ArbeitsbedingungenSuizid-Serie bei taiwanesischem iPhone-Hersteller

Seit Januar haben sich neun Beschäftigte des Elektronikkonzerns Foxconn in den Tod gestürzt. Die Arbeitsbedingungen sollen miserabel sein, was das Unternehmen bestreitet.

Der weltgrößte Elektronikproduzent Foxconn sieht sich mit einer Serie von Selbsttötungen in seiner Belegschaft konfrontiert. Am Dienstag starb ein Arbeiter, nachdem er sich vom Dach einer Fabrik im südchinesischen Shenzhen gestürzt hatte, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Es war der neunte Todesfall dieser Art bei Foxconn seit Anfang des Jahres. Der letzte datiert auf den vergangenen Freitag. Zwei weitere Angestellte wurden infolge versuchter Suizide schwer verletzt.

Die Selbsttötungen lösten eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei dem taiwanesischen Hersteller aus, der für Konzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Sony oder Nokia produziert. Die Beschäftigten beklagen lange Arbeitszeiten, hohen Druck, niedrige Bezahlung, strenge Disziplin sowie schlechte Behandlung durch Vorgesetzte. "Wir sind extrem müde, haben ungeheuren Druck", zitierte die in New York ansässige Organisation China Labor Watch aus Interviews mit Foxconn-Arbeitern. "Wir beenden einen Arbeitsvorgang alle sieben Sekunden." Dafür sei Konzentration nötig. "In jeder Schicht (zehn Stunden) fertigen wir 4000 Dell-Computer – alles im Stehen." 17 der 25 interviewten Arbeiter führten die Suizide auf den hohen Arbeitsdruck zurück, wie China Labor Watch berichtete.

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In einem offenen Brief verwiesen neun chinesische Sozialwissenschaftler zudem auf die Isolation vieler Wanderarbeiter vom Lande, die auch bei Focxonn beschäftigt sind. Sie sähen keine andere Option, als in den Städten nach Jobs zu suchen, die aber schlecht bezahlt und ohne Aussicht auf eine Zukunft seien. "In dem Moment, wo sie wenig Möglichkeiten sehen, durch harte Arbeit in den Städten ein Zuhause zu bauen, bricht die Bedeutung ihrer Arbeit in sich zusammen", heißt es. "Der Weg nach vorne ist blockiert, der Rückzug versperrt."

In dem Werk Shenzhen arbeiten allein 300.000 Menschen. Insgesamt beschäftigt Foxconn in China 800.000 Mitarbeiter. Die Arbeiter wohnen zumeist in Wohnheimen auf dem Fabrikgelände und leben ohne soziales Netz. Kontakte untereinander gibt es kaum. Eine Arbeiterin sagte der Zeitung China Daily : "Wir verbringen die Freizeit meist mit Schlafen und Surfen im Internet - wir gehen selten raus."

Der Vorsitzende der Hon-Hai-Gruppe, zu der Foxconn gehört, bestritt die Vorwürfe gegen sein Unternehmen. "Foxconn ist kein Ausbeuterbetrieb", sagte Terry Kuo am Montagabend. Man versuche aktiv, Selbsttötungen vorzubeugen. Details nannte er nicht. Kuo hob hervor, dass die breite Berichterstattung über die Fälle möglicherweise zur Nachahmung angeregt haben könnte.

Die Organisation Studenten und Lehrer gegen schlechte Unternehmensführung in Hongkong forderte Foxconn auf, die Gründe für die Suizide zu untersuchen. Die Todesrate sei "nicht normal". Zudem kündigte die Organisation einen Aufruf zum weltweiten Boykott des iPhone von Apple an.

 
Leserkommentare
  1. "In dem Werk Shenzhen arbeiten allein 300.000 Menschen. Insgesamt beschäftigt Foxconn in China 800.000 Mitarbeiter."

    9 Selbstmorde auf 800.000 Mitarbeiter in einem halben Jahr, das kann man doch nicht von einer Suizid Serie sprechen.
    Laut Wikipedia hat China eine Suizid Rate von ueber 13 pro 100.000 Einwohner.
    Hochgerechnet ergibt es mit diesen 9 Opfern eine Rate von 2.3(!) pro 100.000 Mitarbeiter (9/8*2). Das waere ein sehr niedriger Wert.

    "17 der 25 interviewten Arbeiter führten die Suizide auf den hohen Arbeitsdruck zurück, wie China Labor Watch berichtete."

    Booaahh 25 befragte Arbeiter auf 800.000, sehr aussagekraeftig...

    Was soll das bitte?

    http://de.wikipedia.org/w...

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/lv

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    Eine Suizid Rate von ueber 13 pro 100.000 Einwohner heißt: 13 Menschen von 100.000 begehen irgendwann in ihrem Leben Selbstmord.

    9 Suizide bei Foxconn seit Anfang des Jahres (das ist also noch kein halbes Jahr) heißt: 9 Menschen von 300.000 begehen innerhalb von knapp 6 Monaten Selbtmord.

