Runder Tisch Missbrauch "Die Opfer sind unterrepräsentiert"

Opferberater Peter Mosser hat wenig Hoffnung, dass der Runde Tisch gegen Missbrauch Konkretes bewirkt. Das erste Treffen sei enttäuschend verlaufen, sagt er im Interview.

ZEIT ONLINE: Herr Mosser, Sie arbeiten als Psychologe in der Münchner Opferberatungsstelle Kontakt, Information und Beratung (kibs) mit männlichen Opfern sexueller Gewalt und haben am Runden Tisch zu den Missbrauchsfällen teilgenommen. Was ist Ihr persönlicher Eindruck vom ersten Zusammentreffen?

Peter Mosser: Ich empfand des Zusammentreffen als enttäuschend. Die spezifischen Aspekte männlicher Opfer sexueller Gewalt blieben außen vor. Es gab sicher 40 Wortmeldungen, aber darauf ging niemand ein. Darin spiegelt sich die öffentliche Diskussion wieder.

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ZEIT ONLINE: Was sind diese spezifischen Aspekte von sexueller Gewalt gegen männliche Kinder und Jugendliche?

Mosser: Jungen und junge Männer haben ein besonders großes Problem damit, sich in der Opferrolle wiederzufinden und sie fürchten häufig zusätzlich, als homosexuell stigmatisiert zu werden. Das macht die Aufdeckung solcher Taten besonders schwierig. Es ist nicht verwunderlich, dass es häufig Jahrzehnte dauert, bis die Opfer über das sprechen, was ihnen widerfahren ist.

Außerdem spielt Prävention in der Arbeit mit männlichen Opfern eine viel größere Rolle als in der Arbeit mit Frauen und Mädchen. Man geht davon aus, dass missbrauchte Jungen häufig später selbst zu Tätern werden. Das spielte in der Diskussion am Runden Tisch heute aber keine Rolle, ebenso wenig, dass in Institutionen Jungen häufiger zu Opfern werden und in Familien öfter Mädchen missbraucht werden.

ZEIT ONLINE: Welche Themen standen heute im Vordergrund?

Mosser: Es war ein großes Patchwork. Die Diskussion über das Strafrecht, die Verlängerung der Verjährung sowie die finanzielle Entschädigung spielten eine große Rolle. Ebenso der Ausbau der Beratungsangebote in den Kommunen und wie dieser vonstatten gehen soll. Auch die Präventionsarbeit mit Pädosexuellen und Therapieangebote standen im Vordergrund. Die Institution Kirche war nur am Rande Thema, was ich aber auch für richtig halte. Schließlich ist sexueller Missbrauch nicht auf die Kirche beschränkt.

ZEIT ONLINE: Was schätzen Sie wird der Runde Tisch an Ergebnissen erarbeiten können?

Mosser: Ich denke, dass dort primär hochrangige Vertreter großer Institutionen ihre Interessen vertreten. Es ist ein Manko, dass Organisationen, die mit Opfern arbeiten, völlig unterrepräsentiert sind. Ich bin etwas pessimistisch, dass die Maßnahmen wirklich den Opfern zugute kommen.

Die Fragen stellte Meike Fries

 
Leser-Kommentare
    • honett
    • 23.04.2010 um 17:38 Uhr

    .. wenn das so ist dann aendert doch die Zusammensetzung des 'Runden Tisch's'!

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    • joG
    • 23.04.2010 um 18:42 Uhr

    ....am Runden Tisch, wenn alle Popularität heischende Ministerinen (siehe Bild) auch da sitzen wollen. Und was haben die Opfer eigentlich beizutragen, was die Ministerinen nicht bereits besser wissen?

    • joG
    • 23.04.2010 um 18:42 Uhr

    ....am Runden Tisch, wenn alle Popularität heischende Ministerinen (siehe Bild) auch da sitzen wollen. Und was haben die Opfer eigentlich beizutragen, was die Ministerinen nicht bereits besser wissen?

    • Atan
    • 23.04.2010 um 18:05 Uhr

    es hier primär um den Missbrauch oder die Opfer geht.
    In erster Linie geht es um einen Skandal, und damit geht es für die machtpolitischen Akteure darum, nicht mit hingezogen zu werden bzw. wieder hinauszukommen. Und die Chose darf nicht teuer werden, dass dürfte das zweitwichtigste sein.
    Wenn diese Randbedingungen erfüllt sind, könnten aber auch ein paar sinnvolle Maßnahmen beschlossen werden, wie das erweiterte Führungszeugnis für Jugendbetreuer und Pädagogen, sowie vor allem mehr Mittel für Selbsthilfeorganisationen und Präventionsarbeit mit Kindern. (Wobei "mehr Mittel" leider wg. Punkt 2 begrenzt bleiben dürfte.)

