Kaum hatte am Freitag der Sonderermittler Sebastian Knott in Schrobenhausen seinen ersten Bericht vorgelegt, forderten einige Politiker den Rücktritt des Augsburger katholischen Bischofs Walter Mixa. Der SPD-Politiker und Landtagsvizepräsident Franz Maget erneuerte seinen Aufruf: "Jeder Bischof hat das Recht, jederzeit sein Amt niederzulegen, davon sollte Bischof Mixa jetzt Gebrauch machen, um weiteren Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden.“

Am Samstag dann erhielt Mixa allerdings erstaunlichen Zuspruch. Zum Beispiel von Norbert Walter, dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Gefragt, ob der Bischof noch glaubwürdig sei, weil er zunächst jegliche Tätlichkeit abstritt und später doch zugab, Ohrfeigen verteilt zu haben, sagte Walter in einem Interview mit dem Deutschlandfunk: „Nach meinem Urteil ist das glaubwürdig“. Es sei glaubwürdig, weil Bischof Mixa die Ohrfeigen nicht als Gewalt gegen Kinder interpretierte, sondern als Maßnahme der Kindererziehung.

Mixas Position wirke nur nicht sinnvoll in einer Öffentlichkeit, welche die Referenzmaßstäbe durcheinander bringe. Damit meinte Walter die Tatsache, dass vor einigen Jahrzehnten „die körperliche Züchtigung zu einer normalen gesellschaftlichen Wirklichkeit“ gehört habe. Es sei zudem sehr schwer, im Einzelfall zu beurteilen, ob die Schläge von einst heute zu seelischen Schäden führen würden.

Die derzeitige Debatte sei seiner Einschätzung nach „ahistorisch und (sie) ist in einer Reihe von Fällen, das sage ich sehr schmerzhaft, von fundamentalistischen Aufklärern geführt.“ Auch er sei als Kind von seiner Mutter „verprügelt“ worden und „das hat mir nicht geschadet“. Denn: „Meine Mutter hat mich geschlagen, nicht weil sie mich vernachlässigt hat, sondern weil sie mich liebte“.

Der Sonderermittler Sebastian Knott hatte am Freitag in einem ersten Bericht bestätigt, dass die Schwestern im Waisenhaus Schrobenhausen den Satz verwendet hatten: „Warte nur, wenn der Stadtpfarrer Mixa kommt“. Damit ist auch bestätigt, dass Bischof Mixa eigens zur Bestrafung von elterlosen Kindern einbestellt wurde.

Das vollständige Interview können Sie hier hören.