Pädophilie Kardinal Bertone erzürnt Homosexuelle

Weltweit haben Schwulenverbände gegen Äußerungen des Papst-Vertrauten protestiert. Der Vatikan bemühte sich nun um Schadensbegrenzung.

Die Nummer zwei der Katholischen Kirche, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone

Die Nummer zwei der Katholischen Kirche, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone

Der Vatikan hat auf die internationale Kritik an Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone reagiert. Der hatte einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch hergestellt. Entsprechende Äußerungen gehörten nicht zu den Aufgaben von Geistlichen, erklärte der Heilige Stuhl. 

"Kirchliche Würdenträger betrachten es nicht als Teil ihrer Verantwortung, allgemeine Aussagen psychologischer oder medizinischer Art zu machen", hieß es in der Mitteilung aus Rom. Der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi fügte jedoch hinzu, Ziel der Veröffentlichung sei es, Bertones Äußerungen "klarzustellen", nicht sich von ihnen zu "distanzieren". Lombardi berief sich zusätzlich auf die von der Glaubenskongregation in den vergangenen Jahren untersuchten Missbrauchsfälle. "60 Prozent der Missbrauchsopfer waren dabei des gleichen Geschlechts wie der jeweilige Täter."

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Bertone, die Nummer zwei der katholischen Kirche, hatte am Montag versichert, etliche Psychiater und Psychologen hätten ihm gesagt, dass zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch "eine Verbindung" bestehe. "Das ist die Wahrheit, und das ist das Problem", wurde Bertone zitiert.

In Deutschland verurteilte der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Axel Hochrein, Bertones Äußerungen als "Hexenjagd" und Ablenkungsmanöver von der Schuld der Kirche. Anstatt die Verantwortung für die jahrzehntelange Vertuschung des sexuellen Missbrauchs zu übernehmen, versuche der Vatikan einen Sündenbock zu finden: "Die Wahl fiel auf die Homosexuellen – ist das der Marschbefehl für eine neue Hexenjagd?", fragte Hochrein. Die Initiative Kirche von unten erklärte, diese Art von "Selbstentschuldigungsstrategie" bestätige nur "das Misstrauen der Betroffenen von sexueller Gewalt in den Veränderungswillen der Kirche".

Auch in Italien gingen Homosexuellenverbände auf die Barrikaden. Bertone sage Schändliches und lüge, "wobei er weiß, dass er lügt", sagte der Präsident der italienischen Organisation Arcigay, Franco Grillini. Es sei wissenschaftlich schlicht absurd, Homosexualität und Pädophilie so in einen Topf zu werfen. Die Kirche sei wegen des Skandals um sexuellen Missbrauch unter Druck und versuche so die Aufmerksamkeit von sich abzulenken, sagte Grillini und kündigte eine Protestkundgebung in Rom an.

Die italienische Schwulenorganisation GayLib, die politisch konservativ ausgerichtet ist, und Politiker der größten linken Oppositionspartei PD (Demokratische Partei) verurteilten Bertones Äußerungen ebenfalls. "Der Vatikan sollte sich auf der UN-Generalversammlung vor der Welt und der Geschichte entschuldigen", schrieb GayLib.

Neben chilenischen Schwulen protestierten auch französische Homosexuelle gegen Bertones Vergleich. Im Zuge des sexuellen Missbrauchsskandals in Deutschland war zwar von Verteidigern der Kirche auch auf Homosexuelle gezeigt worden, bisher allerdings nicht von hoher vatikanischer Stelle aus.

Der französische Außenamtssprecher Bernard Valero sagte, es sei "nicht hinnehmbar", einen Zusammenhang zwischen gleichgeschlechtlicher Liebe und Kindesmissbrauch herzustellen. "Das ist eine inakzeptable Vermischung von Dingen, die nichts miteinander zu tun haben. Wir verurteilen das." Die Regierung kämpfe entschlossen gegen "Diskriminierung und Vorurteile" aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechteridentität.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, sagte, der Vatikan müsse sich bei den Lesben und Schwulen für Bertones "Entgleisungen" entschuldigen. Auch die Deutsche Bischofskonferenz solle klarstellen, dass diese "Diffamierung der Homosexuellen" nicht ihrer Auffassung entspreche. Bertone versuche von eigenem Fehlverhalten bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen abzulenken.

Die katholische Kirche wird derzeit in zahlreichen Ländern von Fällen des Kindesmissbrauchs durch Geistliche erschüttert. Laut Informationen der Südwest Presse aus Ulm nimmt die vermutlich vom Missbrauchsskandal ausgelöste Austrittswelle in der Katholischen Kirche immer dramatischere Züge an. Allein die Bistümer Freiburg und Rottenburg-Stuttgart verloren demnach im März zusammen mehr als 5000 Mitglieder. Der Verlust sei fast dreimal so hoch wie im März 2009, als in Folge des Streits um die erzkonservative Piusbruderschaft die Zahl der Austritte mit 1058 schon hoch gewesen sei. In den vergangenen Wochen waren auch in anderen Regionen zahlreiche Kirchenaustritte bekannt geworden.
 

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Ja ja

    So so, die Homosexuellen sind also schuld. Bei dem hohen Anteil von Homosexuellen in der katholischen Kirche muss man bei solchen Aussagen ja schon fast von Nestbeschmutzung sprechen, und das von der Nr. 2 im Vatikan! Der Schuss ging wohl nach hinten los...

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    • joG
    • 15.04.2010 um 7:23 Uhr

    ...für Ihre Behauptung eines hohen Proporz an Homosexuellen in RKK?

    PS: Im übrigen ist es kaum neu, dass die RKK Homosexualität als gravierende Sünde ansieht, die Verdammnis nach sich zieht.

