Scientology "Der Traum vom Übermenschen"

Die ARD zeigt den Spielfilm "Bis nichts mehr bleibt" über einen Aussteiger aus Scientology. Ein Interview mit Scientology-Experte Matthias Pöhlmann über die Sekte

ZEIT ONLINE: Der Film Bis nichts mehr bleibt wurde im Vorfeld schon heftig diskutiert. Ist Scientology eigentlich noch ein Reizthema, Herr Pöhlmann?

Matthias Pöhlmann: Ja, das ist es in jedem Fall. Scientology vertritt eine Ideologie, die versucht, aus normalen Menschen Übermenschen zu schaffen. Das muss man in der Diskussion immer im Hinterkopf haben. Es handelt sich dabei um eine sehr vereinnahmende Ideologie. Die Anhänger entwerfen eine völlig neue Sprache, eine Insidersprache. Im Umgang mit Kritikern, gerade im eigenen Umfeld, geht man sehr rigide um. Bei den Mitgliedern bleiben die alten sozialen Kontakte auf der Strecke.

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ZEIT ONLINE: Um den Titel des Films aufzugreifen: Was bleibt einem Aussteiger denn tatsächlich nach einem Leben in der Sekte?

Pöhlmann: Das Problem ist vor allem, dass eine psychische und finanzielle Abhängigkeit entsteht. Scientology ist keine Religion, sondern ein kommerzielles Kursverkaufssystem. Die Mitglieder wissen genau, wie man eine Person im Griff behält. Aussteiger haben vor allen Dingen etwas besonders Grundlegendes verloren: Zeit und Geld. Nach einem Ausstieg steht man außerdem meist ohne soziales Umfeld da.

ZEIT ONLINE: Woran glauben denn Scientologen eigentlich?

"Es entstehen psychische und finanzielle Abhängigkeiten" Dr. theol. Matthias Pöhlmann ist als Berater bei der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen tätig.

"Es entstehen psychische und finanzielle Abhängigkeiten" Dr. theol. Matthias Pöhlmann ist als Berater bei der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen tätig.

Pöhlmann: Sie behaupten, den einzigen Weg für das Überleben der Menschheit gefunden zu haben. In der scientologische Ideologie besteht der Mensch aus drei Teilen, "Body", "Mind" und "Thetan". Dies lässt sich vielleicht mit Körper, Geist und Seele übersetzen. Der Thetan wandert von Mensch zu Mensch und muss von belastenden "Engrammen" befreit werden. Das sind traumatische oder belastende Erfahrungen, die durchlebt wurden. Nach den entsprechenden Kursen ist der Mensch dann "clear" und kann weiter geschult werden. Im Prinzip verkauft Scientology den Traum vom Übermenschen, das Ganze dann unter dem viel zitierten Label der "Brücke zur Freiheit". Es geht der Gruppe nicht um das Individuum an sich, sondern darum, die scientologischen Vorstellungen gesellschaftlich durchzusetzen.

ZEIT ONLINE: "Nur Clears und OTs werden diesen Planeten überleben! Und wir sind die Einzigen, die welche machen können", ist eine Aussage des Gründers L. Ron Hubbard. Was sind OTs und wie genau macht man die denn?

Pöhlmann: Die Mitglieder müssen dafür ein eigens dafür entwickeltes Kurssystem absolvieren. Zunächst wird der Mensch durch Gespräche und Persönlichkeitsschulungen von den sogenannten Engrammen befreit. Von diesem Punkt an soll man in weiteren, natürlich kostenpflichtigen Kursen seine Persönlichkeit auf immer höhere Level bringen können. Das Ganze läuft unter dem Terminus: "operierender Thetan", also OT. Die Kurse für die höheren Persönlichkeitsschulungen finden allerdings nicht in Deutschland, sondern meistens im Ausland statt. Und das kostet entsprechend auch seinen Preis.

ZEIT ONLINE: Auf der OT-Stufe 15 ist man dann Herr über Zeit, Raum, Energie und Materie, wie es heißt. Ein gottähnliches Wesen. Davon gibt es aber bislang nur eins, oder?

Pöhlmann: Ja, L. Ron Hubbard, der Gründer der Sekte, hat diese Stufe angeblich erreicht. Die restlichen Menschen können noch nicht so weit kommen, weil bisher auf der Erde erst die OT-Stufe 8 freigegeben wurde.

