Golf von MexikoObama erklärt Ölpest zur nationalen Katastrophe

Die Ölpest im Golf von Mexiko könnte zur größten Umweltkatastrophe für die USA werden. Der Ölteppich trifft in Kürze auf Land. Der drehende Wind hat viele Schutzmaßnahmen zunichte gemacht.

Versuche die Ölpest einzudämmen, blieben bisher weitgehend erfolglos

Versuche die Ölpest einzudämmen, blieben bisher weitgehend erfolglos  |  © Chris Graythen/Getty Images

Die Ölpest vor der Küste der US-Bundesstaaten Louisiana, Alabama und Mississippi droht außer Kontrolle zu geraten – spätestens seitdem ein drittes Leck an der gesunkenen Bohrinsel Deepwater Horizon entdeckt wurde. Inzwischen sprudeln nach Einschätzung der US-Küstenwache täglich knapp 800.000 Liter Öl ins Meer – fünf Mal so viel wie bislang angenommen. Bisherige Versuche zur Eindämmung des gigantischen Teppichs, wie zuletzt das kontrollierte Abfackeln von Teilen des Öls, brachten zunächst keine entscheidenden Erfolge.

Die Bekämpfung der Ölpest sei eine Aufgabe von "nationaler Bedeutung", erklärte US-Präsident Barack Obama. Dafür müssten alle verfügbaren Mittel eingesetzt werden, auch das Militär, erläuterte Präsidentensprecher Robert Gibbs in Washington. Indem die Regierung das Unglück zu einer "nationalen Katastrophe" erklärte, schuf sie die rechtliche Voraussetzung dafür, landesweit alle Mittel für den Einsatz gegen die Ölpest zu mobilisieren. Heimatschutzministerin Janet Napolitano, Innenminister Ken Salazar und die Chefin der Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson, werden am Freitag in die Krisenregion reisen. Sie sollen sich vor Ort über die Maßnahmen zur Eindämmung des Ölteppichs und zum Schutz der Küste informieren.

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Obama selbst steht wegen der Katastrophe zunehmend unter Druck, da er sich erst kürzlich dafür ausgesprochen hatte, weitere Öl- und Gasbohrungen vor der US-Atlantikküste zuzulassen. Der Vorfall im Golf zeige, "dass es trotz aller technischer Fortschritte immer noch ein riskantes Geschäft ist", sagte ein Sprecher der einflussreichen Naturschutzorganisation Sierra Club.

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Louisiana, Bobby Jindal, rief wegen der Ölpest den Notstand aus. Große Sorgen bereitet nach seinen Angaben der drehende Wind, der einen Teil des riesigen Ölteppichs von 965 Kilometern Umfang löste und auf die Küste des US-Bundesstaates zu trieb. "Derzeit erwarten wir, dass das Tierschutzgebiet Pass-A-Loutre noch am Donnerstag von dem Ölteppich erreicht wird", sagte Jindal. Der potenzielle Schaden für das einzigartige Ökosystem ist schwer zu ermessen. Die Küstenwache hat begonnen, schwimmende Barrieren auszulegen, die verhindern sollen, dass das Öl in die Flussläufe, Marschen und Feuchtgebiete eindringt und dort Tier- und Pflanzenwelt bedroht. Auf 30 Kilometer Länge sind die Barrieren bereits ausgebracht, weitere 50 Kilometer sollen bis Freitagabend folgen.

Der Wind könnte auch zur Folge haben, dass Versuche, den Ölteppich abzufackeln, zu spät kommen. Ein kontrollierter "Testbrand" wurde am Mittwoch an der Stelle unternommen, an der das Öl am stärksten konzentriert ist. Dazu wurde Öl im Zentrum des Teppichs von zwei Schiffen gegen einen feuerfesten Auslegerbaum geschoben und angezündet. BP nannte den Versuch "erfolgreich". Kritik kam von der Umweltorganisation Greenpeace. Die Behörden sollten sich auf das "mechanische Säubern der Küsten" konzentrieren, erklärte ein Sprecher.

Konteradmiralin Mary Landry von der US-Küstenwache sagte, Vögel an den Stränden würden rechtzeitig verscheucht, bevor der Ölteppich die Küste erreiche. Das solle etwa durch Feuerwerke oder Kanonenlärm geschehen. Außerdem wurden in den gefährdeten Regionen Stationen zur Vorbereitung von Schutzmaßnahmen errichtet. "Wir tun, so viel wir können, auf dem Wasser und von der Luft aus", versicherte Eric Swanson von der Küstenwache. "Wir bereiten so viele Optionen vor wie möglich."

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Leserkommentare
  1. jetzt also der wind: "Der drehende Wind hat viele Schutzmaßnahmen zunichte gemacht."
    vorher die bösenbösen explosionen und die unartigen flammen, und überhaupt dieses unbotmäßige öl, das jetzt meint, sich überall hin verbreiten zu können...

