Die Baumängel bei der Kölner U-Bahn nehmen immer größere Dimensionen an: Die Stadt teilte mit, dass in der innerstädtischen Baugrube Heumarkt zum Teil nur 17 Prozent der vorgesehenen Stahlbügel verbaut wurden. Sie bestätigte damit einen Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers .

Der Polier der Grube und seine Mitarbeiter sollen die Stahlbügel gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft haben . Die Bügel dienen zur Stabilisierung der Außenwände des Bahntunnels. Nach eingehender Prüfung kam die Stadt aber zu dem Schluss, dass trotz allem keine Einsturzgefahr bestehe. Alle Experten seien sich in diesem Punkt einig. Allerdings hat der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters laut Stadtanzeiger Dauerkontrollen angeordnet, um jegliche Veränderung an der Grube zu registrieren.

Sachverständige hatten die Wände in der Baugrube geöffnet, um zu prüfen, ob dort wirklich zu wenig Stahlbügel eingebaut worden waren. Das Ergebnis übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen: Teilweise fehlten mehr als 80 Prozent der Bügel. Feuerwehr und Polizei wurden daraufhin in Alarmbereitschaft versetzt.

Auch in den unterirdischen Baustellen Rathaus und Waidmarkt soll ein großer Teil der Bügel fehlen. Am Waidmarkt war vor knapp einem Jahr das Kölner Stadtarchiv eingestürzt . Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft bereits mitgeteilt, dass das Unglück ihren Erkenntnissen zufolge nicht auf die fehlenden Bügel zurückzuführen sei. Sie ermittle gegen den Polier und einen Mitarbeiter aufgrund des Verdachts der Untreue und des Betrugs, nicht jedoch wegen des eingestürzten Stadtarchivs. Inzwischen prüfe die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben auch die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Baugefährdung.

Im März des vergangenen Jahres waren durch den Kollaps des Gebäudes zwei Menschen ums Leben gekommen, Tausende Dokumente von zum Teil unschätzbarem Wert wurden verschüttet.

Die Stadt Köln versicherte, der Rosenmontagszug könne trotz der aufgedeckten Mängel ohne Beeinträchtigung stattfinden. "Um in jedem Fall weiterhin die größtmögliche Sicherheit gewährleisten zu können (...), werden alle Untersuchungen und Messungen kontinuierlich fortgesetzt", hieß es von ihrer Seite.