Irrwitz der Woche Online-Brief für nur 46 Cent

Ein Online-Brief ist ein Brief, den man online bei der Post aufgibt. Haben wir von der Idee nicht schon mal gehört?, fragt sich Mark Spörrle.

Was ist in diesen krisenhaften Zeiten das ideale Unternehmen? Eins, das daran arbeitet, sich selbst überflüssig zu machen aber dafür jede Menge Geld einstreicht. In der weltweiten Rangliste sahen wir bislang diverse Investmentbanken ganz weit vorne. Aber heimlich, still und leise arbeitet eine andere Firma daran, sie einzuholen, eine, der man dies bislang nicht zugetraut hätte: die Post.

Erstens schmiedete die Post  nun doch wieder verworfene Pläne, die – beim Verfasser montags ohnehin kaum stattfindende – Briefzustellung an manchen Tagen einzuschränken. Zweitens wandelte sie Postfilialen in von Dritten betriebene Dependancen in Getränkemärkten oder Apotheken um, unter dem Motto: "Kundennähe ist für uns ein Versprechen, das wir mit über 1000 neuen Filialen eingelöst haben". Eine Entwicklung, die zwei große Fragen aufwarf: Darf der Getränkemarkt aus Kapazitätsgründen wirklich zehn Minuten länger geöffnet haben als die von ein- und derselben Person betriebene hinter einem Stapel Astra-Bräu angesiedelte Postagentur? Und: Wird eine Apotheke mit integrierter Postagentur überfallen, welche Kasse ist zuerst zu öffnen?

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Und drittens ist da jetzt der Online-Brief. Eine ganz große Sache, die dieses Frühjahr noch starten soll und die man sich so vorstellen muss: Ein Postkunde schreibt einen Brief, aber nicht mehr auf Papier, sondern in eine Eingabemaske im Internet. Selbstverständlich muss er vorher ein Identifizierungsverfahren durchlaufen haben, das sicher kein Spaß ist, und mit Tans ausgestattet werden. Die Post druckt den Brief allerdings wieder aus und stellt ihn als "Hybrid-Brief" durch einen der noch verbliebenen Briefträger zu. Was aber quasi nur als evolutionärer Zwischenschritt zu verstehen ist, denn am Ende dieser Neuentwicklung steht der vollelektronische Brief: Der wird nicht nur online verfasst – sondern auch online zugestellt! Also ganz ohne Briefträger!

Mark Spörrle
Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den  ; .

Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den ; .

Zugegeben, bei all ihrer Genialität kommt uns diese Idee doch nach längerem Nachdenken ein wenig bekannt vor. Wird sie nicht angeblich sogar hier und da schon unter dem Namen E-Mail praktiziert? – nein, halt, beim Online-Brief ist es ganz anders: Zielgruppe ist nicht Lieschen Müller. Es sind kleinere und mittelständische Unternehmen, die so Rechnungen oder Verträge an ihre Kunden schicken und dafür pro Brief 46 statt 55 Cent bezahlen. In der Hybridvariante. Wer Unternehmen wie die Post kennt, hat Grund zu befürchten, dass später die reine Online-Variante wieder 55 Cent kosten wird, mindestens.

Wofür der Online-Brief dann aber binnen Sekunden da ist. Wie die E-Mail übrigens auch, mit der die Unternehmen ihre Rechnungen ja auch schicken könnten. Und das umsonst und ohne diese Rechnungen erst durch stundenweise angeheuerte ehemalige Briefträger in Posteingabemasken eintippen zu lassen.

Unter Umständen wird also der Kreis der Unternehmen, die sich für diese revolutionäre neue Dienstleistung nachhaltig interessieren, anfangs nicht allzu groß sein. Wir können allerdings davon ausgehen, dass die Post den Online-Brief trotzdem einführen wird.

Wie sicherlich auch das Online-Telegramm, das zwar genauso schnell eintreffen wird wie die Online-Briefe und wie jede Mail. Das aber seinen Preis von sagen wir drei Euro sechsundsechzig (mit Musik sechs Euro sechsundsechzig) durch die im Online-Formular festgelegte beschränkte Zeichenzahl rechtfertigen wird: Denn dadurch, Sie verstehen, wird es schneller gelesen.