    Aber auf keinen fall die betreiber und die politik, NEIN, es ist das "zu vernachlässigende restrisiko", das ja NIE eintritt, weder in threemiles noch in tschernobyl, geschweige denn bei katrina und eben jetzt - oder bei der immo-krise oder griechenland oder oder...

    und dann passiert doch das unglaubliche:
    SCHON wird der notstand erklärt (ist zwar schon mindestens sieben tage her und jedem wurzelsepp war die katastrophenpotenz bewußt), ABER, man muss ja erst 'evaaluieren', das dauert halt ein bisschen...

    politik evaluiert immer - und immer erst nachher:

    wenn die einen offenen brunnen sehen (deren job),
    dann warten die, bis jemand reinfällt und fangen dann an, die tiefe etc. zu evaluieren.
    so versteh ich das MIST-management ölkatastrophe, gorleben, griechenland...

    nun ist barack wach geworden, horst meldet sich 'auf posten', und keine westerwelle weit und breit.

    aber angie tut was.
    was?

  2. ... der Autofahrer die lieber Benzin verbrennen anstatt ihren Körper zu bewegen und damit die Erdölförderung überhaupt erst in diesem Maße notwendig macht. Wann findet hier endlich ein Umdenken statt?

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    • ddkddk
    • 29. April 2010 21:49 Uhr

    die in ihrem Urlaub zunehmend um die halbe Welt fliegen müssen.

    Haben Sie im Übrigen schon einmal daran gedacht, wieviel Benzin bzw. Diesel allein für den Nachschub der internationalen Truppen in Afghanistan benötigt wird? Da spielt Umweltschutz, globale Erwärmung usw. genausowenig eine Rolle wie bei dem Militäreinsatz im Irak.

    Haben Sie eine Vorstellung, was ein Leopard-Panzer verbraucht, dessen Einsatz viele nun auch in Afghanistan fordern?

    Nicht so lange Leute mit ihrem Auto zum Fitness Studio fahren...

    • fanta4
    • 29. April 2010 22:42 Uhr

    Dann wird man umdenken - weil man es muss. Keine Sekunde früher. Wie das bei Süchtigen so ist...

    • ddkddk
    • 29. April 2010 21:49 Uhr

    die in ihrem Urlaub zunehmend um die halbe Welt fliegen müssen.

    Haben Sie im Übrigen schon einmal daran gedacht, wieviel Benzin bzw. Diesel allein für den Nachschub der internationalen Truppen in Afghanistan benötigt wird? Da spielt Umweltschutz, globale Erwärmung usw. genausowenig eine Rolle wie bei dem Militäreinsatz im Irak.

    Haben Sie eine Vorstellung, was ein Leopard-Panzer verbraucht, dessen Einsatz viele nun auch in Afghanistan fordern?

  3. Nicht so lange Leute mit ihrem Auto zum Fitness Studio fahren...

    • fanta4
    • 29. April 2010 22:42 Uhr

    Dann wird man umdenken - weil man es muss. Keine Sekunde früher. Wie das bei Süchtigen so ist...

  4. Es ist der Zwang zum Wachstum. Derzeit ist niemand in der Lage sich diesem zu entziehen.

    Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage hatte sich Präsident Obama überwinden müssen und erlaubte vor einem Monat noch Testbohrungen an der amerikanischen Küste.

    http://www.tagesschau.de/...

    Obama versucht die USA grüner zu machen. Ging hier ungern einen Kompromiss zu Gunsten der Wirtschaft ein und bekommt promt die Ironie des Schicksals zu spüren.

  5. oder besser gesagt ihre Ursachen, die Hawking zu diesem Urteil gebracht haben: http://www.heise.de/tp/bl...

    Wenn man die Menschheit als eine durchschnittliche Zivilisation betrachtet, dann ist der Vergleich mit einem Heuschreckenschwarm der nur totes Land hinterlässt ja durchaus legitim.

    Allerdings denke ich, dass es so etwas wie eine Schwelle gibt. Wird diese nicht überschritten, schafft eine Zivilisation es nicht lange genug zu überleben um Technologien zu entwickeln, die mehr ermöglichen als das Reisen innerhalb des eigenen Sonnensystems. So es denn überhaupt so weit kommt.

    Vermutlich hat diese Schwelle etwas mit Nachhaltigkeit und somit auch mit der Achtung vor Leben an sich zu tun. Denn wer nachhaltig wirtschaftet, muss zwangsläufig alle Teilhaber eines Systems berücksichtigen. Was mich zu dem Schluss führt, dass Zivilisationen die ausbeuterisch agieren, sich ihre Lebensgrundlagen vernichten bevor sie diese Schwelle auch nur annähernd erreichen.

    Bestes Beispiel sind wir selbst. Man braucht sich nur anzusehen was Wirtschaft und Staaten alles gestattet wird, im Umgang mit der Welt in der wir alle Teilhaber sind. Wenn wir so weitermachen oder uns auf Minimalziele wie in Kopenhagen festlegen, sind unsere Tage als Art gezählt.

    Somit könnte man sagen, das Universum schützt die Vernünftigen und Intelligenten vor den Heuschrecken.

    Nachhaltigkeit ermöglicht es ewig mit seinen Ressourcen auszukommen. Denn wer weiß wie lange es bis zur Schwelle ist?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | Greenpeace | BP | Bohrinsel | Feuerwerk | Janet Napolitano
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