    Sie vergleichen also Äpfel mit Birnen. (Einmal: total auf eine Zahl, und einmal: pro Zeitraum)

    So wie es aussieht, haben die Selbstmorde ja mit den Arbeitsbedingungen zu tun. Da ist strenggenommen selbst 1 Selbstmord in der gesamten Geschichte des Unternehmens inakzeptabel. Man arbeitet, um zu leben. Nicht: Man lebt, um zu arbeiten.

    Nein ich habe schon richtig gerechnet! Es bedeutet von 100.000 Menschen töten sich 13 im Jahr. Gut ich war großzügig, habe auf 6 Monate aufgerundet, statt mit 5 Monaten un 25 Tagen zu rechnen, ich hoffe Sie können darüber hinweg sehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_Ländern

    @Quarax
    Ich will nicht über die Arbeitsbedingungen mutmaßen und falls es so ist wie im Artikel beschrieben, ist es natürlich schlimm und es muss etwas dagegen unternommen werden. Ich habe in den meinem Beitrag nur über die famosen Zahlen gesprochen..

    Ein Gruß

    Eine Suizid Rate von ueber 13 pro 100.000 Einwohner heißt: 13 Menschen von 100.000 begehen irgendwann in ihrem Leben Selbstmord.

    9 Suizide bei Foxconn seit Anfang des Jahres (das ist also noch kein halbes Jahr) heißt: 9 Menschen von 300.000 begehen innerhalb von knapp 6 Monaten Selbtmord.

    Sie vergleichen also Äpfel mit Birnen. (Einmal: total auf eine Zahl, und einmal: pro Zeitraum)

    So wie es aussieht, haben die Selbstmorde ja mit den Arbeitsbedingungen zu tun. Da ist strenggenommen selbst 1 Selbstmord in der gesamten Geschichte des Unternehmens inakzeptabel. Man arbeitet, um zu leben. Nicht: Man lebt, um zu arbeiten.

    Nein ich habe schon richtig gerechnet! Es bedeutet von 100.000 Menschen töten sich 13 im Jahr. Gut ich war großzügig, habe auf 6 Monate aufgerundet, statt mit 5 Monaten un 25 Tagen zu rechnen, ich hoffe Sie können darüber hinweg sehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_Ländern

    @Quarax
    Ich will nicht über die Arbeitsbedingungen mutmaßen und falls es so ist wie im Artikel beschrieben, ist es natürlich schlimm und es muss etwas dagegen unternommen werden. Ich habe in den meinem Beitrag nur über die famosen Zahlen gesprochen..

    Ein Gruß

    • Noyce
    • 25.05.2010 um 14:27 Uhr

    Der Verbraucher kann Einfluss üben, indem er bestimmte Produkte von Dell, Apple, Sony etc. Nicht mehr kauft! Klingt zunächst logisch, ist aber unrealistisch! Die Firmenkunden selbst könnten mit Leichtigkeit Druck auf Foxconn üben!

  2. Eine Suizid Rate von ueber 13 pro 100.000 Einwohner heißt: 13 Menschen von 100.000 begehen irgendwann in ihrem Leben Selbstmord.

    9 Suizide bei Foxconn seit Anfang des Jahres (das ist also noch kein halbes Jahr) heißt: 9 Menschen von 300.000 begehen innerhalb von knapp 6 Monaten Selbtmord.

    Sie vergleichen also Äpfel mit Birnen. (Einmal: total auf eine Zahl, und einmal: pro Zeitraum)

    So wie es aussieht, haben die Selbstmorde ja mit den Arbeitsbedingungen zu tun. Da ist strenggenommen selbst 1 Selbstmord in der gesamten Geschichte des Unternehmens inakzeptabel. Man arbeitet, um zu leben. Nicht: Man lebt, um zu arbeiten.

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    Vorweg: Ich möchte nichts verharmlosen. jeder Suizid ist einer zu viel. Kapitalistische Ausbeuter zu verteidigen liegt mir auch fern. Und Firmen wie Apple tragen Verantwortung, dafür zu sorgen das die Situation sich ändert.

    Aber! Zwei Dinge:

    1. Suizidrate in China

    2006 gab es 287.000 Suizide in China. (Quelle gegoogelt: http://www.welt.de/politi...) Ich gehe davon aus, dass die Zahl 2010 nicht sinken wird. Bei 1.300.000.000 Einwohnern sind das 0,022077 %. Macht 22,07 auf 100.000 Einwohner.

    Bei Foxconn arbeiten 800.000. 22,07 mal 8 = 176 Suizide wären in diesem Jahr zu erwarten, wenn ich die chinesische Suizidrate anwende.

    2. Die Überschrift. Ja, das iPhone kennt man. Apple ist in aller Munde. Da haben wir doch gleich den reisserischen Titel und einen Boykottaufruf. Das Sony wahrscheinlich in all den Jahren mehr Playstation 1 und 2 dort hat herstellen lassen? Ignorieren wir lieber. Schlagzeilen generieren Seitenaufrufe, Seitenaufrufe bringen Geld.

    Meh.

    Vorweg: Ich möchte nichts verharmlosen. jeder Suizid ist einer zu viel. Kapitalistische Ausbeuter zu verteidigen liegt mir auch fern. Und Firmen wie Apple tragen Verantwortung, dafür zu sorgen das die Situation sich ändert.

    Aber! Zwei Dinge:

    1. Suizidrate in China

    2006 gab es 287.000 Suizide in China. (Quelle gegoogelt: http://www.welt.de/politi...) Ich gehe davon aus, dass die Zahl 2010 nicht sinken wird. Bei 1.300.000.000 Einwohnern sind das 0,022077 %. Macht 22,07 auf 100.000 Einwohner.

    Bei Foxconn arbeiten 800.000. 22,07 mal 8 = 176 Suizide wären in diesem Jahr zu erwarten, wenn ich die chinesische Suizidrate anwende.

    2. Die Überschrift. Ja, das iPhone kennt man. Apple ist in aller Munde. Da haben wir doch gleich den reisserischen Titel und einen Boykottaufruf. Das Sony wahrscheinlich in all den Jahren mehr Playstation 1 und 2 dort hat herstellen lassen? Ignorieren wir lieber. Schlagzeilen generieren Seitenaufrufe, Seitenaufrufe bringen Geld.

    Meh.

    • Quarax
    • 25.05.2010 um 16:21 Uhr

    Na, wenn Ihnen die Arbeitsbedingungen so gefallen, dann bewerben Sie sich doch.

  3. Nein ich habe schon richtig gerechnet! Es bedeutet von 100.000 Menschen töten sich 13 im Jahr. Gut ich war großzügig, habe auf 6 Monate aufgerundet, statt mit 5 Monaten un 25 Tagen zu rechnen, ich hoffe Sie können darüber hinweg sehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_Ländern

    @Quarax
    Ich will nicht über die Arbeitsbedingungen mutmaßen und falls es so ist wie im Artikel beschrieben, ist es natürlich schlimm und es muss etwas dagegen unternommen werden. Ich habe in den meinem Beitrag nur über die famosen Zahlen gesprochen..

    Ein Gruß

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    OK. Sie haben wohl nicht ganz unrecht mit Ihrem Kommentar. Ich verstand den Artikel auch erst so, dass diese 9 Selbstmorde nur in dem Werk mit den 300.000 Angestellten passiert sind.

    Aber wie auch immer: Letztlich ist der Artikel ein "Zahlen um sich werfen" und etwas plakativ wirkendes Wettern gegen ein paar große Hersteller, inbesondere Apple (siehe Überschrift).

    Ob das sachlich ist, ist fraglich.

    OK. Sie haben wohl nicht ganz unrecht mit Ihrem Kommentar. Ich verstand den Artikel auch erst so, dass diese 9 Selbstmorde nur in dem Werk mit den 300.000 Angestellten passiert sind.

    Aber wie auch immer: Letztlich ist der Artikel ein "Zahlen um sich werfen" und etwas plakativ wirkendes Wettern gegen ein paar große Hersteller, inbesondere Apple (siehe Überschrift).

    Ob das sachlich ist, ist fraglich.

  4. 6. Pardon

    Natürlich sind erst fast 5 Monate in diesem Jahr vergangen, die Zahlen ändern sich aber nur unwesentlich (2,7)

  5. Vorweg: Ich möchte nichts verharmlosen. jeder Suizid ist einer zu viel. Kapitalistische Ausbeuter zu verteidigen liegt mir auch fern. Und Firmen wie Apple tragen Verantwortung, dafür zu sorgen das die Situation sich ändert.

    Aber! Zwei Dinge:

    1. Suizidrate in China

    2006 gab es 287.000 Suizide in China. (Quelle gegoogelt: http://www.welt.de/politi...) Ich gehe davon aus, dass die Zahl 2010 nicht sinken wird. Bei 1.300.000.000 Einwohnern sind das 0,022077 %. Macht 22,07 auf 100.000 Einwohner.

    Bei Foxconn arbeiten 800.000. 22,07 mal 8 = 176 Suizide wären in diesem Jahr zu erwarten, wenn ich die chinesische Suizidrate anwende.

    2. Die Überschrift. Ja, das iPhone kennt man. Apple ist in aller Munde. Da haben wir doch gleich den reisserischen Titel und einen Boykottaufruf. Das Sony wahrscheinlich in all den Jahren mehr Playstation 1 und 2 dort hat herstellen lassen? Ignorieren wir lieber. Schlagzeilen generieren Seitenaufrufe, Seitenaufrufe bringen Geld.

    Meh.

    Antwort auf "schlechter Vergleich"
  6. Erinnert alles sehr an die "Suizidwelle" bei der France Télécom:
    http://www.spiegel.de/wir...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
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