Hilfe aus Deutschland Immer weniger Deutsche spenden

In Deutschland gibt nicht einmal jeder Fünfte Geld für einen guten Zweck. Weiterhin großzügig zeigen sich besonders die Älteren.

Insgesamt reduzierten sich die Zuwendungen an Hilfsorganisationen, gemeinnützige Organisationen und Kirchen um rund 65 Millionen Euro gegenüber dem Jahr 2008. Damit ist im Jahr 2009 der Bilanz des Helfens zufolge, eine vom Deutschen Spendenrat in Auftrag gegebene Studie, das Gesamtspendenvolumen um drei Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro gesunken.

Auch die Spenderquote rutschte erstmals unter die 20-Prozent-Marke, berichtete der Deutsche Spendenrat in Berlin. Nicht einmal jeder Fünfte gab somit Geld für einen guten Zweck. Im Durchschnitt betrug die Spende 27 Euro, im Jahr 2008 waren es noch 27,90 Euro. "Seit 2005 geht die Zahl der Spender kontinuierlich zurück", sagte Daniela Felser vom Spendenrat.

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Besonders viel geben weiterhin die Älteren: Mehr als die Hälfte des Geldes wurde von Menschen über 60 Jahren gespendet, ermittelte das Marktforschungsunternehmen GfK Panel Service. Darin sehen Spendenrat und Marktforscher zugleich einen Grund für den Spendenrückgang: Denn zwei von fünf Spendern, und damit die größte Gruppe, werden durch ein persönliches Anschreiben gewonnen. "Bei älteren Spendern liegt die Quote sogar noch deutlich höher", sagte Marktforscher Roland Adler. Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise verschickten die Hilfsorganisationen Anfang 2009 jedoch fast ein Fünftel weniger postalische Spendenaufrufe als im Vorjahr.

Bei dem Haiti-Erdbeben zeigten sich hingegen viele Deutsche hilfsbereit: Im Januar und Februar 2010 wurden 155 Millionen Euro mehr gespendet als im Vorjahreszeitraum. Dies ist aber nicht mit der großen Solidarität nach dem Tsunami zur Jahreswende 2004/05 zu vergleichen. Damals kamen im ersten Monat nach der Katastrophe 80 Prozent mehr private Spenden als in Durchschnittsmonaten zusammen. Vermutlich war durch die vielen deutschen Todesopfer und den Zeitpunkt der Katastrophe am zweiten Weihnachtsfeiertag die persönliche Betroffenheit und Spendenbereitschaft deutlich höher.

Neben der Not- und Katastrophenhilfe spenden die Deutschen den Zahlen zufolge vor allem für Kinderprojekte. "Dieser Trend nimmt seit Jahren zu", sagte Felser. "Wir können noch nicht absehen, inwieweit die größeren und kleineren Skandale in der Kirche oder etwa bei Berliner Hilfseinrichtungen sich weiter negativ auf die Spendenbereitschaft auswirken." Ein wichtiges Mittel dagegen sei ihrer Meinung nach mehr Transparenz.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum wird weniger gespendet - weil weniger Spendenaufrufe verschickt werden? Sonst keine Gründe? Wie weltfremd!

    Normale Angestellte bestreiten aus ihrem Lohn/Gehalt das Familienleben, wenn sie nicht Beamte oder im Öfftl. Dienst sind die Altervorsorge (beider Ehepartner!) sowie die Ausbildung ihrer Kinder. Und das bei real seit Jahren gesunkenen Gehältern, schließlich ist Deutschland nicht mehr der kranke Mann Europas. Wo, bitte soll da noch die Spenderei Platz haben?

    Demgegenüber haben viele Rentner, die mit ihren Nettorenten kaum niedriger liegen als unsereins mit den wie oben erwähnt zu verwendenden Nettolöhnen, Vergünstigungen beim Besuch des Schwimmbads, des Museums und anderer Öfftl. Einrichtungen. Die können also gut noch spenden. Aber: sie werden halt mit der Zeit auch weniger.

    Es kann eben nur unten rauskommen, was oben reingeht. Und das wird halt immer weniger.

  2. ...denn heute muß man den arbeitslosen Bruder oder dem Schwiegersohn auf H-IV helfen. Da bleibt nicht viel übrig für den Rest der Welt.

  3. 3. Nunja,

    selbst für den gut situierter Aufstocker, oder gar die üppigen Schwelger in den reichen Segnungen von Hartz IV, sitzt das Geld eben nicht mehr ganz so locker.
    Das braucht man nun halt selbst für den dicke Pullover im Winter, sowie reichlich Alkohol, Chips und fettes Fastfood, für die adäquate Bestreitung eines durchschnittlichen Alltags des typischen Langzeit-Arbeitslosen vor der Glotze (so aus der "kundigen" Sichtweise unserer feinen Politiker vom Format eines Sarrazin, Beck, Mißfelder oder Westerwelle).

    Is klar, nä!?

  4. sind wir nicht so Spendenbereit? Bestimmt weil wir die teilnahmslose Spass Generation sind?

    20 % der Deutschen zahlen 80% der Steuern und der Renten der Alten. Die jüngere Generation zahlt ausserdem für die unersätttliche Bereicherung der vorhergegangenen und die Altlasten die sie uns hinterlassen hat.

    Die Summe der Vermögen auf den Banken (bestimmt nicht die der jüngeren) beläuft sich inzwischen auf 8000 Milliarden Euro! Seit 1990 hat sich diese Zahl verdreifacht und steigt weiter exponentiell bei (als direkter Folge) rückläufiger Lohnentwicklung.

    Die (überall versteckten) Zinsen für diese Unsummen aufzubringen und gleichzeitg ein akzeptables Leben zu führen ist füpr viele schon unmöglich.
    Nach Jahrzehntelanger Umverteilung von unten nach oben also ist die Masse der arbeitenden Generation nicht mehr in der Lage Solidarität zu zeigen.

    Andere jedoch könnten besser als jeh zuvor.
    Wie ist es denn mit unseren Milliardären? Anton Schlecker, der Geizhals von der Alb, macht es doch vor wie man drauf ist wenn man in diesem Land nach oben kommen will.

    Ist denn von ihm und den anderen Gewinnern im "Geiz ist Geil" Staat Solidarität zu erwarten?
    Solidarität ist out. Wer Solidarisch ist ist der Depp. Man bringt seine angeeigneten millionen lieber in Steuerparadise um ja nix dem invaliden Nachbarn abtreten zu müssen.

    Ab und zu lassen sie dann doch ein Paar Brotkrumen fallen.
    "Den Euro nehmen den Cent geben." Für ein ruhiges Gewissen und einen gesunden schlaf. Na dann gute Nacht.

    • mulchi
    • 08.04.2010 um 16:54 Uhr

    In dem Artikel wird auch die Spendenbereitschaft gegenüber den Kirchen erwähnt.

    Die Kirchen bekommen doch sowieso schon von jedem der noch Mitglied in einer eben solchen ist monatlich eine Spende direkt vom Lohn?

    Aber vielleicht ist hier auch schon berücksichtigt, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten. Vielleicht fließt die gesparte Kirchensteuer ja bei dem ein oder anderen in sinnvollere Institutionen und nicht nur in Konsum.

    • Timo K
    • 08.04.2010 um 17:06 Uhr

    Auf dem Bildungsbatzen im Haushalt würden die sofort auffallen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Kommentare 23
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  • Schlagworte Unicef | Finanzen | Spenden | Haiti | Euro | Hilfsorganisation | Berlin
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