Sekten-FilmFernsehabend mit Scientology

Ein ARD-Film erzählt die Geschichte eines Ex-Scientologen, der seine Kinder an die Sekte verliert. Dennis Sand hat den Film gesehen. Mit drei Scientologen. von 

Der Film "Alles, was bleibt" basiert auf dem Sorgerechtsstreit Heiner von Rönns, einem Scientology-Aussteiger.

Der Film "Alles, was bleibt" basiert auf dem Sorgerechtsstreit Heiner von Rönns, einem Scientology-Aussteiger.  |  © SWR/Christine Schroeder

Daniel* sitzt locker auf der blau bezogenen Couch. Er schaut auf sein Handy und schenkt sich ein Glas Schweppes ein. Als ob alles wäre wie immer. Dabei ist Daniel doch heute irgendwie der Star des Abends. Es weiß nur keiner.

Der am Mittwoch  ausgestrahlte ARD-Fernsehfilm Bis nichts mehr bleibt erzählt die Geschichte seines Vaters. Es ist auch seine Geschichte. Im Film kämpft der junge Familienvater Frank um das Sorgerecht für seine achtjährige Tochter Sarah. Frank ist ehemaliges Scientology-Mitglied und will Sarah aus den Fängen der Sekte befreien. Die Mutter hingegen ist noch immer eine glühende Verfechterin der scientologischen Lehre. Am Ende des Films entscheidet das Gericht in einem dramatischen Urteil, dass das Kind bei der Mutter bleiben muss.

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Es ist die Geschichte Heiner von Rönns, eines Aussteigers, der seine Kinder zurücklassen musste. Eines dieser Kinder ist Daniel, der im Film zu Sarah wird. Zum Zeitpunkt der Geschehnisse war er ein 15-jähriger Jugendlicher. Daniel sieht den Film zum ersten Mal. Wirklich reizen tut ihn das nicht. Obwohl es ja um ihn geht. Irgendwie. Und darum gibt es nun doch einen Fernsehabend: zusammen mit dem Hamburger Pressesprecher von Scientology Frank Busch und einer bekennenden Scientologin, die wir Helga nennen.

Wir treffen uns in der Empfangshalle der Hamburger Scientology-Zentrale. Im Film laufen dort viele gut aussehende und dynamisch wirkende Menschen und später dann einige roboterhaft uniformierte Gestalten herum. In der Realität wird man einfach nur freundlich empfangen. Als die Scientologenrezeptionsfrau erfährt, dass wir den Aussteigerfilm sehen wollen, lacht sie beruhigt. Das könne man nicht so ernst nehmen, denn "die Aussteiger, ach die haben ja alle ein Problem. Sonst wären sie doch keine Aussteiger, wenn sie keins hätten, oder?" Dann kommt der Pressesprecher Busch und stellt Daniel vor. Busch selbst erinnert ein wenig an Theo Waigel , nur ist er viel größer, sportlicher und – das Klischee ist zulässig – dynamischer. Der Nadelstreifenanzug sitzt auch ein wenig besser. Er hat früher in der Bundesliga Volleyball gespielt.

Jetzt ist er Pressesprecher von Scientology und hat eine Mappe mit vielen Artikeln dabei. Da könne man so einiges nachlesen, wie das mit dem Sorgerechtsstreit wirklich war. Aber um das zu erzählen ist ja auch Daniel da. Der 23-Jährige ist lässig gekleidet, in Jeans und Polohemd. Er grüßt freundlich. "Mich hat eigentlich noch niemand nach der Geschichte befragt...", setzt er an. "Dafür sind wir ja auch heute Abend zusammen", fährt ihm Busch heiter ins Wort. "Also los", sagt er lachend in seinem rheinländischen Duktus und bittet in sein Auto einzusteigen.

Buschs spartanisch eingerichtete Wohnung wird von einem großen Bücherschrank dominiert. Es sieht nach Science-Fiction aus, aber es sind die Werke L. Ron Hubbards. Hubbard ist der Gründungsvater von Scientology. Insgesamt hat er 500.000 Seiten und 3000 Vorträge veröffentlicht, schwärmt Busch. Ob es dazu ganz allgemein Fragen gäbe? Naja schon, Hubbard spricht ja davon, dass das Universum 350 Milliarden Jahre alt sei. Forscher gehen aber von etwa 13,7 Milliarden Jahren aus. Wie Hubbard denn auf seine Zahl käme? Busch zieht ein Hubbard-Buch hervor. Er tippt auf eine Textstelle. "Sehen Sie, hier steht es: 350 Milliarden." Und das mit dem Gründungsmythos? Die Science-Fiction-Story eines intergalaktischen... "Alles Quatsch!", unterbricht Busch.

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  • Schlagworte Theo Waigel | Film | Aussteiger | Gericht | Klischee | Scientology
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