Erdbeben 122 Tote durch heftiges Erdbeben in Chile

Ein Beben erschütterte Chiles Küste. Angesichts der Stärke von 8,8 wurden zum Glück vergleichsweise wenig Menschen getötet. Die Infrastruktur jedoch ist schwer zerstört.

Ein Auto begraben unter den Trümmern einer eingefallenen Mauer in der chilenischen Stadt Valparaiso

Ein Auto begraben unter den Trümmern einer eingefallenen Mauer in der chilenischen Stadt Valparaiso

"Ich dachte, es sei das Ende der Welt", sagt ein offensichtlich noch unter Schock stehender Chilene in der Großstadt Concepción. Er hat das Erdbeben der Stärke 8,8 am frühen Samstagmorgen überlebt, aber sein Hab und Gut liegt in Trümmern. "Wir rannten im Schlafanzug aus dem Haus. Draußen im Dunkeln konnten wir uns kaum auf den Beinen halten, so stark hat die Erde gebebt", berichtete ein Mann in der Hauptstadt Santiago de Chile.

Ein mächtiges Erdbeben hatte kurz zuvor das ganze Land erschüttert. Um 3.34 Uhr Ortszeit hatte es Millionen Menschen aus dem Schlaf gerissen, viele stürzten in Panik auf die Straßen. Infolge des Erdstoßes, dessen Epizentrum nach Angaben der US-Erdbebenwarte 90 Kilometer vor der Küste Zentralchiles lag, sind nach offiziellen Angaben mindestens 122 Menschen ums Leben gekommen. Allerdings hieß es, dass diese Zahl wohl noch steigen werde, da wohl viele Menschen unter dem Schutt begraben wurden. Die südchilenische Küstenstadt Concepción, die immerhin ungefähr 200.000 Einwohner hat, traf es am härtesten, sie liegt in Trümmern. Staatspräsidentin Michelle Bachelet rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und zu Hause zu bleiben. Die betroffene Region wurde zum Katastrophengebiet erklärt.

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Die gewaltigen Erdstöße im Meer verursachten außerdem einen Tsunami mit bis zu 1,32 Meter hohen Wellen. Die Behörden hatten daher Alarm für alle Küstenorte bis hinauf nach Peru ausgelöst. Nach Angaben von Innenminister Edmundo Pérez Yoma blieb es jedoch bei einer mittleren Flutwelle, die keine nennenswerten Schäden anrichtete. Aber auch so weit entfernte Gebiete wie die zu Chile gehörende Osterinsel mit den weltberühmten Moai-Steinfiguren, Hawaii oder Japan richteten sich vorsorglich auf eine Flutwelle ein, die derzeit quer über den Pazifik rollt. Auf der Inselgruppe Juan Ferández etwa 600 Kilometer vor der Küste Chiles überspülte die Flutwelle bereits die Hälfte eines kleinen Ortes.

Ausbreitung des durch das Erdbeben vor Chile ausgelösten Tsunamis über den Pazifik

Ausbreitung des durch das Erdbeben vor Chile ausgelösten Tsunamis über den Pazifik

"Der Tsunami wird sich über den gesamten Pazifik ausbreiten", sagte der Erdbebenexperte Rainer Kind vom Geoforschungszentrum in Potsdam. "Ich vermute allerdings, dass die Zerstörungen nicht so stark sein werden. Um auf der gegenüberliegenden Seite des Pazifik anzukommen, braucht der Tsunami viele Stunden."

