Erdbeben Haiti Regierungschef spricht von mehr als 100.000 Toten
Haitis Premier Bellerive rechnet damit, dass bei dem Beben mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Viele Verschüttete harren unter Trümmern auf Helfer.
© dpa

Katastrophe in Haiti: Drei Millionen Menschen sollen von dem Erdbeben betroffen sein
Die Folgen des Erdbebens in Haiti – dem schwersten seit 150 Jahren – sind verheerend. Am Dienstagnachmittag (Ortszeit) bebte die Erde in dem ärmsten Land Lateinamerikas. Bereits der erste und schwerste Stoß erreichte eine Stärke von 7,0 auf der Richterskala und richtete schwere Schäden an. Nach Schätzungen von Ministerpräsident Jean-Max Bellerive könnten mehr als Hunderttausend Menschen ums Leben gekommen sein. Weite Teile des Inselstaats auf der Karibikinsel Hispaniola sind verwüstet.
In dem Gebiet, das am schwersten erschüttert wurde, leben den Vereinten Nationen zufolge rund 238.000 Menschen. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Port-au-Prince. Das Epizentrum des Bebens lag nur 16 Kilometer von der Kapitale entfernt, die mit ihren 1,2 Millionen, meist armen Einwohnern als völlig überbevölkert und unterversorgt gilt. Dass das Beben zudem nur in zehn Kilometern Tiefe lag, hat Experten zufolge die Zerstörungen potenziert.
© AFP/Getty images

This image obtained from Twitter purportedly shows Haitians standing amid rubble on January 12, 2010 in Port-au-Prince after a huge quake measuring 7.0 rocked the impoverished Caribbean nation of Haiti, toppling buildings and causing widespread damage and panic, officials and AFP witnesses said. A tsunami alert was immediately issued for the Caribbean region after the earthquake struck at 2153 GMT. AFP PHOTO / TWITTER == RESTRICTED TO EDITORIAL USE / NO SALES == (Photo credit should read -/AFP/Getty Images)
In Port-au-Prince spielten sich chaotische Szenen ab. Auf den Straßen lagen Leichen, verzweifelte und desorientierte Menschen graben zum Teil mit bloßen Händen in den Trümmern ihrer Häuser nach Überlebenden. Wegen der zahlreichen Nachbeben – Beobachter zählten mehr als dreißig – brach Panik unter den Menschen aus, blutüberströmte und staubbedeckte Verletzte rannten schreiend durch die Stadt. "Tausende von Menschen wissen nicht, wohin", schilderte Rachmani Domersant von der Hilfsorganisation Food for the Poor die Lage. Von Polizei und Rettungsfahrzeugen sei nichts zu sehen.
In ganz Port-au-Prince kann nur noch ein einziges Hospital Verletzte behandeln. "Alle anderen Krankenhäuser sind zusammengestürzt", sagte der Leiter des argentinischen Behelfskrankenhaus für die UN-Friedensmission, Daniel Desimone. "Wir sind von den vielen Verletzten völlig überfordert", betonte der Militärangehörige weiter. Mindestens 800 Patienten seien in den ersten Stunden behandelt worden und in zwölf Stunden mehr als als 100 Patienten operiert worden. Aus den höher gelegenen Stadtteilen kämen erst jetzt die ersten Überlebenden in tiefer gelegene Gebiete, fügte Desimone hinzu.
Reihenweise brachen Gebäude in sich zusammen, darunter Bürogebäude, Hotels, Krankenhäuser, Ministerien, Schulen, Villen, Einkaufszentren und Armensiedlungen. Auch der Präsidentenpalast sowie das fünfstöckige UN-Hauptquartier wurden dem Erdboden gleichgemacht. Nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wurden mindestens fünf Mitarbeiter der Weltorganisation getötet, rund hundert weitere werden noch immer vermisst. Dazu gehört auch Missionschef Hedi Annabi, der sich zum Zeitpunkt des Bebens in Begleitung einer chinesischen Delegation in dem Gebäude befand. Der Tunesier leitete mit der Mission Minustah eine der weltweit größten Friedensmissionen der Vereinten Nationen. Rund 9000 Blauhelmsoldaten, 2000 Polizisten und 2000 weitere Mitarbeiter sollen die Sicherheitslage in der Region überwachen. Nach Angaben aus Brasilien, China und Jordanien wurden mindestens 15 UN-Blauhelme getötet.
Das Land, dessen neun Millionen Einwohner im Schnitt mit umgerechnet 400 Euro pro Kopf im Jahr auskommen müssen, dürfte die Folgen der Katastrophe aus eigener Kraft nicht bewältigen können. Das wissen auch die haitianischen Behörden selbst. In dramatischen Appellen riefen Botschafter des Karibik-Staates die Weltgemeinschaft dazu auf, schnell und umfassend zu helfen. Der Botschafter Haitis in Deutschland, Jean Robert Saget, sagte: "Wir brauchen praktisch so gut wie alles im Moment." Benötigt würden Medikamente, Lebensmittel, Zelte und Decken.
