Der Vatikan hebt das Urteil auf
"Direkt mitgeteilt hat uns das Urteil aber nie jemand", sagen mehrere Beteiligte übereinstimmend. Bis heute nicht. Stattdessen lesen sie, man schrieb inzwischen das Jahr 2006, was der Pfarrer der Gemeinde in einem Rundbrief mitzuteilen hat: "Nach Eintreffen der Berufung meines Pflichtverteidigers bei der höchsten Instanz in Rom wurde das vom Diözesangericht in Salzburg durch Rechtsbeugung und Unterschlagung wichtiger Dokumente angepeilte Urteil sofort aufgehoben."
Gerhard Holotik, jener Prälat, der das Gerichtsverfahren leitete, sagt: "Das Urteil habe ich nach Rom geschickt, die Glaubenskongregation hat es wieder aufgehoben. Es gab ein Hin und Her." Und weiter: "Wir haben die Sache ja von Rom zugewiesen bekommen. Sie können sich denken, wie wir empfinden, wenn unser Urteil plötzlich aufgehoben wird. Ich bin nicht glücklich über das Ganze."
Wer dabei welche Fäden gezogen hat, inwieweit der Papst direkt in die Entscheidung involviert war, ist unklar. Als die Glaubenskongregation das Verfahren bestellte, war er jedenfalls noch als Kardinal Ratzinger deren Chef. Als Rom es abwürgte, war er Papst.
Ambivalent bleibt die Rolle Kapellaris. Immerhin steckte er den Priester in ein Kloster und wies ihm "sichernde Auflagen" zu. Und zwar "trotz der Verjährung nach staatlichem als auch kirchlichem Recht", wie die Diözese betont.
"Uns hat Kapellari aber versprochen, dass der Pfarrer nicht mehr in die Nähe von Kindern kommen kann. Das hat er nicht gehalten", sagt ein Opfer. Noch 2006 nämlich erklärte der Priester in einem Rundbrief: "Als Aushelfer bin ich in den Pfarren begehrt."
Da sieht sogar Prälat Holotik, Leiter des Metropolitan- und Diözesangerichts Salzburg, akuten Handlungsbedarf. "Nicht, dass wir in diesem Fall nicht auch schon einmal gern eine Auskunft von Bischof Kapellari gehabt hätten", sagt er. Für Holotik ist der Prozess nicht abgeschlossen. "Die Betroffenen haben ein Recht darauf, dass ein Urteil ergeht." Sie sollten sich jetzt an die Ombudsstelle oder an Kapellari wenden, der müsse sagen, was los ist. "Sie können sich ja darauf berufen, dass der Bischof nun selbst die Opfer aufruft, sich zu melden."
* Namen geändert
Der Artikel erschien zuerst in der österreichischen Stadtzeitung Falter. Dies ist eine gekürzte Version.
- Datum 19.03.2010 - 18:47 Uhr
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viereggtext - Sehr beeindruckend und überzeugend, wie die Gläubigkeit der Bürger erschüttert wurde und wie es vertuscht und vertuscht wurde. In Österreich ist auch ganz vorne Josef Ritzl zu nennen, der Jura studieren will, um sich zu verteidigen. Kein Pfarrer. Ein schwerer Fall für die Psychiatrie. Er fühlt sich unschuldig, obwohl er in Amstetten in Niederösterreich seine dritte Tochter 24 Jahre lang im Keller einsperrte, sie mehr als 3000-mal vergewaltigte und mit ihr sieben Kinder zeugte. Josef Ritzls Schwägerin erklärte gar, er träume noch immer von einer Zukunft mit seiner Frau, die sich schon lange abgewendet hat.
Heiratet ein Priester, wird er aus dem Amt entfernt.
Schändet er jahrelang Kinder, wird er lediglich -- und auch nur, wenn es gar nicht anders geht -- versetzt.
Daran sieht man schon, welche moralische Instanz die Kirche ist.
Wie kann jemand freiwillig in so einem Verein bleiben?
Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass soetwas in Zukunft nicht mehr möglich sein wird. Die Verjährung muss unbedingt verlängert werden, in schweren (wiederholten ) Fällen, wie diesem, die klar bewiesen werden können,sollte sie ganz aufgehoben werden. Der Kirche die eigene "Gerichtbarkeit" entzogen werden. Es ist unerträglich was da geschildert wird!
Ich frage mich ja, warum das gerade bei religiösen Einrichtungen (hierzulande ja nur bei den christlichen) immer wieder passiert...
Ich schwanke noch zwischen "Da häufen sich Leute, die mit Ihrer Sexualität besonders schlecht klarkommen, sei besonders arg unterdrücken" und "In der Bibel steht schließlich nichts von Kindern und die halten das für rechtens".
Letzteres würde auch die Vertuschung und Unterlassen von Vermeidungt gut erklären. Ersteres ist ja eh fast jedem klar.
