Nach dem Beben in Chile Gewalt und Plünderungen in Concepción

Supermärkte brennen, Bürgerwehren formieren sich. Nach dem Beben ist die Lage in den von dem Erdbeben betroffenen Gebieten angespannt.

Chilenische Sicherheitskräfte haben Probleme, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten

Chilenische Sicherheitskräfte haben Probleme, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten

Chilenische Sicherheitskräfte haben zunehmend Probleme, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. In der vom Erdbeben besonders stark betroffenen Stadt Concepción kam nach offiziellen Angaben ein Mensch bei Schießereien zwischen Sicherheitskräften, Plünderern und bewaffneten Bürgerwehren ums Leben. Andere Quellen berichten von bis zu 20 Toten. Vize-Innenminister Patricio Rosende sagte, es habe 160 Festnahmen gegeben. In der Gemeinde San Pedro de la Paz seien zwei Menschen getötet worden, sagte die Journalistik-Dozentin Claudia Lagos.

Kriminelle nutzten das allgemeine Chaos für Plünderungen und Raubüberfälle. Bürger schlossen sich zusammen und blockierten ganze Straßenzüge, wie CNN berichtete. An Straßensperren wurden nur Bekannte und Anwohner durchgelassen. Auf Unbekannte, die sich trotz Warnungen den Absperrungen näherten, eröffneten die Bürger das Feuer.

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Die Karte zeigt einen Ausschnitt Chiles. Mit Fähnchen markiert: die chilenischen Hauptstadt Santiago, westlich davon die Hafenstadt Valparaíso, die ebenfalls vom Beben getroffen wurde. Das Epizentrum befand sich im Süden Chiles, in der Nähe der Stadt Concepción, der Hauptstadt der Region Bíobío, und ihrer Nachbarstadt Talcahuano. Auch in den angrenzenden Regionen Maule (mit der Hauptstadt Talca) und Araucania (mit Temuco) sind die Zerstörungen groß.

In Concepción gingen ein Kaufhaus und ein Großmarkt nach Plünderungen in Flammen auf. Eine Gruppe von Dutzenden Einwohnern war zunächst von der Polizei zurückgedrängt worden, als sie versuchte, sich in einem Supermarkt mit Lebensmitteln zu versorgen. Als die Beamten Tränengas einsetzten, zündeten die Plünderer das Gebäude an. Marineinfanteristen gaben Schüsse in die Luft ab.

Fotostrecke: Chile
Bilder der Zerstörungen, die das Beben hinterließ

Bilder der Zerstörungen, die das Beben hinterließ

Für Concepción gilt bereits seit Sonntagabend eine nächtliche Ausgangssperre. Um Plünderungen und Gewalt zu verhindern, verhängte das Militär eine solche über drei weitere Städte: Talca, Cauquenes und Constitucion. Auf Anweisung von Präsidentin Michelle Bachelet machten sich zusätzliche 5000 Soldaten auf den Weg in die Erdbebengebiete. "Morgen werden dann insgesamt 7000 Soldaten vor Ort sein", verkündete sie.

Auch zwei Tage nach dem Beben der Stärke 8,8 gibt es noch immer kaum Wasser und Lebensmittel in Concepción. Die Versorgung mit Strom und Gas ist ebenfalls unterbrochen. Noch schlimmer ist die Lage in den kleineren Ortschaften des Katastrophengebiets. Die Zahl der erfassten Todesopfer erhöhte sich auf 723. Sie werde noch weiter steigen, sagte Innenminister Edmundo Pérez Yoma. "In den Küstenregionen hat ein Tsunami ganze Ortschaften fortgerissen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schlechte Nachrichten werden wir bekommen."

Vor allem in Maule und Bíobío gelten zahlreiche Menschen noch als vermisst. Die Zahl der zerstörten oder beschädigten Wohnungen wurde mit etwa zwei Millionen angegeben. Viele Menschen mussten eine dritte Nacht auf der Straße verbringen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Land Hilfe beim Wiederaufbau zu. In einem Telefonat mit Präsidentin Bachelet stellte Merkel über die Nothilfe hinaus Unterstützung in Aussicht, teilte eine Regierungssprecherin mit. "Die Bundesregierung steht bereit, bei der Bewältigung der Folgen zu helfen." Auch bei der EU in Brüssel ging aus Chile eine Bitte um Hilfe ein. Benötigt würden vor allem Unterstützung beim Bau von Brücken, medizinische Betreuung, Anlagen zur Wasseraufbereitung und Telefonverbindungen, sagte die EU- Außenbeauftragte Catherine Ashton.

 Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva besuchte Chile als erster Staatschef nach dem Beben. US-Außenministerin Hillary Clinton wird am Dienstagmorgen erwartet. Die Politikerin wolle sich ein Bild von den Auswirkungen des Erdbebens verschaffen.

 
Leser-Kommentare
  1. Heute gar kein HAARP-Spam?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    was jeder weiß? Über 911 redet auch keine Sau mehr. Oder wer wollte den Reichtagsbrand aufwärmen?

    was jeder weiß? Über 911 redet auch keine Sau mehr. Oder wer wollte den Reichtagsbrand aufwärmen?

  2. Guter Journalismus besteht aus differenzierter Berichterstattung.
    Sicherlich sind viele, die überwiegende Mehrheit!, der sog. Plünderer Menschen, die durch das Erdbeben ökonomisch ruiniert sind und, was wohl, nichts zu Essen und zu Trinken haben und dieser Zustand wird noch eine lange Zeit bestehen bleiben.
    Nichts zu futtern, Wasser nur wenn es regnet und wohnen im Zelt, Notdurft vor den Augen anderer. Was würden Sie machen? Richtig, Sie würden sich etwas besorgen, um nicht zu hungern.
    Warum gibt es für solche Katastrophen-Fälle keine gesetzlichen Vorgaben, dass dann Nahrungsmittel aus Supermärkten verteilt werden, und die Besitzer dieser Märkte werden aus einem Fond, gebildet aus aus Spendengeldern, etc. entschädigt?
    Solche Vorfälle zu vermeiden ist eine Frage der Organisation. Es gibt Länder, z.B. Cuba, wo solche Ereignisse so gut durchorganisiert sind, dass es nur zu geringen zivilisatorischen Ausfällen kommt. Über ideologisch zivilisatorische Ausfälle reden wir hier nicht.
    Auf der Internetseite des Guardian gab es Bilder aus Haiti zu sehen, wo Polizisten Menschen dafür erschossen, weil diese vom LKW heruntergefallene Reissäcke auf der Straße einsammelten. Wird über solch Vorfälle in den deutschen Medien berichtet? Nein. Weil diese Menschen laut Gesetz Plünderer sind, dürfen sie erschossen werden. Deutschlands Schnauzbart_Scheitel_Träger Mentalität lässt grüßen.
    Meine Frage: Warum?

    transit

  3. was jeder weiß? Über 911 redet auch keine Sau mehr. Oder wer wollte den Reichtagsbrand aufwärmen?

    Antwort auf "Nanu..?"
  4. 4. Cuba?

    Was faseln Sie denn da? Cuba und Haiti in einen Topf? Bisschen wirr...

    Antwort auf
    • opina
    • 02.03.2010 um 14:11 Uhr

    Ein ZDF-Reporter berichtete heute aus Constitución und kleineren Ortschaften, die zusätzlich vom Tsunami getroffen wurden, dass bisher keinerlei Hilfe eingetroffen
    sei, weder für die Verschütteten, noch für die Obdachlosen. Wo bleibt z.B. das Technische Hilfswerk?? Gestern soll ein 4-köpfiges Team aufgebrochen sein, um die Lage zu peilen ... Was nützen die ausländischen Geldzusagen, wenn keine
    praktische Soforthilfe erfolgt? Es ist immer wieder erschütternd, wie langsam dringend benötigte Hilfe wie Rettungsteams, Essen, Trinken, Zelte usw. in die Gänge
    kommt!
    Ja, zu Beginn ließ die Polizei die 'Plünderungen' zu, weil den Menschen nichts geblieben war. Einkaufszentren können später entschädigt werden, wenn die Menschen überlebt
    haben !!
    Ordnung muss sein, ich hoffe nur, dass die vielen Soldaten
    vor Ort nicht nur Wache geschoben haben!

    • kosaro
    • 03.03.2010 um 13:06 Uhr

    Nicht jeder will ein Flachbildschirm. Wenn man nix zu essen hat, dann muss man feststellen, dass ... nur Fensterscheiben uns von das gute Brot trennt... (Brecht)

    Aber wenn die Amerikaner in Chile mit USA-Truppen zu landen versuchen... Oder das Flughaben Arturo Merino in Besitz zu nehmen versuchen...

    Dann wird in ganz Lateinamerika ein Pulverfass gezündet. SO NICHT GRINGO. Wir wollen deine Hilfe weil du es uns schuldest (du hast genug von unsere Ressoursen im Laufe der Jahrhunderte geklaut). Aber deine Truppen sollen sich in Chile nicht blicken lassen!

    Es ist UNSER Land, UNSER Kontinent, gringo.

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