Schuldebatte Deutschtürken müssen mit eigener Stimme reden

Die Schuldebatte zeigt es: Kanzlerin Merkel und Premier Erdoğan behandeln die türkeistämmigen Bürger Deutschlands wie hilflose Mündel, kommentiert Deniz Baspinar.

Der türkische Premier Tayyip Erdoğan hat vorgeschlagen, in Deutschland türkische Gymnasien nach dem Vorbild deutscher Auslandsschulen zu gründen und damit hierzulande empörte Reaktionen quer durch alle politischen Lager und Verbände ausgelöst. Offensichtlich provoziert der Vorstoß die deutsche Seite und führt zu hitzigen Diskussionen, bei denen es offensichtlich gar nicht mehr um die Sache geht. Wie sonst ist zu erklären, dass Deutschland selbst Auslandsschulen in der ganzen Welt betreibt und dieses Recht den Türken streitig macht?

Der Gestus Erdoğans hat dabei etwas paternalistisches. Es wird signalisiert, dass man sich in Ankara auch als Repräsentant der in Deutschland lebenden Türken sieht. In diesen Tagen wird gar eine eigene Behörde für die Auslandstürken gegründet.

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Als Deutschtürkin fühle ich mich bei solchen Diskussionen wie ein Scheidungskind, um das ein Sorgerechtsstreit entbrannt ist. Eines an dem die Eltern zerren. Vordergründig geht es nur um das Wohl des Kindes, in Wirklichkeit aber um Kränkungen und Machtdemonstrationen.

Der Vater ist weit weg, möchte aber nach wie vor seinen Einfluss geltend machen, gerade wenn es um Erziehungsfragen geht. Die Kinder sind bei der Mutter; diese bereut die Beziehung zum Vater des Kindes als großen Fehler. Entsprechend ambivalente Gefühle hegt sie dem Kind gegenüber – ist es doch auch dem ungeliebten Vater ähnlich.

Gemeinsam ist beiden Seiten, dass sie die türkeistämmigen Bürger dieses Landes wie hilflose und etwas zurückgebliebene Mündel behandeln.

Der Vater poltert, sich bloß nicht "dem Verbrechen der Assimilation" hinzugeben; die andere Seite mahnt mit biederer Mütterlichkeit in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, die "deutsche Sprache zu erlernen und sich an deutsche Gesetze zu halten". Das ist alles, was Frau Merkel ihren türkeistämmigen Bürgern in dieser Diskussion mitzuteilen hat. Impliziert wird hier, dass Deutschtürken sich in besonderer Weise nicht an die Gesetze des Landes halten – während alle anderen das natürlich tun.

Die Kölümne
Die Kölümne

Deniz Baspinar schreibt über Deutschland und Deutsche mit und ohne Hintergrund; lesen Sie hier mehr aus der Serie  Kölümne

Frau Merkel und Herr Erdoğan haben nicht die geringste Ahnung von der vielfältigen Lebenswirklichkeit türkischer Migranten in Deutschland. Sie machen uns lediglich zu Objekten ihres Machtkalküls.

An uns ist es, eine eigene Stimme zu entwickeln. Sei es in der Politik, in den Medien oder der Wissenschaft. Nur so kann man sich von der Bevormundung beider Seiten befreien.

Lieber Herr Erdoğan, sie sind nicht mein Ministerpräsident. Sie maßen sich an für mich zu sprechen, aber ich kann meine Interessen selber vertreten – übrigens auf Türkisch und Deutsch gleichermaßen. Liebe Frau Merkel, ich bin eine Bürgerin dieses Landes und nicht nur ein "Integrationsproblem". Es wäre schön, wenn sie das wahrnehmen würden.

 
Leser-Kommentare
  1. Deniz Baspinar: Erdogan denkt wohl leider wie Sie. Während deutsche Schulen im Ausland den dortigen priviligierten Inländern Aufstiegschancen bieten, würden hießige türkische Schulen türkischstämmige Deutsche (!) isolieren. Dass Sie sich wie ein unmündiges Scheidungskind fühlen, sei Ihnen verziehen. Mehr als der Wahlzettel bleibt einem nur in der Anarchie...

    Gruß

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    • joG
    • 30.03.2010 um 9:43 Uhr

    ...für die Integration hinderlicher sein, als die öffentlichen Schulen, die ja auf breiter Front versagt haben. Türkische Schulen könnten sich ja mit weit besserem Verständnis und viel grösserem Interesse dem Problem stellen. Merkel hat jetzt auch zugegeben, dass ihr erster, ablehnender Reflex unbedacht war.

