Fünf Jahre nach dem Tsunami Normalität erscheint unmöglichSeite 2/2

Mit finanzieller Unterstützung von Hilfsorganisationen konnte Rasyidah mit ihren Frauen die Idee in die Tat umsetzen, sich eine Backstube einrichten und die nötigen Zutaten besorgen. An drei Tagen in der Woche treffen sich die insgesamt 14 Frauen. Am ersten Tag backen sie gemeinsam, am zweiten verkaufen sie die Plätzchen auf lokalen Märkten und liefern Bestellungen an Gemeinden aus und am dritten Tag stocken sie ihre Vorräte wieder auf. Mittlerweile stehen die Frauen der Keks-Kooperative auf eigenen Beinen und verdienen 750.000 Rupien im Monat, umgerechnet 50 Euro. Ihre Einnahmen teilen sie untereinander und steuern so ein wenig zum Lebensunterhalt ihrer Familien bei. Jedoch ist bei fast allen Frauen die Familie seit dem Tsunami nicht mehr komplett. Viele Keksbäckerinnen sind verwitwet.

Daher bedeutet den Frauen ihr Treffen viel mehr als nur gemeinsames Kekse backen. "Wenn wir hier zusammensitzen und backen, reden wir natürlich über den Tsunami und unsere eigenen Schicksale und Erfahrungen – auch noch fünf Jahre danach. Wir können uns über unser Trauma und unseren Schmerz mit den anderen austauschen."

Seitdem sich die 14 Frauen der Kooperative selbstständig gemacht haben und ihr kleines Unternehmen managen, hat sich auch ihr Selbstbewusstsein in der streng muslimischen Gesellschaft Acehs verändert. "Vor dem Tsunami", erinnert sich Rasyidah, "waren die Frauen nicht in der Lage, vor einer Gruppe zu sprechen und ihre Meinung zu vertreten. Aber jetzt sind wir mutiger, haben Selbstvertrauen und viel mehr Kraft als vor dem Tsunami."

 
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