Kölner U-Bahn-Skandal Auch ICE-Trasse unter Baupfusch-Verdacht

Nach der Kölner U-Bahn nun auch eine ICE-Strecke: Wegen angeblich falscher Protokolle will der federführende Baukonzern die Trasse München-Nürnberg überprüfen.

Die Baupfusch-Affäre um den Bau der Kölner U-Bahn weitet sich aus: Der in Köln federführende Konzern Bilfinger Berger will nun auch seine Baustelle an der ICE-Trasse zwischen München und Nürnberg überprüfen. Es habe Hinweise der Staatsanwaltschaft gegeben, wonach die Protokolle für die Verankerung von Betonteilen an der Hochgeschwindigkeitstrasse gefälscht seien, sagte ein Firmensprecher. Die Hinweise stammen einem Bericht des Kölner Express zufolge aus der Vernehmung eines ehemaligen Bauleiters des Unternehmens.

Überdies könnte es der Zeitung zufolge an der Station Heumarkt unsicher verankerte Schlitzwandlamellen geben. Ein Sprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sagte, die Staatsanwaltschaft habe das Unternehmen auf die neuen Verdachtsmomente hingewiesen. Der Sprecher wies darauf hin, dass ein aktuelles TÜV-Gutachten definitiv Entwarnung für die Stabilität der Station Heumarkt gebe. Dies gelte selbst für den theoretisch angenommenen Fall, dass tatsächlich Stützanker fehlen und Ankerprotokolle gefälscht worden seien. Die KVB fungieren als Bauherrin des Milliarden-Projekts.

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Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte nach der Vernehmung des Zeugen Räume der Arbeitsgemeinschaft durchsucht, in der die am U-Bahn-Bau beteiligten Firmen zusammengeschlossen sind. Man habe umfangreiche Unterlagen sichergestellt, hieß es. Es gebe den Verdacht, "dass Anker nicht oder falsch eingebaut worden sind", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld. Untersuchungen hatten ergeben, dass ein Großteil der als Stabilisierungselemente vorgesehen Eisenbügel nicht verbaut wurde. Bauarbeiter sollen sie stattdessen an Schrotthändler verkauft haben.

Die Staatsanwaltschaft und die KVB teilten zudem mit, dass offenbar auch die Protokolle für zwei weitere unterirdische Baustellen der Kölner U-Bahn manipuliert wurden. Damit betrifft der Vorwurf der Schlamperei und krimineller Machenschaften nun schon fünf der insgesamt acht neu entstehenden Bahnhöfe der Nord-Süd-Stadtbahn.

Theoretisch sicherheitsrelevant seien die Mängel aber allein an der Station Heumarkt, sagte der KVB-Sprecher. Bei allen anderen Stationen sei der Innenausbau bereits soweit fortgeschritten, dass die Schlitzwände auch ohne Verankerung ausreichend stabil seien. Ohnehin seien die Ankerelemente nur während der Bauphase nötig. Die Station Waidmarkt, in deren Nähe das Kölner Stadtarchiv eingestürzt war, sei weitgehend geflutet und damit stabilisiert worden.

Leser-Kommentare
  1. viereggtext - Ganz Köln von der Skrupellosigkeit von Bauarbeitern, -unternehmern unterwandert. Ohne auf die Konsequenzen zu achten, das Privatkässchen angefüllt. Da muss ein exemplarischer Prozess her, der Gleichgesinnten klarmacht: So nicht! Die brutale Gerissenheit weniger gefährdet eine ganze Stadt!

    • pbosch
    • 20.02.2010 um 21:52 Uhr

    Megathema am Stammtisch.

    "Dichtmachen den Laden". Oder: "Aufträge entziehen".

    Frage: "Uns was geschieht dann mit der Maxi-Mehrheit derjenigen die damit nichts zu tun hatten?"

    Betretenes Schweigen. Hängt sie alle, denn sie waren zugegen. Demnach hätten wir heute in der BRD bzw Ex-DDR eine unglaubliche Minderpopulation.

    Die Hydra lässt sich nur am Kopf zerstören.

    Und - was geschieht - nach voraussichtlich vielen Jahren von Prozessverlahmenden Gutachten?

    Geldstrafe aus der Portokasse? Freiheitsstrafe mit Bewährung auf Cayman Islands?

    Das lasche System dieses "Rechtsstaates" lädt doch ein zum Pfusch, zur Korruption.

    Ein "dummer" Bankräuber riskiert - auf der Flucht - sein Leben für vielleicht 10 Mille. Der Vorstand des beraubten Institute lacht sich über solche Peanuts kaputt.

    Noch Fragen?

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