Das Amtsgericht Regensburg verurteilte den katholischen Bischof Richard Williamson in Abwesenheit. Der zur erzkonservativen Piusbruderschaft gehörende Geistliche hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen den Holocaust geleugnet. Weil fast zeitgleich mit der Ausstrahlung des Interviews Anfang vergangenen Jahres Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation des 70-Jährigen und dreier weiterer Piusbischöfe aufhob, gab es weltweit Kritik am Papst.

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Strafe in Höhe von 12.000 Euro gefordert hatte. Einen Strafbefehl über diese Summe hatte Williamson im Vorfeld abgelehnt. Deshalb kam es zum Prozess.

Der Verteidiger des britischen Bischofs plädierte auf Freispruch. Er bestritt zwar nicht, dass sein Mandant den Holocaust geleugnet habe. Aber Williamson habe nicht vorsätzlich gehandelt. Der Geistliche habe die Journalisten des schwedischen Fernsehsenders SVT 1 ausdrücklich darauf hingewiesen habe, das Interview nicht in Deutschland auszustrahlen, da die Holocaust-Leugnung dort strafbar ist.

Seine strafbaren Aussagen nahm Williamson nicht zurück. Die Piusbruderschaft hatte dem Bischof nach den Worten seines Verteidigers verboten, persönlich vor Gericht zu erscheinen.

Williamson hatte in dem Interview mit SVT 1 gesagt: "Ich glaube, es gab keine Gaskammern... Ich glaube, dass zwei- oder dreihunderttausend Juden in Nazi-Konzentrationlagern umkamen, aber nicht so." Er glaube nicht, "dass sechs Millionen Juden vergast wurden".

Der Fernsehbeitrag wurde genau zu dem Zeitpunkt gesendet, als der Papst die einst verstoßene ultrakonservative Piusbruderschaft rehabilitierte und die Exkommunikation des Briten und der drei anderen Pius-Bischöfe aufhob. In der Folge war der Vatikan, wie aktuell beim Missbrauchsskandal, wochenlang Diskussionen ausgesetzt.

Die von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Bruderschaft wendet sich gegen eine Modernisierung der katholischen Kirche und lehnt außerdem die Ökumene und den interreligiösen Dialog ab. Kritiker sprechen von einem antidemokratischen, mittelalterlichen Denken.