    • joG
    • 15.04.2010 um 7:23 Uhr

    ...für Ihre Behauptung eines hohen Proporz an Homosexuellen in RKK?

    PS: Im übrigen ist es kaum neu, dass die RKK Homosexualität als gravierende Sünde ansieht, die Verdammnis nach sich zieht.

  2. Das Problem der r.k.Kirche sind nicht die homosexuellen Priester,sondern die weltenthobenen alten Herren,deren geistige Verfassung adäquat zu beschreiben mir die Forenbestimmungen leider untersagen!

    • tgam21
    • 14.04.2010 um 20:48 Uhr

    Es gibt Zeiten, da wird einfach offenbar, von welch absurden Gedanken und abstrusen Persönlichkeiten Diskurse geführt werden, und wie belanglos das doch auch alles zugleich ist. Sich selbst sollte man in den Stand versetzen, dass einem das Geschwätz eines solchen Menschen nichts anhaben kann.

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    ... ja über solchem Pack steht/stehen, nicht wahr?

    Wenn man zur einzig wahren Glaubensgemeinschaft gehört, dann steht man da drüber - schließlich weiß man den Stellvertreter Gottes in den eigenen Reihen. Was soll da das Geschwätz des Pöbels, wozu anderen, minderwertigen zuhören?

    Wahrlich, Jesus würde weinen.

    ... ja über solchem Pack steht/stehen, nicht wahr?

    Wenn man zur einzig wahren Glaubensgemeinschaft gehört, dann steht man da drüber - schließlich weiß man den Stellvertreter Gottes in den eigenen Reihen. Was soll da das Geschwätz des Pöbels, wozu anderen, minderwertigen zuhören?

    Wahrlich, Jesus würde weinen.

  3. Nein, es ist kein Dogma. Lesen Sie hier, welche Dogmen es gibt:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Ausserdem diffamiert die Kirche Homosexuelle nicht. Homosexualität ist laut ihrer Lehre Teil der Identität eines jeden Homosexuellen Menschen. Nur ist die praktische Ausübung nicht Teil der katholischen Sexualmoral, weshalb die Kirche Enthaltsamkeit empfiehlt.
    Übrigens hat bisher noch niemand nachgewiesen, dass Kindesmissbrauch in der Kirche überproportional häufig ist.

    Antwort auf "die reine lehre"
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    • isualK
    • 14.04.2010 um 21:02 Uhr

    Ob Kindesmissbrauch in der Kirche überproportional häufig ist, oder nicht, um diese Frage geht's überhaupt. Es geht darum, dass jeder, der so etwas macht mit aller Härte der Gesetze bestraft wird und dass es nicht geht, dass sich hier eine Institution, die von staatlicher Seite sehr gestützt wird, über die Gesetze stellt und solche Vorfälle vertuscht und die Täter schützt.

    Das geht einfach nicht und das sollte allen klar sein!

    Zu behaupten, die Kirche diffamiere keine homosexuellen Menschen, während sie ihnen gleichzeitig genau wegen ihrer Homosexualität "Enthaltsamkeit empfiehlt" ist doch grober Unfug.

    Die katholische Kirche lehrt, dass die Art, wie ich als schwuler Mann meine Liebe und Sexualität mit meinem Partner erlebe und auslebe, sündig und schöpfungsfeindlich ist. Selbstverständlich bin ich damit im Kern meiner Person diffamiert und abgewertet. So zu tun, als wäre der Homosexuelle von seiner Sexualität zu trennen, ist blanker Unfug und auch menschenverachtend. Homosexualität besteht nun einmal darin, dass man eine gleichgeschlechtliche Person liebt und/oder mit ihr Sex hat. Die absurde Spaltung von geschlechtlicher Orientierung und ihrem Ausdruck ist ja genau das Übel, aus dem solcher Missbrauch und solche Selbstverachtung wachsen.

    Diese dogmatische Realitätsferne klage ich an, und Ihr Beitrag bestätigt mich darin nur.

    • isualK
    • 14.04.2010 um 21:02 Uhr

    Ob Kindesmissbrauch in der Kirche überproportional häufig ist, oder nicht, um diese Frage geht's überhaupt. Es geht darum, dass jeder, der so etwas macht mit aller Härte der Gesetze bestraft wird und dass es nicht geht, dass sich hier eine Institution, die von staatlicher Seite sehr gestützt wird, über die Gesetze stellt und solche Vorfälle vertuscht und die Täter schützt.

    Das geht einfach nicht und das sollte allen klar sein!

    Zu behaupten, die Kirche diffamiere keine homosexuellen Menschen, während sie ihnen gleichzeitig genau wegen ihrer Homosexualität "Enthaltsamkeit empfiehlt" ist doch grober Unfug.

    Die katholische Kirche lehrt, dass die Art, wie ich als schwuler Mann meine Liebe und Sexualität mit meinem Partner erlebe und auslebe, sündig und schöpfungsfeindlich ist. Selbstverständlich bin ich damit im Kern meiner Person diffamiert und abgewertet. So zu tun, als wäre der Homosexuelle von seiner Sexualität zu trennen, ist blanker Unfug und auch menschenverachtend. Homosexualität besteht nun einmal darin, dass man eine gleichgeschlechtliche Person liebt und/oder mit ihr Sex hat. Die absurde Spaltung von geschlechtlicher Orientierung und ihrem Ausdruck ist ja genau das Übel, aus dem solcher Missbrauch und solche Selbstverachtung wachsen.

    Diese dogmatische Realitätsferne klage ich an, und Ihr Beitrag bestätigt mich darin nur.

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