    • sudek
    • 23.04.2010 um 18:13 Uhr

    allein das sagt schon alles!!1,5 Minuten Sprechzeit für jede/nTeilnehmerIn!! Eine Frechheit!!

  1. Die Äußerung von Leutheusser-Schnarrenberger in der Tageschau, daß Strafrecht den Opfern nicht immer hilft, sondern daß es wichtig(er) ist, anzuerkennen, daß den Opfern Unrecht widerfahren ist, läßt in der Tat vermuten, daß keine mutigen Maßnahmen zur Unterbindung von Übergriffen angedacht sind. Wenn die Rationale sich auf "Wir müssen uns besser um die Opfer kümmern" beschränkt, werden Pädophile in Zukunft nicht mehr oder weniger zu fürchten haben als in der Vergangenheit und es wird weitere Opfer geben.

    Ich fände minderjährige Fahnder gut, die routinemässig durch Schulen, kirchliche Einrichtungen, Sportvereine etc geschleust werden, besonders bei Verdachtsfällen. Dann muß jeder Pädophile damit rechnen, daß sein Opfer einen ganz kurzen Draht zur Staatsanwaltschaft hat.

    • joG
    • 23.04.2010 um 18:42 Uhr

    ....am Runden Tisch, wenn alle Popularität heischende Ministerinen (siehe Bild) auch da sitzen wollen. Und was haben die Opfer eigentlich beizutragen, was die Ministerinen nicht bereits besser wissen?

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    sind die drei Ministerinnen auch Opfer - gewesen -?

    sind die drei Ministerinnen auch Opfer - gewesen -?

  2. sind die drei Ministerinnen auch Opfer - gewesen -?

  3. Wer würde Norbert Denef nach dem von ihm erlittenen vorhalten wollen,immer noch in jener depressiven, hoffnungslosen Erlebnisweise gefangen zu sein,die die sprachlose Ohnmacht der kindlichen Seele widerspiegelt? Warum aber sich angesichts so offensichtlicher Beschädigung zum "Vorzeigeopfer" oder auch "Opfersprecher" machen oder machen lassen?Zum Runden Tisch gibt es keine Alternative. Und die Erwartungen zahlreicher Opfer sind erheblich.Auch wenn Transparenz und Art und Weise der Zusammenstellung der Teilnehmer hinterfragt werden können - ich z.B. hätte sehr gern den überaus engagierten und erfahrenen Sozialpädagogen Johannes Heibel für die von ihm 1993 gegründete Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch in der Runde gesehen - es sind wichtige gesellschaftliche Gruppierungen vertreten,die Erwartungen entsprechend hoch. Was aber können Opfer verjährter Straftaten von Staat und Kirche erwarten?Gerechtigkeit! Anerkennung der furchtbaren Taten.Die Täter, so sie noch leben, müssen sich zu ihrer Verantwortung bekennen - öffentlich. Das kann, wenn Täter weiterhin lügen, in Einzelfällen schwierig sein. Sind mehrere betroffen, muss die Glaubwürdigkeitsvermutung im Interesse der Opfer Vorrang haben vor der Unschuldsvermutung zu Gunsten der Täter. Nur so, in aller Öffentlichkeit, heilt der Riss, der durch die Seelen der Opfer geht. Geld mag darüber hinaus sinnvoll sein, wo Erwerbsbiographien nachhaltig beeinträchtigt wurden oder die Übernahme von Therapiekosten sinnvoll ist.

  4. Ich habe gestern Abend in der Tagesschau einen Blick auf diese Versammlung anschauen können. Vorn rechts am Tisch ein katholischer Pfaffe sich geschäftig breit machend. Dann Norbert Denef, ein kompetenter Vertreter von Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Kindern, der draußen vor der Tür abgewimmelt wird. Diese kurzen Aufnahmen in der Tagesschau geben ein klares Bild von der christdemokratischen Parteilichkeit und dem Heuchlertum, welches dieses Land regiert. Das sind Eindrücke, die hängen bleiben. So wie die Vertreter der katholischen Kirche haben die Vertreter der Bundesregierung die Situation immer noch nicht erkannt. Note: ungenügend.

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    dass die sonst so sehr auf den guten Ton achtende ZEIT dem Kommentator "wulewwu" eine beleidigende Titulierung eines Geistlichen als "katholischer Pfaffe" durchgehen lässt. Eine vergleichbare Herabsetzung jüdischer oder muslimischer Würdenträger wäre wohl kaum hingenommen worden.

    dass die sonst so sehr auf den guten Ton achtende ZEIT dem Kommentator "wulewwu" eine beleidigende Titulierung eines Geistlichen als "katholischer Pfaffe" durchgehen lässt. Eine vergleichbare Herabsetzung jüdischer oder muslimischer Würdenträger wäre wohl kaum hingenommen worden.

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