In Deutschland werden immer mehr Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen bekannt. In einem früheren Jungen-Internat des Bistums Mainz im hessischen Bensheim sollen in den sechziger und siebziger Jahren Schüler durch zwei Täter sexuell missbraucht und misshandelt worden sein. Einer der Verdächtigen sei der damalige Leiter, der andere ein Priester, teilte ein Sprecher des Bistums mit. Sie sollen unter anderem Schüler aus nichtigen Anlässen geprügelt haben.

Das Knabenkonvikt war ein Internat für Schüler eines Bensheimer Gymnasiums, das laut Bistum 1981 aus "wirtschaftlichen und pädagogischen Gründen" geschlossen wurde. Das Bistum Mainz bat ehemalige Schüler, sich an das Bistum oder die zuständige Staatsanwaltschaft Darmstadt zu wenden, wenn sie Kenntnisse über die damaligen Vorgänge haben. Das Bistum zeigte sich tief betroffen und bot allen Opfern angemessene Hilfe und Begleitung an.

Nach Auskunft des Sprechers hat sich bisher kein Opfer von sexuellem Missbrauch gemeldet, aber ein Opfer von Misshandlungen durch den Priester. Weitere Hinweise ergäben sich aus Äußerungen eines früheren Mitarbeiters. Das Bistum Mainz erstreckt sich mit zwei Dritteln seines Gebiets auf Hessen.

Erster Fall in Sachsen

Derweil berichtete die Leipziger Volkszeitung von einem ersten Fall in Sachsen. Nach Angaben eines ehemaligen Bewohners des Eilenburger Ernst-Schneller-Heims für sogenannte erziehungsauffällige Kinder ist es dort in den Jahren 1970 bis 1980 täglich zu sexuellen Übergriffen gekommen. So hätten sich die Kinder zum Beispiel nackt ausziehen und zum Duschraum laufen müssen. Dabei seien einzelne Kinder geschlagen und auch teilweise im Intimbereich berührt worden.

Nach der Wiedervereinigung hatte die Caritas das Heim im Jahr 1994 übernommen. Der heutige Leiter sagte der Zeitung, er könne die aktuellen Vorwürfe nicht ausschließen, und erklärte sich bereit, für eventuelle Opfer zur Verfügung zu stehen.

Katholische Kirche auch in den Niederlanden in Kritik

In den Niederlanden sind bei der katholischen Kirche innerhalb weniger Tage mehrere hundert Hinweise auf sexuellen Missbrauch durch Geistliche eingegangen. Seit Monatsbeginn hätten sich 350 mutmaßliche Opfer an die Organisation Hulp en Recht, übersetzt Hilfe und Recht, gewandt, sagte ein Sprecher der katholischen Kirche in den Niederlanden, Pieter Kohnen.

Die Vorwürfe reichten bis in die fünfziger, sechziger und siebziger Jahre zurück und beträfen vor allem Internate im ganzen Land. Die Organisation Hulp en Recht war Mitte der neunziger Jahre von der Bischofskonferenz zur Unterstützung von Missbrauchsopfern gegründet worden.

Die katholische Kirche in den Niederlanden hatte am Dienstag eine umfassende Aufarbeitung der mutmaßlichen Missbrauchsfälle in ihren Einrichtungen angekündigt. Sie soll in vier bis sechs Wochen beginnen. Eine juristische Strafverfolgung ist nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft nicht mehr möglich, wenn die Verjährungsfrist von 20 Jahren bereits abgelaufen ist.