Naja, auf jeden Fall haben diese Leute einen Schaden. Möge Gott Ihnen helfen! ;)
Es ist die Kombination mit Macht: DAS ist so reizvoll für diese Leute.
Es ist die Kombination mit Macht: DAS ist so reizvoll für diese Leute.
Ich verstehe nicht, warum "Geistliche" eine rechtliche Sonderposition hat und warum eine staatlich anerkannte Institution wie die Kirche sich schützend vor den Täter stellt und damit den Rechtsstaat udn die Gerechtigkeit verhöhnt.
"nur" bei den christlichen? Missbrauch geht durhc alle Gesellschaftsschichten. Ich wette mein ganzes Vermögen, dass sich auch ein perverser Rabbi oder Iman findet. Machen wir uns da nichts vor. Überall wo Kinder betreut werden, sind die der Gefahr des Missbrauchs ausgesetzt - auch bei den Eltern oder Verwandten.
In seinen Werken wimmelt es von sexuell gestörten Pfaffen, die sich hinter einer Fassade aus amtskirchlicher Frömmelei den wildesten Ausschweifungen hingeben...
Bis vor kurzem hielt ich das für de Sades antiklerikalen Furor, doch seit kurzem bin ich nicht mehr so sicher.
"Wer dabei welche Fäden gezogen hat, inwieweit der Papst direkt in die Entscheidung involviert war, ist unklar. Als die Glaubenskongregation das Verfahren bestellte, war er jedenfalls noch als Kardinal Ratzinger deren Chef. Als Rom es abwürgte, war er Papst." - Jetzt wird behauptet, Benedikt XVI wäre schon seit Jahren gegen den sexuellen Mißbrauch durch Priester vorgegangen. Andererseits war Exkommunikation den Bischöfen angedroht, die Kenntnisse an Staatsanwaltschaften weitergeben würden. Vielleicht hatte auch Herr Kappellari eine entsprechende Schrift. - Wollen alle Bischöfe, die der Anweisung aus dem Vatikan folgten und geschwiegen haben, nun die Bauernopferrolle übernehmen? - Es ist grauenhaft zu sehen, daß sich Benedikt XVI noch nicht einmal an die Opfer gewandt hat mit der Bitte, sie mögen die Täter entschuldigen. - Erst dann könnte man in den Sühneprozeß eintreten.
Sehr geehrte/r Herr/Frau pünktchen,
nur um das nochmal klarzustellen, es gab und gibt keine Geheimschreiben, die festlegten, dass Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft vorzuenthalten sind. Auch wenn viele das zur Zeit gerne herbeireden wollen, sind solche Aussagen Unsinn.
Die kirchenrechtlichen Bestimmungen haben vielmehr festgelegt, dass Prozesse (und nur diese) vertraulich zu führen sind, genauso wie ein Missbrauchsprozess in Dtl. in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wird.
Opfer und Zeugen konnten und sollten dann jederzeit die Staatsanwaltschaft informieren, damit die ihre Arbeit tut. Die Kirchengerichtsbarkeit hat dann lediglich geprüft, ob auch Kirchenstrafen, wie eine Exkommunikation gegen den Täter möglich sind. Nichts anderes ist ihre Aufgabe.
Übrigens bedroht das Kirchenrecht jeden, der von einem Missbrauch Kenntnis erhält und diesen nicht meldet mit Exkommunikation, nicht das Opfer, das mit der Polizei redet. Das war sogar schon 1962 so festgelegt worden.
Eine detaillierte Analyse finden sie in Wikipedia und besonders hier:
http://www.internetpfarre...
MfG
Hainer
Sehr geehrte/r Herr/Frau pünktchen,
nur um das nochmal klarzustellen, es gab und gibt keine Geheimschreiben, die festlegten, dass Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft vorzuenthalten sind. Auch wenn viele das zur Zeit gerne herbeireden wollen, sind solche Aussagen Unsinn.
Die kirchenrechtlichen Bestimmungen haben vielmehr festgelegt, dass Prozesse (und nur diese) vertraulich zu führen sind, genauso wie ein Missbrauchsprozess in Dtl. in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wird.
Opfer und Zeugen konnten und sollten dann jederzeit die Staatsanwaltschaft informieren, damit die ihre Arbeit tut. Die Kirchengerichtsbarkeit hat dann lediglich geprüft, ob auch Kirchenstrafen, wie eine Exkommunikation gegen den Täter möglich sind. Nichts anderes ist ihre Aufgabe.
Übrigens bedroht das Kirchenrecht jeden, der von einem Missbrauch Kenntnis erhält und diesen nicht meldet mit Exkommunikation, nicht das Opfer, das mit der Polizei redet. Das war sogar schon 1962 so festgelegt worden.
Eine detaillierte Analyse finden sie in Wikipedia und besonders hier:
http://www.internetpfarre...
MfG
Hainer
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