Recherche-Methoden "Bunte" wehrt sich gegen Vorwurf der Ausforschung

Die Illustrierte soll eine Agentur damit beauftragt haben, prominente Politiker und deren Liebesleben zu observieren. Nun verklagt sie den "Stern", der dies berichtete.

Zwischen zwei großen deutschen Verlagen bahnt sich ein Rechtsstreit an. Es geht um zwielichtige Methoden im Journalismus, aber vermutlich auch um Konkurrenz. Die Illustrierte Bunte (Burda, München) hat angekündigt, juristisch gegen den Stern (Gruner & Jahr, Hamburg) vorzugehen. Grund ist ein Bericht des Hamburger Magazins, die Bunte habe das Privatleben von Politikern ausforschen lassen. Der Report "Verfolgt und ausgespäht" erregte den Unmut der Bunte-Chefredaktion, die Reaktion folgte prompt.

Der Stern erwecke "in fahrlässiger Art den Eindruck", dass die Bunte "von vermeintlich unlauteren und nicht journalistischen Recherchemethoden gewusst und diese gebilligt habe". Dass dies nicht so sei, habe man den Hamburger Kollegen bereits vor Erscheinen des Berichts mitgeteilt. Dass der Stern nun dennoch einen gegenteiligen Eindruck erwecke, sei der "Versuch der Verleumdung eines erfolgreichen Mitbewerbers". Denn seit dem zweiten Quartal 2009 liege die Bunte im Einzelverkauf vor dem Stern.

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Seinen Bericht sützt der Stern auf ihm vorliegende Unterlagen des Berliner Unternehmen CMK auf, das Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel auf Nachfrage als "Foto-. und Rechercheagentur" bezeichnet. Wie sich aus Gesprächen des Stern mit ehemaligen Mitarbeitern ergibt, stellten CMK-Mitarbeiter im Auftrag der Bunten 2008 gezielt Linksparteichef Oskar Lafontaine nach, um ihm eine Affäre nachzuweisen. Auch bei SPD-Chef Franz Müntefering sei es darum gegangen, dessen Beziehung zu seiner späteren Frau Michelle Schumann auszuspähen. Ebenso sollen die CMK-Leute CSU-Chef Horst Seehofer wegen dessen außereheliche Affäre nachgestellt haben.

Detailliert schildern die Stern-Autoren, wie Lafontaines Wagen auf dem Weg nach Hause von einem Auto verfolgt wurde. Akribisch dokumentiert das Magazin Aufzeichnungen, die Details einer Berliner Wohnung Lafontaines zeigen. Die Ankunft seines Fahrers ist vermerkt sowie der Plan, das Gelände vor dem Haus per Kamera zu überwachen.

Wohl um in die Nähe des Linksparteichefs zu kommen, soll sich einer der Verfolger für ein Praktikum bei der Linksfraktion interessiert haben. Das Vorhaben, eine Kamera auf einem Boot am Spreeufer gegenüber Lafontaines Wohnung zu installieren, wurde dagegen verworfen, wie die CMK-Aussteiger dem Stern schilderten.

Aus den Unterlagen und aus den Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern von CMK geht weiterhin hervor, dass die Fußmatte von Münteferings Wohnung mit einem Melder präpariert werden sollte, um ihn und seine neue Lebensgefährtin gezielt fotografieren zu können. Außerdem sollen gegenüber Münteferings Wohnung Räume zur Observation angemietet worden sein.

Leser-Kommentare
  1. 1. Das...

    ...ist doch Gang und Gäbe. Die BILD markiert Promi-Autos mit SIM-Karten, um stets zu wissen, wo die Opfer sich aufhalten. Aber die BILD ist ja schließlich unser moralisches Gewissen - die darf das ja...

  2. viereggtext - Paparazzis unter sich. Bespitzelt jetzt der Stern die Bunte und umgekehrt? Wir kriegen sicher Fotos zu sehen ...

  3. "sei der "Versuch der Verleumdung eines erfolgreichen Mitbewerbers"" ??? Also ich weiss nicht, die "Bunte" als Konkurrent des "Stern" ? Ich käme nie auf die Idee, statt des Stern die Bunte zu kaufen.

  4. auch politiker haben ein privatleben. solche methoden sollten journalisten für die aufdeckung von korruption etc. anwenden, aber nicht um das liebesleben alter männer (was andere wenig angeht und zumindest mich auch nicht interessiert) an die öffentlichkeit zu zerren.

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