Es handelte sich weltweit um eines der stärksten jemals registrierten Erdbeben. Das stärkste je gemessene hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 ebenfalls in Chile. Damals starben mehr als 1600 Menschen. Chile liegt am sogenannten "Pazifischen Feuerring", einem hufeisenförmigen Vulkangürtel am Rande des Pazifiks. Etwa 90 Prozent der Erdbeben weltweit ereignen sich innerhalb des Feuerrings. Die Richter-Skala, auf der die Stärke angegeben wird, ist nicht metrisch – ein Punkt mehr auf der Skala bedeutet eine zehnfach höhere Stärke. Nach Angaben des Leiters des Seismologischen Instituts der Universität von Chile, Sergio Barrientos, waren die Stöße mit einer Stärke von 8,8 etwa 50 mal stärker als diejenigen, die am 12. Januar Haiti in die Katastrophe stürzten. Dennoch kamen glücklicherweise viel weniger Menschen ums Leben.

Karte der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration der einzelnen Beben an Chiles Küste. Die Größe der Punkte zeigt die Stärke, die Farbe die Tiefe - je röter, desto näher an der Erdoberfläche

Karte der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration der einzelnen Beben an Chiles Küste. Die Größe der Punkte zeigt die Stärke, die Farbe die Tiefe - je röter, desto näher an der Erdoberfläche

Und das trotz mehrerer Nachbeben mit Stärken von bis zu 6,9 auf der Richter-Skala. Die wesentlich solidere Bauweise in dem hoch entwickelten Land konnte offensichtlich die Wiederholung einer Totalzerstörung wie in Haiti verhindern. Die Schäden an der Infrastruktur jedoch sind enorm. Historische Bauten wie Kirchen oder alte Kolonialhäuser, aber auch der moderne internationale Flughafen in Santiago wurden schwer beschädigt. Der Flugbetrieb wurde für mindestens drei Tage unterbrochen. Neben Autobahnbrücken, die wie von Riesenhand verbogen und zerschlagen erschienen, lagen Autos auf dem Dach. Wohnhäuser stürzten ein und geborstene Gasleistungen sorgten für Explosionsgefahr. Auch ein wichtiges Glasfaserkabel für die Datenübertragung wurde zerstört und behinderte den Internetzugang sogar bis in die ferne argentinische Hauptstadt Buenos Aires.

Interaktive Karte: Erdbeben-Daten in Echtzeit

Auf dieser Google Maps-Karte mit Daten des United States Geological Survey (USGS) finden Sie Erdbeben-Informationen der letzten sieben Tage als farbige Symbole. Neue Erdbeben werden  in Echtzeit hinzugefügt. Schwere und Aktualität der Erdbeben werden durch unterschiedliche Farbwerte signalisiert.

Hinweis: Durch die große Menge an zu verarbeitenden Daten und hohe Abrufzahlen kann es bis zu einer Minute dauern, bis die Karte vollständig geladen wird.

In Santiago wurden Teile der Altstadt in Trümmer gelegt. «Ich spürte die Erdstöße und konnte mit meinem Sohn gerade noch ins Freie rennen, bevor ein Teil des Hauses zusammenstürzte», sagte eine Frau in der Avenida Matta, einer der ältesten Straßen der Hauptstadt. Die Reste der einst stolzen Gebäude vom Anfang des 20. Jahrhunderts sind nun im Trümmerstaub eingehüllt. Eine andere Frau steht in Tränen aufgelöst vor ihrem Haus. «Die Fassade ist weggebrochen, plötzlich waren die Türen und die Fenster weg.» Sie kann ihre Wohnung zwar noch sehen, aber wegen Einsturzgefahr wohl nicht mehr betreten. Am schwersten betroffen war hingegen nach Fernsehberichten die Stadt Concepción, wo kaum eine Straße ohne Zerstörungen blieb.

Das Erdbeben vom 11. März

In fast 90 Prozent der Fälle werden Tsunamis durch Seebeben ausgelöst. Dabei brechen oder reißen aufeinander stoßende Erdplatten und erschüttern den Untergrund des Ozeans. In Japan taucht die Pazifische unter die Eurasische Platte.

