Neun Monate nach den jüngsten Berliner Mai-Krawallen hat das Landgericht zwei Jugendliche vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen. Nach Meinung des Gerichts habe es sich "nicht mit der für die Verurteilung erforderlichen Sicherheit feststellen lassen, dass es die beiden Angeklagten waren".

Die Staatsanwaltschaft hatte den heute 20 und 17 Jahre alten Berlinern vorgeworfen, während der Krawalle am 1. Mai 2009 in Kreuzberg einen Molotow-Cocktail gegen Polizisten geschleudert zu haben. Hierbei war eine Frau schwer verletzt worden.

Die damaligen Schülern saßen mehr als sieben Monate in Untersuchungshaft. Im Dezember kamen sie dann überraschend auf freien Fuß. Familienangehörige und Freunde brachen bei der Verkündung des Urteils in Jubel aus. 

Das noch nicht rechtskräftige Urteil ist eine schwerer Rückschlag für die Staatsanwaltschaft, die mehrjährige Haftstrafen gefordert hatte. Es war das erste Mal, dass die Staatsanwaltschaft in der Geschichte der Mai-Krawalle Anklage wegen versuchten Mordes erhob. Allerdings verliefen die Ermittlungen nicht so, wie es sich die Berliner Behörden gewünscht hätten. Während des Prozesses sagte ein Polizist, die Ermittler seien nach den Mai-Krawallen völlig überlastet gewesen. Es habe ein "allgemeines Tohuwabohu" geherrscht.

Die damaligen Schüler hatten von Anfang an die Vorwürfe zurückgewiesen und gesagt, sie seien das Opfer einer Verwechselung geworden. Einer der Angeklagten hatte betont, er fühle sich als Bauernopfer von Polizei und Staatsanwaltschaft, die Ermittlungserfolge gebraucht hätten. Auch Freunde, Unterstützer und Angehörige hatten immer wieder gegen den Prozess demonstriert und der Justiz vorgeworfen, sich mit ihrer harten Linie politischem Druck zu beugen.

Nach den Mai-Ausschreitungen waren Forderungen nach harter Bestrafung von Randalierern laut geworden. 479 Polizisten waren durch Flaschen und Steine verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft erhob damals in 153 Fällen Anklage.