Überschwemmungen Viele Tote durch Flutkatastrophe auf Madeira

Unwetter auf der Ferieninsel Madeira: Straßen verwandelten sich in reißende Ströme, Fahrzeuge wurden mitgerissen, Gebäude stürzten ein. Mindestens 42 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt.

Das portugiesische Urlaubsparadies Madeira im Atlantik wurde am Wochenende von einem schweren Unwetter heimgesucht. Menschen und Autos wurden von den Fluten fortgerissen. Brücken und Gebäude stürzten ein. Wie die Regionalregierung in einer Bilanz am Sonntagabend in der Hauptstadt Funchal bekannt gab, starben mindestens 42 Menschen, 120 wurden verletzt und 248 verloren ihr Obdach.

Etliche Bewohner der Atlantikinsel, die etwa 1000 Kilometer südwestlich Portugals liegt, wurden am Sonntag noch vermisst. Die Zahl der Toten könnte also noch steigen. Die Regionalregierung betonte am Sonntag, Touristen seien nicht unter den Todesopfern. Das
Auswärtige Amt teilte mit, bislang sei nichts von verletzten oder getöteten Deutschen bekannt. Allein mit dem Touristikkonzerns TUI waren nach dessen Angaben zum Zeitpunkt der Unwetter 1400 Urlauber nach Madeira gereist. Allen gehe es gut, hieß es.

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Es handelt sich nach Angaben der örtlichen Medien um die schlimmste Katastrophe in den letzten hundert Jahren auf Madeira. Sturzflutartige Regenfälle und Sturm hatten binnen Stunden zu chaotischen Zuständen in der Inselhauptstadt Funchal geführt. Die Sturmböen erreichten mancherorts Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern.

Straßen verwandelten sich in gefährliche Flüsse, rissen Bäumen, Fahrzeuge, Verkehrsschilder, Steine und Schlamm mit. Sogar ein Feuerwehrauto trieb in den Fluten. Vielerorts mussten die Retter mit Booten ausrücken, um Bewohner in Sicherheit zu bringen. Die Untergeschosse von Hunderten Häusern und Geschäftslokalen wurden überflutet.

Der internationale Flughafen nahe der Stadt Funchal, in der etwa 100.000 Menschen leben, musste vorübergehend geschlossen werden. Auch Strom- und Telefonnetz brachen zeitweise zusammen. Dutzende Straßen auf der Insel mit insgesamt etwa 260.000 Einwohnern waren unpassierbar, etliche Ortschaften nach Erdrutschen von der Außenwelt abgeschnitten. Das Unwetter richtete Millionenschäden an.

Portugals sozialistischer Regierungschef Jose Socrates, der sich persönlich ein Bild der Unwetterkatastrophe auf Madeira machte, zeigte sich "zutiefst bestürzt" über das Ausmaß der Tragödie und die Verwüstungen. Er schickte weitere Rettungsmannschaften auf die Insel, versprach finanzielle Unterstützung bei der Schadensbeseitigung. Socrates bemühte sich, die
Urlaubsbranche zu beruhigen und versicherte: "Die Situation ist unter Kontrolle."

Die Europäische Kommission sagte ebenfalls Hilfe zu. Der Kommissionspräsident, der Portugiese José Manuel Barroso, kündigte an, dass die EU die zum Unionsgebiet gehörende Insel in dieser "schrecklichen Katastrophe" nicht allein lassen werde. Portugals Staatspräsident Anibal Cavaco Silva sagte: "Madeira benötigt nun unsere ganze Solidarität."

Zur bergigen Inselgruppe Madeira zählen noch das ebenfalls bewohnte kleine Eiland Porto Santo und weitere unbewohnte Inseln. Madeira ist wie die noch weiter südlich im Atlantik liegenden und zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln vulkanischen Ursprungs. Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Tourismus, der auch im üblicherweise milden Winter viele Besucher auf die Insel lockt.

Die meisten ausländischen Urlauber kommen aus Großbritannien und Deutschland. Madeira gilt als Natur- und Blumenparadies, ist deswegen bei Wanderfreunden sehr beliebt. Auch Kreuzfahrtschiffe machen gerne in Madeira fest.