Infografik Erdbeben
Klicken Sie auf das Bild, um die Weltkarte der Erdbebengefahr herunterzuladen

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Durch solche Erdverschiebungen können gewaltige Wassermassen in Bewegung gesetzt werden. Einmal angestoßen, beginnt eine Kettenreaktion: So wie ein Dominostein den nächsten anstößt, pflanzt sich die Bewegungsenergie im Wasser fort – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern in der Stunde.

In Japan ereignete sich am 11. März 2011 um 14.46 Uhr Ortszeit (06.46 Uhr MEZ) ein großes Erdbeben der Stärke 9. Zahlreiche weitere Beben erschütterten die Region. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und fast 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokyo. Das Beben löste mehrere Flutwellen aus, die weite Landstriche verwüsteten.

Mehr als 15.800 Menschen starben durch die Naturkatastrophen, mehr als 3.200 gelten weiterhin als vermisst. Rund 120.000 Gebäude wurden zerstört, Hunderttausende weitere zum Teil erheblich beschädigt (Quelle: National Police Agency, Japan).

Der Tsunami

Eigentlich bedeutet das japanische Wort Tsunami "Hafenwelle". Meist ist es aber nicht eine einzige Welle, die ausgelöst durch ein Erdbeben die Küsten trifft, sondern die Erschütterungen lösen gleich eine ganze Serie von Flutwellen aus.

Treffen diese Wellen nach ihrer rasanten Ausbreitung über den offenen Ozean auf flachere Gewässer, türmen sich die Wassermassen meterhoch auf. Als gewaltige Brecher schlagen die Fluten an Land und können so kilometerweit ins Landesinnere vordringen.

Mit Beben muss man auf Japans Hauptinsel Honshu stets rechnen. Das Land liegt im Bereich des Pazifischen Feuerrings. Damit ist ein Vulkangürtel gemeint, der den Pazifischen Ozean umringt.

GAU in Fukushima

Während des Bebens am 11. März 2011 wurde auch das an der Ostküste der Präfektur Fukushima gelegene Atomkraftwerk Fukushima-1 beschädigt. Der anschließende Tsunami zerstörte sowohl die Notstromversorgung als auch wichtige Kontrollmöglichkeiten der sechs Reaktoren.

Grafik Radioaktivität
Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.

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Nachdem das Kühlsystem ausfiel, kam es zu mehreren Explosionen durch entzündeten Wasserstoff. Die Wände der Reaktoren 1, 2, 3 und 4 wurden teils schwer dadurch beschädigt. Zudem ereigneten sich Kernschmelzen in den Reaktoren 1 bis 3. Radioaktivität trat in hohen Mengen in die Umwelt aus.

Das umliegende Gebiet musste evakuiert werden. Noch immer sind Städte und Dörfer in einem Radius von 20 Kilometern um die Atomanlage gesperrt. Mindestens 60.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.

Der AKW-Betreiber Tepco versucht, die havarierten Reaktoren langfristig unter Kontrolle zu halten. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Auch in anderen Landesteilen gab es Zerstörungen, deren genaues Ausmaß aber zunächst nicht bekannt war. Aus Temuco, der Hauptstadt der Region Araucanía, gab es Berichte über zusammengestürzte Häuser. Das örtliche Krankenhaus musste evakuiert werden.

Das Beben hat auch die Zugänge zu mindestens einem Bergwerk verschüttet. Die Straßen zur Los-Bronces-Mine seien unpassierbar, teilte das dortige Sicherheitspersonal mit. Sprecher für die staatlichen Gruben El Teniente und Andina waren zunächst nicht zu erreichen. Chile stellt 34 Prozent der weltweiten Kupferproduktion her und ist damit der größte Kupferproduzent. Viele der wichtigsten Bergwerke liegen im Norden, während das Beben eher den Süden des langgestreckten Staates traf.

Die Europäische Union ist zu raschen Hilfe für Opfer des Erdbebens in Chile bereit. In einer Erklärung der zuständigen EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa in Brüssel heißt es, die Kommission stelle derzeit fest, welche Art von Hilfe benötigt werden könne.