    • joG
    • 30.03.2010 um 9:43 Uhr

    ...für die Integration hinderlicher sein, als die öffentlichen Schulen, die ja auf breiter Front versagt haben. Türkische Schulen könnten sich ja mit weit besserem Verständnis und viel grösserem Interesse dem Problem stellen. Merkel hat jetzt auch zugegeben, dass ihr erster, ablehnender Reflex unbedacht war.

  2. Das ist ein grundsätzlicher Konflikt der 'Deutschtürken' und nicht nur der. Nur wenn diese für sich selbst sprechen möchten, dann wäre das wohl am effektivsten mittels einer Organisation als Sprachrohr, die sich notfalls sowohl mit Merkel als auch mit Erdogan anlegen würde. Und das sehe ich derzeit nicht als realistisch an. Auch weil so etwas einen langen Atem und entsprechenden Mut erfordert - und vielleicht auch die innere Zerissenheit (ohne das allzu dramatisch zu meinen) verstärkt.

  3. Ihre Aussage "Wie sonst ist zu erklären, dass Deutschland selbst Auslandsschulen in der ganzen Welt betreibt und dieses Recht den Türken streitig macht?"
    ist schlechtweg falsch.
    Es gibt bereits in Deutschland türkische Gymnasien, z.B. in Hannover.
    Es wäre schön, wenn sich insgesamt in dieser Sache mehr Menschen mit Sachverstand zu Worte melden würden, anstatt mit ihren Vorurteilen hausieren zu gehen.
    Es bleibt einfach dabei: Die Bringschuld zur Integration liegt bei den Türken, nicht bei den Deutschen, mag von ausländischer Seite aus verwerflichen Gründen auch anderes behauptet werden.

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    • joG
    • 30.03.2010 um 9:46 Uhr

    ....es gibt solche Schulen offenbar bereits. Wissen Sie zufällig wie sie sich in Punkto Integration zu den öffentlichen Schulen stellen? Ich vermute, dass die internationalen Schulen in Deutschland da ganz gut abschneiden.

    • joG
    • 30.03.2010 um 9:46 Uhr

    ....es gibt solche Schulen offenbar bereits. Wissen Sie zufällig wie sie sich in Punkto Integration zu den öffentlichen Schulen stellen? Ich vermute, dass die internationalen Schulen in Deutschland da ganz gut abschneiden.

  4. ...und stellen die meisten Schulabrecher!
    So sind 50% der Türken unter 25 Jahre arbeitslos.
    Alle Städte mit großer Türkische Gemeinde haben Milliardenschulden, da die Sozialleistungen explodieren...

  5. ...Europa steht auf dem Spiel. Die Menschheit steht auf dem Spiel: Denn das, was Menschheit ausmacht, ist die Fähigkeit zur Impulskontrolle, zum Triebverzicht, zum Racheverzicht und auch zum Sich-Arrangieren mit dem persönlichen und dem politischen Gegner, die von allen Religionen und Kulturen, von allen Zivilisationen, entwickelt worden ist. [...]

    Verzichten Sie auf diskriminierende Pauschalisierungen. Die Redaktion/sh

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    ... Sie sind langweilig (und ängstlich)!

    ... Sie sind langweilig (und ängstlich)!

  6. ... Sie sind langweilig (und ängstlich)!

  7. Ich finde den Beitrag von Deniz Başpinar bezeichnend und denkwürdig zugleich.

    Tatsaechlich wird die Gruppe der Deutschtürken in die Kategorie der Mündel eingestuft, die dazu dienen soll, die politische Arroganz der einen oder anderen Seite zu befriedigen.

    Hoffentlich melden sich mehrere Deniz Baspinar's zu Wort, damit wir objektiv erkennen, wies steht und worum es geht.

  8. Man könnte meinen, ein Virus für Volksverblödung geht um. Eine Integrationsdebatte loszutreten, dort wo es um türkischstämmige GYMNASIASTEN und STUDENTEN geht, ist schlicht debil. Diese dümmliche Arroganz, türkischstämmige GYMNASIASTEN und STUDENTEN könnten und würden nicht die deutsche Sprache lernen, sollte eigentlich nur von solchen Menschen kommen, die man nicht ernst nehmen muss. Wenn aber der Großteil der Reporter und sogar die Kanzlerin sich der Debilität anpassen, sollte sich die deutsche Intellektualität mal nach ihrer Verantwortung für den geistigen Zustand in Deutschland fragen. Schande!

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    ging es nur um Gymnasien?

