Kölümne Flirten mit Allahs Segen

Auch Muslime nutzen das Internet, um nach der großen Liebe zu suchen - in muslimischen Partnerbörsen. Aber warum wird der Glaube zum zentralen Faktor der Suche?

Eine muslimische Studentin am Laptop

Eine muslimische Studentin am Laptop

Die junge Frau sitzt in einem Café in Istanbul. Sie trägt ein Kopftuch, der Mann ihr gegenüber Bundfaltenhosen. Die beiden rühren ihr Essen nicht an. Das machen nur Paare, die ihr erstes oder ihr letztes Date haben, denke ich. Ich lausche vom Nebentisch und tippe auf die erste Verabredung. Es stellt sich heraus, dass sich die beiden im Internet kennengelernt haben und jetzt eifrig Reales und Virtuelles miteinander abgleichen.

Der Mann hat sich dafür auf den Weg in die Türkei gemacht, denn er erzählt von seiner Arbeit als Ingenieur in Deutschland. Er kommt aus dem Ruhrpott und schwärmt der ahnungslosen Frau vor, wie schön es dort sei. Ich verziehe keine Miene und unterdrücke den Impuls, die Frau vor diesem Gauner zu warnen.

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Die beiden unterhalten sich über ihre Erwartungen an eine Beziehung und die Bedeutung der Religion in ihrem Leben. Ich bin gerührt und vergebe dem Kollegen aus dem Ruhrpott. Und ich bin neugierig geworden auf die Dating-Plattformen, die speziell für Kopftuch- und Bundfaltenhosen-Träger gegründet wurden. Wie ist das virtuelle Flirten mit Allahs Segen?

Die Kölümne
Die Kölümne

Deniz Baspinar schreibt über Deutschland und Deutsche mit und ohne Hintergrund; lesen Sie hier mehr aus der Serie  Kölümne

Tatsächlich gehen auch fromme Muslime in den Weiten des Internet auf Partnersuche. Es gibt mehrere europaweit und international agierende Partnerbörsen, die sich speziell an Muslime wenden. Eine davon ist muslimlife.eu mit, laut Eigenaussagen, 50.000 Mitgliedern vor allem in Deutschland und der Türkei. Wer hier sein Profil anlegt, gibt detailliert Auskunft über seine muslimische Praxis: zum Beispiel, ob er oder sie den Koran liest, regelmäßig betet, fastet und eine Pilgerfahrt plant.  

Größer noch ist die Seite von muslima.com, die zu einem internationalen australischen Unternehmen gehört und von sich behauptet 900.000 User weltweit zu haben. Muslima.com bietet auch einen deutschsprachigen Dienst an. Hier kann man angeben, ob man sehr religiös, durchschnittlich oder "nicht so religiös" ist. Ob man Kopftuch beziehungsweise Bart trägt, ob die Essgewohnheiten halal sind und wie man zum Thema Polygamie steht.

Ein Blick auf muslima.com macht deutlich, wie sehr beim Thema Islam das öffentlich hergestellte Bild und die Lebensrealität auseinanderdriften. Während der Anbieter mit seinen muslimischen Vorzeigepaaren ein unschuldig, beschauliches Bild zeichnet, erhält man einen anderen Eindruck, wenn man sich die Profile anschaut.

Zumindest die Liebessuchenden aus Deutschland erwecken mit ihren Einträgen und Fotos nicht gerade den Eindruck, als könnten sie sich den ganzen Tag nicht von ihrem Gebetsteppich lösen. Frisuren, Schminke und Party-Posen sprechen von einer sehr diesseitigen Lebenslust. Es geht für sie hier nicht anders zu als in den Partnerbörsen, die nicht nach religiöser Zugehörigkeit unterscheiden.

