Lech Kaczyński National, katholisch, integer
Lech Kaczyński war seinen Überzeugungen treu, auch wenn diese im Ausland oft für Verwunderung sorgten. Das Land verliert mit ihm einen prägenden Politiker.
© Tomasz Paczot/Reuters

Lech Kaczyński küsst bei seiner Vereidigung als Staatspräsident 2005 die Fahne der polnischen Armee
Lech Aleksander Kaczyński war der zweite, eine knappe Stunde nach seinem eineiigen Zwillingsbruder Jarosław war er 1949 auf die Welt gekommen. Nun ist er der erste der beiden, der geht und der seinen Bruder und das ganze Land erschüttert zurücklässt. Polen galt als "Zwillingsrepublik", seit Lech 2005 Staatspräsident wurde, war Jarosław doch von 2006 bis 2007 Ministerpräsident.
Ihr ganzes Leben haben sie gemeinsam verbracht, waren Kinderstars im Kino, studierten Jura, bauten die Gewerkschaft Solidarność mit auf, machten Politik.
Geboren wurden die Brüder in Warschau, als Söhne eines Ingenieurs und einer Philologin. Ihr Vater hatte während des Warschauer Aufstandes gegen die Nazis gekämpft und war dabei verwundet worden, ihre Mutter war Sanitäterin in der polnischen Untergrundarmee gewesen. Wie Lech Kaczyński selbst später sagte, hatten ihn und seinen Bruder die Erinnerungen der Eltern an die Besatzung und ihre Erfahrungen der sowjetischen Herrschaft über Polen geprägt. Sie sollten auch ihr Leben und ihre Politik bestimmen.
Bekannt wurden die beiden Brüder zum ersten Mal im Alter von zwölf Jahren, als sie als "Jacek und Placek" im Märchenfilm "Von zweien, die den Mond stahlen" auftraten. Gemeinsam begannen sie auch ein Jurastudium an der Universität Warschau und arbeiteten anschließend als wissenschaftliche Assistenten. Beide schlossen sich noch während des Studiums der antikommunistischen Opposition an und arbeiteten ab 1981 an der Gründung und dem Aufbau der oppositionellen Gewerkschaft Solidarność mit.
Deswegen kam Lech von Dezember 1981 bis Oktober 1982 gemeinsam mit Gewerkschaftsführer Lech Wałesa ins Gefängnis. Sein Bruder entging der Verhaftung, angeblich weil die Polizei von einem Fehler ausging und nicht glauben wollte, dass zwei Kaczyńskis das gleiche Geburtsdatum hatten. Nach der Freilassung engagierten sich die Brüder sofort weiter für Solidarność und für Wałesa, auch als dieser nach dem politischen Wandel 1989 polnischer Präsident wurde.
In der Anfangszeit der Demokratisierung Polens waren beide Kaczyńskis wichtige Figuren. Sie nahmen an dem "Runden Tisch" teil, die den Weg bereiteten für eine nichtkommunistische Regierung, noch bevor die Nachbarländer DDR oder Tschechoslowakei diesen Schritt vollzogen. Sie wurden 1989 zu Senatoren gewählt und verhinderten, dass die Kommunisten unter General Kiszczak eine Regierung bilden konnten und forderten stets eine Abrechnung mit den Kommunisten. Bis 1991 arbeiteten beide in Wałesas direktem Umfeld, verließen ihre Ämter jedoch im Streit mit ihm.
Lech Kaczyński war noch bis 1993 Abgeordneter des Sejm, des polnischen Parlaments, doch sanken sein Einfluss und der seines Bruders mit dem Zerfall der Gewerkschaftsbewegung. Lech habilitierte und arbeitete anschließend als Universitätsprofessor. Als er 2000 die Chance bekam, in die Politik zurückzukehren, nutzte er sie und wurde Justizminister. In diesem Amt verschärfte er das Strafrecht und machte unter anderem von sich reden, weil er eine Wiedereinführung der Todesstrafe forderte und öffentlich Homosexualität verurteilte. 2001 dann gründete er gemeinsam mit seinem Bruder die Partei für Recht und Gerechtigkeit, eine nationalkonservative Gruppierung, deren erklärtes Ziel es ist, Teile der populistischen Rechte ins bürgerliche Lager zu integrieren. Als Forderer eines starken Staates und Kämpfer für Recht und Ordnung traten die Brüder fortan auf, was vielen Polen gefiel.
- Datum 10.04.2010 - 17:11 Uhr
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Ich kann leider nichts über diese Person sagen, was sowohl die Zeit als auch mein Gewissen gestatten.