Leser-Kommentare
    • HaStu
    • 15.01.2010 um 18:53 Uhr

    Leider ist der "Irrwitz der Woche" wohl eher dieser Artikel als der hier so harsch kritisierte Onlinebrief. Natürlich scheint es der E-Mail sehr ähnlich zu sein, allerdings nur auf dem ersten Blick und nicht bei einer tiefergehenden Recherche. E-Mails versenden z.B. ist nicht verschlüsselt. Dass heißt, man kann mit einfachsten Mitteln den E-Mail-Verkehr mitschneiden. Das ist auch der Grund, weshalb amtliche Dokumente nicht per E-Mail geschickt werden können - Es ist einfach nicht sicher. Die E-Mail ist eine moderne Form der Postkarte mit unbegrenzt Platz, die aber trotzdem jeder lesen kann der vorbeigeht. Ein Onlinebrief aber würde garantieren, dass er in einem geschlossenen Kuvert ist. Und dass dies ein Mehrwert ist wohl unzweifelhaft, insofern ist es durchaus legitim, dafür Geld zu verlangen.
    Schade, dieser Artikel erfüllt die ansonsten hohen Maßstäbe der Zeit nicht im Geringsten.

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    • Nopp
    • 15.01.2010 um 19:25 Uhr

    Also E-mails kann man privat so stark verschlüssel das sogar das FBI und die CIA Angst bekommen und diese Verschlüsselungen in den USA verbieten. Zusätzlich sind diese Kryptosystem frei für Linux zu bekommen. Es geht nicht darum das jemand mitlesen kann sondern das niemand online beweisen kann das er die Rechnung erhalten hat. Nur Zustellunternehmen können gerichtsfest versichern das ein Brief beim Empfänger angekommen ist. Alles andere ist per Verschlüsselter E-Mail machbar. Die Idee ist viel mehr das die Post als Trusted Center fungieren will und so als vertrauenswürdiger Dritter auftritt der dafür sorgt das jeder Teilnehmer auch der ist der er vorgibt zu sein und für eine gerichtsfeste Empfangsbestätigung bei E-Mails sorgt.

    • mio
    • 15.01.2010 um 22:05 Uhr

    Und der Text, den man online an die Post schickt (welcher dann wiederum postalisch zugestellt wird), kann nicht ausspioniert werden?

    > nur auf dem ersten Blick und nicht bei einer
    > tiefergehenden Recherche. E-Mails versenden z.B.
    > ist nicht verschlüsselt.

    LOL! Und das war ein noch besserer Witz. Verschlüsselte und signierte Emails gibt es seit Jahrzehnten.

    Einen Schlüssel bekommt man für ein paar Euro bei zahlreichen Anbietern (die gleichen, die auch das Online-Banking usw. verschlüsseln, um es mal einfach auszudrücken).

    und was ist mit der verschlüsselung von emails?

    • Nopp
    • 15.01.2010 um 19:25 Uhr

    Also E-mails kann man privat so stark verschlüssel das sogar das FBI und die CIA Angst bekommen und diese Verschlüsselungen in den USA verbieten. Zusätzlich sind diese Kryptosystem frei für Linux zu bekommen. Es geht nicht darum das jemand mitlesen kann sondern das niemand online beweisen kann das er die Rechnung erhalten hat. Nur Zustellunternehmen können gerichtsfest versichern das ein Brief beim Empfänger angekommen ist. Alles andere ist per Verschlüsselter E-Mail machbar. Die Idee ist viel mehr das die Post als Trusted Center fungieren will und so als vertrauenswürdiger Dritter auftritt der dafür sorgt das jeder Teilnehmer auch der ist der er vorgibt zu sein und für eine gerichtsfeste Empfangsbestätigung bei E-Mails sorgt.

    • mio
    • 15.01.2010 um 22:05 Uhr

    Und der Text, den man online an die Post schickt (welcher dann wiederum postalisch zugestellt wird), kann nicht ausspioniert werden?

    > nur auf dem ersten Blick und nicht bei einer
    > tiefergehenden Recherche. E-Mails versenden z.B.
    > ist nicht verschlüsselt.

    LOL! Und das war ein noch besserer Witz. Verschlüsselte und signierte Emails gibt es seit Jahrzehnten.

    Einen Schlüssel bekommt man für ein paar Euro bei zahlreichen Anbietern (die gleichen, die auch das Online-Banking usw. verschlüsseln, um es mal einfach auszudrücken).

    und was ist mit der verschlüsselung von emails?

    • Nopp
    • 15.01.2010 um 19:25 Uhr

    Also E-mails kann man privat so stark verschlüssel das sogar das FBI und die CIA Angst bekommen und diese Verschlüsselungen in den USA verbieten. Zusätzlich sind diese Kryptosystem frei für Linux zu bekommen. Es geht nicht darum das jemand mitlesen kann sondern das niemand online beweisen kann das er die Rechnung erhalten hat. Nur Zustellunternehmen können gerichtsfest versichern das ein Brief beim Empfänger angekommen ist. Alles andere ist per Verschlüsselter E-Mail machbar. Die Idee ist viel mehr das die Post als Trusted Center fungieren will und so als vertrauenswürdiger Dritter auftritt der dafür sorgt das jeder Teilnehmer auch der ist der er vorgibt zu sein und für eine gerichtsfeste Empfangsbestätigung bei E-Mails sorgt.