Leser-Kommentare
    • K.Eh.
    • 14.01.2010 um 7:36 Uhr

    Sie sprechen beide Partnervermittlungen an, Muslimlife und Muslima, berichten aber dann im Prinzip nur über letztere, bei der wirklich nicht ganz klar ist, was eigentlich islamisch ist daran. Im unterschied zu Muslima.com bemüht sich Muslimlife wirklich um eine muslimische Ehevermittlung (es geht ausdrücklich um Familiengründung, nicht nur um Partnersuche) und gibt lange Angaben darüber, wie man sich verhalten soll und wie man unseriöse Angebote erkennt und sich schützt. Ich denke, so wie Muslimlife das praktiziert, macht das durchaus islamischen Sinn. Und es vereinfacht vieles, denn wir leben ja doch in einer Kultur, in der ein religiös gebundenes Leben nicht selbstverständlich ist, es also auch nicht leicht ist, bei einer Begegnung im Alltag Alltag dafür einen Partner zu finden.

  1. Warum stellt sich Frau Baspinar so dumm? Für eine muslimische Frau ist klar, dass sie aussschließlich einen Muslim heiraten darf, alles andere wäre "haram". Eine Frau, die solches wagt, riskiert im Normalfall mindestens, aus ihrer Großfamilie ausgeschlossen zu werden, wenn nicht Schlimmeres! Wie weit Religion tatsächlich praktiziert wird, spielt keine Rolle. Für eine Muslima stellt das Internet also höchstens eine Erweiterung der Auswahl dar (soweit es ohne Kontrolle durch männliche Familienmitglieder genutzt werden kann, was wohl eher die Ausnahme darstellen dürfte). Was den Mannn betrifft, fehlen mir die Worte: wie würden Sie einen nichtmuslimischen Deutschen einschätzen, der aufgrund einer Verbindung über eine Internet-Partnerbörse so weit reiste, um eine ihm unbekannte Frau zu treffen?

    Dass Frau Baspinar selbstverständlich annimmt, dass die Frau schließlich nach Deutschland kommen wird, spricht für sich, immerhin hat sie die Statistik -was den Zuzug von Türken aufgrund Eheschlieung angeht- auf ihrer Seite.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Die Muslime machen sich die Errungensschaften der modernen Technik zunutze, um ihre althergebrachten Gesellschaftsvorstelllungen unbehelligt von der "Mehrheitsgesellschaft" zu leben und fortzuführen!

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    Steinzeitlich, oder?

    @abulhol
    >>Der langen Rede kurzer Sinn: Die Muslime machen sich die Errungensschaften der modernen Technik zunutze, um ihre althergebrachten Gesellschaftsvorstelllungen unbehelligt von der "Mehrheitsgesellschaft" zu leben und fortzuführen!<<
    @octavian
    >>Steinzeitlich, oder?<<

    "Althergebracht" oder "steinzeitlich" kann man Partnerbörsen nicht nennen. Immehin lernen sich dort Mann und Frau "von selbst" kennen und vielleicht lieben. Althergebracht wäre eine von den Eltern arrangierte Ehe (die nicht unbedingt eine Zwangsverheiratung sein muss).
    Und was die Steinzeit anbelangt, damals gab es nicht nur kein Internet oder andere moderne Kommunikationsmittel, sondern auch keinen Islam.
    Vermutlich gab es in der Steinzeit auch Vieles nicht, was man heute gern als "steinzeitlich" bezeichnet, und das Leben mag sogar wesentlich freier und gleichberechtigter gewesen sein als in späteren Zeiten. Natürlich sind Allgemeinaussagen über die Steinzeit ohnehin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch, war sie doch die längste Periode der Menschheitsgeschichte, selbst wenn man nur die Zeit mitrechnet, in der es Menschen gab, die so aussahen wie wir.

    Steinzeitlich, oder?