ZEIT ONLINE: Wann werden denn die weiteren Stufen freigegeben?

Pöhlmann: (lacht) Das müssen sie Scientology fragen. Aber tatsächlich sind die streng vertraulichen Informationen über die Inhalte der Kursschulung ja gar nicht mehr so geheim. Auf diese Weise hat sich auch herausgestellt, wie banal und kurios einige dieser Wahrheiten sind.

Leser-Kommentare
  1. ...immer noch auf öffentlichen Plätzen wird Geworben was das Zeug hält. Warum die Bewilligungen überhaupt noch ausgestellt werden wo doch selbst die Hütchenspieler von der Staatsgewalt sofort mitgenommen werden? Die bereits vereinnahmten auf der untersten Stufe zusammen mit einem erfahrenen bringen so wiederum andere in das System ein... Etwas weiter oben einige populäre Gesichter zu denen so oder so schon viele Aufblicken zusammen mit den üblichen SPezialisten die man halt so braucht um eine Organisation am leben zu erhalten. Nicht wirklich etwas neues sondern alltägliches über den Tisch ziehen von denen die nicht wirklich etwas anzubieten haben was die Menschen wollen... Erschreckend und Gefährlich ist in diesem Fall einzig der Anspruch diesen Unsinn auch noch zur Geselslchaftssteuerung zu verwenden.

  2. so, und nun haben wie die drei charakeristischen Begriffe zusammen :
    ->Übermensch (aus der treffend gewählten Überschrift des Zeit-Artikels)
    -> Gleichschaltung
    -> Führung.
    (Fehlt noch : Anfangsradikalität und Werbung um prominente
    Anhänger , z. B. "Volksschauspieler" wie Tom Cruise passend zum Geburtsort des Initiators Hubbard halt ein Amerikaner statt Luis Trenker )
    Diese Scientologen sind in ihren Aquisebemühungen und ihrer Ausrichtung doch sehr ähnlich einer politisch-gesellschaftlichen Bewegung die wir vor 80 Jahren in Deutschland erlebten. Politiker die teilweise durchaus Richtiges erkannten
    (Mobilität ist essentiell für die volkwirtschaftliche Entwicklung - also auf zu Autobahn und Volkswagen) - dieses aber nur als "Unterprogramm " einer völlig verqueren Rassenideologie gelten lassen wollten (Beweis der Überlegenheit der deutschen "Rasse " die es ja gar nicht gab. )

    Die einen künstlichen Übermenschen zum Popanz erschuf. Dem gegenüber schon die regierenden Halb-Übermenschen Adolf H, Göbbels, Göring
    nur äußerst lächerlich erschienen. Wie Hubbard
    gegenüber seinen "Übermenschen" .
    Alles letztlich ein Tanz um überflüssige goldene Kälber. Wir brauchen intellektuell und emotional und sozial begabte Teamplayer, die kreativ und siélsbtsicher sind, aber auch Fehler sehen und zugeben können, zur Weiterentwicklung der Welt. Hitler z.B. konnte das nicht. Sein Untergang.

  3. Das Scientology eine umstrittene Organisation ist, steht außer Frage. Ob aber der von spirituellen Konkurrenz bezahlte Herr Pöhlmann ein unbefangener Experte sein kann, ist zumindest zweifelhaft, Herr Sand.

    Zitat Artikel:
    "Man begibt sich in die Fänge einer Organisation, die Menschen manipuliert und abhängig macht – in seelischer wie finanzieller Hinsicht."

    Man ergänze seelische und finanzielle Manipulationen noch durch sexuellen Missbrauch, dann benennt man damit die Jahrhunderte alten Kompetenzfelder der Kirchen.

    • Solau
    • 31.03.2010 um 21:39 Uhr

    Die Apologeten der evangelischen Kirche sind bekannt dafür, alles, was nicht ihrem "wahren" Glauben entspricht, fanatisch zu bekämpfen. Würde man allerdings den Maßstab, den sie so gerne bei anderen anlegen, bei ihnen anlegen, dann sähe es schlecht aus für sie. Die Beobachtung durch den Verfassungsschutz wurde maßgeblich vom ehemaligen bayerischen Innenminister veranlasst. Der hat offenbar seine Rolle als verlängerter Arm einer intoleranten evangelischen Apologetik sehr ernst genommen, vielleicht zu ernst. Hätte er sich bei seinen eigentlichen Aufgaben auch so engagiert, dann hätte er dem Steuerzahler den Verlust von 3,6 Milliarden für die marode Hypo Alpe Adria ersparen können.

