Ermittlungen Ettal "Über Jahrzehnte hinweg massiv misshandelt"
Stockschläge, Kopfnüsse, Ohrfeigen und sexuelle Übergriffe: Ein Sonderermittler hat eine erschreckende Bilanz seiner Untersuchungen im Kloster Ettal gezogen. Schüler berichten: "Ettal war die Hölle."
Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche sind erschütternde Einzelheiten über Misshandlungen im bayerischen Kloster Ettal bekannt geworden. In dem Kloster wurden Schüler "über Jahrzehnte hinweg massiv misshandelt", wie Sonderermittler Thomas Pfister in Ettal mitteilte.
In seinem Zwischenbericht zu den Fällen im Kloster Ettal kommt Pfister zu dem Schluss, dass Mönche jahrzehntelang Kinder und Jugendliche "in sexueller, physischer und psychischer Art" misshandelt haben. Die Vorwürfe richten sich gegen mindestens zehn Patres, man müsse von rund 100 Opfern ausgehen, sagte der Münchner Rechtsanwalt. Er stellte Berichte von Ex-Schülern vor, in denen Stockschläge auf den Rücken, Kopfnüsse und heftige Ohrfeigen geschildert werden. Der vom Kloster nach den jüngst bekannt gewordenen Missbrauchsfällen eingesetzte Sonderermittler fügte allerdings hinzu, die Zeiten in Ettal hätten sich grundlegend geändert. Das Kloster von heute habe mit dem Kloster von gestern "nur noch wenig zu tun".
Pfister zufolge berichtete ein ehemaliger Internatsschüler, in den sechziger Jahren seien körperliche Übergriffe bis hin zur Prügelstrafe "tägliche Praxis" gewesen. Ein anderer Ex-Schüler bezeichnete die früheren Verhältnisse in der Schule als "absoluten Terror". Im Schlafsaal habe es Ohrfeigen für alle Schüler gegeben als Strafe dafür, dass zuvor einer von ihnen etwas gesagt habe. Ein weiterer früherer Schüler berichtete, er habe in den achtziger Jahren "furchtbare Schläge" erhalten. "Für mich war Ettal die Hölle."
Der Anwalt hob zwar hervor, er wolle keineswegs den Eindruck erwecken, dass sich früher "das Personal des Klosters vornehmlich aus prügelnden und missbrauchenden Straftätern zusammensetzte". Es habe sich bei den Vorfällen um Verfehlungen Einzelner gehandelt. Allerdings habe es in dem Kloster eine "Kultur des Wegsehens" gegeben, unter deren Schutzmantel die Verfehlungen stattgefunden hätten. Die damaligen Vorfälle seien verjährt. "Nach weltlichen Maßstäben hätte jeder von diesen Akteuren zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt werden müssen."
Pfister bestätigte außerdem, dass sich ihm vergangene Woche ein Pater offenbart und zugegeben habe, kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Auch seien Ex-Schüler des Klosters im Internet auf Bilder gestoßen, die sie mit nacktem Oberkörper zeigten. Nach einer entsprechenden Information durch den Sonderermittler hatte die Staatsanwaltschaft den Rechner des Paters beschlagnahmt.
Zugleich wurden auch Missbrauchsfälle bei den berühmten "Regensburger Domspatzen" bekannt. Nach Angaben des Bistums Regensburg hatten Betroffene von Fällen sexuellen Missbrauchs Anfang der sechziger Jahre berichtet. Nachforschungen des Bistums ergaben, dass 1958 der damalige Präfekt am Musikgymnasium Regensburg aus dem Dienst entfernt wurde. Laut einem damaligen Pressebericht soll der 1984 gestorbene Geistliche bei "unsittlichen Handlungen" mit Schützlingen ertappt und dafür den Recherchen des Bistums zufolge zu zwei Jahren Haft verurteilt worden sein.
Auch ein Ex-Internatsleiter des Knabenchors soll demnach 1971 wegen eines Übergriffs zu elf Monaten Haft verurteilt worden sein. Die Tat soll der ebenfalls 1984 gestorbene Geistliche vor 1969 verübt haben.