Entfernt. Bitte äußern Sie sich zu den Inhalten des Artikels. Danke. Die Redaktion/sh
Beliebt? Pardon me, did you write "popular"?
The man won the 2005 election by a small minority (52 vs. 48%), and his victory was commonly accredited to the low turn-up of his opponents. His paranoid, isolationist, homophobic and nationalistic policies caused such panic in Poland, that in 2007 parliamentary elections his party got a bad beating. Their voter base was the same as before, but that time the opponents didn't stay home on the election day. His brother paid the political price, he was no longer Prime Minister.
By the end of his presidential term it was very clear that it is also the end of his political career, for most analysts gave him no chance of reelection.
His political career was short, and may he rest in peace now. For the file, though, he was not popular.
PS Please, no disrespect to the German language is expressed by writing in English.
Dear LMB,
Kaczynski war tatsächlich eine Zeit lang recht beliebt mit seinen Forderungen nach einem starken Staat, auch wenn das während seiner Regierungszeit anders wurde. Ich habe, um Missverständnissen vorzubeugen, die Überschrift geändert.
Beste Grüße
Kai Biermann
Dear LMB,
Kaczynski war tatsächlich eine Zeit lang recht beliebt mit seinen Forderungen nach einem starken Staat, auch wenn das während seiner Regierungszeit anders wurde. Ich habe, um Missverständnissen vorzubeugen, die Überschrift geändert.
Beste Grüße
Kai Biermann
Was für eine Tragödie, mein aufrechtes Beileid!
Was jedoch zusätzlich unglaublich zynisch ist, ist das ausgerechnet Wladimir Putin die Untersuchungen zu diesem Unglück leitet.
Kaczyński misstraute dem Ex-KGB Chef Putin, so wie er dem postsowjetischen Staat allgemein misstraute. Wenn man schreibt, Putin und Kaczyński konnten sich nicht leiden, ist dies wohl sehr untertrieben. Warum wird die Aufklärung des Unfalls nicht von einem Polen oder einem Weissrussen geleitet?
Aus Respekt vor der Trauer der Angehörigen möchte ich auf Spekulationen verzichten und wünsche eine möglichst saubere Aufklärung des Unglücks. Nur so kann jemals Frieden gefunden werden.
Dear LMB,
Kaczynski war tatsächlich eine Zeit lang recht beliebt mit seinen Forderungen nach einem starken Staat, auch wenn das während seiner Regierungszeit anders wurde. Ich habe, um Missverständnissen vorzubeugen, die Überschrift geändert.
Beste Grüße
Kai Biermann
Dear Kai,
Your original title may have suggested that he was a figure popular with people, a true hero of the folk. Let me remind you, please, that his victory was not a landslide, but a mere 4% more than his only rival, and his election was but a shock to most.
Kaczyński as President did enjoy support among certain people, but he was also a polarizing figure, whose popularity quickly diminished after he put his "repair plan" into action. He was a man of little diplomacy, both in internal and external politics. His reaction to the Kartoffel-Affäre may have amused Germans, but Poles had to deal with his short temper and overgrown ego on a daily basis. His language was one of hate and fear (of Germans and Russians, too), in a country that no longer wants to be locked in eternal conflicts with neighbours -- who are very important economically.
He was looking into history and justice [for former communists] in a country that is preoccupied with future and full stomachs. His actions were often seen as crude and unnecessary, and he was thought to be motivated by revenge on communists. In present day's Poland people simply do not care anymore who put who into jail in 1980.
Clearly, it was "15 minutes of fame" for a movement which hardly enjoy such political representation in Poland before 2005.
For deeper insight into geographical distribution of support please see here: http://www.prezydent2005.... - yellow for Tusk, blue for Kaczyński.
Dear Kai,
Your original title may have suggested that he was a figure popular with people, a true hero of the folk. Let me remind you, please, that his victory was not a landslide, but a mere 4% more than his only rival, and his election was but a shock to most.
Kaczyński as President did enjoy support among certain people, but he was also a polarizing figure, whose popularity quickly diminished after he put his "repair plan" into action. He was a man of little diplomacy, both in internal and external politics. His reaction to the Kartoffel-Affäre may have amused Germans, but Poles had to deal with his short temper and overgrown ego on a daily basis. His language was one of hate and fear (of Germans and Russians, too), in a country that no longer wants to be locked in eternal conflicts with neighbours -- who are very important economically.