    @abulhol
    >>Der langen Rede kurzer Sinn: Die Muslime machen sich die Errungensschaften der modernen Technik zunutze, um ihre althergebrachten Gesellschaftsvorstelllungen unbehelligt von der "Mehrheitsgesellschaft" zu leben und fortzuführen!<<
    @octavian
    >>Steinzeitlich, oder?<<

    "Althergebracht" oder "steinzeitlich" kann man Partnerbörsen nicht nennen. Immehin lernen sich dort Mann und Frau "von selbst" kennen und vielleicht lieben. Althergebracht wäre eine von den Eltern arrangierte Ehe (die nicht unbedingt eine Zwangsverheiratung sein muss).
    Und was die Steinzeit anbelangt, damals gab es nicht nur kein Internet oder andere moderne Kommunikationsmittel, sondern auch keinen Islam.
    Vermutlich gab es in der Steinzeit auch Vieles nicht, was man heute gern als "steinzeitlich" bezeichnet, und das Leben mag sogar wesentlich freier und gleichberechtigter gewesen sein als in späteren Zeiten. Natürlich sind Allgemeinaussagen über die Steinzeit ohnehin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch, war sie doch die längste Periode der Menschheitsgeschichte, selbst wenn man nur die Zeit mitrechnet, in der es Menschen gab, die so aussahen wie wir.

  2. 3. GÄHN

    die Christen haben jetzt auch eine eigene PV ... zuchtbulle.net

  3. 4. 2010

    Steinzeitlich, oder?

  4. Für Juden gibt es Seiten wie www.jewish-singles.de, und vermutlich gibt es auch vergleichbare Angebote speziell für Christen.

    Ich kann das durchaus verstehen. Der ganze Liebe, Sex und Ehe-Bereich scheint ja gerade im Islam ziemlich kompliziert zu sein, verglichen mit dem was der Durchschnittseuropäer so gewohnt ist.
    Die üblichen Partnersuche-Websites sind alles andere als zugeschnitten auf Muslime, die sich an die vorgesehenen Abläufe etc. halten wollen (ob nun aus eigener Überzeugung oder um es der Familie recht zu machen). Spezialisierte Webseiten, die die Eigenheiten des muslimischen "Balzrituals" berücksichtigen, machen da in meinen Augen durchaus Sinn.

    Und wenn aufgrund der eigenen Religionszugehörigkeit eh nur Juden, Muslime oder was auch immer als Partner in Frage kommen - warum dann auf einer Partnersuche-Seite für jedermann suchen, wo 95% der angemeldeten User schon aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit etc. eh nicht in Frage kommen?

    • J.G.
    • 14.01.2010 um 9:40 Uhr

    "Er kommt aus dem Ruhrpott und schwärmt der ahnungslosen Frau vor, wie schön es dort sei. Ich verziehe keine Miene und unterdrücke den Impuls, die Frau vor diesem Gauner zu warnen."

    Was soll das den heißen? Ich komme auch aus dem Ruhrpott und der ist definitiv schön!

  5. der islamische Glaube die zentrale Rolle spielt?!

    ([...] Bitte verzichten Sie auf polemisierende Behauptungen und legen Sie Ihre Meinung stattdessen sachlich dar. Danke. Die Redaktion/sh)

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    wenn mein Vortrag doch nur bloße Polemik gewesen wäre....

    wenn mein Vortrag doch nur bloße Polemik gewesen wäre....

    • Frankz
    • 14.01.2010 um 10:26 Uhr

    ([...] Bitte vermeiden Sie unsachliche Bemerkungen gegenüber der Autorin. Danke. Die Redaktion/sh)

    Dass die Religion das Identitätsbewusstsein eines gläubigen Muslims bestimmt, und zwar zu einem grösseren Grad als bei gläubigen Christen, braucht man nicht mehr zu erläutern. Ob man das für gut hält oder nicht ist Meinungssache.

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    ...das wollte ich nämlich auch grad schreiben. Es gibt keine dummen Menschen, oder Menschen die sich dumm stellen. Man sollte in der Regel kein Menschen beleidigen! Schade, dass es trotzdem Menschen gibt, die das tun.

    ...das wollte ich nämlich auch grad schreiben. Es gibt keine dummen Menschen, oder Menschen die sich dumm stellen. Man sollte in der Regel kein Menschen beleidigen! Schade, dass es trotzdem Menschen gibt, die das tun.

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