Für Staaten und Hilfsorganisationen, die einen massiven Hilfseinsatz ins Rollen gebracht haben, beginnt nun der Wettlauf mit der Zeit."Es ist ein Rennen mit der Uhr", sagte die UN-Sprecherin Elisabeth Byrs in Genf. Die UN mobilisierte aus ihrem globalen Netzwerk 37 Suchmannschaften, die so schnell wie möglich nach Haiti reisen sollen. Nach Angaben von UN-Experten werden vor allem Bergungsteams gebraucht. Unter den Trümmern befänden sich noch Hunderte, vielleicht Tausende Menschen, von denen viele noch leben würden. "Die nächsten Prioritäten sind sauberes Wasser, Nahrung und Obdach. Das wird eine Großoperation."
Das Welternährungsprogramm (WFP) hat nach eigenen Angaben bereits Lebensmittel für etwa 30.000 Menschen auf den Weg gebracht. Damit die Hilfe die Bedürftigen auch erreiche, müssten jedoch so schnell wie möglich Straßen und Brücken wieder befahrbar gemacht werden. Zwar sei der Flughafen der Hauptstadt offen, doch seien die Zufahrtswege auch von Häfen blockiert, sagte das WFP.
Die Rot-Kreuz-Föderation in Genf, der die Rot-Kreuz- und Roter-Halbmond-Gesellschaften angehören, kam umgehend zu einer Krisensitzung zusammen. "Notvorräte sind in Haiti gelagert", sagte Sprecher Jean-Luc Martinage. Sie ermöglichten es, 3000 Familien drei bis vier Tage zu versorgen. "Aber wir müssen sehr schnell zusätzliches Hilfsmaterial aus unserem Regionalzentrum in Panama liefern", fügte Martinage hinzu. Er geht davon aus, dass bis zu drei Millionen Menschen Hilfe brauchen.
Auch die internationale Staatengemeinschaft mobilisierte schnelle Hilfe. Die Bundesregierung kündigte eine Soforthilfe von 1,5 Millionen Euro für die Notversorgung der Opfer an. Das Auswärtige Amt setzte einen Krisenstab ein, der auch klären soll, ob Deutsche von dem Beben betroffen sind. Vier Experten des Technischen Hilfswerks sind auf dem Weg nach Haiti. Die Hilfsorganisation Welthungerhilfe kündigte ihrerseits 100.000 Euro Nothilfe an, mit denen Trinkwasser, Lebensmittel und Zelte finanziert werden sollen.
Die EU-Kommission stellte drei Millionen Euro Soforthilfe bereit. Dies sei eine erste Entscheidung, der in den nächsten Tagen weitere folgen könnten, hieß es in Brüssel. Ein Experte der Behörde sei auf dem Weg nach Port-au-Prince, um sich ein Bild der Lage zu machen. Der Kommission zufolge haben auch Belgien, Luxemburg und Schweden Hilfe angeboten. Dabei soll es sich um Ausrüstung für Wasseraufbereitung, Zelte, medizinische Hilfe und ein Bergungsteam handeln. Spanien stellte drei Millionen Euro und 150 Tonnen Hilfsgüter zur Verfügung, Großbritannien schickte ein Flugzeug mit humanitären Helfern in die Karibik, Frankreich kündigte die Entsendung von zwei Maschinen mit Hilfsgütern und humanitären Helfern an.
Auch US-Präsident Barack Obama stellte Haiti umfassende Katastrophenhilfe in Aussicht. Binnen Stunden würden Such- und Bergungsteams aus den USA in Haiti eintreffen, kündigte er an. "Ich habe meine Regierung zu schnellen, koordinierten und kraftvollen Anstrengungen aufgerufen, um Menschenleben zu retten", sagte der Präsident. Sein Land, das nur wenige Hundert Kilometer von dem Inselstaat trennen würde, liefere neben Bergungshelfern auch lebenswichtige Güter wie Medikamente, Nahrungsmittel und Wasser.
Aktuelle Twitter-Einträge zum Thema "Haiti"
Der Online-Kurzinformationsdienst Twitter ermöglicht es jedem, Updates über das Internet oder ein Mobilgerät zu senden. Bei Naturkatastrophen wie Erdbeben kann Twitter unter Umständen als Quelle eine schnelle und authentische Ergänzung zu den Meldungen klassischer Medien darstellen; vor allem aber ermöglicht es einen Überblick in Echtzeit, wie die Netz-Community die neuesten Entwicklungen einschätzt und kommentiert:
- Datum 13.01.2010 - 19:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 8
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es gibt doch viel Hilfsbereitschaft. Spanien doppelt so hoch wie Deutschland. Mit diesem Geld kann geholfen werden, wenn es richtig eingesetzt wird und ankommt. Nicht nur Lippenbekenntnisse ... Toll, wie sehr die Welt Anteil nimmt, aber die Twitter News verwirren wirklich nur ... Rührend zwar, wie viele Gebete und Wünsche zu lesen sind, aber sonst ein heilloses Durcheinander. http://kallewestrich.blog...
