Kölner Stadtarchiv Arbeiter verkauften Sicherheitsbauteile an Schrotthändler
Geständnis im Fall des eingestürzten Kölner Stadtarchivs: Ein Arbeiter hat zugegeben, dass weniger Eisenbügel als geplant in die U-Bahn-Wand eingebaut wurden.
Bei ihren Ermittlungen zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs liegt der Staatsanwaltschaft laut einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers ein erstes Geständnis vor. Ein Bauarbeiter der U-Bahn-Strecke, die unter dem Archiv entlangführt, habe eingeräumt, dass an der Unglücksstelle bewusst nachlässig gearbeitet worden sei. Demnach sollen in einer Außenwand, die den U-Bahn-Tunnel sichern sollte, zu wenig Eisenbügel eingeflochten worden sein.
Der geständige Bauarbeiter soll auf Anweisung seines Poliers gehandelt haben. Die nicht verwendeten Eisenbügel seien an einen Schrotthändler verkauft worden. Ein weiterer Zeuge soll laut der Zeitung die Aussage bestätigt haben.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte diesen Sachverhalt mit Blick auf die laufenden Untersuchungen gegenüber der Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Der beschuldigte Polier soll die Vorwürfe zurückgewiesen haben. Sowohl seine Wohnung als auch seine Arbeitsstelle seien durchsucht worden.
Weiter heißt es in dem Bericht, es gebe Hinweise darauf, dass das gesetzlich vorgeschriebene Protokoll für diesen Bauabschnitt gefälscht worden sein soll. In dem etwa 3,50 Meter breiten Abschnitt der Außenwand, in dem die Metallbügel gefehlt hätten, soll ein Gutachter dem Bericht zufolge vor dem Unglück "Auffälligkeiten" entdeckt haben.
Nach Auffassung der Kölner Verkehrs-Betriebe könnte das Fehlen der Eisenbügel die Stabilität der Stützwand an dieser Stelle beeinträchtigt haben. Die Staatsanwaltschaft dagegen geht nicht davon aus, dass das Fehlen der Eisenbügel den Einsturz verursacht hat. "Die fehlenden Stahlstücke können nicht zum Einsturz des Stadtarchivs geführt haben, denn der Schadensbereich liegt etwa zehn Meter unter dem Einbaubereich der Stahlstücke", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld.
Der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, Heinrich Bökamp, zeigte Skepsis: "Jedenfalls sind solche Bügel ja nicht umsonst da." Die Wand im U-Bahn-Schacht besteht aus einem Verbundbaustoff. Dabei seien der Beton für die Aufnahme der Druckkräfte und der Stahl für die Zugkräfte zuständig, sagte er. Die Eisenbügel verbinden dabei die einzelnen Stahlteile miteinander. Fehlen zu viele davon, dann könnte die Wand dem Druck nachgeben und schlimmstenfalls einbrechen, sagte der Baufachmann.
Das ordnungsgemäße Einsetzen der Eisenbügel müsse auf einer Baustelle verpflichtend von zwei Fachleuten kontrolliert werden, sagte Bökamp. "Da gilt das Vier-Augen-Prinzip: Neben dem Bauleiter muss ein Unabhängiger, zum Beispiel ein Prüfingenieur, das kurz vor dem Betonieren kontrollieren." Dies sei aus Sicherheitsgründen so festgelegt. Man müsse sich fragen, "ob da überhaupt einer kontrolliert hat".
Das Kölner Stadtarchiv war am 3. März 2009 eingestürzt. Zwei Anwohner starben in den Trümmern und Tausende wertvolle Dokumente wurden unter Schutt begraben.
- Datum 09.02.2010 - 16:08 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 16
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Sofern die Staatsanwaltschaft noch keinen Gutachter bestellt hat, um diese Aussage zu stützen, wüsste ich gerne, woher die Überzeugung rührt. Zumal es ja schon auffällig ist, dass die Kölner Verkehrsbetriebe, denen im Zweifelsfall ja dafür "die Ohren lang gezogen" werden, einräumt, es könne daran liegen. Na ja, ich bin mal gespannt.
