Sexueller Missbrauch Politiker fordern Untersuchungskommission

Der Staat müsse die katholische Kirche zum Aufklären zwingen, finden einige Politiker. Und fordern eine unabhängige Expertenkommission statt eines Runden Tisches.

Die sich ausdehnenden Missbrauchsskandale der Katholischen Kirche entwickeln nun zunehmend politische Konsequenzen

Die sich ausdehnenden Missbrauchsskandale der Katholischen Kirche entwickeln nun zunehmend politische Konsequenzen

Angesichts der Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche und an Internatsschulen wird der Ruf nach einer unabhängigen Untersuchung der Vorfälle lauter. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) mit Blick auf Irland und die USA, "dass auch unabhängige Experten- und Untersuchungskommissionen einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung leisten können". Die Justizministerin forderte mehr Transparenz: "Um das Ausmaß der Missbrauchsfälle vollständig erfassen und bewerten zu können, wäre es hilfreich, wenn dazu möglichst umfassendes und belastbares Zahlenmaterial von den betroffenen Institutionen vorgelegt würde."

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte: "Die Regierung muss (...) eine nationale unabhängige Untersuchungskommission einsetzen und mit den nötigen Mitteln ausstatten." Roth kritisierte in der Bild am Sonntag: "Wir brauchen jetzt auch nicht verschiedene Runde Tische, wo sich Schwarz-Gelb vor allem darum streitet, welche Ministerinnen sie ausrichten dürfen." Viel mehr brauche es eine Untersuchungskommission, besetzt mit unabhängigen Wissenschaftlern, Juristen, Pädagogen und Psychologen.

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Fraktionsvorsitzende Renate Künast verlangte sogar, im Zweifel müsse der Staat die Kirche politisch zwingen, aufzuklären. Sie erwarte von der Katholischen Kirche, dass sie sich "am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht und am Ende Vorbild ist", sagte Künast der Leipziger Volkszeitung. Sollte dies nicht der Fall sein, müsse über Sanktionen nachgedacht werden. Eine Weigerung, die in Deutschland vom Staat eingezogene Kirchensteuer an die Kirche abzuführen, komme aus verfassungsrechtlichen Gründen zwar nicht infrage, sagte sie. Doch könne man darüber nachdenken, die staatlichen Hilfsgelder für kirchliche Schulen zu nutzen. Die Kirche brauche einen internen Verhaltenskodex, wenn es um Aufklärung solcher Fälle gehe, sagte Künast, sie brauche unabhängige Dritte und Ombudsleute. Und nur solche Schulen sollten Geld vom Staat bekommen, an denen ein solcher Kodex existiere.

Telefonberatung

Telefonberatungen

Die TelefonSeelsorge ist eine gebührenfreie Hotline, die rund um die Uhr erreichbar ist – anonym. Die bereitstehenden Gesprächspartner geben vertraulichen Rat bei einer Vielzahl von Problemen – auch bei sexuellem Missbrauch. Die TelefonSeelsorge ist unter (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222 zu erreichen.

Ein ähnliches Angebot bieten die Kinder- und Jugendtelefone unter der Nummer (0800) 111 0 333, allerdings nur von Montag bis Freitag, 15.00 - 19.00 Uhr.

Auch die Katholische Kirche hat eine Telefonhotline eingerichtet. Die Berater sind von dienstags, mittwochs und donnerstags von 13.00 bis 20.30 Uhr zu erreichen. Auf der Website www.hilfe-missbrauch.de bietet die Kirche außerdem eine Online-Beratung an.

Anlaufstellen

Anlaufstellen für Kinder und Eltern

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinderschutz-Zentren und der Wildwasser e.V.  bieten Hilfe für Betroffene sexuellen Missbrauchs und ihre Angehörigen. Die Vereine betreiben eine Vielzahl von Anlaufstellen in ganz Deutschland. Vor Ort helfen sie Betroffenen mit Beratung und psychologischer Unterstützung.

Beratung für Männer, die in ihrer Jugend misshandelt wurden

Der Verein Tauwetter e.V. bietet Beratung und Hilfe für Männer, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuell missbraucht wurden. Mit einer großen Bandbreite von Angeboten geht der Verein auf die spezielle Situation der Betroffenen ein. Für erste Fragen und Terminabsprache ist der Verein telefonisch erreichbar unter: (030) 693 80 07 dienstags 17.00 - 18.00 Uhr und donnerstags 17.00 - 19.00 Uhr).

Beratung für Frauen, die in ihrer Jugend misshandelt wurden

Die Organisation Terre des Femmes sowie der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe wenden sich an Frauen, die in ihrer Jugend oder Kindheit sexuell missbraucht wurden. 

Unter (07071) 79730 bietet Terre des Femmes zwischen 10.00-13.00 Uhr telefonische Beratung an. Auf der Website des Bundesverbands gibt es eine Übersicht von Frauenberatungsangeboten in vielen deutschen Städten.

Beratungsangebote der evangelischen Kirche

Das evangelische Hilfswerk Diakonie bietet Beratung und Hilfe im Falle sexuellen Missbrauchs an. Der angegliederte KOBRA e.V. mit Sitz in Stuttgart hilft Kindern und Jugendlichen bei sexueller Gewalt. Der Verein ist unter (0711) 162970 oder per E-Mail (beratungsstelle@kobra-ev.de) erreichbar. Darüber hinaus organisiert die Beratungsstelle Projekte zur Missbrauchsprävention.

Beratungsangebote der katholischen Kirche

Die katholische Kirche bietet Hilfe für Opfer von sexuellem Missbrauch im Rahmen ihrer Bundeskonferenz der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Dort findet sich das bundesweite Verzeichnis aller Beratungsstellen. Darüber hinaus bietet diese Liste einen Überblick über alle Ansprechpartner für Betroffene in den 27 deutschen Bistümern.

Prävention

Missbrauchsprävention

Die deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V. ist ein Zusammenschluss von über 800 Personen und Institutionen. Der Verein versucht durch Aufklärung Missbrauch zu verhindern. Für den Verein sind Mitglieder aus Medizin, Pädagogik, Polizei, Psychologie, Sozialarbeit und Wissenschafttätig.

Täterhilfe

Hilfe für Täter und potenzielle Täter

Das "Kein-Täter-werden"-Projekt der Berliner Charité bietet Beratung und Hilfe für Menschen mit auf Kinder und Jugendliche gerichtete sexuelle Fantasien.

Telefonisch unter (030) 450 529 529, per E-Mail (praevention-online@charite.de) oder über das Kontaktformular auf der Website können sich Betroffene anonym melden und sich für das Projekt anmelden .

Die Grünenpolitikerin Antje Vollmer ist Moderatorin des Runden Tisches zu Misshandlungen in Kinderheimen. Sie wertete den nun von der Regierung anberaumten Runden Tisch zum Kindesmissbrauch als Ausdruck von Hilflosigkeit ohne parlamentarische Legitimation. Beim Thema Heimerziehung sei eine dreijährige Debatte im Petitionsausschuss des Bundestages vorausgegangen, beim Kindesmissbrauch dagegen gehe es offenbar nur darum, schnell Ruhe in das Thema zu bringen, sagte Vollmer der Welt am Sonntag. Das sei falsch. "Wie will man denn in diesem Fall die Betroffenen mit einladen? Wer soll sie legitimieren?", fragte Vollmer.

Auch der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, erteilte Runden Tischen eine Absage. Mit ihnen ließe sich das Problem nicht lösen, denn es gebe "kein Erkenntnis- sondern ein Handlungsproblem", sagte er der Tageszeitung Rheinpfalz am Sonntag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich indirekt für dieses Instrument ausgesprochen. «Ich unterstütze sehr, dass sich die katholische Kirche intensiv und deutlich mit dem Thema beschäftigt», sagte sie der Stuttgarter Regionalzeitung Sonntag aktuell. «Auch in allen anderen Fällen, egal in welcher Schulform, ob privat oder öffentlich, gilt: Aufklärung des Geschehenen ist unverzichtbar, und zugleich müssen wir die Prävention weiter entwickeln.» Dies sei im Kern das Anliegen der Bundesregierung und der Initiativen von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, Familienministerin Schröder und Bildungsministerin Schavan.

Leutheusser-Schnarrenberger hatte Ende Februar für einen solchen Runden Tisch plädiert und damit Erzbischof Robert Zollitsch brüskiert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz lehnte eine Debatte allein für die katholische Kirche ab. Er signalisierte jedoch Bereitschaft, wenn sich alle gesellschaftlich relevanten Gruppen an der Diskussion beteiligten. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Bundesbildungsministerin Annette Schavan laden nun ab dem 23. April zu einem eigenen Runden Tisch ein. Sein Schwerpunkt soll der Missbrauch an Schulen sein, die Deutsche Bischofskonferenz wäre dabei nur einer von vielen Teilnehmern. Leutheusser-Schnarrenberger ist ebenfalls dazu eingeladen.

