BuschbrändeAustraliens Angst vor dem Feuer

Das Warnsystem funktioniert nicht, es gibt keine Evakuierungspläne und im Busch werden wieder Holzhäuser gebaut: Australien ein Jahr nach der großen Feuertragödie. von 

STRATHEWEN, AUSTRALIA - FEBRUARY 07: Construction continues on a new house on the one year anniversay of 'Black Saturday', Australia's worst ever bushfires and worst peace-time disaster, on February 7, 2010 in Strathewen, Australia. The fires, of which there were over 400 recorded, resulted in 173 confirmed deaths, and over 2000 homes destroyed, with entire towns badly damaged and some almost completely destroyed. (Photo by Richard Kendall/Getty Images)

Ihre zerstörerische Kraft war einzigartig. Selbst im feuergeplagten Australien übertrafen die Buschbrände im Februar 2009 jedes Vorstellungsvermögen. Flammen schlugen bis zu hundert Meter hoch, Gase brennender Eukalyptusbäume explodierten. Innerhalb weniger Minuten brannten ganze Wälder. Die Energie, die die Katastrophe  freisetzte, hätte ausgereicht, Industrie und Haushalte im betroffenen Bundesstaat Victoria ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Das war vor genau einem Jahr. 173 Menschen starben damals. In diesen Tagen erinnert man sich in Australien mit Schrecken an das Inferno, das unter dem Namen Black Saturday in die Geschichte eingegangen ist.

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Längst sind noch nicht alle Spuren der Katastrophe getilgt. Zwar sprießt wieder Grün auf schwarzverkohlten Baumstämmen. "Die Natur erholt sich", sagt Richard Hughes, Naturschützer der Wilderness Society. Es werde aber "mehr als hundert Jahre" dauern, bis der Baumbestand seine frühere Höhe wieder erreicht habe. Tiere wie das Opossum "wird man hier lange nicht mehr sehen."

Ungewiss ist auch, wie viele Bewohner in die vom Feuer verwüsteten Gemeinden Marysville, Kinglake und Strathewen zurückkehren. Noch immer wirken die Orte wie Geisterstädte. Viele Opfer der Brandkatastrophe leiden zudem an Traumata, sie haben die Qualen und die Angst während des Infernos noch lange nicht verarbeitet. Die Maßnahmen der Behörden seit dem Inferno tragen nicht dazu bei, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Kaum jemand im australischen Busch glaubt, dass neue Bauvorschriften und ein Telefonwarnsystem wirklichen Schutz bieten. Allzu tief sitzt das Misstrauen, es gründet auf schlechten Erfahrungen.10.280 Notrufe gingen am 7. Februar 2009 bei der Brandschutzbehörde CFA ein – nicht einmal jeder fünfte Anrufer erhielt eine Antwort.

Die meisten Opfer des Black Saturday kamen bei dem Versuch ums Leben, ihre Häuser gegen die Flammen zu verteidigen. Das bislang praktizierte stay and defend or leave early hat nach Empfehlung der mit der Aufarbeitung der Tragödie befassten Royal Commission deshalb ausgedient. Bei "Warnstufe Rot" der Brandschutzbehörde sollen die Menschen im Busch ihre Häuser binnen 24 Stunden verlassen. Ein Vorhaben, das Widersprüche birgt: Evakuierungspläne für den Notfall gibt es keine und das neue Telefonwarnsystem fiel bereits beim ersten Praxistest durch. Zwei Stunden dauerte es bei Buschfeuern in Westaustralien, bis Bewohner telefonisch über deren Ausbruch informiert wurden.

Dabei ist es dringend nötig, dass sich Australien auf Katastrophen wie den Black Saturday vorbereitet. Denn Forscher erwarten bis 2020 deutlich mehr Tage mit extremer Buschfeuergefahr (plus 25 Prozent). Bei anhaltender Erderwärmung rechnen sie bis 2050 mit einer Zunahme von 70 Prozent.

Ohnehin sei Australien, sagt der Umwelthistoriker Stephen Pyne, "ein Kontinent des Feuers, wie geschaffen, um zu brennen". Es sind nördliche Winde, die besonders heiße, trockene Luft aus dem Innern Australiens in den dicht bewaldeten Südosten wehen können und dort jegliche Feuchtigkeit verdunsten lassen.

Leserkommentare
  1. Die Natur ist darauf eingestellt, viele Pflanzen BRAUCHEN auch das Feuer zur Fortpflanzung!
    Trotzdem ist es seit ein paar Jahrzehnten chic, sich mitten im Busch, wenige Meter vom Waldrand, niederzulassen und dort nette Hütten zu bauen.
    Mein Onkel, der 1957 nach Australien auswanderte, machte mich schon 1993 auf dieses Phänomen aufmerksam und hatte schon damals kein Verständnis für die Menschen, die sich billige Gründe in "idyllischer Lage" kaufen, und dann bei jedem jährlichen Waldbrand "Katastrophe!" rufen.

  2. 2. Possum

    Opossums sind u.a. in Nordamerika beheimatet, daher findet man in Australien höchstens im Zoo. Gemeint ist wahrscheinlich das Possum, das sich down under eher wohlfühlt.

    Grüsse

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  • Schlagworte Australien | Katastrophe | Waldbrand | USA | Melbourne
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