  4. Thema ist nicht der "Traum" vom Übermenschen, sondern die reale Vernichtung menschlicher Würde in jedem einzelnen, der in dieser verbrecherischen und äußerst gefährlichen Organisation entmenschlicht, seines Vermögens beraubt wird.
    Dass sich die Techniken immer mehr denen der monot. Religionen annähern ist doch mehr als verständlich. Sie versprechen Erfolg und wenig Widerstand, da die Entscheider "bei den anderen" beheimatet sind und Samthandschuhe anziehen statt die Keule zu greifen.

  5. Scientology wird von immer mehr Regierungen und Gerichten als Religion anerkannt oder wegen Gemeinnützigkeit von der Steuerpflicht befreit. Nicht so in Deutschland - dem Ursprungsland von 2 Weltkriegen und des Nationalsozialismus. Da wird trotz all der Anerkennungen schon fast in totalitärer Manier kein einziges gutes Haar an Scientology gelassen. Es gibt laut „Scientology-Experten“ rein gar nichts Gutes an Scientology, nichts, das auch nur den geringsten Wert oder Nutzen hat. Das ist praktisch unmöglich und im Grunde PSYCHOTISCH.
    Da werden Geschichten von „Aussteigern“ dramatischer dargestellt als z.B. die Traumata der Sex-Opfer der kath. Pädo-Priester. Das ist Verhältnisblödsinn und zeigt, dass nicht mit gleichen Massstäben gemessen wird. Und jeder, der auch nur Ansatzweise etwas Positives über Scientology sagt, wird sofort ebenfalls in die Sekten-Ecke gestellt und aufs Übelste gebrandmarkt. Eine nicht sofort bestrafte, eigene, frei geäusserte, neutrale oder positive Meinung über Scientology ist in Deutschland seit geraumer Zeit praktisch unmöglich. Das kommt einer gewissen dunklen Periode der deutschen Geschichte gefährlich nahe.

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    ...gibt es keine guten Haare. Deshalb kann man auch keine "dranlassen". Scientology ist eine kommerzielle Psychosekte und gehört schlicht verboten. Rein rechtlich ist das wohl nicht möglich, also kann man nur umfassend davor warnen. Ich habe selbst vor Jahren einmal den lächerlichen Persönlichkeitstest (natürlich aus Oxford) gemacht und feststellen können, wie perfide man versucht, Menschen für "Kurse zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit" zu fangen. Mit Religion hat das überhaupt nichts zu tun.

    ... ist der Kommentar auf Ihrem Mist gewachsen oder haben Sie auf Befehl Ihres Ethik-Offiziers gehandelt?

    die auf der Suche nach dem Heil(-werden) sind, ist auch eine Form von Missbrauch, denn es gibt kompetentere Helfer und billigere Wege, um das zu erreichen.

    • toom
    • 01.04.2010 um 10:39 Uhr

    Sie werfen den Kritikern von Scientology vor, sie seien schwer psychisch gestört (sprechen von Psychose) und bemängeln, dass diese Haltung keine sachlichen Pro-Argumente zuließe.

    Ich möchte nicht bekehrt werden, aber können Sie uns ein paar der 'Vorteile' dieser Religion nennen? Ich werde Sie nicht gleich in irgend eine Ecke stellen.

    Aber zu behaupten, man dürfe keine positiven Aspekte äußern, ohne Ihrerseits solche auch nur ansatzweise anzusprechen, ist ein Nullargument. Und dem derzeitigen Abwehr-Diskurs für psychiatrisch behandlungswürdig zu erklären, ist einfach Diskussionsverweigerung.

    Was sollen wir denn aus Ihrem Beitrag mitnehmen?

    • marxo
    • 01.04.2010 um 13:13 Uhr

    Dass sie den Vergleich mit dem Aberglaube der Kirchen ziehen, zeigt doch schon, dass sie selbst die Mythologie Hubbards in Zweifel ziehen. Schämen sie sich, ab ins Auditing.
    Wäre Scientology so gut wie sie es behaupten, warum müssten sie es dann hier verteidigen? Wollen sie etwa sagen, die Organisation ist nicht perfekt? Schämen sie sich noch einmal und ab ins Auditing.

    wenn Deutsche irgendwo ganz doll trotzig sind, dann greifa man einfach zum Zauberwort "Nazi". Als dabn nehme man ein paar Missbrauchsopfer, multipiziert sie mit der katholischen Kirche und alles wird gut...

