Die Behörden des australischen Bundesstaates New South Wales schrieben in der entsprechenden Rubrik: "sex not specified" (Geschlecht nicht festgelegt). Es ist wohl das erste Dokument dieser Art weltweit.

Der Fall Norrie May-Welby (der Nachname klingt übersetzt wie "Könnte auch sein") ist ein sehr spezieller: In Schottland als Junge geboren, ließ sich der/die heute 48-Jährige vor 20 Jahren zur Frau umoperieren. Sie beschloss aber bald darauf, weder als Frau noch als Mann zu leben, und lehnte es daher ab, ihren Körper mit Chemie und Implantaten weiter auf weiblich zu trimmen: "Ich habe seit 20 Jahren keine Hormone mehr genommen, weil ich es vorziehe, dass mein Körper und mein Hirn so sind, wie sie von Natur aus sind", schreibt er/sie in einem Weblog.

Norrie May-Welby sieht nicht ein, warum er/sie entscheiden muss, ob er eine sie ist – oder umgekehrt. Von sich selbst spricht May-Welby als "zie", eine Mischung aus she und he. Die deutsche Entsprechung wäre wohl "ser". Als Neutrum sieht Norrie May-Welby sich nicht: "Ich trete weiblichen Freunden als weiblich gegenüber, schwulen Freunden als eine Queen wie sie."

Es sei im 21. Jahrhundert nicht mehr nötig, Menschen von Staats wegen in eine von zwei Geschlechteridentitäten "einzusperren", findet Norrie May-Welby. Zumal es auch biologische Intersexuelle gebe, Menschen also, die genetisch, anatomisch und hormonell nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können.

Als Nächstes möchte Norrie May-Welby nun auch einen geschlechtslosen Pass. Denn weil dort bisher "weiblich" steht, könnten Polizisten Ärger machen, weil sie erkennbare männliche Merkmale aufweise, den Adamsapfel etwa und die breite Brust. Stünde "männlich" im Pass, entspreche das ebenfalls nicht "meiner physischen Form", weil die Operation einen "feminisierenden Effekt hatte" und er/sie sich meist feminin bewege und rede. "Wenn ich mein Geschlecht als männlich oder weiblich angebe, ist das eine Falschangabe, und die ist für rechtliche Dokumente unzulässig", folgert May-Welby. Die einfachste Lösung sei also, "einfach keine Geschlechtsangabe in meinen Dokumenten zu haben".

Kein Wunder, dass jemand das so sieht, der sich als "androgynen Anarchisten" bezeichnet. May-Welby betreibt und schreibt für mehrere Weblogs, bezeichnet sich als der "Menschheit und den Ökosystemen des Planeten verpflichtet", lehnt "rein profitorientierte Konzerne, Regierungsschikane und Staatsterror" ab und plaudert im Blog "A Eunuch’s Love Live" (Liebesleben eines Eunuchen) freimütig über sexuelle Erfahrungen.

Dass aber die Behörden in New South Wales die Ansichten Norries so weit teilen, dass sie auf die traditionellen Buchstaben "m" und "f" für male, männlich, und female, weiblich, im Melderegister verzichteten, ist wohl eine Weltpremiere. Es reichte denn auch nicht, dass Norrie sich selbst als Sowohl-als-auch versteht – medizinische Gutachten mussten belegen, dass auch die Anatomie uneindeutig ist.