Merkel begrüßte die Einsetzung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann als Sonderbeauftragter der Bischofskonferenz für die Aufklärung. «Damit haben die Opfer einen Ansprechpartner. Auch wenn ein großer Teil der Fälle, die jetzt bekannt werden, lange zurückliegt, haben die Opfer ein Recht auf Wahrheit und Klarheit.»

Das rheinland-pfälzische Justizministerium prüft gerade Möglichkeiten, das Recht auf Entschädigung für Missbrauchsopfer zu verlängern. Denkbar seien 10 bis 15 Jahre nach dem 21. Geburtstag des Opfers, sagte Minister Heinz Georg Bamberger (SPD). Die derzeitige zivilrechtliche Verjährungsfrist von drei Jahren sei "zu kurz". Viele fänden erst den Mut, wenn bereits andere Opfer diesen Schritt gewagt haben. Bamberger hielt sich "den Weg für eine Bundesratsinitiative offen".

Merkel äußerte sich dazu zurückhaltend. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Überprüfung der zivil- und strafrechtlichen Verjährungsfrist. Sie muss sich natürlich einpassen in die Struktur unserer Rechtsordnung.»

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 13.03.2010 um 18:07 Uhr

    ....wollen nur ablenken von den 1.300 Fällen jährlicher Kindesmisshandlung in unserer Gesellschaft, die wir bekanntermaßen haben und gegen die wir zu wenig taten. Das bedeutet nicht, dass wir das kleinere Teilproblem in RKK Institutionen nicht auch untersuchen sollten. Aber ablenken vom eigenen Versagen sollten wir den Politikern auch nicht erlauben.

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    Sie schreiben: "Aber ablenken vom eigenen Versagen sollten wir den Politikern auch nicht erlauben."

    ... und an diesem unverschämt langen und kalten Winter sind sie auch schuld. Lasst's ihnen nicht durchgehen, auf keinen Fall.

    ... das kleinere Teilproblem der RKK Institutionen????? RKK und den sexuellen Mißbrauch in diesen Institutionen gibt es weltweit.

    • ddkddk
    • 13.03.2010 um 21:54 Uhr

    Das sind Sie und damit machen Sie die hoffnungsvolle Aufklärungsarbeit und das ernsthafte Bemühen vieler Katholiken unglaubwürdig.

    Sie schreiben: "Aber ablenken vom eigenen Versagen sollten wir den Politikern auch nicht erlauben."

    ... und an diesem unverschämt langen und kalten Winter sind sie auch schuld. Lasst's ihnen nicht durchgehen, auf keinen Fall.

    ... das kleinere Teilproblem der RKK Institutionen????? RKK und den sexuellen Mißbrauch in diesen Institutionen gibt es weltweit.

    • ddkddk
    • 13.03.2010 um 21:54 Uhr

    Das sind Sie und damit machen Sie die hoffnungsvolle Aufklärungsarbeit und das ernsthafte Bemühen vieler Katholiken unglaubwürdig.

  1. zu 1) Man bekommt den Eindruck, dass ein Großteil der Fälle sich in Einrichtungen der Katholischen Kirche ereignet. Da kann von Ablenkung keine Rede sein. Es wird Zeit, dass wir ein laizistischer Staat werden.

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    • joG
    • 13.03.2010 um 18:32 Uhr

    ..." Man bekommt den Eindruck, dass ein Großteil der Fälle sich in Einrichtungen der Katholischen Kirche ereigne"?

    Es wird von ein paar Hundert Fällen über 40 Jahren berichtet bei der RKK. In D gibt es jährlich mehr als 1.300 bekannter Fälle.

    • joG
    • 13.03.2010 um 18:32 Uhr

    ..." Man bekommt den Eindruck, dass ein Großteil der Fälle sich in Einrichtungen der Katholischen Kirche ereigne"?

    Es wird von ein paar Hundert Fällen über 40 Jahren berichtet bei der RKK. In D gibt es jährlich mehr als 1.300 bekannter Fälle.

    • joG
    • 13.03.2010 um 18:32 Uhr

    ..." Man bekommt den Eindruck, dass ein Großteil der Fälle sich in Einrichtungen der Katholischen Kirche ereigne"?