Es ist unglaublich - leben wir denn in einer Bananenrepublik? Vermutlich je länger, je mehr ...
gibt es seit jeher.
Auch wenn es anderswo auch nicht rosig aussieht. Köln und die Kölner Verhältnisse sind seit jeher in Deutschland ein Sonderfall - ein katastrophaler, der zu Katastrophen, wie der oben beschriebenen führt...
gibt es seit jeher.
Auch wenn es anderswo auch nicht rosig aussieht. Köln und die Kölner Verhältnisse sind seit jeher in Deutschland ein Sonderfall - ein katastrophaler, der zu Katastrophen, wie der oben beschriebenen führt...
Hier wird ein sehr durchschaubarer Trick mittels Bauernopfer probiert!
Als Fachmann "Bereich Bauwesen" (Architekt) kann ich dazu sagen, dass "Bügel" auf jeder Baustelle immer übrig bleiben - es werden grundsätzlich mehr davon bestellt, als gebraucht oder eingebaut werden, und die eingeplante Sicherheit erlaubt es sogar theoretisch, weniger einzuflechten - obwohl natürlich möglichst nach statischer Vorgabe eingebaut werden sollte, wenn es möglich ist.
Allerdings werden "Bügel" immer vom Statiker "nach Daumen" eingeplant, also z. B. nicht alle 18 cm, sondern dann im Standardmaß "15 cm".
Das weiß inzwischen auch jeder Eisenflechter, aber auch der bemüht sich natürlich i.A., die vorgeschriebene Zahl einzubauen. Nur geht es manchmal auch wirklich nicht immer ganz exakt, in der Praxis vor Ort ist die Theorie aus dem Büro eben öfters nicht durchführbar.
Die übrig gebliebenen Stahlreste werden - das ist völlig normal! - dann per Schrotthändler entsorgt.
Ich bin ganz sicher, dass eine genaue Überprüfung ergeben wird, dass die eingebaute Menge genug Stabilität ergab.
Aber im Zweifelsfall wäre es auch dann eben nicht der Arbeiter selbst, der die Verantwortung trägt, sondern der Bauüberwacher - dazu gibt es ihn ja schließlich und dafür wird der reichlich bezahlt!
Dass hier nur Arbeiter und Poliere als "übliche Verdächtigte" genannt werden, riecht ganz verflixt nach einem versuchten Bauernopfer.
Der Staatsanwalt hat da IMHO mit Recht misstrauisch.
"...denn der Schadensbereich liegt etwa zehn Meter unter dem Einbaubereich der Stahlstücke..."
Da schaut man dann aucht nicht mehr so genau, welche Wand eigentlich nachgegeben hat. Hauptsache alle schiessen sich auf einige kleine Würstchen ein. Selbst wenn dieser Polier nicht die nötige Menge verbaut hätte, bleibt immer noch diese Distanz.
Die Staatsanwaltschaft sollte sich da mal nicht beirren lassen.
Noch eine subjektive Randbemerkung.
Ich habe den Eindruck, das eher immer mehr Eisen verflochten wird. Man kann als nachgeordnetes Gewerk ja schon verzweifeln. Greade bei Verkehrs- und Großbauten trifft man ja später, mit der Bohrmaschiene bei jedem zwieten Loch auf Stahl. Auch war ich heute zu Einlegearbeiten. Mir tun jetzt schon die leid, die dort später montieren sollen. Denn so viel Eisen wie dort verflochten wurde, da kann man froh sein, wenn man überhaupt ein Loch sauber in die Wand bekommt. Und das soll keine U-Bahn, sondern nur ein Theater werden.
"...denn der Schadensbereich liegt etwa zehn Meter unter dem Einbaubereich der Stahlstücke..."
Da schaut man dann aucht nicht mehr so genau, welche Wand eigentlich nachgegeben hat. Hauptsache alle schiessen sich auf einige kleine Würstchen ein. Selbst wenn dieser Polier nicht die nötige Menge verbaut hätte, bleibt immer noch diese Distanz.
Die Staatsanwaltschaft sollte sich da mal nicht beirren lassen.
Noch eine subjektive Randbemerkung.