Der Vatikan nimmt den Missbrauchsskandal nach den Worten des stellvertretenden Vatikansprechers Ciro Benedettini "sehr ernst". Zu den Vorwürfen bei den Regensburger Domspatzen wollte Benedettini sich in Rom nicht äußern.
- Datum 05.03.2010 - 18:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP
- Kommentare 54
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Nachdem dieser Verein offensichtlich nicht in der Lage sich selbst zu reinigen hilft nur eines:
Austreten, den Geldhan zudrehen und das eingesparte Geld den Organisationen zukommen lassen, die sich wirklich um Bedürftige kümmern
Mich als Sozialarbeiter haben diese Enthüllungen nicht überrascht. Die Praxis Gebetbuch und Peitsche war damals Heimalltag. Die Baader-Meinhof (damals noch)-gruppe ist genau aus diesen Erfahrungen entstanden. Der Sexualmörder Bartsch in den 60er Jahren war erst Heimopfer und dann Täter. Den besten Einblick über solche Zustände gibt der Spielfilm: die unbarmherzigen Schwestern. ein Spielfilm in einem irischen Heim für "gefallene Mädchen". Tendenziell war die Praxis hier ähnlich.
M. Kroker
... ist ausnahmsweise tatsächlich die Institution.
In vorindustriellen Zeitaltern mag es noch möglich gewesen sein, Internatsschüler von der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft fern zu halten und durch schlichte Indoktrination zur Akzeptanz der abstrusen Vorstellungen ihrer Lehrer zu bewegen.
Rein technisch geht das nicht mehr und Abhilfe ist Gewalt. Hat sich Gewalt als Erziehungsmittel durchgesetzt und ist zur Gewohnheit geworden, wird sie zwangsläufig auch zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse eingesetzt.
Ich sehe keine andere Lösung, als die Internate zu schliessen und den soziopathisch deformierten Lehrkräften den Umgang mit Jugendlichen nur noch in der Öffentlichkeit und somit unter Kontrolle zu gestatten.
...für so einen bigotten Verein auch noch das Geld per Kirchensteuer einziehen?
ABER KEINER DER TAETER WIRD BESTRAFT!
Es wird nur
ermahnt
erklaert
vertuscht
empfohlen
und wenn die Zeitungen muede werden das gleiche zu berichten laeuft alles so weiter wie bisher ..
... angeblich erst jetzt Missbrauchsfälle auch in Deutschland ernst? Und wer glaubt den Satz: "Das Kloster von heute habe mit dem Kloster von gestern nur noch wenig zu tun"?
Vor Jahrzehnten hatte man auch geglaubt: 'katholische Priester und Mönche tun soetwas doch nicht'. Und wer hätte damals mißbrauchten Jugendlichen geglaubt? Wohl keiner! Und warum glaubt man den mißbrauchten nunmehr Erwachsenen? Weil man heute wegen Mangel der offensichtlich negativen Priesterauswahl einer frauen- und sexualfeindlichen katholischen Kirche zutiefst mißtraut.
Warum? weil man jetzt so schön Dinge ausgraben kann, die so schön lange vorbei sind und damit so herrlich von heute ablenken kann. Die Täter sind noch da. Und es wachsen immer neue nach in diesem miefigen, verschwitzten halbseidenen Männersumpf. Dieser Sumpf zieht Männer als Priester, Erzieher, Lehrer an, die Probleme mit ihrer Sexualität und, schlimmer noch, mit Macht haben. Alle bekannten Fälle haben diese widerliche Kombination: verschwitzter, verklemmter Sex und Machtfantasien. Es genügt, sich die Gesichter anzusehen, die verkniffenen Lippen, die Triefaugen, die wächsernen Hände. Der Papst geht mit ebendiesem Beispiel voran. Sie halten sich für die Herrenmenschen - Sie sind einfache Verbrecher.
