Irrwitz der Woche Mit dem Handwerk in die Steinzeit

Über Handwerker wird viel gemeckert. Doch wie groß, ja enorm, das Imageproblem der deutschen Handwerkerschaft wirklich ist, hat Mark Spörrle in einem Film gesehen.

Der Film wird im Fernsehen nicht mehr gezeigt, aber er ist nach wie vor im Internet zu sehen. Es geht nicht um heimlich gedrehte Aufnahmen von habgierigen Waschmaschinenexperten, die das Gerät kurzsichtiger Senioren mit einem Schnipps am Kabelstrang in den Exitus befördern. Nicht um Installateure, die, die Füße noch im Wasser des undichten Rohrs, schamlos behaupten: "Normal ist das dicht!" Nicht um durch Pfusch am Dach auf Monate obdachlos gewordene Drei-Kind-Familien.

Nein, in diesem Zwei-Minuten-Film geht es um alles zusammen – und noch um viel mehr: Am Anfang zerbröselt ein Burger in der Hand einer jungen Frau, dann lösen sich im Büro die Tapeten von der Wand, bilden sich Risse im Straßenboden, werden Autos zu Schrotthaufen, zerbröckeln die Häuser – und am Ende herrscht dort, wo einmal Berlin war, wieder Steinzeit. So gut wie keine Branche des Handwerks wird geschont, keine potenzielle Katastrophe ausgelassen, der Streifen ist ein Alptraum für jeden aufrechten Maurer, Dachdecker, Hochbaufacharbeiter.

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Und spätestens wenn am Schluss ein nacktes Pärchen versucht, stöckchenreibend Feuer zu machen, will man mitleidig rufen: "Moment, es gibt zwar viel Handwerkerpfusch, natürlich auch in Berlin, allein bei den Neubauten im Regierungsviertel senken sich Fassaden und Dächer, springen Scheiben, gibt es Dachschäden. Aber so viel Pfusch auf einmal, das kann selbst bei Handwerkern nicht sein, das ist doch haltlos übertrieben, es gibt doch auch gute Handwerker ..."

Aber dann kommt schon der Abspann: "Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan." Und man begreift: Dieser Film ist eine brillante Satire. Hoch professionell umgesetzt. Von einem, der ein- für allemal abrechnen will mit den irren Typen, die nur den Küchenboden fliesen sollten und am Ende das ganze Haus verwüsten. Einem wie Michael Moore, Roland Emmerich oder Reinhard Mey, jemand, der sicher deshalb schon Ärger bekommen hat mit der versammelten ehrbaren Handwerkerschaft ...

Aber nein: man hat völlig falsch begriffen!

Mark Spörrle
Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den  ; .

Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den ; .

Denn in Wirklichkeit stammt diese Satire von der ehrbaren Handwerkerschaft selber. Und, sorry, sie ist keine Satire! Der Film gehört zu einer gigantischen Imagekampagne des Zentralverbands des deutschen Handwerks, die über fünf Jahre laufen soll. Budget: zehn Millionen Euro jährlich. Ziel: Der Bevölkerung klarzumachen, wie groß der wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellenwert des Handwerks in Wirklichkeit ist.

Grundsätzlich eine geniale Idee: Statt diejenigen unter den knapp vier Millionen Handwerkern, die sich nicht an Termine halten und nicht daran denken, sich wenigstens zu entschuldigen, die Türen einbauen, die von alleine zugehen und sich danach dumm stellen – "kaufen Sie doch einen Türstopper" –, die beim Streichen des Badezimmers ungefragt die Fliesen mitstreichen und beim Gehen mysteriöse kopfgroße Wandlöcher hinterlassen, statt also diese schwarzen Schafe, die schädlicher für das Image nicht sein könnten, mühsam zur Räson zu bringen – erzählt man den Kunden, dass die Realität eine ganz andere ist: Ohne Handwerker nämlich lebten wir in der Steinzeit.

