Laura Dekker 14-jährige Solo-Seglerin soll ins Heim

Sie wollte die jüngste Allein-Umseglerin der Welt werden. Ihr Versuch auszureißen, scheiterte in der Karibik. Nun könnte Laura Dekker im Kinderheim landen.

Die 14-jährige, verhinderte Weltumseglern ist von der niederländischen Karibikinsel Sint Maarten nach Holland zurückgekehrt. Sie wurde auf dem Amsterdamer Airport Schiphol von der Polizei in Gewahrsam genommen und verhört. Nach dem Versuch der Seglerin auszureißen, will das Jugendamt nun ihre zeitweilige Einweisung in ein Kinderheim anordnen.

Bei der Entscheidung darüber werden jedoch auch die Wünsche des Mädchens berücksichtigt, sagte ein Sprecher des zuständigen Familiengerichts in Utrecht. Das Gericht werde wahrscheinlich noch am selben Tag über den Eil-Antrag des Jugendamtes befinden, Laura bis auf weiteres nicht mehr bei ihrem Vater wohnen zu lassen. Auf alle Fälle werde es dazu noch vor Weihnachten eine Entscheidung geben.

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Nach Angaben einer Sprecherin, die einen Teil der zerstrittenen Familie Lauras vertritt, geht es dem Mädchen nicht gut. "Sie hat in den letzten Tagen sehr viel mitgemacht", sagte Mariska Woertman, die im Namen von Laura und deren Vater Dirk Dekker auftritt. Dem Jugendamt warf Woertman Übereifer vor. "Wissen die Behörden überhaupt noch, was sie da tun? Steht das alles wirklich im Interesse Lauras?"

Auch deren Großeltern väterlicherseits erhoben Vorwürfe gegen die Behörden. Sie hätten Laura in Verzweiflung getrieben, indem sie ihr den so innig gewünschte Rekordversuch einer Allein-Umseglung der Erde als bislang jüngster Mensch Ende Oktober erneut untersagten. Laura sei mit unerfüllbaren Auflagen für eine eventuelle Genehmigung der Weltreise im kommenden Sommer "mürbe gemacht" worden. "Die Wahrheit ist, dass sie an der Jugendfürsorge zugrunde geht."

Lauras deutsche Mutter Babs Müller und deren jetziger Lebensgefährte sagten, dass die 14-Jährige dem leiblichen Vater entzogen werden müsse. Es sei unverantwortlich, dass dieser ihr Weltumseglungsprojekt fördere. "Wir machen uns große Sorgen um Laura", sagten sie den Reportern. Zugleich ließen sie den Verdacht durchblicken, dass der Vater die Flucht des Mädchens in die Karibik heimlich unterstützt habe.

Das Mädchen hatte am Donnerstag die Wohnung des Vaters unweit von Utrecht verlassen. Dieser hatte am Freitag Lauras Mutter informiert, dass sie nicht nach Hause gekommen sei.

Daraufhin gaben sie bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf, die eine internationale Suchaktion auslöste. Am Sonntag wurde Laura auf der Karibikinsel Sint Maarten entdeckt und festgenommen. Von dort aus musste sie am Montag in Begleitung eines Grenzschutzbeamten die Heimreise in die Niederlande antreten. 

Laura war Ende Oktober vom Utrechter Familiengericht vorerst bis zum 1. Juli 2010 unter weitgehende Vormundschaft des Amtes für Kinder- und Jugendschutz gestellt worden. Das Erziehungsrecht der Eltern wurde eingeschränkt, Laura durfte aber weiter bei ihrem Vater wohnen. Als Hauptgrund gab eine Richterin an, dass ein so schwieriger Solo-Segeltörn derzeit noch "Lauras Gesundheit und ihre geistige Entwicklung gefährden" könne.

Sollte Laura trotz aller Bedenken des Jugendamtes im kommenden Sommer mit ihrer Jacht "Guppy" in See stechen dürfen, hätte sie immer noch Chancen auf einen Rekord. Als bislang jüngste Solo-Weltumseglerin ist seit rund zwei Monaten die 16-jährige Australierin Jessica Watson mit ihrer Jacht "Ella's Pink Lady" unterwegs. Die Amerikanerin Abby Sunderland steht in den Startlöchern, aber auch sie ist zwei Jahre älter als Laura Dekker.
 

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 22.12.2009 um 18:33 Uhr

    ...in das Grundrecht der Selbstbestimmung durch eine Staatsbürokratie ist atemberaubend. Es ist für mich unvorstellbar, dass eine Bürgerschaft ihrem Staat diesen Grad der Macht gegen sich einräumen kann.

    • luccas
    • 22.12.2009 um 18:46 Uhr
    2. Ah ja.

    Was ist mit Grundrecht der Selbstbestimmung gemeint?
    Wenn demnächst ein Zehnjähriger verkündet, er wolle auf eigene Faust mit Pfeil und Bogen in der Prärie Büffel jagen?

  1. Mit 14 eine Weltumsegelung zu unternehmen - alleine- ist mehr als leichtfertig. In diesem Alter kann man ja wohl nicht erwarten, dass sie allen Unwägbarkeiten angemessen entgegentreten kann. Daher schüttle ich nur den Kopf über so viel Verantwortungslosigkeit derjenigen, die das befürworten. Ich bin auch gegen eine Gängelung durch Staatsorgane oder ähnliches, aber hier hat das was mit Abwenden eines unabschätzbaren Risikos zu tun.