    Antwort auf "Online Brief Irrtum"
    • mio
    • 15.01.2010 um 22:05 Uhr
    3. aber

    Und der Text, den man online an die Post schickt (welcher dann wiederum postalisch zugestellt wird), kann nicht ausspioniert werden?

    Antwort auf "Online Brief Irrtum"
  1. ...ist meines Erachtens ein anderes. Laut Gesetz darf ich keine Rechnung per E-Mail versenden. Ich darf auch keine Werbung per E-Mail, außer bei bestehenden Geschäftskontakten versenden.
    Wenn ich das dürfte, kann jeder schon selber ausrechnen, welche Verluste die Post hat. Für den Rechnungsversand muss ich mich zertifizieren lassen. Das kostet natürlich auch Geld. Mit der Zertifizierung ist aber auch nicht gegeben, dass ein Nachweis des Erreichens beim Empfänger vorliegt. Genauso wenig habe ich den Nachweis bei normaler Zustellung, ausgenommen ich verschicke per Einschreiben mit Rückschein.
    Die Firma GMX hatte oder hat noch in ihrem Portfolio eine sogenannte Einschreiben-E-Mail. Die E-Mail wurde oder wird auf einem Server zwischengespeichert, der Empfänger erhält eine Nachricht zum Empfang und es wird eine nicht zu umgehende Empfangsbestätigung an den Absender verschickt.
    Ich arbeite seit 1995 mit E-Mails und in dieser Zeit ist keine E-Mail, bei ca. 50 - 60 Mails/Tag (manchmal auch mehr) "verschütt gegangen".
    Es geht rein ums Geld. Um nichts anderes. Man bietet dem Kunden einen Service, der mit 46 Cent eigentlich ziemlich attraktiv ist. Es fallen ja für den Absender Druck,- Falz- und Transportkosten weg.
    Eine weitere Schnittstelle für die Vorratsdatenspeicherung hat man auch gleich generiert.

  2. Also ich bin sicherlich nicht die gedachte Zielgruppe, aber finde den Online-Brief super:
    Meine Vorlesungen, eMails, Fotoalben, Zeitung und Radio...eben so alles erledige ich digital am Laptop. Ein Drucker lohnt für mich gar nicht und seit dem letzten Umzug hab ich mir daher keinen mehr gekauft.
    Wenn ich nun tatsächlich mal wieder einen 'richtigen' Brief an ein Amt oder ähnliches schicken muss, ist das immer ein bißchen nervig und so ein Online-Brief erledigt nun auch dieses letzte Problem.
    Auch um von unterwegs Briefe anzuschicken, ist das doch sehr praktisch. Werd ich sicherlich nutzen!

  3. *abzuschicken

  4. > nur auf dem ersten Blick und nicht bei einer
    > tiefergehenden Recherche. E-Mails versenden z.B.
    > ist nicht verschlüsselt.

    LOL! Und das war ein noch besserer Witz. Verschlüsselte und signierte Emails gibt es seit Jahrzehnten.

    Einen Schlüssel bekommt man für ein paar Euro bei zahlreichen Anbietern (die gleichen, die auch das Online-Banking usw. verschlüsseln, um es mal einfach auszudrücken).

    Antwort auf "Online Brief Irrtum"
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    • HaStu
    • 16.01.2010 um 11:44 Uhr

    Sie sagen es bereits selbst: Man erhält es über andere Anbieter. Das SMTP und POP-Protokoll aber unterstützen von Haus aus keine Verschlüsselung - Fakt! Und PGP und ähnliche Services oder Login nur per SSL nutzen einfach viel zu wenige Menschen, obwohl ja auch niemand seinen Briefkasten offen stehenlassen würde.
    Sie müssen unterschieden zwischen technisch möglichen und Sachen, die wirklich in der breiten Masse angewendet werden.

    • HaStu
    • 16.01.2010 um 11:44 Uhr

    Sie sagen es bereits selbst: Man erhält es über andere Anbieter. Das SMTP und POP-Protokoll aber unterstützen von Haus aus keine Verschlüsselung - Fakt! Und PGP und ähnliche Services oder Login nur per SSL nutzen einfach viel zu wenige Menschen, obwohl ja auch niemand seinen Briefkasten offen stehenlassen würde.
    Sie müssen unterschieden zwischen technisch möglichen und Sachen, die wirklich in der breiten Masse angewendet werden.

    • atride
    • 16.01.2010 um 7:55 Uhr

    steht man in den innenstädtischen filialen grundsätzlich zwischen 10 und 20 minuten an. das hält die postspitze aber keineswegs davon ab, ihr schalterpersonal ungebeten kapitalanlagen und/oder strom zu verkaufen. sprich sog. erklärungsbedürftige produkte. ein irrwitziger zustand, der unglaublich nervt.

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