Leser-Kommentare
  1. Und wer glaubt, dieser Spot wurde nur aus Zwangsmitgliedsbeiträgen finanziert, der irrt gaaaaanz gewaltig.

    Die Kammern, und ich betone: ALLE KAMMERN (IHK wie auch HWK etc.) kassiereun Subventionen, Zuwendungen und wie man es sonst nennen mag aus dem Steuer- bzw. EU-Säckel, zu dem wiederum jeder Steuerzahler beiträgt!

    Auch der Steuerzahler wurde nicht um sein Einverständnis zur Finanzierung dieses “DESASTERS” gebeten. Die Abzocker kennen keine Gnade.

    Fazit:
    “Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.”
    ( Albert Einstein)

    Michael Pramann

    Zwangsmitglied der Handwerkskammer Hildesheim
    FREIWILLIGES MITGLIED IM bffk ( Bundesverband für freie Kammern http://www.bffk.de )

    Hans-Olaf Henkel -Zwangsmitgliedschaften abwracken – NDR am 01.12.2009
    http://www.youtube.com/wa...

    ARD Kontraste: IHK und die Luxuspensionen aus Zwangsbeiträgen
    http://www.youtube.com/wa...

  2. http://www.kammerwatch.de...

    Michael Pramann

    Zwangsmitglied der Handwerkskammer Hildesheim
    FREIWILLIGES MITGLIED IM bffk ( Bundesverband für freie Kammern http://www.bffk.de )

    Mitstreiter bei www.kammerwatch.de

  3. http://www.kammerwatch.de...

    Michael Pramann

    Zwangsmitglied der Handwerkskammer Hildesheim
    FREIWILLIGES MITGLIED IM bffk ( Bundesverband für freie Kammern http://www.bffk.de )

    Mitstreiter bei www.kammerwatch.de

  4. Als Privatpatient eines Zahnarztes, der ausschliesslich privat Versicherte behandelt, der wünscht sich gelegentlich die pfuschenden Handwerker zurück.

    Kostenvoranschlag ? Natürlich nur unverbindlich und am Ende um mehr als das Doppelte überschritten.

    Gewährleistung ? Nein. Mängelbehebung kostet wieder neu. War alles unvorhersehbar.

    Die Krankenkasse sagt: Jaja, das ist unkorrekt und ungehörig - aber was wollen Sie machen ? Klagen ? Können Sie vergessen.

    Handwerker sind oft ein Ärgernis - richtig.

    Im Gegensatz zu Bankern/Juristen/Medizinern etc. sind sie aber einem echten persönlichen Risiko ausgesetzt.

    Oder schon mal einen Banker etc. erlebt, der für seinen Pfusch einsteht ?

    Eben nicht.

  5. .... ist doch wohl eher dieser Beitrag.
    Über Werbung kann man streiten ja.
    Aber Schleichwerbung muss angemahnt werden. Und nichts anderes wird hier betrieben, nämlich Schleichwerbung für ein Buch von Herr Spörrle.
    Da mixt er mal einfach eine Kampagne mit Beispielen schlechter Arbeit und verlogener Menschen, während zwei Ressorts weiter Frau Knaths (Als Powerfrau) Frauen beibringt wie das mit dem Lügen in der Businesswelt wirklich geht.
    Wenn es hier mit dem Handwerk schlecht bestellt ist da verdanken wir das ja wohl in erster Linie unsrer Billigermentalität und der gesellschaftlichen Geringschätzung dieser wichtigen Arbeit.
    Jemand hat einmal gesagt, eine Gesellschaft die Handwerk gering schätzt darf sich über tropfende Wasserhähne nicht wundern. Und so ist es. Viel schöner ist es doch wenn man diesen Artikel und die ganze Show dahinter gering schätz. Das hat er nämlich verdient, und keine Buchverkäufe.....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Oh, Alangasi, Sie werfen Herrn Spörrle - dessen Texte ich gerne lese, ich gebs zu – Lügen und Bereicherungsgedanken vor. Aufgrund meiner eigenen, wenig tollen Erlebnisse mit diversen Maurern und Schreinern kann ich nur sagen, dass eher die schlechten unter den Handwerkern es sind, die lügen und sich bereichern. Ich denke anhand der Erfahrungen in meinem Freundes- und Kollegenkreis auch, das ist fast schon Allgemeinwissen. Und ich denke, wer das so vehemment leugnet muss, wer weiß, entweder mit der aus Steuergeldern bezahlten Kampagne zu tun haben. Oder vielleicht selber einer sein...
    cheers, M.

