Die Europäische Union will mit etwa 300 paramilitärisch ausgebildeten Gendarmen für mehr Sicherheit in Haiti sorgen. Die EU-Außenminister vereinbarten am Montag in Brüssel die Entsendung der sogenannten Europäischen Gendarmerietruppe (EGF) in das Erdbebengebiet. Deutschland nimmt an dem Einsatz nicht teil, da es über solche paramilitärischen Kräfte nicht verfügt. Zuvor hatten die Vereinten Nationen (UN) die EU informell um Hilfe für die UN-Mission Minustah gebeten, um die Lage in dem verwüsteten Karibikstaat zu stabilisieren.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton kündigte zudem die Einrichtung eines eigenen Haiti-Koordinierungsstabes in Brüssel sowie vor Ort in Haiti an. "Das ist das erste Mal, dass wir versuchen, uns so zu koordinieren", sagte sie. Doppelungen mit der Arbeit der UN müssten verhindert werden. Europa werde überdies Ingenieure, sechs Hubschrauber, Schiffe und Feldlazarette zur Verfügung stellen.

Geberkonferenz in Kanada

Über die Koordination der internationalen Hilfen für die Erdbebenopfer beraten auch die Abgesandten von mehr als 20 Staaten im kanadischen Montreal. An der Konferenz nehmen unter anderen der haitianische Regierungschef Jean-Max Bellerive und US-Außenministerin Hillary Clinton teil. Das Treffen ist zugleich die Vorbereitung auf eine größere Geberkonferenz im März.

Der kanadische Außenminister Lawrence Cannon sicherte Bellerive die Unterstützung seines Landes und der übrigen Teilnehmer des Treffens "während dieser Krisenzeit und darüber hinaus" zu. Clinton zeigte sich zuversichtlich, "dass wir einen soliden Plan auf die Beine stellen können".

Bellerive sagte, der haitianische Staat könne trotz der Katastrophe die Führerschaft unter Beweis stellen, die das Volk von ihm erwarte. Zugleich rief er die internationale Gemeinschaft zu "massiver Unterstützung" auf. Japan sagte Haiti Hilfszahlungen in Höhe von 70 Millionen Dollar (50 Millionen Euro) sowie die Entsendung von 300 Blauhelmsoldaten für die dortige UN-Mission Minustah zu. 

Die Hilfsorganisation Oxfam hatte vor dem Treffen einen Schuldenerlass für den verarmten Karibikstaat gefordert. "Zu erwarten, dass Haiti Millionen Dollar zurückzahlt, während das Land kämpft, um eine der schlimmsten Naturkatastrophen der jüngsten Vergangenheit zu überwinden, wäre grausam und unnötig", sagte der Generaldirektor von Oxfam International, Jeremy Hobbs, in London. Seinen Angaben zufolge belaufen sich die internationalen Schulden Haitis auf 890 Millionen Dollar (630 Millionen Euro).

Weitere Hilfe aus Deutschland unterwegs

Vom Frankfurter Flughafen aus ist ein Frachtflugzeug mit 75 Tonnen Hilfsgütern für Haiti gestartet. An Bord sind unter anderem Anlagen zur Trinkwasser-Aufbereitung, Fahrzeuge, Generatoren, Lebensmittel und Medikamente. Sie kommen vom Technischen Hilfswerk (THW) und weiteren deutschen Hilfsorganisationen. Die Hilfsgüter sollen vom Flughafen Santo Domingo in der Dominikanischen Republik auf dem Landweg nach Haiti gebracht werden.