Jugendwerkhof Sexueller Missbrauch in DDR-JugendheimenSeite 2/2

Es ist zu vermuten, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Denn insgesamt 474 staatliche Kinderheime gab es in der DDR. Davon waren 38 sogenannte Spezialkinderheime und 32 Jugendwerkhöfe, in denen jene Heranwachsenden verwahrt wurden, die als schwer erziehbar und verhaltensauffällig galten.

Man wisse bisher eine Menge über Gewaltexzesse, auch sexuelle Gewalt, der Heimkinder untereinander, sagt Gabriele Beyler. Dies sei durch die spezielle Strategie hervorgerufen worden, dass immer die Gruppe als Ganze bestraft wurde, wenn ein Einzelner versagte, etwa bei der Erfüllung der sportlichen oder der Arbeitsnorm. Das habe einen extremen Druck in den Gruppen ausgelöst. "Aber bei dem Phänomen der sexuellen Übergriffe durch die Erzieher stehen wir bislang noch ganz am Anfang", sagt Beyler. Dieses Thema bedürfe dringend einer gründlichen Aufarbeitung durch die Forschung.

Für eine juristische Aufarbeitung ist es ohnehin zu spät. Sexueller Missbrauch an Kindern, der in der DDR mit Haftstrafen bis zu fünf Jahren geahndet wurde, ist nach DDR-Recht nach acht Jahren verjährt. Noch kürzer waren Straf- beziehungsweise Verjährungszeiten bei Missbrauch von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Aber das sei es auch gar nicht, was die Opfer wollten, sagt Gabriele Beyler. "Sie wollen einfach darüber reden. Und da ist professionelle Betreuung wichtig."

Heidemarie Puls sagt, sie hätte auch gar nicht die Kraft für eine juristische Auseinandersetzung. Sie will endlich mit diesem Kapitel abschließen: Als Elfjährige wird sie vom eigenen Stiefvater missbraucht. Die Mutter, der sie sich anvertraut, sagt: "Wenn du das irgendjemandem erzählst, lande ich im Gefängnis und du im Heim." Als sie versucht, sich das Leben zu nehmen, kommt sie erst in die Kinderpsychiatrie, dann ins Kinderheim. Sie fühlt sich schmutzig, selbst schuldig. Im Heim wird die Fünftklässlerin von Zehntklässlern vor die Wahl gestellt: Entweder Geld her oder du musst lieb zu mir sein. Sie hat kein Geld. Sie reißt aus, mehrfach. Wird in den Jugendwerkhof nach Torgau gebracht. Das Schicksal hält für sie immer eine noch schlimmere Erfahrung bereit. "Wenn man schweigt, wird man die Erinnerung nicht los", sagt Heidemarie Puls heute. "Nur wenn man sich der Angst stellt, kann man sie besiegen. Ich will Torgau besiegen."

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. haben BRD und DDR doch mehr Gemeinsamkeiten gehabt, als zugegeben wurde. Wer das vor 1990 sagte, wurde ausgegrenzt - in beiden Staaten.

  2. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die als Verharmlosung von Straftaten ausgelegt werden könnten. Danke, die Redaktion/vv

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    Das ist aber mal eine interessante These.
    Wie stellen sie sich das vor?

    Zwei erwachsene Schwule können selbst entscheiden, ob sie Sex miteinander wollen, aber wenn ein Pädophiler mit einem Kind will, wi soll das Kind sich frei entscheiden??? Und selbst wenn es ja sagen würde, würde es das doch nur tun, weil man eben macht, was Erwachsene sagen, und es über sich ergehen lassen... JEDES Kind, dass so behandelt wird, trägt Schäden davon!

    Wie wollen sie durch eine Liberalisierung dazu beitragen, dass Pädophilie NICHT zu zerstörten Psychen führt???

    Oh, ich glaube, ich habe sie da ein wenig missvertanden. Entschuldigung :-)

    Das ist aber mal eine interessante These.
    Wie stellen sie sich das vor?

