Flugzeugabsturz Polens Präsident Lech Kaczyński ist tot
Der polnische Präsident ist bei einem Flugzeugabsturz im russischen Smolensk ums Leben gekommen. Alle 96 Passagiere sind Berichten zufolge tot.
© Reuters

Ein Wrackteil der ausgebrannten polnischen Regierungsmaschine Tupolev Tu-154 im russischen Smolensk. Neben Präsident Kaczyński und seiner Frau waren weitere hochrangige Persönlichkeiten Polens an Bord
Das Flugzeug des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński (60) ist während des Anflugs auf den russischen Flughafen Smolensk verunglückt. An Bord des Flugzeugs waren auch Kaczynskis Frau Maria, der polnische Zentralbankchef Slawomir Skrzypek, Armeechef Franciszek Gagor sowie der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer und andere Politiker, sowie Vertreter von Nichtregierungsorganisationen.

Ein Flugzeug mit dem polnischen Präsidenten Kaczynski an Bord ist beim Landeanflug in Smolensk abgestürzt
Nach jüngsten Angaben kamen alle 96 Insassen bei dem Absturz der Maschine, einer Tupolew vom Typ TU-154, ums Leben. Ermittler sagten, es sei zu früh, um über die Gründe der Katastrophe zu spekulieren. Mögliche technische und menschliche Ursachen würden untersucht. Der Flugschreiber - die Black Box – sei sichergestellt.
Zuvor hatten Moskauer Medien von einem möglichen Fehler des Piloten berichtet. Der Pilot der Präsidentenmaschine habe bei nebligem Wetter vier Landeversuche unternommen, sagte der Vizekommandeur der russischen Luftwaffe, Sergej Rasygrajew, der Agentur Itar-Tass. Der Flughafen in der Nähe der Stadt Smolensk sei technisch in einwandfreiem Zustand gewesen. Wegen des Nebels soll dem Piloten angeboten worden sein, in der weißrussischen Stadt Minsk zu landen oder nach Warschau umzukehren, berichteten russische Medien. Demnach habe der Pilot eigenmächtig gehandelt. Das Flugzeug war in einen Wald gestürzt.
Die Unglücksmaschine war zuletzt im Dezember in der Werkstatt zur Generalüberholung, sagte der Generaldirektor der russischen Flugzeugfirma Awiakor, Alexej Gussew. Die nun in Smolensk abgestürzte Maschine habe die auf den TU-154-Bau spezialisierte Werkstatt in tadellosem Zustand verlassen. Die Wartung sei in polnischen Händen gewesen, sagte Gussew im russischen TV-Sender Westi. Dennoch war auf polnischer Seite in der Vergangenheit bereits darauf hingewiesen worden, dass die veralteten Maschinentypen ausgewechselt werden müssten. Polens Ex-Premier Leszek Miller, der 2003 einen Hubschrauberabsturz überlebt hatte, sagte gegenüber polnischen Medien, er habe so ein Unglück erwartet.
- Massaker von Katyn
Polen ist der Name Katyn ein Inbegriff ihrer tragischen Geschichte, die bestimmt war von den Plänen der Großmächte Deutschland und Russland. Auf Befehl Stalins wurden in dem Wald bei Smolensk im Frühjahr 1940 mehrere tausend polnische Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD erschossen und in Massengräbern verscharrt. Die Aktion war Teil einer geplanten und groß angelegten Vernichtung der polnischen Eliten und der Versuch, den polnischen Staat zu zerschlagen. Die Gräber nahe des Dorfes Katyn waren lediglich die ersten, die entdeckt wurden und die deshalb zum Synonym für die Verbrechen wurden.
- Hitler-Stalin-Pakt
Polnische Soldaten und Offiziere waren von der Roten Armee gefangen genommen worden, nachdem Hitler und Stalin 1939 Polen unter sich aufgeteilt hatten und Stalin daran ging, den nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandenen polnischen Staat zu beseitigen. Als die Gräber bei Katyn 1943 von der Wehrmacht entdeckt wurden, forderte die polnische Exilregierung in London Aufklärung von Moskau, was Stalin zum Anlass nahm, mit ihr zu brechen und nach dem Krieg ein von ihm kontrolliertes kommunistisches Regime in Warschau zu errichten. Die Verantwortung an den Massakern wurde von Moskau anfangs den Nationalsozialisten in die Schuhe geschoben, später dann totgeschwiegen. So war es Polen bis 1989 verboten, darüber zu reden. Erst Michail Gorbatschow gab 1990 zu, dass die Sowjetunion die Morde begangen hatte.
- Politische Folgen
Bis heute sind die Beziehungen zu Russland aufgrund der Massaker belastet. Die gemeinsame Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag durch Wladimir Putin und Donald Tusk war die erste, an der ein Mitglied der russischen Staatsführung teilnahm. Dass Putin dabei lediglich allgemein der "Opfer des Stalinschen Terrors" gedachte, wurde in Polen durchaus verbittert registriert, erwarten viele von dem Nachbarn doch eine Wiedergutmachung.
Rußlands Staatspräsident Dmitrij Medwedjew setzte eine Untersuchungskommission unter Leitung von Ministerpräsident Wladimir Putin ein. Kaczyński war auf dem Weg nach Katyn, um der polnischen Opfer des Massakers zu gedenken, das sowjetische Geheimpolizisten 1940 dort an rund 22.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen verübt hatten. An Bord des Flugzeugs waren auch der polnische Zentralbankchef Slawomir Skrzypek, Armeechef Franciszek Gagor sowie der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer. Mit dem Präsidenten flogen nach offiziellen Angaben auch Angehörige von Polen, die in Katyn ermordet wurden.
Kaczyński war seit Dezember 2005 Staatspräsident Polens. Landesweit bekannt wurde er bereits im Alter von zwölf Jahren. Der blonde, sommersprossige "Lechek" war zusammen mit seinem Zwillingsbruder Jaroslaw Kinderstar in Kino-Märchenfilmen.
© dpa

