Canisius-Kolleg Jetzt will der Jesuitenorden Aufklärung
Ein Pater bestätigt die Vorwürfe zum Kindesmissbrauch. Der frühere Sportlehrer hatte sich allerdings schon 1991 zu seinen Taten im Canisius-Kolleg bekannt.
Nach tagelangem Schweigen hat sich nun auch die Leitung der Deutschen Jesuiten-Provinz zu den bekannt gewordenen sexuellen Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg geäußert und vollständige Aufklärung verlangt. Diese liege "im Interesse der Opfer" und sei "möglich und zwingend", heißt es in einer Erklärung des Provinzials Stefan Dartmann. Darin kündigt er an, am Montag das Berliner Gymnasium besuchen und weiter Auskunft geben zu wollen. Der Provinzial äußert "Trauer und Scham über die Verbrechen".
Allerdings muss der Jesuitenorden bereits seit 1991 von den Vorfällen gewusst haben. Am Samstag wurde bekannt, dass einer der Täter, der frühere Sportlehrer und Jesuitenpater Wolfgang S., bereits in diesem Jahr nach eigenen Angaben seinen "damaligen deutschen Provinzialoberen eingehend über meine verbrecherische Vergangenheit informiert" habe. S. hat laut Spiegel die Vorwürfe gegen ihn bestätigt. In einer Erklärung, die der Spiegel zitiert, schreibt S., es sei "eine traurige Tatsache, dass ich jahrelang Kinder und Jugendliche unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht und misshandelt habe". Daran sei "nichts zu entschuldigen".
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird in sieben Fällen wegen Kindesmissbrauchs ermittelt. Derzeit werde geprüft, ob die Taten eventuell bereits verjährt sind. Bislang sind mindestens 22 Fälle sexuellen Missbrauchs in den 70er und 80er Jahren durch zwei als Lehrer tätige Ordensleute öffentlich geworden.
Bereits am Freitag hatte der Rektor, Pater Klaus Mertes, seine Kirche scharf kritisiert. "Die Kirche leidet an Homophobie. Homosexualität wird verschwiegen. Kleriker mit dieser Neigung sind unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert werden." Mertes bemängelte zudem, dass sich die katholische Lehre zur Sexualität derart weit vom realen Alltag junger Menschen entfernt habe, dass zwischen Kirche und junger Generation Sprachlosigkeit herrsche. Obwohl die Missbräuche weit zurückliegen, sei die Gefahr erneuter Übergriffe niemals auszuschließen, sagte Mertes. Deshalb müsse man vorbehaltlos prüfen, welche Unzulänglichkeiten Übergriffe begünstigten.
Der Beauftragte der Bischofskonferenz bei der Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, lobt Mertes in dieser Zeitung dafür, dass "er sich offensiv um Aufklärung bemüht und sogar riskiert, den Ruf des Gymnasiums zu beschädigen".
- Datum 31.01.2010 - 14:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






...die alte Jesuitenregel: "Man muß die Wahrheit sagen, aber nicht alles was wahr ist!"
Die Wahrscheinlichkeit, dass u.U. Männer Priester oder Pater werden, die mit Frauen nicht viel im Sinn haben,dürfte aufgrund des verlangten Zölibats logischerweise recht hoch sein. Man verzichtet da von vornherein auf weniger.
Die Möglichkeit, dass diese andersweitig orientierten Männer sich den sie umgebenden Knaben und Männern zuwenden könnten, erscheint mir dann ebenso logischerweise als sehr gegeben an. Man trifft dann ja sicher auch Gleichgesinnte.
Es stellt sich vor diesem Hintergrund für mich zum wiederholten Male die Frage, ob die katholische Kirche diese widernatürliche, von Gott nicht verlangte Selbstbeschränkung nicht allmählich wirklich über Bord werfen sollte.
Das Ganze mutet doch wahrhaft grotesk und verlogen an.
...jährlich ca. 13.000 ähnliche Fälle. Ob da die Patres überproportional vertreten sind? Das wäre doch ein Aspekt, den die Zeitung berichten könnte. Aber das interessiert nur Fachleute.
...jährlich ca. 13.000 ähnliche Fälle. Ob da die Patres überproportional vertreten sind? Das wäre doch ein Aspekt, den die Zeitung berichten könnte. Aber das interessiert nur Fachleute.
...jährlich ca. 13.000 ähnliche Fälle. Ob da die Patres überproportional vertreten sind? Das wäre doch ein Aspekt, den die Zeitung berichten könnte. Aber das interessiert nur Fachleute.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren