Stuttgarter Diskriminierungsprozess Lasst uns ostdeutsch sein!

Weil eine Ostdeutsche ihre Job-Bewerbung mit dem Hinweis auf ihre Herkunft zurückerhalten hat, klagt sie nun vor Gericht. Der Fall zeigt: Ostdeutsche müssen sich noch immer tarnen. Ein Kommentar

Für eine gemeinsame deutsche Identität braucht es selbstbewusste Ostdeutsche. Die aber passen sich allzu sehr an

Für eine gemeinsame deutsche Identität braucht es selbstbewusste Ostdeutsche. Die aber passen sich allzu sehr an

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass die Frage jetzt vor Gericht ausgetragen wird. Zwanzig Jahre sind seit der Deutschen Einheit vergangen; zwanzig Jahre, in denen Umfragen, Forschungen und Wahlergebnisse immer wieder von der Mauer in den Köpfen, von zwei Parallelgesellschaften berichteten. Und nun soll ein Richter entscheiden, ob es denkbar ist, dass Ostdeutsche diskriminiert werden. Genauer: Ob die Ostdeutschen überhaupt die rechtliche Voraussetzung dafür erfüllen, ob sie nämlich eine Ethnie sind.

Eine Ethnie ist eine Gruppe von Menschen, die sich durch gemeinsame Bräuche, Sprache, Kultur, Vergangenheit von anderen abgrenzt oder abgegrenzt wird. Eine Ostdeutsche, deren Bewerbung ihr mit dem handschriftlichen Vermerk "(-) Ossi" zurückgesandt wurde, klagt nun vor Gericht, sie sei Teil einer Ethnie und als solche diskriminiert worden. Nun kann man trefflich darüber diskutieren, ob Ostdeutsche eine Ethnie im wissenschaftlichen Sinne sind. Tragisch aber ist, dass es ja wirklich umstritten ist, ob es die Ostdeutschen als Gruppe, als Identität, als Selbst- und Fremdzuschreibung gibt.

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Glaubt man Politikern und Medien, gab es sie mal. Sie haben sich aber spätestens nach der Weltmeisterschaft und der Wahl der ostdeutschen Kanzlerin in ein gesamtdeutsches Kollektiv assimiliert. Die Jungen, so dieser Tenor, hätten die DDR in eigener Anschauung gar nicht mehr erlebt und seien von Geburt an Gesamtdeutsche. Übrig blieben regionale Unterschiede, nicht dramatischer als die zwischen Nord- und Süddeutschen. So weit, so banal.

Doch viele Westdeutsche, das zeigt der Stuttgarter Fall, wissen noch immer zu unterscheiden. "Ossi" prangte auf der Bewerbungsablehnung der Buchhalterin. Der Personalchef des angeschriebenen Unternehmens nutzte dabei einen bestehenden gemeinsamen Zeichenvorrat. Ossi. Mehr brauchte er nicht zu sagen. Offenbar hat die Buchhalterin einen Fehler begangen.

Fast jeder Ostdeutsche, der die Wende bewusst erlebt hat, kann von dem Gefühl berichten, unterlegen zu sein; die falschen Klamotten, die falsche Frisur, die falschen Ansichten zu tragen. Was wir daraus gelernt haben? Wir passen uns an. Wir wissen, was Brandt, Adenauer, 1968 und der Berner Weltmeistertitel für den Westen bedeuten. Wir lesen Magazine, in denen wir erfahren, welche Kindheitssehnsüchte Westdeutsche haben. Wir lernen, was man sagen muss, um ein guter Ostdeutscher zu sein.

Dazu gehört, froh über die Einheit zu sein und die westdeutsche Demokratie zu schätzen, weil man in totalitären Zuständen groß geworden ist. Der gute Ostdeutsche will was werden und lässt sich nicht hängen. Er hasst Provinzialität und spricht hochdeutsch. Das zieht sich bis hinauf zur Bundeskanzlerin. Nun könnte man das ja hinnehmen. Allzu viel Erhaltenswertes war in diesem kleinbürgerlichen Land ja auch wirklich nicht. Allerdings, das ist zu sehen, gibt es Verdauungsprobleme. Wie sonst könnte Georg-Paul Hefty in der FAZ die von-der-Leyensche Krippenbetreuung mit dem Hinweis ablehnen, noch seien die massenpsychologischen Auswirkungen der DDR-Kindererziehung nicht erforscht? Wie könnte Maxim Biller beklagen, die "coole" BRD sei von einem demokratieunfähigen Mob "ossifiziert" worden?

Der Osten und die Ostdeutsche wecken nicht nur in der westdeutschen Provinz, sondern auch in Eliten noch Vorbehalte. Niemand weiß, was man mit dem Osten anfangen soll, außer, ihn zu vergessen. Das weiß, wer sich einmal eine Politikerrede am Tag der Deutschen Einheit anhörte.

Weitverbreitet ist die These, dem Osten mangele es an demokratischer Kultur. Es habe dort kein 68, keine Auseinandersetzung der Jungen mit ihren in die Diktatur verstrickten Alten gegeben. Wie aber sollen die Ostdeutschen demokratisch durchlüften, wenn Junge und Alte sich andauernd ganz woanders, nämlich in einem begrifflich vakuumösen "Gesamtdeutschland" tarnen müssen? Sobald sie sich auch nur als Ostdeutsche bezeichnen, begeben sie sich in die Gefahr, als rückwärtsgewandt und ostalgisch zu gelten.

Es hilft nichts, wir müssen über das Vergangene reden. Ostdeutsche mit Ostdeutschen über das, was die DDR so brutal machte. Und Ostdeutsche mit Westdeutschen über ihre Unterschiede. Erst dann kann das Nachwendedeutschland etwas anderes als künstlich sein. Dazu aber braucht es selbstbewusste Identität. Die könnte den Ostdeutschen vor lauter Anpasserei eines Tages verloren gehen. Gut daher, dass es den Stuttgarter Prozess gibt. Vielleicht hilft er mit aufdecken, wie lange es noch dauert, bis es keine Ostdeutsche mehr gibt. Es wäre fatal.
 

 
Leser-Kommentare
    • eklipz
    • 15.04.2010 um 17:31 Uhr

    "Es hilft nichts, wir müssen über das Vergangene reden. Ostdeutsche mit Ostdeutschen über das, was die DDR so brutal machte. Und Ostdeutsche mit Westdeutschen über ihre Unterschiede."

    und "Westdeutsche" brauchen nichts zu machen? Sie müssen nicht mit "Westdeutschen" reden? Und "Ostdeutsche" müssen mit "Westdeutschen" reden, die Westdeutschen brauchen also nur passiv abwartend, bis die Ossis kommen?

    das hört sich doch nach dem ständigen Vorwurf an, dass die Ossis ja nichts dafür täten, sich ins "Kollektiv" einzufügen...

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    gegen Ignoranz (der besagten Stuttgarter und deren Gesinnungsgenossen) KANN man nichts tun. Abwarten bis diese Generation veraltet ist. Leider.

    gegen Ignoranz (der besagten Stuttgarter und deren Gesinnungsgenossen) KANN man nichts tun. Abwarten bis diese Generation veraltet ist. Leider.

    • Helix_
    • 15.04.2010 um 17:38 Uhr

    Ob Ethnie oder nicht, wenn das AGG nicht vor solchen Fällen schützt, ist das AGG kaputt. § 1 AGG wirkt zu beschränkend.

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    • joG
    • 17.04.2010 um 15:38 Uhr

    ....zumal die Begriffsbestimmung der Ethnie durchaus Ost- und Westdeutsche unterschiedlich klassifizieren würde.

    • joG
    • 17.04.2010 um 15:38 Uhr

    ....zumal die Begriffsbestimmung der Ethnie durchaus Ost- und Westdeutsche unterschiedlich klassifizieren würde.

    • Komabe
    • 15.04.2010 um 17:38 Uhr

    Wir Kapitalisten achten eher auf Wertschöpfung und materielle Dinge, sind aber unfähig zu akzeptieren, dass auch dies nur ein Raster von vielen möglichen ist. Die DDR war nun mal -außenpolitische Rechtslage einmal aussen vor- ein anderer Staat mit einer anderen Ideologie. Nicht besser, nicht schlechter, nur anders. Die DDR wurde von uns einverleibt, weitgehend in beiderseitigem Einverständnis, dafür rühmen wir Wessis uns gerne. Vergessen aber auch, dass einige der Schönheiten der DDR wir nicht erkennen können, wir sehen nur die Stasi als den strafenden Vater, nicht aber die fürsorgende Mutter, beispielsweise die Unbesorgnis um Arbeitsplatzsicherheit und vergessen darüber hinaus, dass wir uns die politische Einheit auch gesellschaftlich verdienen müssen. Der Stab der Dummheit wurde '90 von uns Ostfriesen an die Ossis weitergegeben, ein fieser ostdeutscher Akzent ist heute das Synonym für Dummheit. Und jetzt kommt so ein Artikel, der die Ossis auch noch beschuldigt, nicht selbstbewusst genug zu sein und auch noch in einem Land gelebt zu haben, das man nur vergessen kann. Sag mal gehts noch? Wie können Sie sich anmaßen, so einseitig und unreflektiert zu urteilen? Und wie kann die ZEIT sich anmaßen, so einen Schund abzudrucken? Scham ist ein zu schwaches Wort, das hier ist fast schon Volksverhetzung gegen einen Teil Deutscher, die wir einst -UND IMMER NOCH- so gerne bei uns haben!

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    Ich sehe es keineswegs als Lobhudelei, sondern als eine reife Sicht auf den Sachverhalt. Ihr Kommentar ist für mich der eigentliche Artikel...

    "Die DDR war nun mal -außenpolitische Rechtslage einmal aussen vor- ein anderer Staat mit einer anderen Ideologie. Nicht besser, nicht schlechter, nur anders."

    Na also hören Sie mal! Ein Staat, der seine Bürger mit Todesstreifen, Selbstschußanlagen und Bespitzelung einsperren muß, ihnen fundamentale Menschen- und Bürgerrechte vorenthält, ist nicht schlechter, sondern nur anders? Da haben wir aber sehr unterschiedliche Ansichten davon, was einen guten Staat auszeichnet.

    Ich sehe es keineswegs als Lobhudelei, sondern als eine reife Sicht auf den Sachverhalt. Ihr Kommentar ist für mich der eigentliche Artikel...

    "Die DDR war nun mal -außenpolitische Rechtslage einmal aussen vor- ein anderer Staat mit einer anderen Ideologie. Nicht besser, nicht schlechter, nur anders."

    Na also hören Sie mal! Ein Staat, der seine Bürger mit Todesstreifen, Selbstschußanlagen und Bespitzelung einsperren muß, ihnen fundamentale Menschen- und Bürgerrechte vorenthält, ist nicht schlechter, sondern nur anders? Da haben wir aber sehr unterschiedliche Ansichten davon, was einen guten Staat auszeichnet.

  1. Die wirklich interessante frage oder gar umfrage ist doch wohl: wer ist denn schon wirklich in der Berliner Republik angekommen??? Das es sich in der miefigen Bonner Republik immernoch gemuetlicher leben laesst als in der spiessigen DDR ist doch wohl keine diskusion wert. ich glaube das der anteil gescheiterter oder nostalgiker bei dieser umfrage in west und ost aehnlich hoch waeren!

    • Tobi_G
    • 15.04.2010 um 17:52 Uhr

    ..., das ich in Deutschland u.A. sehe, ist dass man nicht mehr die Wahrheit sagen darf. Will ich einen "Ossi" nicht einstellen, darf ich das nicht sagen. Will ich keine "Türken" in meiner Wohnung, darf ich das auch nicht sagen. Es sind aber in diesem Fall "meine" Firma und "meine" Wohnung. Warum darf ich darüber nicht selbst bestimmen? Hat man kein Recht mehr auf seine eigene Meinung - und sei sie Vorureilsbehaftet?

    Deutschland verkommt immer mehr zum Lügnerland. Wundert mich nicht - unsere selbsternannte "Elite" lebt es ja seit Jahrzehnten vor. Mit solchen Urteilen werden Lügen dem Volk verordnet. Doppeldenk nannte Orwell das.

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    mit einem verständlichen Grund? "Ossi" und "Türke" sind für mich keine Argumente...

    mit einem verständlichen Grund? "Ossi" und "Türke" sind für mich keine Argumente...

