Begräbnis in PolenEin Volk erweist seine letzte Ehre

In Krakau hat das Staatsbegräbnis für Polens Präsidenten Lech Kaczyński und dessen Frau Maria begonnen. Zahlreiche Staatsgäste konnten wegen der Aschewolke nicht kommen.

Begräbnis in Polen Ein Volk erweist die letzte Ehre

Soldaten tragen die Särge des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński und dessen Frau Maria zu der Krakauer Marienkirche  |  © Janek Skarzynski/AFP/Getty Images

Mit einer Totenmesse in Krakau haben die Trauerfeierlichkeiten für den tödlich verunglückten polnischen Präsidenten Lech Kaczyński ihren Höhepunkt erreicht. Knapp hunderttausend Menschen verfolgten die Zeremonie auf dem Platz vor der Marienkirche und auf Großleinwänden. Zahlreiche ausländische Staatsgäste, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, konnten wegen der Aschewolke nicht nach Krakau fliegen.

Unter den Klängen des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart zogen die polnischen Bischöfe in die gothische Basilika ein, wo die von polnischen Flaggen bedeckten Särge des Präsidentenpaares standen. Für Deutschland nahm Bundespräsident Horst Köhler an der Zeremonie teil. Er und Außenminister Guido Westerwelle waren in Hubschraubern nach Krakau geflogen. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus den Nachbarstaaten reisten mit dem Auto an, nachdem der Luftraum über Europa wegen der Aschewolke aus Island weitgehend gesperrt worden war. US-Präsident Barack Obama musste seine Reise absagen.

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Gekommen war dagegen der russische Präsident Dmitrij Medwedjew. Kaczyński und seine Frau Maria waren auf dem Weg zu einer Trauerfeier nach Katyn im Westen Russlands gewesen, als sie am 10. April zusammen mit 94 weiteren Menschen abstürzten. Unter den Opfern waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Militär. "Wir sind froh, dass Medwedjew beschlossen hat zu kommen", sagte ein Familienvater, der mit Frau und drei Kindern zu der Zeremonie angereist war.

Die Särge der Kaczyńskis waren am Sonntagmorgen mit einer Militärmaschine nach Krakau geflogen worden. Da die Flughöhe von Militärflugzeugen unter 5000 Metern liege, seien sie durch die Vulkanasche nicht gefährdet, sagte ein Mitarbeiter des Präsidialamtes. Eine Verschiebung der Beisetzung hatte die Familie abgelehnt.

Kaczyński und seine Frau sollen am Abend unter Salutschüssen in der Krypta der Wawel-Kathedrale beigesetzt werden. Der symbolträchtige Ort, wo Könige und bedeutende Persönlichkeiten bestattet sind, ist in Polen als letzte Ruhestätte Kaczyńskis umstritten. In den vergangenen Tagen hatten hunderte Menschen, darunter auch Prominente wie der Filmemacher Andrzej Wajda, dagegen protestiert.

Der Sprecher der Krakauer Stadtverwaltung, Filip Szatanik, sprach "von einem der größten, wenn nicht dem größten Einzelereignis der Stadt der vergangenen Jahrhunderte". Die Bürgermeisterin der Kleinstadt Jaslo, aus der drei Busse nach Krakau gefahren waren, sprach von einem außergewöhnliches Ereignis. "Die Polen müssen einfach hier sein", sagte sie.

Dennoch kamen deutlich weniger Menschen nach Krakau als erwartet. Die Polizei sprach von rund 100.000 Trauergästen, die die Messe vor der Marienkirche und auf Großleinwänden verfolgten. Die Organisatoren hatten mit bis zu einer Million gerechnet. "Es gibt gewisse Ermüdungserscheinungen durch die Trauerfeiern, die bereits eine Woche dauern", sagte die Soziologin Malgorzata Melchior.

Bereits am Samstag hatten rund 100.000 Menschen in einer mehrstündigen Trauerfeier auf dem Pilsudski-Platz in Warschau Abschied genommen. Unter den Trauernden waren neben Übergangspräsident Bronislaw Komorowski und Ministerpräsident Donald Tusk die Ex-Präsidenten Lech Walesa und Aleksander Kwasniewski. Tusk sagte, der Absturz der Präsidentenmaschine sei "die größte Tragödie in der Geschichte Polens seit dem Zweiten Weltkrieg".

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Leserkommentare
    • Lapje
    • 18. April 2010 19:19 Uhr

    ...nicht darüber berichtet, dass unter anderem auch die Berliner Philharmoniker bei der Beisetzung gespielt haben? Dies ist in meinen Augen eine noble Geste, welche die BP sofort der polnischen Regierung unterbreitet haben und welche dankend angenommen wurde. Warum muss ich darüber in polnischen Zeitungen lesen?

  1. Ach ja, in Polen wurde die Musik doch mit Dankbarkeit empfangen... Die Berliner Philharmoniker haben zu dem (fast!) perfekten Verlauf der Feierlichkeiten beigetragen... Vielen, unendlich vielen Dank!!!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Polen | Dmitri Medwedew | Barack Obama | Donald Tusk | Guido Westerwelle | Horst Köhler
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