Haiti "Das Beben trifft ein elendes Land"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Haiti ist ein besonders armer, auch politisch instabiler Staat. Was bedeutet das Beben für seine Entwicklung, über die unmittelbaren Zerstörungen hinaus?

Bendix: Solche Katastrophen treffen immer die Ärmsten – also alle in Haiti, denn es ist ein elendes Land, bei weitem das ärmste der westlichen Hemisphäre. Zwar gab es zuletzt Entwicklungsfortschritte, mühsam erkämpft nach großen politischen Wirren. Sie hat das Beben zunichte gemacht. Aber es hilft nichts: Wir müssen uns weiter bemühen, die Armut dort zu bekämpfen und eine transparente Demokratie zu schaffen.

ZEIT ONLINE: Was raten Sie Lesern, die helfen möchten?

Bendix: Wer spenden will, sollte selbstverständlich darauf achten, dass die von ihm bedachte Organisation ein Spendensiegel hat, etwa des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) oder des Deutschen Spendenrats. Er sollte immer nur eine Organisation unterstützen. Es ist nicht klug, das Geld auf mehrere zu verteilen, denn jede einzelne Spende verursacht erneut Verwaltungskosten.

ZEIT ONLINE: Soll man zweckgebunden spenden?

Bendix: Wenn der Zweck "Haiti" heißt, wird das Geld mit hundertprozentiger Sicherheit dort auch benötigt – wenn nicht für die unmittelbare Nothilfe, dann für die langfristige Entwicklung des Landes. Es kommt nur ganz selten vor, dass für einen bestimmten Zweck mehr gespendet als gebraucht wird. Tritt dieser Fall ein, fragen wir die Spender in der Regel, ob sie ihr Geld zurück möchten. Dafür entscheiden sich aber nur die wenigsten.

Paul Bendix ist Geschäftsführer der Hilfsorganisation Oxfam Deutschland. Die Fragen stellte Alexandra Endres

 
Leser-Kommentare
  1. Zu:

    "US-Präsident Obama zeigte sich nach dem Erdbeben in Haiti erschüttert von der Katastrophe und versprach den Menschen dort schnelle Hilfe."

    Die USA geben ca 600 000 Millionen Dollar pro Jahr dafür aus, um sich selbst und andere u.a. mit Atomwaffen, die die gesamte Menschheit - 6 700 Millionen Erdenbürger - mehrfach auslöschen können ("Overkill-Kapazitäten"), zu "beschützen".

    Nun bleibt abzuwarten mit wieviel Millionen Dollar sie den 9 Millionen Bürgern ihres Nachbarlandes helfen werden.

    Hier liegen Chancen für einen wahren CHANGE !

  2. Wir dürfen doch darauf vertrauen, wenn in Afghanistan 100 000 Soldaten mit Tötungsinstrumenten für Sicherheit sorgen sollen, dass auch 100 000 oder wenigstens 50 000 Hilfe-"Soldaten" mit Überlebens-Instrumenten für menschenwürdige Überlebens-Sicherheit sorgen werden ?

  3. direkt auf dem Pulverfass. Geologisch mit größten Gefahren ausgestattet, politisch ein Desaster, jetzt erneut schwer getroffen. Gerade vor Stunden ein erneutes leichteres Beben, die Erde hat sich noch nicht beruhigt. Reißt sie den Schlund auf, ist alles vom Erdboden verschwunden oder durcheinandergeworfen. Wir kleine Ameisen, unbedeutend. http://viereggtext.blogsp...

  4. ...Haiti = gebeutelt von der Natur - ausgebeutet vom Weltkapitalismus!

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