 
Leser-Kommentare
  1. Vor wenigen Wochen war ich selbst auf Madeira. Was mich an dieser als Touristenparadies bezeichneten Insel erstaunte, waren die Unmengen an Beton, mit denen Flussverläufe begradigt und Strandpromenaden aufgefüllt wurden. Und immer wieder wurde auf Schildern darauf hingewiesen, dass mit EU-Geldern z. B. zahllose Tunnel an der Südküste durch das bergige Gelände getrieben worden waren. Fast die gesamte Woche während meines Aufenthaltes dort, regnete es jede Nacht in Strömen und Stürme fegten Äste und Pflanzenteile über die steilen Straßen. Jeden Morgen sah man neue Erdrutsche und Straßen waren gesperrt.
    Diese im Winter wohl nicht ungewöhnlichen Wetterverhältnisse scheinen aber weder die Behörden noch die Bewohner davon abzuhalten, auf fast jeden Felsvorsprung ein Haus zu bauen und eine Zufahrt zu asphaltieren.
    Die Natur wird einfach so zurechtgerückt, wie man das gerne haben möchte. Symptomatisch für diese Einstellung ist, dass man auch davor nicht zurückschreckte, in Calheta einen künstlichen Sandstrand mit Sand aus Marokko aufzuschütten. Aber selbst riesige Brandungsmauern haben es nicht geschafft, den Atlantik davon abzuhalten, ganze Felsbrocken auf diese Sandschicht zu werfen.
    Wenn die EU nach dieser vorhersehbaren Katastrophe nun hilft, sollten sich die Verantwortlichen reiflich überlegen, ob sie wieder auf Beton setzen sollten.

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    Ich möchte widersprechen.
    Man kann das Abflussverhalten eines Flachlandflusses wie in unseren Breiten gängig nicht mit dem eines Gebirgsflusses wie in Madeira gleichsetzten. Hier mag ein Retention sinnvoll sein, dort nicht. Zumal die Insel so klein ist und das mittlere Gefälle so hoch, dass ich mich frage, was da noch grossartigt begradigt wurde. Ich glaube, dass die Flüsse in Funchal (auch ich habe sie gesehen) von einer Schutzmauer eingedämmt sind, um genau diese Art von Flutstürzen zu bändigen. Aber natürlich gibt es immer ein Regenereigniss, dem der beste Schutz nicht standhält. Schuld an den Wassermassen ist also das Wetter.
    Die Zerstörung kann man natürlich darauf zurückführen, dass man teilweise in gefährdete Gebiete gebaut hat, aber so gesehen ist ganz Madeira ein gefährdetes Gebiet. Es ist nunmal eine kleine, steile Vulkaninsel.
    Was der Tunnelbau mit den Überschwemmungen haben soll, verstehe ich nicht. Der beim Bau verwendete Beton scheint mir kein ausreichendes Argument zu sein.

    Ich möchte widersprechen.
    Man kann das Abflussverhalten eines Flachlandflusses wie in unseren Breiten gängig nicht mit dem eines Gebirgsflusses wie in Madeira gleichsetzten. Hier mag ein Retention sinnvoll sein, dort nicht. Zumal die Insel so klein ist und das mittlere Gefälle so hoch, dass ich mich frage, was da noch grossartigt begradigt wurde. Ich glaube, dass die Flüsse in Funchal (auch ich habe sie gesehen) von einer Schutzmauer eingedämmt sind, um genau diese Art von Flutstürzen zu bändigen. Aber natürlich gibt es immer ein Regenereigniss, dem der beste Schutz nicht standhält. Schuld an den Wassermassen ist also das Wetter.
    Die Zerstörung kann man natürlich darauf zurückführen, dass man teilweise in gefährdete Gebiete gebaut hat, aber so gesehen ist ganz Madeira ein gefährdetes Gebiet. Es ist nunmal eine kleine, steile Vulkaninsel.
    Was der Tunnelbau mit den Überschwemmungen haben soll, verstehe ich nicht. Der beim Bau verwendete Beton scheint mir kein ausreichendes Argument zu sein.

  2. kallewestrich: Zur Naturgewalt kommen noch bauliche Fehler... Wahrscheinlich scheitern so manche Modernisierungen und sinnvollen Maßnahmen am Etat. Aber mit Beton wird ja überall versucht der Meeresgewalt standzuhalten.

  3. sag mal hast du nichts anderes zu tun als hier den vorhersager und wichtigtuher zu miemen ? es geht mir so auf die nerven das die deutschen immer mit dieser besserwisser " das hätte man doch wissen mússen " floskel um sich werfen .
    schliesslich bist du es der auf madeira im urlaub war . schliesslcih haben die wegen dir diese ganze infrastrukur gebaut damit du dort einen bequemen urlaub nach europaeischen betonstandarts verbringen kannst . du bist es , zusammen mit millioenen anderen die durch ihre tourismusansprueche immer wieder ganze regionen verbauen lassen . Also mach mal ganz kleinlaut und ueberleg dir was zu diesem unwetter und dessen folgen wirklich geführt . Jetzt spielt ihr euch auf , ihr besserwessis, habt jahrzehnte lang nicht gefragt wo die billigen urlaube auf den inseln eigentlich herkommen . Sich jetzt hinzustellen und zu sagen das die da unten falsch und billig konstruiert haben ist so typisch und so ignorant,zeugt von so viel kleinbürgerlicher kurzsichtigkeit. Weil leute wie du immer noch weniger fuer ihre netten pauschal reisen bezahlen wollen sind ganze landstriche auf der erde föllig entstellt und schnell billig hochgezogen . natürlich mit mittel-und westeuropäischen investoren. Deine ausführungen sind zynisch und unverfrohren .