  2. Einerseits bin ich mir nicht sicher ob eine 14jährige eine solche Tour alleine bewältigen könnte. Auf jeden Fall würde sie bei der Planung / Vorbereitung nicht allein stehen.

    Andererseits ist es letztlich ihre Entscheidung ob sie sich einem Risiko aussetzt, das zu beurteilen mir als nicht-Segler die Erfahrung fehlt.

    Im direkten Vergleich würde ich sagen: Selbstverantwortung sticht "Fürsorgepflicht" des Staates, der hier aus meiner Sicht viel zu weit geht. Sorgeppflichtsentzug des Vater? Hallo? Halte ich für eine Überreaktion sondersgleichen, kommt mir aber nach Erfahrungen in Deutschland nicht unbekannt vor. Passiert auch hier.

  3. Mit Pauschalurteilen sollte man eigentlich vorsichtig umgehen. Die Frustration der jungen Seglerin über bürokratische Hürden und Besserwissereien wurde vielleicht durch die Situation einer geschiedenen Ehe noch stark verstärkt.
    Ich wünschte, mehr junge Leute würden hier vom PC wegkrabbeln und sich akzeptablen Abenteuern stellen.
    Segeln ist nun einmal eine der letzten freien Bastionen unserer Zeit, oder ist es damit auch schon vorbei. . . .?

    Ein frohes Fest allen Lesern

  4. Es geht der jungen Frau doch nur darum, einen Altersrekord zu unterbieten.
    Meiner Meinung nach sollte nach den Ereignissen der letzten Tage das Verbot der Umseglung so lange in Kraft sein, bis sie 18, und somit volljährig ist.
    Dann darf sie tun und lassen was sie will.

    Wenn sie mit 14 bei ihrem Trip womöglich um s Leben kommen würde, dann wäre das Geschrei wieder groß! Der Vater würde dann vermutlich sagen "Warum haben WIR sie nicht aufgehalten?"

    Mir ist gleich was mit der Dame passiert, solange sie in ihre unvolljährigen Schranken gewiesen wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mich würde ja interessieren, wieviele kinder von ihren eltern so vernachlässigt werden, dass sie bis spät in der nacht auf der strasse herumhängen, drogen konsumieren und sich zu kriminellen banden zusammenrotten. und in wievielen dieser fälle das jugendamt einschreitet.
    ich glaube vielmehr dass den linken agenten im jugendamt die tatsache suspekt ist, dass ein junger mensch etwas aussergewöhnliches leisten will.

    • joG
    • 23.12.2009 um 8:16 Uhr

    ...den Einkommensverlußt erstattet, den sie aus dem Rekord hätte, wäre der staatliche Eingriff in die Selbstbestimmung noch immer nicht zu rechtfertigen. Wenn man der Seglerin aber die Freiheit schon nimmt, so sollte man gezwungen sein den Schaden auszugleichen.

    mich würde ja interessieren, wieviele kinder von ihren eltern so vernachlässigt werden, dass sie bis spät in der nacht auf der strasse herumhängen, drogen konsumieren und sich zu kriminellen banden zusammenrotten. und in wievielen dieser fälle das jugendamt einschreitet.
    ich glaube vielmehr dass den linken agenten im jugendamt die tatsache suspekt ist, dass ein junger mensch etwas aussergewöhnliches leisten will.

    • joG
    • 23.12.2009 um 8:16 Uhr

    ...den Einkommensverlußt erstattet, den sie aus dem Rekord hätte, wäre der staatliche Eingriff in die Selbstbestimmung noch immer nicht zu rechtfertigen. Wenn man der Seglerin aber die Freiheit schon nimmt, so sollte man gezwungen sein den Schaden auszugleichen.

  5. In den Ohren eines Jugendlichen - und vieler Eltern - mag das altbacken klingen, aber es ist so: Jugendliche haben noch kein voll ausgeprägtes Urteilsvermögen (das geht bis in die Ausbildung bestimmter Gehirnregionen, die in diesem Alter noch nicht abgeschlossen ist, mit der die Konsequenzen von Taten erfasst werden).

    Die Eltern sind in der Pflicht, ihre Kinder zur Mündigkeit zu erziehen. Eltern, die eine Weltumseglung der 14-jährigen Tochter zulassen - und mag es noch so sher der sehnlichste Wunsch sein- handeln unverantwortlich. Rein faktisch ist die Konsequenz tatsächlich, dass die Erziehungsgewalt entzogen wird. Aber hat man vorher schon mal einen Psychologen den Eltern diesen Sachverhalt erklären lassen, bevor man staatlich eingreift?

  6. Hut ab, dass muss ein selbstbewußtes Mädchen sein. Gibt es ein Mindestalter für das Segeln. Wenn der Staat erlaubt, dass Kinder mit Segelbooten eigene Touren veranstalten, wieso greift er so ein, wenn es um eine etwas größere Tour geht. Ich glaube mit 14 kann man sich nicht optimal auf eine solche Tour vorbereiten. Meine eigenen Auslandserfahren z. B. in Afrika besagen aber auch, dass man sich auch mit 30 nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten kann. Die Gefahren dürften eher an Land als auf dem Wasser liegen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es 14jährige gibt, die das Vorhaben besonnen angehen würden. Meiner Tochter hätte ich es nicht erlaubt. Aber ein Urteil über den Vater und über die Befähigung und Reife des Mädchen wage ich nicht abzugeben. Deshalb finde ich es schon befremdlich, wenn Schreibtischtäter dazu in der Lage sind .... und das Ergebnis ein Heimaufenthalt ist. Das ist das Gegenteil der Freiheit die dieses Mädchen sucht.

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