Fünf Jahre stand er an Polens Spitze. Jetzt kam der Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz ums Leben
Die Brüder wurden am 18. Juni 1949 in Warschau geboren. Während des Zweiten Weltkrieges kämpften ihre Eltern im Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung. Der gläubige Katholik Lech Kaczyński studierte Jura und ging in die Politik. Als polnische Arbeiter gegen die kommunistischen Machthaber die Gewerkschaft Solidarnosc durchsetzten, unterstützte er den Arbeiterführer Lech Walesa.
Zusammen mit seinem Bruder Jaroslaw gründete er die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Er trat für einen starken Staat ein und betont nationale Werte. Von 2000 bis 2001 war Lech Kaczyński Justizminister. Nachdem er zum Staatsoberhaupt gewählt wurde, galt Polen als die "Zwillingsrepublik": Sein ihm zum Verwechseln ähnlicher Bruder Jaroslaw amtierte von 2006 bis 2007 als Ministerpräsident.
Lech Kaczyński war seit 1978 mit seiner früheren Studienfreundin Maria verheiratet. Das Paar hat eine Tochter.
- Datum 12.04.2010 - 14:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dpa
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ich Sie nicht mag/mochte Herr Kaczynski, wünsche ich ihnen doch dass Sie's evtl. doch noch überlebt haben.
Mfg.
...ist auch so. Laut der polnischen Presse ist die halbe Führungsriege tot. http://wiadomosci.gazeta....
Betroffenheit macht sich breit. Katyn eine unheilvolle Stätte.
Kaum ein Pole wird an ein gewöhnliches Unglück glauben, und den Ergebnissen einer Untersuchung unter Putin sowieso nicht. Dazu sind die Dinger um Katyn viel zu heiss - bis heute noch!
Kaum ein Pole wird an ein gewöhnliches Unglück glauben, und den Ergebnissen einer Untersuchung unter Putin sowieso nicht. Dazu sind die Dinger um Katyn viel zu heiss - bis heute noch!
Bitte äußern Sie sich dem Trauerfall angemessen. Danke. Die Redaktion/sh
Der hier kritisierte Kommentar wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/sh
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Kaczynski, ein weiteres Opfer von Katyn.
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leider unnötig für die 132 menschen.
trauriger gehts nicht.
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