    Zwei erwachsene Schwule können selbst entscheiden, ob sie Sex miteinander wollen, aber wenn ein Pädophiler mit einem Kind will, wi soll das Kind sich frei entscheiden??? Und selbst wenn es ja sagen würde, würde es das doch nur tun, weil man eben macht, was Erwachsene sagen, und es über sich ergehen lassen... JEDES Kind, dass so behandelt wird, trägt Schäden davon!

    Wie wollen sie durch eine Liberalisierung dazu beitragen, dass Pädophilie NICHT zu zerstörten Psychen führt???

    Oh, ich glaube, ich habe sie da ein wenig missvertanden. Entschuldigung :-)

    • outis
    • 01.04.2010 um 11:41 Uhr

    momentan ist der Großteil Presse aber damit beschäftigt Mixa ,Benedikt und den Katholizismus abzusägen. Ziemlich absehbar wird Mixa nun wohl den Sozialismus und seine sexuelle Libertinage beschuldigen. Alles auf den Rücken der Opfer.

  3. Das ist aber mal eine interessante These.
    Wie stellen sie sich das vor?

    Zwei erwachsene Schwule können selbst entscheiden, ob sie Sex miteinander wollen, aber wenn ein Pädophiler mit einem Kind will, wi soll das Kind sich frei entscheiden??? Und selbst wenn es ja sagen würde, würde es das doch nur tun, weil man eben macht, was Erwachsene sagen, und es über sich ergehen lassen... JEDES Kind, dass so behandelt wird, trägt Schäden davon!

    Wie wollen sie durch eine Liberalisierung dazu beitragen, dass Pädophilie NICHT zu zerstörten Psychen führt???

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    aber Fordern kann man ja.

    Glauben sie mir, ich werde recht behalten. "Schwul sein" war auch mal unter Strafe gestellt. Es gab auch Therapien etc.

    @Redaktion: Ich habe keineswegs diese Straftaten verharmlost noch begrüßt. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Entwicklung darauf hinausläuft, dass Pädophile sich als unterdrückte Sexual-Identitäten präsentieren werden. Man wird sich auf eine Schuldunfähigkeit berufen. Die Kinder sind solche Leuten doch egal.

    In Polen dürfen sich Sexualstraftäter (freiwillig) Kastrieren lassen. Ich finde das einen guten Ansatz. Die Empirie zeigt, dass trotz riesigem Therapieaufwand nur ein geringer Bruchteil "geheilt" wird. Wegsperren wäre die andere Lösung.

    aber Fordern kann man ja.

    Glauben sie mir, ich werde recht behalten. "Schwul sein" war auch mal unter Strafe gestellt. Es gab auch Therapien etc.

    @Redaktion: Ich habe keineswegs diese Straftaten verharmlost noch begrüßt. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Entwicklung darauf hinausläuft, dass Pädophile sich als unterdrückte Sexual-Identitäten präsentieren werden. Man wird sich auf eine Schuldunfähigkeit berufen. Die Kinder sind solche Leuten doch egal.

    In Polen dürfen sich Sexualstraftäter (freiwillig) Kastrieren lassen. Ich finde das einen guten Ansatz. Die Empirie zeigt, dass trotz riesigem Therapieaufwand nur ein geringer Bruchteil "geheilt" wird. Wegsperren wäre die andere Lösung.

  4. 5. Uuups

    Oh, ich glaube, ich habe sie da ein wenig missvertanden. Entschuldigung :-)

  5. aber Fordern kann man ja.

    Glauben sie mir, ich werde recht behalten. "Schwul sein" war auch mal unter Strafe gestellt. Es gab auch Therapien etc.

    @Redaktion: Ich habe keineswegs diese Straftaten verharmlost noch begrüßt. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Entwicklung darauf hinausläuft, dass Pädophile sich als unterdrückte Sexual-Identitäten präsentieren werden. Man wird sich auf eine Schuldunfähigkeit berufen. Die Kinder sind solche Leuten doch egal.

  6. In Polen dürfen sich Sexualstraftäter (freiwillig) Kastrieren lassen. Ich finde das einen guten Ansatz. Die Empirie zeigt, dass trotz riesigem Therapieaufwand nur ein geringer Bruchteil "geheilt" wird. Wegsperren wäre die andere Lösung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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  • Schlagworte Missbrauch | Kriminalität | DDR | Elbe
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