Der weltgrößte Elektronikproduzent Foxconn sieht sich mit einer Serie von Selbsttötungen in seiner Belegschaft konfrontiert. Am Dienstag starb ein Arbeiter, nachdem er sich vom Dach einer Fabrik im südchinesischen Shenzhen gestürzt hatte, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Es war der neunte Todesfall dieser Art bei Foxconn seit Anfang des Jahres. Der letzte datiert auf den vergangenen Freitag. Zwei weitere Angestellte wurden infolge versuchter Suizide schwer verletzt.

Die Selbsttötungen lösten eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei dem taiwanesischen Hersteller aus, der für Konzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Sony oder Nokia produziert. Die Beschäftigten beklagen lange Arbeitszeiten, hohen Druck, niedrige Bezahlung, strenge Disziplin sowie schlechte Behandlung durch Vorgesetzte. "Wir sind extrem müde, haben ungeheuren Druck", zitierte die in New York ansässige Organisation China Labor Watch aus Interviews mit Foxconn-Arbeitern. "Wir beenden einen Arbeitsvorgang alle sieben Sekunden." Dafür sei Konzentration nötig. "In jeder Schicht (zehn Stunden) fertigen wir 4000 Dell-Computer – alles im Stehen." 17 der 25 interviewten Arbeiter führten die Suizide auf den hohen Arbeitsdruck zurück, wie China Labor Watch berichtete.

In einem offenen Brief verwiesen neun chinesische Sozialwissenschaftler zudem auf die Isolation vieler Wanderarbeiter vom Lande, die auch bei Focxonn beschäftigt sind. Sie sähen keine andere Option, als in den Städten nach Jobs zu suchen, die aber schlecht bezahlt und ohne Aussicht auf eine Zukunft seien. "In dem Moment, wo sie wenig Möglichkeiten sehen, durch harte Arbeit in den Städten ein Zuhause zu bauen, bricht die Bedeutung ihrer Arbeit in sich zusammen", heißt es. "Der Weg nach vorne ist blockiert, der Rückzug versperrt."

In dem Werk Shenzhen arbeiten allein 300.000 Menschen. Insgesamt beschäftigt Foxconn in China 800.000 Mitarbeiter. Die Arbeiter wohnen zumeist in Wohnheimen auf dem Fabrikgelände und leben ohne soziales Netz. Kontakte untereinander gibt es kaum. Eine Arbeiterin sagte der Zeitung China Daily : "Wir verbringen die Freizeit meist mit Schlafen und Surfen im Internet - wir gehen selten raus."

Der Vorsitzende der Hon-Hai-Gruppe, zu der Foxconn gehört, bestritt die Vorwürfe gegen sein Unternehmen. "Foxconn ist kein Ausbeuterbetrieb", sagte Terry Kuo am Montagabend. Man versuche aktiv, Selbsttötungen vorzubeugen. Details nannte er nicht. Kuo hob hervor, dass die breite Berichterstattung über die Fälle möglicherweise zur Nachahmung angeregt haben könnte.

Die Organisation Studenten und Lehrer gegen schlechte Unternehmensführung in Hongkong forderte Foxconn auf, die Gründe für die Suizide zu untersuchen. Die Todesrate sei "nicht normal". Zudem kündigte die Organisation einen Aufruf zum weltweiten Boykott des iPhone von Apple an.