Internationale Hilfe Haitianische Regierung erhofft sich drei Milliarden Dollar

Der Wiederaufbau des zerstörten Karibikstaates wird gut drei Milliarden Dollar kosten. Die Überlebenden müssen deutlich länger versorgt werden als bisher angenommen.

Vor dem eingestürzten Präsidentenpalast in Port-au-Prince stapeln sich Säcke mit Reis

Vor dem eingestürzten Präsidentenpalast in Port-au-Prince stapeln sich Säcke mit Reis

Die haitianische Regierung hat den Bedarf an finanzieller Hilfe bei einer Geberkonferenz im kanadischen Montreal auf rund drei Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) geschätzt. Das Geld sei notwendig, um das Land wieder aufzubauen und die Not der Menschen zu lindern, zitiert die New York Times Vertreter der haitianischen Regierung. Zwei Milliarden Dollar würden allein gebraucht, um Häuser für die Hunderttausenden Obdachlosen zu bauen. Die dritte Milliarde sei zum Wiederaufbau von Regierungsbauten und zur Verbesserung der Infrastruktur vonnöten. Letzteres umfasse auch den See- und drei Flughäfen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnte, die Überlebenden des Erdbebens müssten viel länger versorgt werden als angenommen. "Ursprünglich hatten wir mit zwei Millionen Menschen gerechnet, die wir sechs Monate versorgen müssen", sagte WFP-Chefin Josette Sheeran in New York. "Jetzt gehen wir von mindestens zwölf Monaten aus." Das Projekt Haiti sei eine der größten, wenn nicht die größte Herausforderung, vor der das Ernährungsprogramm in 40 Jahren gestanden habe. Sie forderte die Armeen der Welt auf, entbehrliche Fertigmahlzeiten zur Verfügung zu stellen.

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Eine noch deutlich pessimistischere Prognose kam von der haitianischen Regierung selbst. Das Land brauche mindestens fünf bis zehn Jahre lang Hilfe beim Wiederaufbau, sagte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive. Das Volk sei ausgeblutet, gemartert und am Boden zerstört. "Die Menschen von Haiti brauchen mehr und mehr und mehr Hilfe, um den Wiederaufbau zu schaffen." 

Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens in Haiti vor zwei Wochen hatte sich nach Angaben der Regierung in Port-au-Prince auf 150.000 erhöht. Es wurde aber befürchtet, dass die tatsächliche Zahl der Toten um vieles höher liegt.

Die Regierung will das weitgehend zerstörte Zentrum von Port-au-Prince für einige Zeit abriegeln. Während dieser Zeit sollten Ruinen und Schutt beseitigt und neue Gebäude entstehen. "Wir müssen die Menschen dazu bewegen, in ihre Heimatprovinzen zu gehen, indem wir dort die Lebensbedingungen verbessern", sagte Wirtschaftsberater Jean Baleme Mathurin. Nach seinen Worten haben bereits 400.000 der etwa drei Millionen Einwohner die Stadt verlassen.

Haiti brauche einen klaren Fahrplan, um den Wiederaufbau zu koordinieren, sagte Kanadas Außenminister Lawrence Cannon nach Angaben des kanadischen Senders CBC. Dabei brachte der Minister auch die Windkraft als ein Schlüsselelement ins Spiel. "Technologie wird ein entscheidendes Element sein, um das Land wieder aus den Ruinen entstehen zu lassen", sagte Cannon. Gerade Windkraft könnte eine entscheidende Rolle spielen, weil sie das Land unabhängig von fossilen Brennstoffen machen könne. "Haiti und die, die helfen wollen, sollten jede Chance nutzen, um das Land besser aufzubauen, als es war."

Premier Bellerive sagte, dass das Land trotz der Hilfe von außen die Kontrolle über den Wiederaufbau behalten wolle. "Wir sind nicht einfach da, um um Hilfe zu bitten. Wir haben einen Plan, entworfen von Haitianern für Haitianer." Zuvor hatte Kanada einen umfassenden Schuldenerlass für Haiti angeregt. Nach Cannons Angaben ist das Land mit etwa einer Milliarde Dollar (700 Millionen Euro) verschuldet. 

In Brüssel kamen die EU-Außenminister zusammen, um sich ebenfalls vor der Geberkonferenz im März abzustimmen. Sie beschlossen, etwa 300 ausgebildete Gendarmen für mehr Sicherheit in Haiti zu entsenden.

Seit dem Beben brachten Helfer nach Angaben des US-Außenministeriums rund 360 Waisenkinder aus Haiti in die USA in Sicherheit. Sie sollen schnellstmöglich in Zusammenarbeit mit Adoptionszentren in neue Familien kommen. Die amerikanischen Behörden erwarteten noch mindestens 200 weitere Kinder, die ihre Eltern durch die Katastrophe vor knapp zwei Wochen verloren haben oder bereits vorher Waisen waren, sagte Außenministeriums-Sprecher Philip Crowley.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Haiti

    Bitte so wenig wie möglich direktes Geld an die Regierung geben. Die Geberländer müssen Kontrollen einbauen, damit das Geld nicht in dunkle Kanäle abfließt und die Armen noch ärmer werden als vorher. Das muss doch zu schaffen sein !

  2. Das ist ja wohl das allerletzte, daß die haitianische Regierung den Wiederaufbau mit Milliarden von Hilfsgeldern selbst in die Hand nehmen möchte.
    Ich habe ständig gehört und gelesen, daß es die Regierung faktisch nicht mehr gebe und habe auch in den ersten Tagen nach der Katastrophe keine Interviews und Stellungnahmen von Regierungsmitgliedern gelesen.
    Wo waren die den in dieser Zeit? Vielleicht in Sicherheit in ihren Luxusjachten oder der Dom.Rep.?
    Jetzt Geld diesen Herren in die Hand zu geben - da könnte man es ja gleich verbrennen.
    Keine Hilfsgelder, die von örtlichen Behörden verwaltet werden sollen.

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    ist mir aus dem Herzen gesprochen.
    Danke!

    ist mir aus dem Herzen gesprochen.
    Danke!

  3. Drei Milliarden Hilfe für Haiti. Man kann nur hoffen, dass die haitianische Hilfe nicht versickert in den Taschen der Regierungsmitglieder und deren Clans, wie ja bis Heute geschehen. Nach über 200 Jahren Selbstständigkeit hat die herrschende haitianische Klasse ihr Land ruiniert und dann noch dieses furchtbare Erdbeben.
    Meine Meinung das reicht um Haiti an die USA vorübergehend anzugliedern ( nun welch ein Gezeter wird ansetzen bei denen deren Pründe verloren gehen).
    Was nutzt eine Freiheit für wenige die die eigenen Landsleute
    drangsalieren und sie ausquetschen? -- Gar nicht!

  4. ist mir aus dem Herzen gesprochen.
    Danke!

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