    Oh, Alangasi, Sie werfen Herrn Spörrle - dessen Texte ich gerne lese, ich gebs zu – Lügen und Bereicherungsgedanken vor. Aufgrund meiner eigenen, wenig tollen Erlebnisse mit diversen Maurern und Schreinern kann ich nur sagen, dass eher die schlechten unter den Handwerkern es sind, die lügen und sich bereichern. Ich denke anhand der Erfahrungen in meinem Freundes- und Kollegenkreis auch, das ist fast schon Allgemeinwissen. Und ich denke, wer das so vehemment leugnet muss, wer weiß, entweder mit der aus Steuergeldern bezahlten Kampagne zu tun haben. Oder vielleicht selber einer sein...
    cheers, M.

  6. Oh, Alangasi, Sie werfen Herrn Spörrle - dessen Texte ich gerne lese, ich gebs zu – Lügen und Bereicherungsgedanken vor. Aufgrund meiner eigenen, wenig tollen Erlebnisse mit diversen Maurern und Schreinern kann ich nur sagen, dass eher die schlechten unter den Handwerkern es sind, die lügen und sich bereichern. Ich denke anhand der Erfahrungen in meinem Freundes- und Kollegenkreis auch, das ist fast schon Allgemeinwissen. Und ich denke, wer das so vehemment leugnet muss, wer weiß, entweder mit der aus Steuergeldern bezahlten Kampagne zu tun haben. Oder vielleicht selber einer sein...
    cheers, M.

    Antwort auf "Irrwitz der Woche..."
  7. Schornsteinfeger : Viele Menschen sind regelrecht verzweifelt:

    "Kaminkehrer verprügelt" - (PASSAUER NEUE PRESSE 04.02.09)
    "Oberbauamtsrat erschlägt Schornsteinfeger ..." (Bildzeitung 08.07.2009)
    "zertrümmerte die Heckscheibe des Schornsteinfegerautos" (suedwest-aktiv 12.09.2009)
    "Kollegen, die nur unter Polizeischutz ihrer Arbeit nachgehen, weil Hausbesitzer sie nicht einlassen wollen" (Berliner Morgenpost 06.11.2009)
    "Tod ... Eberhard Paul war ein Kritiker des Schornsteinfegermonopols" (Märkische Oderzeitung 02.12.2009)
    =====
    Dr. Dr. Horst Poller von Haus & Grund Württemberg hat die Schornsteinfeger ein Symbol für nutzlose Beschäftigung, für Monopolisten und für Lobbyisten genannt.
    Siehe:
    http://www.sueddeutsche-w...
    =====
    Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
    Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol - Sektion Bayern
    Portal : www.kontra-schornsteinfeg...
    Forum: www.schornsteinfeger-ko.de

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    • keox
    • 01.02.2010 um 18:13 Uhr

    Hauptsache die Wut und Verachtung richtet sich nicht gegen Bankster, Politiker und ihre gemeinsamen Paten aus der Hochfinanz.

    • keox
    • 01.02.2010 um 18:13 Uhr

    Hauptsache die Wut und Verachtung richtet sich nicht gegen Bankster, Politiker und ihre gemeinsamen Paten aus der Hochfinanz.

    • keox
    • 01.02.2010 um 18:13 Uhr

    Hauptsache die Wut und Verachtung richtet sich nicht gegen Bankster, Politiker und ihre gemeinsamen Paten aus der Hochfinanz.

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