...wenn sie direkt vor Ort den Betroffenen zugute kommt. Laufen die Zahlungen hingegen durch den korrupten Apparat, kann man sich jeden Euro sparen.
Sicherlich finanzieren die Wall-Street-Banker mit 120 - 140 Milliarden Boni die Soforthilfe freiwillig aus der Portokasse durch Direktüberweisung ?
USA: Banker-Boni Abkassieren wie noch nie
11.01.2010, 16:452010-01-11T16:45:00 CEST 0100
Von Moritz Koch, New York
An der Wall Street beginnt bald die schönste Zeit des Jahres - die Boni werden fällig. Wer bekommt mehr, wer weniger?
Die Großbanken haben im vergangenen Jahr phantastische Gewinne erzielt, Konzerne wie Goldman Sachs steuern auf ein Rekordergebnis zu. Die Prämientöpfe sind prall gefüllt. Nach Schätzungen des Wall Street Journals könnten die Gehälter der Wall Street die Summe des Boomjahres 2007 deutlich übersteigen, obwohl die Banken Personal abgebaut haben. Weniger Banker bekommen also noch mehr Geld. 120 bis 140 Milliarden Dollar könnte die Finanzbranche an ihre Mitarbeiter ausschütten.
.....
http://www.sueddeutsche.d...
... können Sie spenden. Wir haben eine Liste von Hilfsorganisationen zusammengestellt:
http://www.zeit.de/gesell...
Es ist sinnvoll, immer nur eine Organisation unterstützen. Denn wenn man das Geld auf mehrere verteilt, verursacht jede einzelne Spende zusätzlich neue Verwaltungskosten.
Karsten Polke-Majewski
ZEIT ONLINE
80% der 9 Millionen also 7 Millionen - Haiti-Einwohner leben in bitterer Armut, also unter einem Durchschnittseinkommmen von 400 Dollar pro Jahr, so DIE ZEIT. Das Gesamtjahreseinkommen dieser 7 Millionen beträgt somit 2,8 Milliarden Dollar. Die Wall-Street-Banker erhalten dieses Jahr 120-140 Milliarden Dollar an Boni!
Deutschland spendet 1,5 Millionen Dollar !
Spanien 3 Millionen Dollar !
Die Wall-Street-Banker ziehen sich 120 000 Millionen Dollar rein! Schließlich muss sich "Leistung ja lohnen" !
In welch irrsinnigen Globalen sozialen Apartheid leben wir eigentlich ??
[Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Die Gefahr, die von der unter Port au Prince liegenden Enriquillo-Plantain Garden Störung ausging, war spätestens seit 2008 allgemein bekannt.
http://www.ig.utexas.edu/...
Hätte man das Geld, was man jetzt in die Hilfsmaßnahmen stecken muss, in die Überwachung der Störung oder in erdbebensichere Häuser investiert, hätte man möglicherweise sehr vielen Menschen das Leben retten können.
wenn selbst das UN-Hauptquartier Eingestürzt ist bei dem man ganz sicher auf die Bausubstanz geachtet wurde, sind Bau Vorschriften die ein Gebäude bis zur RS 7,0 erdbebensicher machen nicht durchsetzbar.
Selbst wenn man es beschlossen hätte, was hätte es gebracht wenn sie kein Haitianer sich so ein Haus leisten könnte?
Die Meisten Erdbebentoten sind sicher in den Slums eingetreten glauben sie den kann man mit Bauvorschriften kommen?
wenn selbst das UN-Hauptquartier Eingestürzt ist bei dem man ganz sicher auf die Bausubstanz geachtet wurde, sind Bau Vorschriften die ein Gebäude bis zur RS 7,0 erdbebensicher machen nicht durchsetzbar.
Selbst wenn man es beschlossen hätte, was hätte es gebracht wenn sie kein Haitianer sich so ein Haus leisten könnte?
Die Meisten Erdbebentoten sind sicher in den Slums eingetreten glauben sie den kann man mit Bauvorschriften kommen?
wenn selbst das UN-Hauptquartier Eingestürzt ist bei dem man ganz sicher auf die Bausubstanz geachtet wurde, sind Bau Vorschriften die ein Gebäude bis zur RS 7,0 erdbebensicher machen nicht durchsetzbar.
Selbst wenn man es beschlossen hätte, was hätte es gebracht wenn sie kein Haitianer sich so ein Haus leisten könnte?
Die Meisten Erdbebentoten sind sicher in den Slums eingetreten glauben sie den kann man mit Bauvorschriften kommen?
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