    Übermenschen habe ich mir eigentlich immer ganz anders vorgestellt, [...]

    Verzichten Sie auf beleidigende Anmerkungen. Die Redaktion/mh

    Aber ich gebe Ihnen Recht, die Catholica ist keinen Deut besser als Scientology. Beides organisierte Kriminalität übelster Art!

    ...gibt es keine guten Haare. Deshalb kann man auch keine "dranlassen". Scientology ist eine kommerzielle Psychosekte und gehört schlicht verboten. Rein rechtlich ist das wohl nicht möglich, also kann man nur umfassend davor warnen. Ich habe selbst vor Jahren einmal den lächerlichen Persönlichkeitstest (natürlich aus Oxford) gemacht und feststellen können, wie perfide man versucht, Menschen für "Kurse zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit" zu fangen. Mit Religion hat das überhaupt nichts zu tun.

    ... ist der Kommentar auf Ihrem Mist gewachsen oder haben Sie auf Befehl Ihres Ethik-Offiziers gehandelt?

    die auf der Suche nach dem Heil(-werden) sind, ist auch eine Form von Missbrauch, denn es gibt kompetentere Helfer und billigere Wege, um das zu erreichen.

    • toom
    • 01.04.2010 um 10:39 Uhr

    Sie werfen den Kritikern von Scientology vor, sie seien schwer psychisch gestört (sprechen von Psychose) und bemängeln, dass diese Haltung keine sachlichen Pro-Argumente zuließe.

    Ich möchte nicht bekehrt werden, aber können Sie uns ein paar der 'Vorteile' dieser Religion nennen? Ich werde Sie nicht gleich in irgend eine Ecke stellen.

    Aber zu behaupten, man dürfe keine positiven Aspekte äußern, ohne Ihrerseits solche auch nur ansatzweise anzusprechen, ist ein Nullargument. Und dem derzeitigen Abwehr-Diskurs für psychiatrisch behandlungswürdig zu erklären, ist einfach Diskussionsverweigerung.

    Was sollen wir denn aus Ihrem Beitrag mitnehmen?

    • marxo
    • 01.04.2010 um 13:13 Uhr

    Dass sie den Vergleich mit dem Aberglaube der Kirchen ziehen, zeigt doch schon, dass sie selbst die Mythologie Hubbards in Zweifel ziehen. Schämen sie sich, ab ins Auditing.
    Wäre Scientology so gut wie sie es behaupten, warum müssten sie es dann hier verteidigen? Wollen sie etwa sagen, die Organisation ist nicht perfekt? Schämen sie sich noch einmal und ab ins Auditing.

    wenn Deutsche irgendwo ganz doll trotzig sind, dann greifa man einfach zum Zauberwort "Nazi". Als dabn nehme man ein paar Missbrauchsopfer, multipiziert sie mit der katholischen Kirche und alles wird gut...

    Übermenschen habe ich mir eigentlich immer ganz anders vorgestellt, [...]

    Verzichten Sie auf beleidigende Anmerkungen. Die Redaktion/mh

    Aber ich gebe Ihnen Recht, die Catholica ist keinen Deut besser als Scientology. Beides organisierte Kriminalität übelster Art!

  6. Die schleichende Vernichtung der Kultur geschieht durch Volksverdummung und Bevormundung von selbsternannten Experten, welche jegliche Religion zunichtemachen. Wird Scientology als Ablenkunsmanöver benutzt? Und keinem fällt auf, das die anderen grossen Religionen riesige Mitgliederschwunde haben. Religionen haben der Menschheit seit Jahrtausenden einen Halt gegeben und die Kultur und Kunst gefördert. Seit dem 1. Weltkrieg nicht mehr. Seitdem hat sich der Materialismus ausgebreitet.
    Welche Verbrechen hat Scientology wirklich begangen? Wenn es etwas gäbe nach 15 Jahren intensivster Überwachung und Bespitzelung hätte das Gesetz in Deutschland schon längst gehandelt!
    Schauen Sie sich um: Es werden alle mächtigen Religionen angegriffen einschliesslich Christentum und Islam.
    Da bleibt wirklich nichts.

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