    Es wird von ein paar Hundert Fällen über 40 Jahren berichtet bei der RKK. In D gibt es jährlich mehr als 1.300 bekannter Fälle.

    Antwort auf "Nun ja,"
    • sevens
    • 13.03.2010 um 18:50 Uhr

    Warum bebildern Sie einen Artikel zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche mit einem Bild vom Berliner Dom (evangelisch)?
    Weil das die anderen Medien auch so machen? Weil Getty Images das Bild für kurze Zeit falsch betitelt hat?

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    • joG
    • 14.03.2010 um 12:51 Uhr

    ....Man würde von einer seriösen Zeitung erwarten, dass sie die Zahlen aufarbeitet um ein Referenzsystem den Lesern zu bieten. So könnten die Leser die Fragestellung besser bewerten. Ob die Leser das allerdings wirklich wollen, würde ich nicht glauben, nachdem ich die Foreneinträge gelesen habe.

    • joG
    • 14.03.2010 um 12:51 Uhr

    ....Man würde von einer seriösen Zeitung erwarten, dass sie die Zahlen aufarbeitet um ein Referenzsystem den Lesern zu bieten. So könnten die Leser die Fragestellung besser bewerten. Ob die Leser das allerdings wirklich wollen, würde ich nicht glauben, nachdem ich die Foreneinträge gelesen habe.

  2. Hat es eigentlich irgendeine tiefere Bewandtnis, daß Sie einen Artikel über die katholische Kirche ausgerechnet mit einem Photo der evangelischen Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin illustrieren?

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    Redaktion

    Bitte verzeihen Sie den Fehler, wir tauschen das Bild des (evangelischen) Doms sofort aus.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Redaktion

    Bitte verzeihen Sie den Fehler, wir tauschen das Bild des (evangelischen) Doms sofort aus.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  3. Also mich nerven diese Übergriffe der Politik auf die Kirchen. Ich denke man muss in diesem Zusammenhang mal klarstellen, dass Politiker nichts mit der Aufklärung von Straftaten zu tun haben. Das ist Sache der Exekutive. Die Kommentare von Politikern aus der Führungsspitze der Grünen erscheinen als eine sehr üble Art von Selbstdarstellung. Die Grünen scheinen nichts besseres zu bieten zu haben als sich auf Kosten der katholischen Kirche zu profilieren. Das macht sie bei mir nicht sympathischer. Sie sollten Oppositionsarbeit leisten. Dafür sind sie da.

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    • ddkddk
    • 13.03.2010 um 21:57 Uhr

    Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Bundesregierung, vertreten durch die Bundeskanzlerin und die Bundesjustizministerin die Exekutive sind.

    Für Strafverfolgung ist primär die Polizei zuständig. Runde Tische sind dafür keine geeignete Einrichtung. Sie dienen im konkreten Fall lediglich der Selbstdarstellung der beteiligten Politiker, die von ihrer eigenen Unfähigkeit ablenken wollen, indem sie jemand anderen demütigen.

    Die Verjährung hat in Strafsachen einen guten Sinn. Es ist extrem schwierig, nach Jahrzehnten Vorwürfe so zu belegen, daß einem konkreten Täter eine konkrete Tat nachgewiesen werden kann. Man kann ja aber an die Beweisführung nicht geringere Anforderungen stellen, weil die behauptete Tat angeblich schon Jahrzehnte zurückliegen soll! Die Verjährung beginnt außerdem bei Mißbrauch von Kindern erst mit ihrer Volljährigkeit. Von einer Justizministerin erwarte ich, daß sie in der Öffentlichkeit unzweideutig erklärt, warum Verjährung sinnvoll ist; bzw. falls sie anderer Meinung sein sollte, daß sie einen Voschlag zur Änderung macht. Stattdessen lädt Frau Doppelname zum "Runden Tisch".

    Die gegenwärtige Hysterie, in de der katholischen Kirche alles Schlechte auf der Welt unterstellt wird, ermutigt Menschen, die im Alter mit ihrem Leben unzufrieden sind, sich einzubilden, alles wäre prima gewesen, wenn nicht der böse Pfarrer... oder der Lehrer... oder wenn nicht die eine Ohrfeige... Und gegen die Aussagen, Betreffende hätten sich erst im Rahmen einer langdauernden Psychotherapie auch nur erinnern können, kann man (gerade vom liberalen Rechtsstandpunkt aus) nicht mißtrauisch genug sein.

