Welthungerhilfe in Haiti "Wir gehen von Tausenden Toten aus"

Haiti ist arm, die Gebäude der Hauptstadt sind nicht besonders stabil, sagt Ute Braun, Lateinamerika-Referentin der Welthungerhilfe. Sie rechnet mit gravierenden Schäden.

Die Welthungerhilfe befürchtet, dass die Zerstörung in Haiti weit gravierender sein könnte als zunächst gedacht. "Wir gehen von Tausenden Toten aus", sagt Ute Braun, Länderreferentin der Organisation für Zentralamerika und die Karibik. Die Bausubstanz im ärmsten Land der Hemisphäre sei sehr schlecht, "da braucht es gar kein so starkes Beben, und alles fällt zusammen". Schnelle Hilfe sei nun entscheidend.

Ein Nothilfeteam der Organisation sei bereits auf dem Weg nach Santo Domingo, der Hauptstadt der benachbarten Dominikanischen Republik, um von dort aus nach Haiti zu reisen und dringend benötigte Hilfe zu leisten, etwa durch die Ausgabe von Lebensmitteln. Auch die langfristige Arbeit werde durch das Beben zurückgeworfen.

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"Unsere Partnerorganisationen arbeiten in Regionen, die direkt an das Epizentrum grenzen. Wir kümmern uns dort um die Landwirtschaft: Sie soll genug Ertrag einbringen, um die Familien satt zu machen, und zwar möglichst so, dass die Umwelt nicht geschädigt wird. Das ist auf Haiti per se schwierig", sagt Braun. "Schon frühere Katastrophen haben große Umweltschäden verursacht." Auch in der Vergangenheit sei die Arbeit der Helfer immer wieder durch Naturkatastrophen beeinträchtigt worden. "Das sind unsere Partner leider schon gewohnt."

Welche Konsequenzen das Beben langfristig haben werde, sei noch nicht absehbar, sagt Braun. "Das Schlimme ist: nationale Symbole wie der Präsidentenpalast wurden zerstört. Auch die Kathedrale ist stark beschädigt." Auf lange Sicht könne das die Stabilität des Landes sogar stärker treffen als die vielen Todesopfer und die zerstörte Infrastruktur.

Es werde wohl Monate dauern, nur die materiellen Schäden zu beseitigen. "Deren Ausmaß ist noch völlig unklar. Im Moment wird es in Haiti gerade wieder Tag, man kann erst jetzt sehen, was zerstört wurde", erklärte Braun am Mittwochnachmittag mitteleuropäischer Zeit.

 
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