Haiti "Das Beben trifft ein elendes Land"
Die Folgen des Bebens in Haiti sind verheerend. Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix schildert im Interview, wie die Katastrophe mühsam erkämpfte Fortschritte zunichte macht.
© Frederic Dupoux/Getty Images

Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti, das sich am Dienstag gegen Sonnenuntergang ereignete, richten sich Überlebende notdürftig für die Nacht ein
ZEIT ONLINE: Was wissen Sie über die Situation in Haiti?
Paul Bendix: Es ist schwer, detaillierte Informationen zu bekommen. Wir wissen, dass es ein sehr ernsthaftes Erdbeben gegeben hat, kurz vor Sonnenuntergang gestern. Wasser und Strom sind sofort ausgefallen, die Rettungsarbeiten begannen deshalb in völliger Dunkelheit. Wegen des Stromausfalls funktionieren die Telekommunikationsverbindungen nach Haiti immer noch nicht. Unseren Zahlen zufolge ist knapp unter eine Million Menschen betroffen, Tausende sind verschüttet. Wie viele Menschen tot oder verletzt sind, wissen wir noch nicht. Aber klar ist, dass es sich um eine sehr gravierende Katastrophe handelt.
ZEIT ONLINE: Welche Regionen sind neben der Hauptstadt Port-au-Prince betroffen?
Bendix: Das Beben traf vor allem die Hauptstadt. Der Präsidentenpalast und das örtliche UN-Büro sind stark beschädigt. Insgesamt dürften die Schäden besonders schwer sein, weil das Gebiet so dicht besiedelt ist. Wenn zehnstöckige Hochhäuser zusammenbrechen, ist den Menschen im Erdgeschoss kaum zu helfen. Hätte sich das Beben auf dem Land ereignet, wo die Besiedelung dünner ist, wäre die Zahl der Opfer wohl deutlich niedriger gewesen. Andererseits ist die Hauptstadtregion für Hilfsorganisationen leichter zugänglich.
ZEIT ONLINE: Was unternehmen Sie jetzt, um zu helfen?
Bendix: Zunächst versuchen wir, so schnell wie möglich detailliertere Informationen zu bekommen. Der Kollege aus dem New Yorker Büro ist schon unterwegs nach Port-au-Prince. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es dort auf dem Flughafen aussieht.
ZEIT ONLINE: Ist der Flughafen derzeit überhaupt in Betrieb?
Bendix: Auch das wissen wir nicht. Jedenfalls wird der Kollege auf allen zur Verfügung stehenden Wegen versuchen, so nah wie möglich an das Bebengebiet heranzukommen. Oxfam hatte noch Glück: Unsere Mitarbeiter haben die Katastrophe wohlbehalten überstanden, unser Büro ist intakt geblieben. Weil unser Nothilfezentrum für die ganze Region in Port-au-Prince ist, sind wir in Haiti sehr gut ausgestattet. In Panama haben wir Lager für Trinkwasser und weiteres Material, das wir für Hygienemaßnahmen benötigen, etwa zum Bau von Latrinen und Waschgelegenheiten. Das wird schon bereitgestellt. So können wir viel schneller am Ort sein, als wenn sich das Beben beispielsweise in Südchile ereignet hätte.
ZEIT ONLINE: Was ist mit Hilfe für die Verschütteten, Nahrungsmitteln, Decken?
Bendix: Vor allem anderen muss man natürlich versuchen, die Verschütteten zu retten. Doch dazu können wir nichts beitragen, unser Part beginnt erst danach. Wir konzentrieren uns auf Hygiene und Trinkwasser, und es ist wichtig, beides bereitzustellen. Andere helfen mit Lebensmitteln, geben medizinische Hilfe, bauen Lager, sogar Schulen für die obdachlosen Kinder und Jugendlichen, wenn die Familien langfristig nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Die UN sorgt dafür, dass alles koordiniert wird.
ZEIT ONLINE: Haiti ist ein besonders armer, auch politisch instabiler Staat. Was bedeutet das Beben für seine Entwicklung, über die unmittelbaren Zerstörungen hinaus?
Bendix: Solche Katastrophen treffen immer die Ärmsten – also alle in Haiti, denn es ist ein elendes Land, bei weitem das ärmste der westlichen Hemisphäre. Zwar gab es zuletzt Entwicklungsfortschritte, mühsam erkämpft nach großen politischen Wirren. Sie hat das Beben zunichte gemacht. Aber es hilft nichts: Wir müssen uns weiter bemühen, die Armut dort zu bekämpfen und eine transparente Demokratie zu schaffen.
ZEIT ONLINE: Was raten Sie Lesern, die helfen möchten?
Bendix: Wer spenden will, sollte selbstverständlich darauf achten, dass die von ihm bedachte Organisation ein Spendensiegel hat, etwa des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) oder des Deutschen Spendenrats. Er sollte immer nur eine Organisation unterstützen. Es ist nicht klug, das Geld auf mehrere zu verteilen, denn jede einzelne Spende verursacht erneut Verwaltungskosten.
ZEIT ONLINE: Soll man zweckgebunden spenden?
Bendix: Wenn der Zweck "Haiti" heißt, wird das Geld mit hundertprozentiger Sicherheit dort auch benötigt – wenn nicht für die unmittelbare Nothilfe, dann für die langfristige Entwicklung des Landes. Es kommt nur ganz selten vor, dass für einen bestimmten Zweck mehr gespendet als gebraucht wird. Tritt dieser Fall ein, fragen wir die Spender in der Regel, ob sie ihr Geld zurück möchten. Dafür entscheiden sich aber nur die wenigsten.
Paul Bendix ist Geschäftsführer der Hilfsorganisation Oxfam Deutschland. Die Fragen stellte Alexandra Endres
- Datum 13.01.2010 - 18:04 Uhr
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"US-Präsident Obama zeigte sich nach dem Erdbeben in Haiti erschüttert von der Katastrophe und versprach den Menschen dort schnelle Hilfe."
Die USA geben ca 600 000 Millionen Dollar pro Jahr dafür aus, um sich selbst und andere u.a. mit Atomwaffen, die die gesamte Menschheit - 6 700 Millionen Erdenbürger - mehrfach auslöschen können ("Overkill-Kapazitäten"), zu "beschützen".
Nun bleibt abzuwarten mit wieviel Millionen Dollar sie den 9 Millionen Bürgern ihres Nachbarlandes helfen werden.
Hier liegen Chancen für einen wahren CHANGE !
Wir dürfen doch darauf vertrauen, wenn in Afghanistan 100 000 Soldaten mit Tötungsinstrumenten für Sicherheit sorgen sollen, dass auch 100 000 oder wenigstens 50 000 Hilfe-"Soldaten" mit Überlebens-Instrumenten für menschenwürdige Überlebens-Sicherheit sorgen werden ?
direkt auf dem Pulverfass. Geologisch mit größten Gefahren ausgestattet, politisch ein Desaster, jetzt erneut schwer getroffen. Gerade vor Stunden ein erneutes leichteres Beben, die Erde hat sich noch nicht beruhigt. Reißt sie den Schlund auf, ist alles vom Erdboden verschwunden oder durcheinandergeworfen. Wir kleine Ameisen, unbedeutend. http://viereggtext.blogsp...
...Haiti = gebeutelt von der Natur - ausgebeutet vom Weltkapitalismus!
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