He was looking into history and justice [for former communists] in a country that is preoccupied with future and full stomachs. His actions were often seen as crude and unnecessary, and he was thought to be motivated by revenge on communists. In present day's Poland people simply do not care anymore who put who into jail in 1980.
Clearly, it was "15 minutes of fame" for a movement which hardly enjoy such political representation in Poland before 2005.
For deeper insight into geographical distribution of support please see here: http://www.prezydent2005.... - yellow for Tusk, blue for Kaczyński.
"national" und "katholisch" stimmt; man könnte es aber auch negativer ausdrücken nut der Vorsilbe "ultra" oder "fundamentalistisch!.... doch "integer? Lech Kaczyński als integer zu bezeichnen ist wirklich kein Ruhmesblatt für ZEIT-Journalismus.
Konnte man seine Homophobie und den Deutschenhass als "moralisch einwandfrei" = integer bezeichnen?
Bitte etwas mehr Vorsicht bei der Wortwahl wäre auch im Zeichen dieses Unglückes angebracht
Sehr geehrter Sovanger,
der Begriff meint charakterfest und unbescholten. Das war der Mann, ob man seine Positionen mag oder nicht. Und ich finde, anlässlich des Todes eines Menschen geht es keinesfalls darum, etwas "negativer auszudrücken".
Beste Grüße
Die Aussage über einzelne Menschen – sie seien „integer“ – meint, dass diese Personen „unbestechlich“ sind und über „feste, tief verankerte, positive Werte“ verfügen, zu denen sie stehen und von denen sie sich nicht abbringen lassen. (nach Wikipedia)
Ich möchte Sonvanger zustimmen, ich bezweifele ebenfalls, ob man Lech Kaczyński "integer" nennen kann. Außer dass man seinen "nationalistischen Katholizismus", der wesentlich den politischen Fundamentalismus in Polen bestimmte, als integer bezeichnet.
Ebenso klassifizierte ihn seine Homophobie und sein Deutschenhass, ob man das "moralisch einwandfrei" oder "charakterfest und unbescholten" nennen kann?
Das scheint wohl alles eine Frage der Betrachtungsweise zu sein!
Sehr geehrter Sovanger,
der Begriff meint charakterfest und unbescholten. Das war der Mann, ob man seine Positionen mag oder nicht. Und ich finde, anlässlich des Todes eines Menschen geht es keinesfalls darum, etwas "negativer auszudrücken".
Beste Grüße
Die Aussage über einzelne Menschen – sie seien „integer“ – meint, dass diese Personen „unbestechlich“ sind und über „feste, tief verankerte, positive Werte“ verfügen, zu denen sie stehen und von denen sie sich nicht abbringen lassen. (nach Wikipedia)
Ich möchte Sonvanger zustimmen, ich bezweifele ebenfalls, ob man Lech Kaczyński "integer" nennen kann. Außer dass man seinen "nationalistischen Katholizismus", der wesentlich den politischen Fundamentalismus in Polen bestimmte, als integer bezeichnet.
Ebenso klassifizierte ihn seine Homophobie und sein Deutschenhass, ob man das "moralisch einwandfrei" oder "charakterfest und unbescholten" nennen kann?
Das scheint wohl alles eine Frage der Betrachtungsweise zu sein!
Sehr geehrter Sovanger,
der Begriff meint charakterfest und unbescholten. Das war der Mann, ob man seine Positionen mag oder nicht. Und ich finde, anlässlich des Todes eines Menschen geht es keinesfalls darum, etwas "negativer auszudrücken".
Beste Grüße
ausdrücklich möchte ich ihnen zustimmen.
Orpheus
Wikipedia sagt: (und nun mag sich jeder seine Meinung bilden was für Lech kaczynski zutraf).
Das Adjektiv integer (v. lat. integer „unberührt, unversehrt“) bedeutet
· unbescholten, moralisch einwandfrei, unbestechlich, aufrichtig,
· (veraltet) neu, sauber, unversehrt
Persönliche Integrität
Persönliche Integrität ist die fortwährend aufrechterhaltene Übereinstimmung des persönlichen, an einer humanistischen Ethik ausgerichteten Wertesystems mit dem eigenen Handeln. Gesellschaftlich deuten folgende Eigenschaften auf eine integre Persönlichkeit hin: Aufrichtigkeit, Humanismus, Gerechtigkeitsstreben, Vertrauenswürdigkeit, Zivilcourage. Ein integrer Mensch lebt in dem Bewusstsein, dass sich seine persönlichen Überzeugungen, Maßstäbe und Wertvorstellungen in seinem Verhalten ausdrücken. Persönliche Integrität ist als Treue zu sich selbst umschrieben worden.