  2. "Es hilft nichts, wir müssen über das Vergangene reden." Meine persönliche Erfahrung ist, dass Westdeutsche sich schlicht nicht für die DDR interessieren und auf gar keinen Fall breit sind, ihre eigene Weltsicht zu hinterfragen. Im Gegensatz zu den Ossis, hatten die Wessis schlicht keinen Anlass, das zu tun. Oder sie haben es bereits 1968 getan. Wie auch immer, diese Probleme werden mit den kommenden Generationen verschwinden.

    PS: Ich kenne auch keinen einzigen Ossi, der die FAZ liest. Ich selbst habe es mehrmals versucht, aber warum soll ich für eine Zeitung bezahlen, die mich ständig indirekt beleidigt?

  3. Wie soll jemand, der in seiner Bewerbung noch DDR-deutsch auftritt, zu einem Vorstellungsgespräch geladen werden? Offensichtlich sah alles so nach N(ost)algie aus, dass die interne Bewertung den Stempel aufdrückte. Dieses Stigma betrifft - wenn auch anders - auch Behinderte, wenn sie ihre Behinderung erwähnen, Listenkräfte, die man aus irgendwelchen Gründen indexiert hat, und andere. Gegen diese Ansprüche/Anschauungen kommt man nicht an. Daran krankt auch unser System. Menschlichkeit wird klein geschrieben. Kallewestrich

  4. @Komabe
    Und wie können Sie sich anmaßen, eine derartige Lobhudelei über einen Unrechtsstaat zu verfassen. Sie behaupten, der Westen habe sich die DDR einverleibt. Ich kann mich gut daran erinnern, dass die Menschen dort auf die Straße gegangen sind und geschrien haben "Wir sind ein Volk". Sie hatten die Schnauze gestrichen voll. Und mit ihren gesicherten, aber unproduktiven Arbeitsplätzen ist die DDR geradewegs in den Ruin marschiert. Noch heute zahlt der Westen jährlich Milliarden für die "blähenden Landschaften" und jeden Monat werde ich auf meiner Gehaltsabrechnung mit dem "Soli" daran erinnert. All diese Worte sind keineswegs gegen die Menschen aus den neuen Bundesländern gerichtet. Sie sollen nur Ihre Lobhudelei ein wenig gerade rücken.

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    war die DDR reif zum untergand und das volk hat zum einzigen male in der deutschen geschichte ein system erfolgreich beseitigt und noch dazu auf friedliche art und weise. Fuer deine "blaehenden landschaften" koennen die bewohner dieses landstriches allerdings weniger als 20 jahre nachwende politik, die ja bekanntlich kaum mit personal vor ort bestritten wurde. Dafuer war eine braesige selbstueberschaetzung der eigenen kraft der bonner republik und unterschaetzung der veraenderten weltpolitischen lage verantwortlich. Nun ernten die politiker ihre fruechte: aus dem dynamischsten und hungrigsten teil der bevoelkerung wurde das was wir heute sehen...

    • BerndL
    • 16.04.2010 um 7:57 Uhr

    Die Ossis auf der Straße haben geschrien:
    Wir sind DAS Volk!
    Sie wollten die DDR verbessern- aber eine Wiedervereinigung wollten sie nicht.
    Die ausuferenden Kosten für den Osten haben ihre Ursache darin, daß unter Kohl dort alles plattgewalzt, de facto deindustriealisiert, wurde.

    Wir Ostdeutschen sind in erster Linie auf die Straße gegangen, um unseren System zu zeigen, dass wir es nicht mehr länger hinnehmen wollen. Die "Einverleibung" ist freilich die naheliegendste Alternative gewesen, jedoch hat sie bewirkt, dass ein großer Teil meiner Landsleute ihre Identität verloren hatte. Sie müssen verstehen, wie wir uns fühlen, wenn auf einmal das bisherige Tun keinen Wert mehr hat. Können sie so viel Empathie aufbringen? Wie können sie uns Ostdeutsche nur auf die Kosten reduzieren, die auch wir mittragen. "Blühende Landschaften" hat Kohl versprochen, in seiner verständlichen Euphorie, nicht die Ostdeutschen. Wir sind dankbar für die Hilfe, aber erwarten auch Respekt!

    Dies ist doch genau das Problem was „Komabe“ anspricht. Statt nachzufragen wie es wirklich war, wird wiedergegeben was in den damaligen Medien gezeigt wurde. Wer wirklich wissen will, was im Osten Deutschlands die Menschen 1989/1990 bewegte, kann gerne auf rund 15 Millionen Deutsche zurückgreifen.

    Ich denke dabei nur an einen guten Freund der damals in Plauen auf die Straße ging. Er erzählt immer wieder gerne, am Anfang hieß es noch „Wir sind das Volk“. Damals existierten nur schlecht selbstgemalte Plakate und Banner. Fünf Demos später tauchten auf einmal schicke Plakate auf mit den Slogan „Wiedervereinigung und wir wollen die DM“ Komisch war nur, kaum ein Betrieb der DDR verfügte über die Techniken solche Plakate herzustellen.

    Zum Urteil kann ich nur sagen, es verstößt vielleicht nicht gegen das AGG, könnte aber immer noch eine Beleidigung im Sinne des Strafrechts sein. Im Übrigen sollte man auch noch erwähnen, das Unternehmen beschäftigt mehrere Ostdeutsche. Von einer Diskriminierung würde ich aus diesem Grund auch nicht sprechen.
    http://www.kostenlose-urt...

    war die DDR reif zum untergand und das volk hat zum einzigen male in der deutschen geschichte ein system erfolgreich beseitigt und noch dazu auf friedliche art und weise. Fuer deine "blaehenden landschaften" koennen die bewohner dieses landstriches allerdings weniger als 20 jahre nachwende politik, die ja bekanntlich kaum mit personal vor ort bestritten wurde. Dafuer war eine braesige selbstueberschaetzung der eigenen kraft der bonner republik und unterschaetzung der veraenderten weltpolitischen lage verantwortlich. Nun ernten die politiker ihre fruechte: aus dem dynamischsten und hungrigsten teil der bevoelkerung wurde das was wir heute sehen...

    • BerndL
    • 16.04.2010 um 7:57 Uhr

    Die Ossis auf der Straße haben geschrien:
    Wir sind DAS Volk!
    Sie wollten die DDR verbessern- aber eine Wiedervereinigung wollten sie nicht.
    Die ausuferenden Kosten für den Osten haben ihre Ursache darin, daß unter Kohl dort alles plattgewalzt, de facto deindustriealisiert, wurde.

    Wir Ostdeutschen sind in erster Linie auf die Straße gegangen, um unseren System zu zeigen, dass wir es nicht mehr länger hinnehmen wollen. Die "Einverleibung" ist freilich die naheliegendste Alternative gewesen, jedoch hat sie bewirkt, dass ein großer Teil meiner Landsleute ihre Identität verloren hatte. Sie müssen verstehen, wie wir uns fühlen, wenn auf einmal das bisherige Tun keinen Wert mehr hat. Können sie so viel Empathie aufbringen? Wie können sie uns Ostdeutsche nur auf die Kosten reduzieren, die auch wir mittragen. "Blühende Landschaften" hat Kohl versprochen, in seiner verständlichen Euphorie, nicht die Ostdeutschen. Wir sind dankbar für die Hilfe, aber erwarten auch Respekt!

    Dies ist doch genau das Problem was „Komabe“ anspricht. Statt nachzufragen wie es wirklich war, wird wiedergegeben was in den damaligen Medien gezeigt wurde. Wer wirklich wissen will, was im Osten Deutschlands die Menschen 1989/1990 bewegte, kann gerne auf rund 15 Millionen Deutsche zurückgreifen.

    Ich denke dabei nur an einen guten Freund der damals in Plauen auf die Straße ging. Er erzählt immer wieder gerne, am Anfang hieß es noch „Wir sind das Volk“. Damals existierten nur schlecht selbstgemalte Plakate und Banner. Fünf Demos später tauchten auf einmal schicke Plakate auf mit den Slogan „Wiedervereinigung und wir wollen die DM“ Komisch war nur, kaum ein Betrieb der DDR verfügte über die Techniken solche Plakate herzustellen.

    Zum Urteil kann ich nur sagen, es verstößt vielleicht nicht gegen das AGG, könnte aber immer noch eine Beleidigung im Sinne des Strafrechts sein. Im Übrigen sollte man auch noch erwähnen, das Unternehmen beschäftigt mehrere Ostdeutsche. Von einer Diskriminierung würde ich aus diesem Grund auch nicht sprechen.
    http://www.kostenlose-urt...

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  • Schlagworte FAZ | Maxim Biller | Weltmeisterschaft | DDR
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