  4. Ich finde, dass Cfalter das Problem sehr gut benannt hat. In diese Richtung gehen auch die Warnungen portugiesischer Umweltschützer. Die Regenfälle auf Madeira waren übrigens in den vergangenen Monaten extrem, wie das IM (Instituto de Meteorologia, Portugal) heute bekannt gegeben hat. Am 20. Februar 2010, dem Tag der Katastrophe, fielen auf Madeira innerhalb von 12 Stunden 132 mm Regen pro Quadratmeter, allein von 9 bis 10 Uhr morgens waren es 52 mm. Dezember und Februar wurden vom IM als extrem regenreich bezeichnet. Bis zum 22. Februar, also heute, sind bereits 70 Prozent der jährlichen Regenmenge über Madeira niedergegangen. Und: auch viele Wanderwege sind derzeit nicht zu begehen. Ich möchte dazu auf den Beitrag "Starke Regenfälle" im Forum des MM-Verlags (http://www.michael-muelle...) verweisen.

  5. Ich möchte widersprechen.
    Man kann das Abflussverhalten eines Flachlandflusses wie in unseren Breiten gängig nicht mit dem eines Gebirgsflusses wie in Madeira gleichsetzten. Hier mag ein Retention sinnvoll sein, dort nicht. Zumal die Insel so klein ist und das mittlere Gefälle so hoch, dass ich mich frage, was da noch grossartigt begradigt wurde. Ich glaube, dass die Flüsse in Funchal (auch ich habe sie gesehen) von einer Schutzmauer eingedämmt sind, um genau diese Art von Flutstürzen zu bändigen. Aber natürlich gibt es immer ein Regenereigniss, dem der beste Schutz nicht standhält. Schuld an den Wassermassen ist also das Wetter.
    Die Zerstörung kann man natürlich darauf zurückführen, dass man teilweise in gefährdete Gebiete gebaut hat, aber so gesehen ist ganz Madeira ein gefährdetes Gebiet. Es ist nunmal eine kleine, steile Vulkaninsel.
    Was der Tunnelbau mit den Überschwemmungen haben soll, verstehe ich nicht. Der beim Bau verwendete Beton scheint mir kein ausreichendes Argument zu sein.

    Antwort auf "Vorhersehbar"
  6. Seit 1 1/2 Jahren lebe ich auf dieser wunderschönen Insel und möchte zu den vorigen Beiträgen Stellung nehmen.
    Seit Mitte November ist es sehr regenreich, die Böden sind gesättigt.
    Die Inselhauptstadt ist steil und total verbaut und das Wasser fliesst über Asphalt und Beton schnell ab. Ich lebe in Tabua/Ribeira Brava, hier ist es nur leicht verbaut und trotzdem hat es uns sehr hart getroffen. Gegen diese Regenmassen ist man machtlos.
    Zum Tourismus - die Insel lebt vom Tourismus! Die Küsten sind oft steil und es gibt nur einen einzigen kleinen Sandstrand. Den Bedürfnissen der Urlauber entsprechend wurden Strände aufgeschüttet und mit hässlichen Beton-Wellenbrechern geschützt. Schade, dass viele Urlauber nur die Touristenplätze und Pfade kennen und nicht die vielen, alten Menschen, die leben wie vor hundert Jahren. Die mit harter Handarbeit auf steilen Terrassen ein paar Früchte und Gemüse anpflanzen, von denen auch etliche abgerutscht sind, und trotzdem glücklich und liebenswert sind.
    Zu den Tunneln - wer sich die Mühe macht und über die alten Strassen von einem Ort zum anderen fährt, weiss, dass das mit enormem Zeitaufwand verbunden ist. Da die meisten Arbeitsplätze in der Inselhaupfstadt angeboten werden, ist das für viele der einzige Weg, an Arbeit zu kommen. Ich z. B. brauche über die Schnellstrasse zum Flughafen 3/4 Std., ohne diese hätte ich sicher 3 Stunden.
    Uebrigens fegt gerade ein Orkan über die Insel und für die nächsten Tage sind teil kräftige Regen angesagt!

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