Papst Benedikt XVI. hatte offenbar mehr Informationen über die sexuellen Missbrauchsfälle in Deutschland als bisherige Stellungnahmen der Kirche vermuten ließen. Die New York Times bringt ihn mit dem Fall eines bekannt pädophilen Priesters in Verbindung.

Der Priester H. war in den achtziger Jahren wegen Missbrauchs ins Erzbistum München-Freising versetzt worden. Dies wurde damals vom heutigen Papst geleitet. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger war über die Vorgeschichte des Mannes in Kenntnis gesetzt. Trotzdem stimmte er dem Umzug des pädophilen Priesters zu. Er verging sich erneut an Jugendlichen und wurde dafür verurteilt. Danach wurde er als Seelsorger nach Garching versetzt, wo er erneut mit Missbrauchsfällen in Verbindung gebracht wurde.

Laut der New York Times hatte Ratzinger Anfang der achtziger Jahre eine Kopie einer Nachricht erhalten. Darin stand, dass der Priester nach seiner Therapie wieder in die Seelsorge zurückkehrt. Die Existenz der Information wurde von zwei Kirchenvertretern bestätigt.

Das Erzbistum München-Freising wies die Vorwürfe gegen das Kirchenoberhaupt im Umgang mit einem pädophilen Priester zurück. Die Erzdiözese erklärte dazu, der Beitrag enthalte keine Informationen, "die über das hinausgehen, was die Erzdiözese bislang über den Kenntnisstand des damaligen Erzbischofs über die Personalie mitgeteilt hat". Das Bistum gehe nach wie vor davon aus, "dass der damalige Erzbischof die Entscheidung, den Priester wieder in der Pfarrseelsorge einzusetzen, nicht gekannt hat".

Der damalige Generalvikar, Prälat Gerhard Gruber, habe für seine eigenmächtige und falsche Entscheidung, den Mann in der Pfarrseelsorge einzusetzen, die volle Verantwortung übernommen. Der New York Times zufolge könne Gruber sich nicht erinnern, was genau er mit Ratzinger besprochen habe. Aber er bestätigte, dass der Name fiel.

Die Basisbewegung "Wir sind Kirche" forderte ein umfassendes Schuldbekenntnis des Papstes und der Bischöfe. "Das ist etwas, da kann die Kirche sich nicht mehr rausreden. Der Deckel des Vatikans muss gesprengt werden", sagte Sprecher Edgar Büttner vor der "Wir sind Kirche"-Bundesversammlung.