Das Gegenteil von integer ist korrumpierbar, also sich in seinem Verhalten nicht von inneren Werten und Prinzipien, sondern von äußeren Drohungen und Verlockungen leiten zu lassen.
Der Begriff „Integrität“ ist komplex und vielschichtig. Integrität ist etwas, wofür eine Person zum einen Teil selber verantwortlich ist. Zum anderen Teil hängt Integrität vom Wohlverhalten der Mitmenschen ab und von den gesellschaftlichen Lebensbedingungen. Der Begriff findet Verwendung vor allem dann, wenn darauf hingewiesen werden soll, dass die Persönlichkeit eines Menschen, seine Ganzheit und Unversehrtheit ein zerbrechliches Gut ist und gegen Angriffe von außen geschützt werden muss. Neben dieser Verwendung gibt es eine zweite Bedeutungsrichtung.
Die Aussage über einzelne Menschen – sie seien „integer“ – meint, dass diese Personen „unbestechlich“ sind und über „feste, tief verankerte, positive Werte“ verfügen, zu denen sie stehen und von denen sie sich nicht abbringen lassen.
ausdrücklich möchte ich ihnen zustimmen.
Orpheus
Wikipedia sagt: (und nun mag sich jeder seine Meinung bilden was für Lech kaczynski zutraf).
Das Adjektiv integer (v. lat. integer „unberührt, unversehrt“) bedeutet
· unbescholten, moralisch einwandfrei, unbestechlich, aufrichtig,
· (veraltet) neu, sauber, unversehrt
Persönliche Integrität
Persönliche Integrität ist die fortwährend aufrechterhaltene Übereinstimmung des persönlichen, an einer humanistischen Ethik ausgerichteten Wertesystems mit dem eigenen Handeln. Gesellschaftlich deuten folgende Eigenschaften auf eine integre Persönlichkeit hin: Aufrichtigkeit, Humanismus, Gerechtigkeitsstreben, Vertrauenswürdigkeit, Zivilcourage. Ein integrer Mensch lebt in dem Bewusstsein, dass sich seine persönlichen Überzeugungen, Maßstäbe und Wertvorstellungen in seinem Verhalten ausdrücken. Persönliche Integrität ist als Treue zu sich selbst umschrieben worden.
Das Gegenteil von integer ist korrumpierbar, also sich in seinem Verhalten nicht von inneren Werten und Prinzipien, sondern von äußeren Drohungen und Verlockungen leiten zu lassen.
Der Begriff „Integrität“ ist komplex und vielschichtig. Integrität ist etwas, wofür eine Person zum einen Teil selber verantwortlich ist. Zum anderen Teil hängt Integrität vom Wohlverhalten der Mitmenschen ab und von den gesellschaftlichen Lebensbedingungen. Der Begriff findet Verwendung vor allem dann, wenn darauf hingewiesen werden soll, dass die Persönlichkeit eines Menschen, seine Ganzheit und Unversehrtheit ein zerbrechliches Gut ist und gegen Angriffe von außen geschützt werden muss. Neben dieser Verwendung gibt es eine zweite Bedeutungsrichtung.
Die Aussage über einzelne Menschen – sie seien „integer“ – meint, dass diese Personen „unbestechlich“ sind und über „feste, tief verankerte, positive Werte“ verfügen, zu denen sie stehen und von denen sie sich nicht abbringen lassen.
Dear Kai,
Your original title may have suggested that he was a figure popular with people, a true hero of the folk. Let me remind you, please, that his victory was not a landslide, but a mere 4% more than his only rival, and his election was but a shock to most.
Kaczyński as President did enjoy support among certain people, but he was also a polarizing figure, whose popularity quickly diminished after he put his "repair plan" into action. He was a man of little diplomacy, both in internal and external politics. His reaction to the Kartoffel-Affäre may have amused Germans, but Poles had to deal with his short temper and overgrown ego on a daily basis. His language was one of hate and fear (of Germans and Russians, too), in a country that no longer wants to be locked in eternal conflicts with neighbours -- who are very important economically.
He was looking into history and justice [for former communists] in a country that is preoccupied with future and full stomachs. His actions were often seen as crude and unnecessary, and he was thought to be motivated by revenge on communists. In present day's Poland people simply do not care anymore who put who into jail in 1980.
Clearly, it was "15 minutes of fame" for a movement which hardly enjoy such political representation in Poland before 2005.
For deeper insight into geographical distribution of support please see here: http://www.prezydent2005.... - yellow for Tusk, blue for Kaczyński.
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