Warum? weil man jetzt so schön Dinge ausgraben kann, die so schön lange vorbei sind und damit so herrlich von heute ablenken kann. Die Täter sind noch da. Und es wachsen immer neue nach in diesem miefigen, verschwitzten halbseidenen Männersumpf. Dieser Sumpf zieht Männer als Priester, Erzieher, Lehrer an, die Probleme mit ihrer Sexualität und, schlimmer noch, mit Macht haben. Alle bekannten Fälle haben diese widerliche Kombination: verschwitzter, verklemmter Sex und Machtfantasien. Es genügt, sich die Gesichter anzusehen, die verkniffenen Lippen, die Triefaugen, die wächsernen Hände. Der Papst geht mit ebendiesem Beispiel voran. Sie halten sich für die Herrenmenschen - Sie sind einfache Verbrecher.
Zur „Elite“ erzogen aber ohne Bewusstsein eigener Selbstbestimmtheit?
Eine sexuelle „Revolution“ hat - anders als Walter Mixa kürzlich äußerte - noch gar nicht stattgefunden, denn noch immer haben die meisten Menschen kein Verhältnis zu ihrer eigenen Sexualität, das frei wäre von Begriffen wie Verbot, Strafe, Schuld, Tabu, Angst, Scham, Ekel und Peinlichkeit. Offen gezeigte Nacktheit und sexuelles Handeln – was soll daran „revolutionär“ sein? Es ist ein Spektakel von geringer Lebensdauer, mehr nicht. Meist befreit es die Akteure und Betrachter nicht von ihrem unglücklichen Verhältnis zur eigenen Körperlichkeit und damit zu sich selbst. Sie identifizieren sich und andere im Wesentlichen über das Erscheinungsbild oder eine sexuelle „Leistungsfähigkeit“. Die Gewissheit, das Ausmaß und die grundlegende Bedeutung ihrer eigenen Selbstbestimmtheit und damit ihres eigenen, einmaligen Menschseins bleibt ihnen verschlossen.
Es sieht nach wie vor so aus, als hätten wir im eigenen Land genug zu tun mit dem, was einer Bewusstwerdung, Aufarbeitung und Änderung bedarf. Gewalt hat viele Facetten. Sexuell motivierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist nur eine davon. Gewalt ist immer noch bestimmendes und oft auch angebetetes Element in unserer Gesellschaft. Das allgemein bewusst werden und zum Gegenstand öffentlicher, nachhaltiger Erörterung werden zu lassen – bereits das wäre wahrhaftig eine „Revolution“.
Bert Steffens
Freier Philosoph
Andernach
... zum Thema Sexualität und Gewalt werden von der Gesetzgebung schon lange berücksichtigt:
Missbrauch von Schutzbefohlenen ist strafbar.
... zum Thema Sexualität und Gewalt werden von der Gesetzgebung schon lange berücksichtigt:
Missbrauch von Schutzbefohlenen ist strafbar.
Es handelt sich doch nur um Einzelfälle.
Bei anderen Erziehungsanstalten ist das doch viel schlimmer.
Es ist doch noch gar nichts bewiesen.
Die Ermittlungen müssen abgewartet werden.
Warum fallen alle nur über die Katholische Kirche her.
Wir leben schließlich in einem Rechtsstaat und bis nichts bewiesen ist, gilt auch hier die Unschuldsvermutung.
Ich hoffe, dass mir die sonst üblichen Kommentatoren dankbar sind, dass ich Ihnen die Arbeit abgenommen habe, ihre Kommentare hier einzustellen.
Ganz einfach. Weil die sich windet und dreht, anstatt dem die Strafverfolgung zu überlassen, den es angeht: Dem Staatsanwalt. Darin zeigt sich der 1700 Jahre alte Kampf zwischen weltlichen und kirchlichen Institutionen. Kirche als Staat im Staate? Nein, mehr! Staat neben oder idealerweise über dem Staate.
Ganz einfach. Weil die sich windet und dreht, anstatt dem die Strafverfolgung zu überlassen, den es angeht: Dem Staatsanwalt. Darin zeigt sich der 1700 Jahre alte Kampf zwischen weltlichen und kirchlichen Institutionen. Kirche als Staat im Staate? Nein, mehr! Staat neben oder idealerweise über dem Staate.
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