozess durch zahlreiche Anträge zu verzögern und zu verhindern. Seine letzte Volte war der Versuch, die Legitimation des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien infrage zu stellen. Sein Antrag wurde abgewiesen, er muss sich weiter vor dem Gericht verantworten. Alles Taktieren half nicht.

Madeleine Schickedanz

Womöglich hat Madeleine Schickedanz das Interview bereut, das sie Mitte Juli der Bild am Sonntag gab: Darin schilderte die 65-Jährige ihren persönlichen Abstieg – von der Erbin des milliardenschweren Quellevermögens zu einer fast mittellosen Frau, die im Monate von 500 bis 600 Euro lebt und beim Discounter einkauft. Statt Mitleid erntete sie für das Gespräch viel Spott. Man glaubte ihr nicht. Dabei erging es ihr wirklich nicht gut. Ihr Aktienpaket, einst drei Milliarden Euro wert, verlor mit dem Niedergang von Arcandor rapide an Wert. Im Sommer war es nach ihrem eigenen Bekunden nur noch 27 Millionen wert. Zu wenig, um alle Schulden zu begleichen, die die einstige Milliardärin gemacht hatte.

Hamid Karsai

Hamid Karsai hat in seiner Zeit als afghanischer Präsident einen langen Weg des politischen und moralischen Niedergangs zurückgelegt. 2001 als Hoffnungsträger installiert, sah er sich schon bald der Kritik seiner Landsleute und des Westens ausgesetzt: Viel zu wenig tat er  gegen die Armut der Menschen, den Opiumanbau und renitente Warlords. Und er ließ zu, dass Afghanistan zu einem der korruptesten Länder der Welt wurde. Den Tiefpunkt aber erreichte Karsais Ansehen mit der Präsidentschaftswahl im August, die er nur Dank Manipulationen im großen Stil gewann. Die internationale Gemeinschaft ließ es geschehen.

Wendelin Wiedeking

Es war ein riskantes Unterfangen, mit dem Wendelin Wiedeking im Juli endgültig scheiterte. Gemeinsam mit seinem Finanzchef Holger Härter hatte der Porsche-Chef versucht, die Macht bei Volkswagen übernehmen. Fast hätte es sogar geklappt – wären da nicht der Widerstand der Politik und die Finanzkrise gewesen. Am Ende musste Wiedeking abtreten, um den Weg frei zu machen für eine gemeinsame Zukunft von Volkswagen und Porsche. Mitte Juli zeigte er sich ein letztes Mal den Mitarbeitern in Stuttgart. 50 Millionen Euro Abfindung erhielt Wiedeking für seinen Abgang, die Hälfte der Summe spendete er an gemeinnützige Stiftungen.

Jürgen Klinsmann

Der frühere Teamchef der Nationalmannschaft, der seine Mannschaft während der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land immerhin bis auf Platz drei führte, war vom FC Bayern München mit viel Pomp geholt worden. Doch seine Vorstellungen eines anderen, schnellen und offensiven Fußballs konnte er dort nicht umsetzen, gegen die Skepsis vor allem von Manager Uli Hoeneß und gegen die wachsende Kritik in den Medien. Am Ende trennte sich der Verein nach weniger als einer Spielzeit von ihm. Klinsmanns Traum, auch als Bundesligatrainer zu glänzen, ist vorerst gescheitert.

 
Leser-Kommentare
  1. Diese sogenannten Verlierer fallen alle in gemachte Betten aus Rosen, bildlich gesprochen.

    Die wirklichen Verlierer sind diejenigen, die aufgrund der Machenschaften Dritter Leben, Gesundheit oder finanzielle Existenz eingebüßt haben.

    Die übertriebene Beachtung, die die sogenannten Eliten mit ihren Wehwehchen erfahren, ist einer der häßlichen Aspekte der "repräsentativen Demokratie".

  2. siehe http://www.spiegel.de/wir.... Wenn das wahr ist, kommt der Staatsanwalt. Welch ein Niedergang!

  3. ...gehört nicht in diese Liste. Der FC Bayern aber schon :-)

  4. Genau solch Kommentar wollte ich gerade... und da les ich ihn auch schon. Er hat Recht. Wieso schaut die Journaille immer nach oben (man könnte das auch drastischer ausdrücken) auf die Bühne, wie die Fans zu ihrer Teenieband?
    --->
    "Diese sogenannten Verlierer fallen alle in gemachte Betten aus Rosen, bildlich gesprochen.
    Die wirklichen Verlierer sind diejenigen, die aufgrund der Machenschaften Dritter Leben, Gesundheit oder finanzielle Existenz eingebüßt haben."

  5. 5.

    Verlierer des Jahres, wie ergreifend.
    Der Pranger ist leider immer noch nicht
    aus der Mode geraten.

  6. Aber Hallo, liebe Mit-Leut

    Johannes Rau sagte mal:
    "Minderheiten müssen sich Mehrheiten beschaffen."

    Ich komme dagegen zur Überzeugung, daß sich eine Minderheit mit vereinten Kräften und ihr gebotenen Cleverns, auch Intelligenz etc. schon lange "dieses System" unter den Nagel gerissen hat.

    Deshalb sage ich seit dieser Erkenntnis:
    "Mehrheiten müssen sich organisieren."
    für das, was wirklich wichtig und richtig ist.

    Wo sind aber die Leute, die das als richtig Erkannte auch umsetzen können.
    Siehe Klimagipfel in Kopenhagen - außer Spesen fast nix gewesen.

    Da gibt es einen der sagte und ich schrieb es dem Rudolf Scharping in meinem Schreiben vom 27.07.1996 ins Stammbuch.
    Ich habe mich damals für die Integration derer, die sich daran machten, sich in der PDS zu organisieren, in die SPD stark gemacht - derer freilich, die sich nicht wesentlich vergangen hatten.

    „Was unterscheidet einen Manager von einer Führungskraft?
    Antwort:
    „Der Manager macht die Dinge richtig, die Führungskraft macht die richtigen Dinge.“
    Innovision – Führungsseminar Juni 1990
    wiederentdeckt Juni 1996
    Ich glaube, daß wir für die Bewältigung der vor uns liegenden Aufgaben Menschen brauchen, die die richtigen Dinge richtig machen. Daß sie sich zumindest die richtigen Berater um sich scharen, wohl wissend, daß niemand allwissend und ein Alleskönner ist, sein kann, daß die Summe der Einzelheiten mehr als das Ganze ist.

  7. Wieso der moralische Gewinner Brenda in Ihre Liste geraten ist und nicht der taktische Verlierer Roland Koch, bleibt das Geheimnis der ZEIT.

  8. [Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]! Dieser Mann veriednt, wie jeder Mensch, einen fairen prozess, und den bekommt er nicht. Stattdessen muss er sich verteidigen ohne sich vorbereiten zu können. ohne sein einverständniss werden dann gerichtstermine angestzt in denne unmöglich die verteidigung aufgebaut werden kann, um ihm dann vorzuwerfen, er boykotiere dieses Gericht aus Taktischen Gründen. Ist das die Möglichkeit? Wie kann man soe verlogen udn falsch berichten? Dieser Prozess ist eifnach widerlich, selbst wenn Radovan Karadžić tatsächlich schuldig gesprochen wird, und tatsächlich die Taten begannen hat, muss er bis zu diesem Urteilspruch fair und gerecht behandelt werden, so wie es in einem rechtstaat sein muss!
    W-i-d-e-r-l-i-c-h!

    http://www.jungewelt.de/2...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service