    ...

    eigener Stimme reden, sagt Frau Kölümnistin Deniz Baspinar.
    Zum Leidwesen Aller wird das aber nur bei Herrn Erdogan auf volles Verständnis stoßen -
    viele der Deutschtürken haben eben das Problem, dass sie des Deutschen nicht so richtig mächtig sind und sich den Deutschen somit schlecht verständlich machen können.
    Wie sollen wir die hier in Deutschland denn verstehen?
    Wir sollen doch, und die meisten wollen auch - müssen 70 Millionen Deutsche jetzt in Deutschland türkisch lernen, damit wir 1- 1,5 Millionen Landsleute auch verstehen können?

    um auf Bürol Külüts Nr. 8 zurückzukommen: der geistige Zustand der allermeisten Deutschen ist immer noch so hervorragend, das wir Herrn Kulut nur leise belustigt nachsischtig belächeln. Unter seinen eigenen Landsleute würde ein Sturm der Entrüstung ausbrechen, brächte man ihren Vorbeter Ministerpräsident oder das türkische Volk - es sei gepriesen und geehrt in alle Ewigkeit! - mit Debilität im Amt in Verbindung. Oder der würde den jungen Mann vor den Staatsanwalt zerren.
    Wir Debilitätsverdächtigten schmunzeln nur über soviel orientalisches Irrfeuer.

    Werter Bürol Kulut,

    Ihre Kommentare zum Israel/Palästina-Problem sind m.E. in der Regel aufrichtig und überzeugend!

    Um einer Gemüts- und Verbal-"folterung" durch Kommentatoren wie "Schocken", "Arno Nyhm", "Elpis" oder manchmal auch "Prof. Kien" zu entgehen,
    teile ich Ihnen das auf diesem Thread mit.

    Auf einem Israel/Palästina-Thread müsste ich auf eine positive Bewertung Ihrer Bemühungen hin
    ja mit einer neidisch-eifersüchtig-dampfwalzengleichen "Verballawine" mit "Schimpfkanonadencharakter" über mehrere Kommentarspalten und Kommentartage hin
    seitens dieser genannten vier Herren,
    den "Wächtern diversester Heiligen Stühle",
    rechnen.

    Sollte man sich das ersparen ? - Ja, unbedingt, wenn man eben kann!

    Mit der Bitte um Verständnis verbleibt

    Publicola

    ging es nur um Gymnasien?

    ...

    eigener Stimme reden, sagt Frau Kölümnistin Deniz Baspinar.
    Zum Leidwesen Aller wird das aber nur bei Herrn Erdogan auf volles Verständnis stoßen -
    viele der Deutschtürken haben eben das Problem, dass sie des Deutschen nicht so richtig mächtig sind und sich den Deutschen somit schlecht verständlich machen können.
    Wie sollen wir die hier in Deutschland denn verstehen?
    Wir sollen doch, und die meisten wollen auch - müssen 70 Millionen Deutsche jetzt in Deutschland türkisch lernen, damit wir 1- 1,5 Millionen Landsleute auch verstehen können?

    um auf Bürol Külüts Nr. 8 zurückzukommen: der geistige Zustand der allermeisten Deutschen ist immer noch so hervorragend, das wir Herrn Kulut nur leise belustigt nachsischtig belächeln. Unter seinen eigenen Landsleute würde ein Sturm der Entrüstung ausbrechen, brächte man ihren Vorbeter Ministerpräsident oder das türkische Volk - es sei gepriesen und geehrt in alle Ewigkeit! - mit Debilität im Amt in Verbindung. Oder der würde den jungen Mann vor den Staatsanwalt zerren.
    Wir Debilitätsverdächtigten schmunzeln nur über soviel orientalisches Irrfeuer.

    Werter Bürol Kulut,

    Ihre Kommentare zum Israel/Palästina-Problem sind m.E. in der Regel aufrichtig und überzeugend!

    Um einer Gemüts- und Verbal-"folterung" durch Kommentatoren wie "Schocken", "Arno Nyhm", "Elpis" oder manchmal auch "Prof. Kien" zu entgehen,
    teile ich Ihnen das auf diesem Thread mit.

    Auf einem Israel/Palästina-Thread müsste ich auf eine positive Bewertung Ihrer Bemühungen hin
    ja mit einer neidisch-eifersüchtig-dampfwalzengleichen "Verballawine" mit "Schimpfkanonadencharakter" über mehrere Kommentarspalten und Kommentartage hin
    seitens dieser genannten vier Herren,
    den "Wächtern diversester Heiligen Stühle",
    rechnen.

    Sollte man sich das ersparen ? - Ja, unbedingt, wenn man eben kann!

    Mit der Bitte um Verständnis verbleibt

    Publicola

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