    • ddkddk
    • 13.03.2010 um 21:57 Uhr

    Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Bundesregierung, vertreten durch die Bundeskanzlerin und die Bundesjustizministerin die Exekutive sind.

    Für Strafverfolgung ist primär die Polizei zuständig. Runde Tische sind dafür keine geeignete Einrichtung. Sie dienen im konkreten Fall lediglich der Selbstdarstellung der beteiligten Politiker, die von ihrer eigenen Unfähigkeit ablenken wollen, indem sie jemand anderen demütigen.

    Die Verjährung hat in Strafsachen einen guten Sinn. Es ist extrem schwierig, nach Jahrzehnten Vorwürfe so zu belegen, daß einem konkreten Täter eine konkrete Tat nachgewiesen werden kann. Man kann ja aber an die Beweisführung nicht geringere Anforderungen stellen, weil die behauptete Tat angeblich schon Jahrzehnte zurückliegen soll! Die Verjährung beginnt außerdem bei Mißbrauch von Kindern erst mit ihrer Volljährigkeit. Von einer Justizministerin erwarte ich, daß sie in der Öffentlichkeit unzweideutig erklärt, warum Verjährung sinnvoll ist; bzw. falls sie anderer Meinung sein sollte, daß sie einen Voschlag zur Änderung macht. Stattdessen lädt Frau Doppelname zum "Runden Tisch".

    Die gegenwärtige Hysterie, in de der katholischen Kirche alles Schlechte auf der Welt unterstellt wird, ermutigt Menschen, die im Alter mit ihrem Leben unzufrieden sind, sich einzubilden, alles wäre prima gewesen, wenn nicht der böse Pfarrer... oder der Lehrer... oder wenn nicht die eine Ohrfeige... Und gegen die Aussagen, Betreffende hätten sich erst im Rahmen einer langdauernden Psychotherapie auch nur erinnern können, kann man (gerade vom liberalen Rechtsstandpunkt aus) nicht mißtrauisch genug sein.

  4. Redaktion

    Bitte verzeihen Sie den Fehler, wir tauschen das Bild des (evangelischen) Doms sofort aus.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Antwort auf "An die Bildredaktion:"
  5. Man muss auch sagen, dass die Forderung nach vollständiger Einsicht staatlicher Behörden in die Missbrauchsfälle einen falschen Eindruck erweckt. Es entsteht der Eindruck, dass staatliche Ermittlungen die Wahrheit ans Tageslicht fördern und zu einer umfassenden Aufklärung führen. Das ist leider nicht immer der Fall. Vielmehr gibt es auch hier vieles, was im Sumpf von Behörden und Ermittlungen falsch läuft. Die Falschen werden verurteilt und die wahren Täter laufen frei herum. Wie oft passiert das? Wie oft wird der Schutz von mutmaßlichen Tätern missachtet und es findet sich das Bild lange vor der Urteilsverkündung in der Bildzeitung oder anderen Blättern veröffentlicht? Damit werden Menschen vorverurteilt und der Schutz vor falscher Verleumdung missachtet. Es gilt doch immer noch der Grundsatz, dass niemand verurteilt werden sollte ohne Urteil. Zu einem solchen kritischeren Verständnis von Staat möchte ich beitragen. Deshalb habe ich Zweifel an der Arbeit staatlicher Behörden und kann es gut verstehen, dass zunächst intern ermittelt wird, ob es auch wirklich glaubhafte Verdachtsmomente gibt. Wenn es die nicht gibt, dann sollte auch keine Pflicht zu einer Anzeige bestehen, wenn aber doch, dann ist es ebenso Pflicht anzuzeigen und die Straftat zu verfolgen. Nur gerecht und fair sollte es dabei zugehen.

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    • ddkddk
    • 13.03.2010 um 22:00 Uhr

    sie werden ja auch nur von Menschen repräsentiert, die im Gegensatz zu den kirchlichen Behörden ja nicht einmal mit Gottes Segen eingesetzt wurden.

    Aber dennoch traue ich ihnen mehr, als dem innerkirchlichen Behördenapparat.

    • ddkddk
    • 13.03.2010 um 22:00 Uhr

    sie werden ja auch nur von Menschen repräsentiert, die im Gegensatz zu den kirchlichen Behörden ja nicht einmal mit Gottes Segen eingesetzt wurden.

    Aber dennoch traue ich ihnen mehr, als dem innerkirchlichen Behördenapparat.

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