Aus Angst vor Nachbeben übernachten die Menschen in der Hauptstadt Chiles, Santiago de Chile, auf der Straße

Aus Angst vor Nachbeben übernachten die Menschen in der Hauptstadt Chiles, Santiago de Chile, auf der Straße

Aus Angst vor weiteren Nachbeben trauen sich viele Menschen nicht mehr in ihre Wohnungen. Dabei kann diese Gefahr noch länger anhalten. In den kommenden Tagen, Monaten, wenn nicht sogar Jahren müsse mit zum Teil schweren Nachbeben gerechnet werden, sagte Jochen Zschau vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ. "Einige davon könnten noch stärker als das Beben von Haiti sein." An den Rändern der tektonischen Platten hatten sich über einen langen Zeitraum starke Spannungen aufgebaut, die sich nun schlagartig entladen hätten, sagte der Wissenschaftler. Dabei seien enorme Bewegungen in Gang gesetzt worden.

 
Leser-Kommentare
  1. viereggtext - ... gerade noch mal gut gegangen, ein Glück, dass das Epizentrum außerhalb der Küste lag.

  2. Es hat tatsächlich viel weniger Todesopfer gefordert, obwohl das Beben stärker war als in Haiti. Hoffentlich schaffen die Leute ihre Hilfeorganisation...helfen wir?

  3. Wärs nicht so ernst, wäre an Kleist gedacht: "Das Erdbeben in Chili".

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    • keox
    • 27.02.2010 um 14:55 Uhr

    bis zu 1,30m hohen Wellen? SPON nennt den gleichen Wert. Ich hab an der Ostsee schon stärkere Wellen erlebt.

    • keox
    • 27.02.2010 um 14:55 Uhr

    bis zu 1,30m hohen Wellen? SPON nennt den gleichen Wert. Ich hab an der Ostsee schon stärkere Wellen erlebt.

    • keox
    • 27.02.2010 um 14:55 Uhr

    bis zu 1,30m hohen Wellen? SPON nennt den gleichen Wert. Ich hab an der Ostsee schon stärkere Wellen erlebt.

    Antwort auf "Heinrich von Kleist"
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    Soweit ich mich erinnere ist die Höhe der Wellen bei einem Tsunami nicht der entscheidende Faktor. Ein Tsunami erreicht auch ohne große Wellenhöhe zerstörerische Energie.

    Soweit ich mich erinnere ist die Höhe der Wellen bei einem Tsunami nicht der entscheidende Faktor. Ein Tsunami erreicht auch ohne große Wellenhöhe zerstörerische Energie.

  4. Warum ist da ein Keltisches Kreuz auf der Karte?

  5. Soweit ich mich erinnere ist die Höhe der Wellen bei einem Tsunami nicht der entscheidende Faktor. Ein Tsunami erreicht auch ohne große Wellenhöhe zerstörerische Energie.

    Antwort auf "Ein Tsunami mit"
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    • keox
    • 27.02.2010 um 15:45 Uhr

    Es wäre sinnvoll gewesen, den Ort der Messung der Wellenhöhe anzugeben. So hörte sich das so an, als sei es die Wellenhöhe bei Auftreffen an Land.

    • keox
    • 27.02.2010 um 15:45 Uhr

    Es wäre sinnvoll gewesen, den Ort der Messung der Wellenhöhe anzugeben. So hörte sich das so an, als sei es die Wellenhöhe bei Auftreffen an Land.

    • keox
    • 27.02.2010 um 15:45 Uhr

    Es wäre sinnvoll gewesen, den Ort der Messung der Wellenhöhe anzugeben. So hörte sich das so an, als sei es die Wellenhöhe bei Auftreffen an Land.

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    ja, das stimmt allerdings.

    ja, das stimmt allerdings.

  6. 8. stimmt

    ja, das stimmt allerdings.

    Antwort auf "Das ist wohl richtig"

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