Ich habe den Eindruck, das eher immer mehr Eisen verflochten wird. Man kann als nachgeordnetes Gewerk ja schon verzweifeln. Greade bei Verkehrs- und Großbauten trifft man ja später, mit der Bohrmaschiene bei jedem zwieten Loch auf Stahl. Auch war ich heute zu Einlegearbeiten. Mir tun jetzt schon die leid, die dort später montieren sollen. Denn so viel Eisen wie dort verflochten wurde, da kann man froh sein, wenn man überhaupt ein Loch sauber in die Wand bekommt. Und das soll keine U-Bahn, sondern nur ein Theater werden.
Auch für mich sieht das Ganze nach Bauernopfer aus. Ganz sicher sind es andere Ursachen, die zum Einsturz geführt haben. Viel wichtiger erscheint mir, an den Mitarbeiter des Kölner Stadtarchivs zu erinnern. Dieser hat frühzeitig ungewöhnliche Geräusche an den Wänden gehört und darauf aufmerksam gemacht. Ihm wurde - soweit ich mich erinnere - verboten, darüber zu sprechen. Erst nach seinem Ausscheiden und nach dem Unglücksfall ging er an die Öffentlichkeit. So arbeitet der "Kölner Klungel"!
Herzliche Grüsse
Klaus Metzger
HILDESHEIM
www.twitter.com/klmmetzger
gibt es seit jeher.
"...denn der Schadensbereich liegt etwa zehn Meter unter dem Einbaubereich der Stahlstücke..."
Da schaut man dann aucht nicht mehr so genau, welche Wand eigentlich nachgegeben hat. Hauptsache alle schiessen sich auf einige kleine Würstchen ein. Selbst wenn dieser Polier nicht die nötige Menge verbaut hätte, bleibt immer noch diese Distanz.
Die Staatsanwaltschaft sollte sich da mal nicht beirren lassen.
Noch eine subjektive Randbemerkung.
Ich habe den Eindruck, das eher immer mehr Eisen verflochten wird. Man kann als nachgeordnetes Gewerk ja schon verzweifeln. Greade bei Verkehrs- und Großbauten trifft man ja später, mit der Bohrmaschiene bei jedem zwieten Loch auf Stahl. Auch war ich heute zu Einlegearbeiten. Mir tun jetzt schon die leid, die dort später montieren sollen. Denn so viel Eisen wie dort verflochten wurde, da kann man froh sein, wenn man überhaupt ein Loch sauber in die Wand bekommt. Und das soll keine U-Bahn, sondern nur ein Theater werden.
mit den Schubkräften zusammen, hat mir jedenfalls neulich ein Tragwerksplaner erläutert. Die seien bisher sträflich unterschätzt worden, und gerade Stahl an der richtigen Stelle kann die wohl zu einem erheblichen Teil aufnehmen.
mit den Schubkräften zusammen, hat mir jedenfalls neulich ein Tragwerksplaner erläutert. Die seien bisher sträflich unterschätzt worden, und gerade Stahl an der richtigen Stelle kann die wohl zu einem erheblichen Teil aufnehmen.
Auch wenn es anderswo auch nicht rosig aussieht. Köln und die Kölner Verhältnisse sind seit jeher in Deutschland ein Sonderfall - ein katastrophaler, der zu Katastrophen, wie der oben beschriebenen führt...
Hört sich ja an, als hätte da ein Arbeiter gestanden, das Stadtarchiv zerlegt zu haben.
Heinrich Bökamp weist zu Recht darauf hin, dass die Bewehrung unmittelbar vor dem Vergiessen hätte kontrolliert werden müssen - das entlastet den Arbeiter schon beträchtlich -, hinzufügen sollte man vielleicht noch, dass die fehlenden Bügel für sich genommen das Versagen des Bauteils nicht bewirkt haben können: Bevor keine Last darauf einwirkt, passiert gar nichts.
Und das, was man zu zusätzlichen Pumpen usw. gelesen hat, spricht nicht gerade dafür, dass aus der Richtung 'einwirkende Kräfte' alles in Ordnung war.
Es werden viele Gründe zu dieser Katastrophe geführt haben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren