Sozialstudie : Erstmals wieder mehr Arbeiterkinder an Hochschulen

Die Zahl der Arbeiterkinder an deutschen Unis ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten gestiegen. Aber die Mehrheit der Studierenden stammt aus gehobenen Schichten.

Seit 1982 ist die Zahl von Arbeiterkindern an deutschen Hochschulen gesunken. 2009 ist diese Zahl erstmalig wieder gestiegen. Mit 59 Prozent kommt aber weiterhin mehr als jeder zweite Student aus gehobenen oder besonders begüterten Schichten. Dies zeigt eine Sozialerhebung, die vom Bundesbildungsministerium und vom Deutschen Studentenwerk in Berlin gemeinsam vorgestellt wird.

16.370 Studierende wurden für die Studie befragt. Die Sozialerhebung erfolgt jetzt seit 1951 – in der Regel im Abstand von drei Jahren. Der neuen Erhebung zufolge sank der Anteil von Studenten aus mittleren und niedrigen Einkommensschichten seit 1982 kontinuierlich. 2009 ist dagegen erstmals wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen.

Gleichwohl verdeutlicht ein sogenannter Bildungstrichter in der Studie den nach wie vor in Deutschland besonders ausgeprägten Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg: Während von 100 Akademikerkindern 71 den Sprung an eine Uni schaffen, sind es von 100 Nicht-Akademikerkindern nur 24.

66 Prozent aller Studenten jobben heute neben ihrem Studium. Das sind drei Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Im Schnitt arbeiten sie neben Vorlesungen und Seminaren rund 13,5 Stunden die Woche – was für viele zu einer Gesamtbelastung von insgesamt über 50 Arbeitsstunden in der Woche führt. Vor allem Studenten in den neuen Bachelor-Studiengängen klagen über zu viel Stress durch Arbeit und Studium.

Die Autoren der Studie vom Hochschul-Informationssystem (HIS) in Hannover sehen nach der Einführung der Studiengebühren in sechs unionsgeführten Bundesländern keine Massenflucht unter den Abiturienten in gebührenfreie Länder. Doch junge Leute, die ihr Abitur in einem gebührenfreien Land erworben hätten, blieben heute eher noch als 2006 ihrem Heimatland treu und wechseln nicht in ein Bundesland mit Studiengebühren.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Interessant ist immer die Annahme das Akademikerhaushalte

zur gehobenen Schicht in D-land gehören. Die erhalten meist weniger Gehalt als normale Arbeiter. Im gleichen Atemzug erhalten sie aufgrund der nicht Anerkennung von Studienzeiten weniger Rentenpunkte, wieder unter der Annahme das sie später mehr verdienen.
Interessant wäre auch zu erfahren, wieviel Akademikern ihren Kindern raten einen Beruf oder ein Handwerk zu erlernen.

Interessant wäre weiterhin,

zu erfahren, wieviel Arbeiterkinder zwischen 1945 und 1965 studiert haben, zu einer Zeit also, in der (die meisten) Arbeiter die Bedeutung der Bildung noch erkannt hatten und dafür Sorge trugen, dass ihre Kinder einen höheren Bildungsgrad erreichten.

Aber dann würden sicher unbequeme, pc-inkorrekte Zusammenhänge aufgedeckt werden, und das wollen wir natürlich nicht.

Also ruhig immer weiter phantasielos einfach die angebliche Benachteiligung von Arbeiterkindern als Grund für die Bildungsmisere darstellen. Ist ja auch einfacher.

Seltsam scheint es schon,

dass die einen Arbeiterkinder es im bestehenden System (das sich nicht perfekt ist) an die und an der Uni schaffen und dass trotzdem nach mehr Geld gerufen wird, um den anderen arbeiterkindern den gleichen weg zu ebnen.
Liegt es vielleicht doch auch sehr stark am eigenen Wollen?

Meine Eltern sind arbeitslos, und bin im Studium einer der beste

Ich finde, hier wird ordentlich lichz übertrieben! In Deutschland herscht Gleichberechtigung! Und darüber bin ich sehr stolz auf diesem Land. Jeder hat die Chance, aus seinem Leben was zu machen. Ein Nicht-Akademiker-Kind hat es nicht wirklich schwieriger an die Uni zu kommen, als ein Akademiker-Kind.